Folge der orangenen Straße

Hot Wheels Unleashed im Test: Miniaturwunderland und heiße Raserei

  • Joost Rademacher
    VonJoost Rademacher
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Hot Wheels scheppert auf Plastikreifen zurück ins Gaming. Wir checken im Test, ob Hot Wheels Unleashed das Rennen macht oder ob schon die nächste Leitplanke winkt.

Hamburg – Das Genre der Arcade-Rennspiele sieht heutzutage nicht mehr allzu viele neue Releases. Kein Wunder, kaum ein Entwicklerstudio will sich noch mit dem Klempner mit der roten Mütze und seiner Kart-Raserei anlegen. Nur selten passiert es mal, dass ein mutiges Team einen Versuch wagt, seinen Rennstall an den Start dagegen zu bringen – zum Beispiel jetzt bei Milestone und Hot Wheels. Das italienische Studio will mit Hot Wheels Unleashed den Arcade-Rennspielen seinen Stempel aufzudrücken.

Name des SpielsHot Wheels Unleashed
Release27. September 2021
HerausgeberMilestone
EntwicklerMilestone
PlattformPS4, PS5, Xbox One, Xbox Series X/S, Nintendo Switch, PC
GenreArcade-Rennspiel

Hot Wheels Unleashed im Test: Literweise Nostalgie im Tank

Der Gedanke an Hot Wheels schaltet in mir immer längst verloren geglaubte Erinnerungen an Nachmittage in der Grundschulzeit frei. Wir tranken Apfelschorle aus Plastikbechern und aßen Butterkekse, während wir unsere Hot Wheels-Autos verglichen und über einen Straßenteppich jagten. In meiner Zeit mit Hot Wheels Unleashed musste ich öfters an diese Nachmittage denken.

Das Spiel begrüßt euch direkt zu Beginn mit drei Kisten, aus denen ihr zufällig eure ersten drei Autos bekommt. Es ist irgendwie passend, dass das erste, was das Spiel zeigt, ein paar der namensgebenden Hot Wheels sind. Ich habe in meiner Vorschau zu Hot Wheels Unleashed vor einigen Monaten geschrieben, dass die kleinen Plastikautos ein großes Alleinstellungsmerkmal des Spiels sein würden. An dieser Einschätzung hat sich auch mit dem Spielen der Vollversion nichts geändert.

Hot Wheels Unleashed im Test: Mehr Miniaturwunderland als heiße Raserei

Jedes einzelne Hot Wheels-Modell ist im Spiel perfekt in Szene gesetzt. Von den weichen Kanten der Karosserien über die glitzernden Lackierungen und Sticker bis hin zu den Lichtreflektionen auf den glatten Plastikreifen – hier stimmt alles. Regelmäßig fühlte ich mich an meine eigene kleine Hot Wheels-Sammlung erinnert, wie die Räder immer etwas zu locker an den Achsen saßen, wie manche Karosserien statt Plastik aus kaltem Metall bestanden. Milestone hat es irgendwie geschafft, die Haptik der Spielzeuge praktisch verlustfrei in Videospielgrafik zu übertragen.

Hot Wheels Unleashed im Test: Endloses Organge

Die gesamte Präsentation von Hot Wheels Unleashed macht eine wirklich gute Figur. In der getesteten PS5-Version läuft das Spiel stets mit 4K und 60 FPS, egal ob im Einzelspieler, Splitscreen oder Online. Dank der Unreal Engine kommt Hot Wheels Unleashed auch mit knackigen Texturen, hübschen Lichteffekten und einem tollen Gespür für Größe auf den Strecken daher.

Hot Wheels Unleashed im Test: Rase in den Sonnenuntergang

Obwohl ich als Kind eine kleine Kiste voller Hot Wheels hatte, konnte ich nie eine der zugehörigen Strecken bekommen. Die kettenreaktionsartigen Rundkurse mit den charakteristischen orangenen Fahrbahnteilen fand ich aber immer spannend. Viele Loops, abgefahrene Hindernisse, als Stepke war das der wildeste Kram, den ich mir hätte vorstellen können. Entsprechend sind natürlich hierbei die Erwartungen ans Spiel groß. Milestones hat hierbei gute Arbeit geleistet und die Bahnen aus dem Kinderzimmer ins Spiel integiert. Jedoch wurde aber auch so einiges an Potenzial liegen gelassen, welches vielleicht in Updates, oder kommenden DLC ausgebessert wird.

Hot Wheels Unleashed im Test: Viele Kurse wenig Umgebungen

Sechs verschiedene Umgebungen bietet das Spiel, in dem die über 40 Strecken angesiedelt sind – Campus, Skatepark, Keller, Garage, Wolkenkratzer und Track Room. Im Rennen selbst verschwinden die Hintergründe aber ohnehin hinter den Windungen der Strecken, sodass der Bildschirm durch einfarbigen Streckenteile eingenommen wird. Damit erscheint es meist nebensächlich, ob eine Strecke im Skatepark oder im Campus stattfindet, besonders da die Umgebungen leider zu selten ins Streckendesign einbezogen werden.

Hot Wheels Unleashed im Test: Ich hasse Spinnen

Damit kann sich der Appeal der Plastikstrecken auf die Dauer durchaus abnutzen. Die auf den Strecken enthaltenen Hindernisse, wie Spinnen, Schlangen und Skorpione, locker das ganze wieder auf, können aber Spielfluss aber leider auch merklich abbremsen. Hier hätten wir uns gerade von einem abdrehten Franchise wie Hot Wheels am Ende doch ein bisschen mehr Abwechselung gewünscht.

Hot Wheels Unleashed im Test: Die Sache mit der Physik

Das Fahren der wilden Mini-Autos macht viel Laune, aber leider nicht immer bedingungslos. Das Handling der Racer variiert stark, wobei manche Wagen doch recht schwer zu kontrollieren sind. Wenn man aber eines der über 60 Autos gefunden hat, dessen Fahrgefühl einem zusagt, können die flotten Drifts und schnellen Manöver mächtig Freude bereiten. Die Freude hält aber nur so lange, bis die Spielphysik sich entscheidet, dass ein Drift lang genug gedauert hat – und das Auto sich überschlägt. Gerade dieses rantasten an den Grenzbereich der Fahrzeuge, kann für einen Arcade-Racer durchaus mit Frustmomenten verbunden sein.

Hot Wheels Unleashed im Test: Hoffentlich überlebe ich den Drift

Die Physik von Hot Wheels Unleashed ist für mich im Gesamten wohl einer der schwierigsten Aspekte des Spiels. Einerseits ist das Physikmodell bestens darauf ausgelegt, dass die Autos sich wirklich wie die Miniaturspielzeuge anfühlen, die sie nun einmal sind. Andererseits macht das Physikmodell, stellenweise seinen Job dann doch zu gut. Zusammenstößen eskalieren machmal einfach zu schnell und die Fahrzeuge neigen zum Umkippen, wenn man einen Drift enger ziehen muss, um in einer Kurve nicht an eine Bande geraten will.

Das sollte man auch vermeiden, denn die äußeren Banden von Kurven sind in Hot Wheels Unleashed gleichzusetzen mit Nagelbändern, die gnadenlos alles ausbremsen, was ihnen unterkommt. So kommt es in Kurven zu stellenweise frustrierenden Momenten, wo ein Auto völlig außer Kontrolle gerät, nur weil man enger driftet, um die Leitplanke des Todes zu umgehen. Wenn man das Fahrverhalten und die Physik aber erst einmal gelernt hat, steigt der Skill besonders in Sachen Abkürzungen und die Spaßkurve steigt nochmal deutlich an.

Hot Wheels Unleashed im Test: An die falsche Bande geraten

Außer einfachen Rennen und Zeitrennen gibt es in Hot Wheels Unleashed leider keine weiteren Spielmodi. Gerade hier hätte sich ein Stuntmodus oder Crashderbys perfekt angeboten. Spielzeugautos mit unnötig viel Geschwindigkeit ineinander krachen zu lassen war damals doch ohnehin das Todschlagargument um neue Hot Wheels von seinem Taschengeld zu kaufen.

Hot Wheels Unleashed im Test: Der Grind um die Autos

Der Online-Modus von Hot Wheels Unleashed ist solide und hier kann zusätzlicher Spaß gefunden werden. Außerdem können durch den Strecken- und Lackierungseditor entworfene Designs online geteilt und heruntergeladen werden und stehen sogar in Online-Lobbies zur Verfügung. Die Bedienung der Editoren ist leider undurchsichtig und überladen, aber der Umfang von beiden dürfte aus der Community in Zukunft einige interessante Projekte hervorbringen.

Auch der Fuhrpark von Hot Wheels Unleashed ist üppig. Über 60 fahrbare Untersätze können gesammelt werden, darunter überraschend viele lizenzierte Autos von echten Herstellern und aus der Popkultur. Aber die Autos hauptsächlich über Lootboxen freischalten zu müssen, die auch noch Duplikate enthalten können, bremst den Spaß mal merklich ein. Es gibt noch einen täglich wechselnden Shop, nur kosten die Autos dort mindestens genau so viel wie eine Box mit einem zufälligen Auto, also lohnt sich der Blick in den Shop kaum.

Hot Wheels Unleashed im Test: Hübsche Autos, teures Vergnügen

Auch die Preise sind recht knackig angesetzt. Für ein Rennen erhält man im Schnitt zwischen 50 und 70 Münzen. Bei mindestens 500 Münzen für ein Paket oder die günstigsten Autos im Shop macht das, außerhalb des Einzelspielermodus, im schlimmsten Fall zehn Rennen, bis überhaupt eine Chance auf ein neues Auto besteht. So fühlt sich der Grind, ein wenig wie das Betteln vor der Kasse in Kinderheitstagen an.

Hot Wheels Unleashed: Unser Fazit zum Miniatur-Rennspiel

Hot Wheels Unleashed: Unser Fazit zum Miniatur-Rennspiel

Hot Wheels Unleashed hinterlässt bei uns viele Gefühle, die wir aus Kindertagen kennen. Es sieht toll aus und hat in Sachen Strecken und Autos ordentlich Umfang zu bieten. Der gesamte Look des Spiels vermittelt wirklich den erhofften Kindheitstraum, den wir uns von Trailern und Anspielproben erhofft haben. Noch dazu dürften der Strecken-Editor und die Anpassung der eigenen Spielzeugautos neben den Rennen einige Stunden lang zum austoben einladen, solange man sich in die Bedienung einarbeitet.

Leider hält die Variation in den Umgebungen und Spielmodi da nicht ganz mit und das Freischalten der Fahrzeuge nimmt etwas mehr Zeit in Anspruch, als es müsste. Wer sich aber auf das zunächst etwas ungelenke Fahrgefühl von Hot Wheels Unleashed einlässt, kann ordentlich Spaß auf den orangenen Plastikstrecken finden. Besonders online und im lokalen Splitscreen mit Freunden kann Hot Wheels Unleashed gut über seine Schwächen hinwegrasen.

ProContra
+ Fantastische Präsentation von Autos und Umgebungen...- ...die oft hinter den Strecken untergehen
+ Großer Fuhrpark...- ...der zu viel Grind zum Freischalten braucht
+ Läuft stabil und technisch sauber- Physik und Streckenelemente bremsen Gameplay aus
+ Großer Umfang durch Community-Strecken und Lackierungen- Editoren sind umständlich und unhandlich zu bedienen
+ Multiplayer, der lokal und online stabil funktioniert- fehlende Abwechslung in Spielmodi

Rubriklistenbild: © Milestone (Montage)

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