Wenn die Hot Wheels wieder schrei‘n

Hot Wheels Unleashed in der Vorschau: Kindheitstraum aus buntem Plastik

  • Joost Rademacher
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Nach mehr als 8 Jahren Pause kehren die Hot Wheels auf heimische PCs und Konsolen zurück. Wir durften dem neuen Hot Wheels Unleashed schon auf den Zahn fühlen.

Hamburg – Als Kind hat man noch ein reiches Vorstellungsvermögen. Ein paar Lego-Blöcke werden mit ein wenig Fantasie zum Raumschiff, Actionfiguren werden zu furchtlosen Superhelden und mit Hot Wheels sind wir als Kinder noch die wildesten Rennen gefahren. So einige Versuche hat die Marke mit den Plastikautos unternommen, diese Rennen auch als Videospiel einzufangen – bisher immer mit eher weniger Erfolg. Hot Wheels Unleashed verspricht jetzt aber, über orangenes Plastik rasende Autos so rasant zu machen, wie noch nie zuvor. Wir durften vor Release schon ein paar Stunden im Miniatur-Rennsitz verbringen.

Release (Datum der Erstveröffentlichung)30. September 2021
Publisher (Herausgeber)Milestone S.r.l.
Serie-
PlattformPS4, PS5, Xbox One, Xbox Series X|S, Nintendo Switch, PC
EntwicklerMilestone S.r.l.
GenreArcade-Rennspiel

Hot Wheels Unleashed in der Vorschau: Spielzeug wie im alten Kinderzimmer

Hot Wheels ist heute eine ikonische Marke. Ähnlich wie so manche andere Marke ist allein der Name schon bezeichnend für Spielzeugautos jeglicher Couleur. Da ist es nur naheliegend, dass die kleinen Raser den größtmöglichen Respekt bekommen, wenn sie schon in einem Videospiel auftauchen. In der Hinsicht darf man Milestone, dem Entwicklerstudio hinter Hot Wheels Unleashed, schon jetzt einmal applaudieren: Die kleinen Plastikvehikel sehen hier so gut aus wie noch nie zuvor. Mehr als 60 davon sollen in der Vollversion enthalten sein, immerhin knapp 30 durften wir uns schon in der Preview-Version ansehen.

Es ist immer eine Freude, wenn Entwickler:innen sich das Quellmaterial wirklich zu Herzen nehmen und es schaffen, dieses so originalgetreu wie möglich wiederzugeben. Das war einer der Gründe, warum die South Park-Rollenspiele so gut waren und wird eins der großen Alleinstellungsmerkmale von Hot Wheels Unleashed sein. Jedes Auto sieht aus wie eine nahezu perfekte Nachbildung seines echten Gegenstücks, von den Reflexionen über leicht transparente Einzelteile bis zu kleinen Details wie dem Logo an der Unterseite. Eine Menge Liebe steckt in diesen Modellen und bringt das Gefühl, mit echten Miniaturwägen durch die Gegend zu düsen, richtig in den Vordergrund.

Hot Wheels Unleashed Vorschau: Die kleinen Wägelchen sind toll anzusehen

Überhaupt scheint das Gespür für Größe in diesem Spiel herrlich greifbar. Autos haben das perfekte Gewicht, bei dem sie gut steuerbar bleiben, aber mit genügend Kontakt schnell mal in die Luft segeln und Strecken winden sich zwischen Stühlen und Tischen durch altbekannte Alltagssettings. Zwischen einem Collegecampus, einem Skatepark, einer Werkstatt und einem Wolkenkratzer bietet sich schon in der Beta einige Abwechslung zwischen den Umgebungen. Dank fantastisch aussehenden Lichteffekten ist das Ganze rein visuell auch noch richtig ansprechend. Gleiches lässt sich aber kaum über die eigentlichen Rennstrecken zu sagen.

Hot Wheels Unleashed in der Vorschau: So viel Platz, so wenig genutzt

Abgesehen von den Umgebungen gibt es kaum etwas, das die Strecken wirklich substanziell voneinander unterscheidet. Immer wieder sind es einfarbige, extrem breite Plastikstraßen, über die ihr eure Hot Wheels jagt, Hindernisse und Boostpads sind bei fast jeder Strecke die gleichen. Es gibt die gelegentlichen Sprünge oder Streckenabschnitte abseits des Kurses, aber wirklich im Kopf bleibt da bisher selten was. Nicht zuletzt, weil die hauptsächlichen, einfarbigen Streckenbauteile öfters fast 50% des Bildes einnehmen und der Fokus im Eifer des Gefechts schnell mal aus dem Blickwinkel verschwindet. Da ist das ganze, hübsche Drumherum eben nur Kulisse, andere Arcade-Rennspiele nutzen sowas meist besser.

Die Strecken variieren auch wenig in Größe oder Breite, was das zusätzliche Quäntchen Würze im Design vermissen lässt. Es gibt zwar kleinere Sektionen, in denen die kleinen Raser magnetisch an der Straße kleben und so kopfüber oder an Wänden fahren können, aber das ist auch seit sieben Jahren nichts Neues mehr. Das alles klingt jetzt vielleicht negativer als es am Ende ist, zumal wir noch lange nicht alles gesehen haben, was Hot Wheels Unleashed in der Hinterhand hat. Hoffentlich setzen die bislang nicht gezeigten Strecken da aber noch ein bisschen was drauf.

Hot Wheels Unleashed Vorschau: Da zieht die Strecke vorbei – und nichts bleibt hängen

Genauso hoffen wir, dass der Streckeneditor uns genug Bauteile und Kreativität einräumt, um eigene Strecken nach unserem Gusto zu bauen. In der Preview war dieser noch nicht verfügbar, aber wer jemals mit echten Hot Wheels eigene Bahnen gebaut hat weiß, wie viel Potenzial darin stecken kann. Wenn der Editor wirklich einen robusten Umfang bieten sollte, könnten einige unserer bisherigen Beschwerden mit dem Streckendesign ganz fix unter den Tisch fallen.

Hot Wheels Unleashed in der Vorschau: Driftende Miniaturen mit Dampf unter der Haube

Jetzt aber mal genug von Spielzeugautos und orangenen Plastikbahnen geschwafelt, letzten Endes zählt ja nur eins: Hot Wheels Unleashed soll sich möglichst spaßig spielen. Zumindest in Teilen kann das Rennspiel hier schon ganz gut punkten. Unleashed nutzt das altbekannte Brems-Driftsystem, das schon Ridge Racer vor ewigen Jahren eingeführt hat und durch die Burnout-Spiele so richtig beliebt geworden ist. Die sehr breiten Kurven bieten den richtigen Platz, um absurde Drifts möglichst einfach, aber befriedigend zu machen, die Grundgeschwindigkeit ist hoch und Boosts gibt es reichlich.

Hot Wheels Unleashed Vorschau: Ordentlicher Boost beim Hochhaus

Hot Wheels Unleashed spart wirklich nicht mit Gelegenheiten, die Autos an die Grenze der Überschallgeschwindigkeit zu schicken. Zwischen den Wägen teilen sich zwei verschiedene Boost-Modi auf, die jeweils unterschiedlich einzusetzen sind, schnell aufladen und einen kleinen Hauch taktischer Tiefe bringen. Die Turbos werdet ihr aber auch brauchen, denn wenn die Preview einen Schluss aufs Endprodukt zulässt, werden die Rennen einige Zeit in Anspruch nehmen.

Schon in der Beta haben wir gut und gern fast 5 Minuten in einem Rennen zugebracht. Nur mit bloßer Raserei, austauschbaren Hindernissen und ohne jegliche offensive oder defensive Items fühlt sich die Erfahrung noch etwas leer an. Da macht Hot Wheels Unleashed abseits des schön actionreichen Handlings noch einen etwas saft- und kraftlosen Ersteindruck, der durch die gleichförmig anmutenden Strecken nicht gerade verbessert wird.

Hot Wheels Unleashed Vorschau: Kindheitstraum aus buntem Plastik

Hot Wheels Unleashed in der Vorschau: Ausblick aufs Spielzeug-Rennspiel

Im Zustand unserer Preview scheint Hot Wheels Unleashed am ehesten noch eine Mercedes A-Klasse zu sein. Es ist ganz schick anzusehen und hat mit Sicherheit auch einige PS unter der Haube, aber es ist noch nichts weltbewegendes oder charakteristisches. Noch ist zu wenig Action und Chaos in den Rennen, als dass es den großen Platzhirschen auf dem Spektrum der Arcade-Racer gefährlich werden könnte. In die andere Richtung sind Strecken dagegen noch zu lang und einfach, als dass Unleashed mit der Präzision eines Trackmania mithalten könnte.

Das muss aber nicht heißen, dass Milestone uns nicht noch überraschen könnte, schließlich liegt der Release von Hot Wheels Unleashed noch ein paar Monate entfernt. Das grundlegende Handling der verrückten Plastikkarren ist schon voll da und ein robuster Streckeneditor mitsamt gescheiter Mehrspieler-Modi könnte aus dem Spielzeug-Rennspiel noch so einiges rausholen. Eine vernünftige Einzelspielererfahrung könnte auch nicht schaden, aber wir wären auch nicht böse drum, wenn Unleashed mehr auf gemeinsames Spielen setzt. Da liegt ja bekanntlich der meiste Spaß (und das meiste Salz) vergraben.

Rubriklistenbild: © Milestone/Koch Media

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