Teil 3 der Dark Pictures Anthology

House of Ashes fühlt sich an wie „Indiana Jones trifft Lara Croft“ – nur ohne Überlebende

  • Christian Böttcher
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Erste Stunde von House of Ashes angespielt. Warum wir beim Gruseln ständig an Indiana Jones denken mussten, verrät unsere Vorschau zum Horror-Spektakel.

Guildford, Großbritannien – Stellt euch vor, tief in einem uralten sumerischen Tempel treffen zwei Abenteurer:innen der alten Schule aufeinander. Ein grimmiger Mann mit Hut und Peitsche hält panisch nach Schlangen Ausschau. Doppelpistolen blitzen im Fackelschein, als sich eine junge Frau in die staubige Ritualkammer abseilt. Indiana Jones trifft Lara Croft und die Luft schmeckt nur so nach Abenteuer. So in etwa fühlt sich die erste Stunde von House of Ashes an. Doch anders als bei den gestandenen Archäolog:innen gibt es im Horror-Spektakel von Supermassive Games weder richtige Held:innen noch ein heroisches Happy End.

Name des SpielsHouse of Ashes
Release (Datum der Erstveröffentlichung)22. Oktober 2021
Publisher (Herausgeber)Bandai Namco Entertainment
SerieDark Pictures Anthology
EntwicklerSupermassive Games
PlattformPS4/PS5, Xbox One/Xbox Series X, PC
GenreAction-Adventure, Horror, Survival

House of Ashes: Wie es Indiana Jones, Lara Croft und blutigen Horror-Spaß zusammenbringt

Während Doktor Jones und die taffe Britin in der Regel siegreich und quicklebendig aus ihren Abenteuern hervorgehen, stellt euch auch die dritte Auskopplung der Dark Pictures Anthology wieder vor zwei grundverschiedene Fragen. Die eine Hälfte rätselt: Wie kann ich möglichst viele der strunzdoofen Figuren vor dem nahezu sicheren Tod bewahren? Die andere Hälfte grübelt: Wie bringe ich möglichst viele strunzdoofe Pseudo-Abenteurer:innen spektakulär um die Ecke? Eins ist sicher: auch in House of Ashes hockt uns der Tod ständig auf der Schulter und wartet nur darauf, dass wir die falschen Entscheidungen treffen.

Abstieg ins Verderben – House of Ashes hat auf den ersten Blick viel von Indiana Jones.

Warum wir in den ersten 60 Minuten von House of Ashes trotzdem immer wieder an Indiana Jones und Tomb Raider denken mussten, hängt vor allem mit dem Setting und der Atmosphäre des dritten Teiles zusammen. Denn obwohl wir im Rahmen unserer Vorschau erst einen Bruchteil des Horror-Spektakels gesehen haben, wissen wir schon jetzt: House of Ashes hat etwas, das den Vorgängern Man of Medan und Little Hope an vielen Stellen gefehlt hat: einen beängstigend weit gefassten mythologischen Rahmen. Supermassive Games lässt uns tief in die Kultur und Vorstellungen der alten Sumerer eintauchen – Götter, Plagen und blutrünstige Kreaturen inklusive.

Nur mit viel Glück könnt ihr alle Figuren in House of Ashes retten. Diesen Kameraden definitiv nicht.

Eine Formel, die funktioniert. Denn auch bei unseren beiden Lieblings-Höhlenforscher:innen hatten wir nie das Gefühl, wirklich hinter das große Geheimnis der uralten Tempel, Grabstätten und zugrundeliegenden Kulte gekommen sein. Es mag daran liegen, dass wir bisher nur Fragmente des Spiels gesehen haben, aber genau dieses Gefühl vermittelte auch House of Ashes zum Start. Und das, obwohl wir dieses Mal nicht in die Haut blutiger Amateure schlüpfen, sondern gut ausgebildete Spezialkräfte verkörpern, die dem, was in den Tiefen der irakischen Wüste verbuddelt liegt, nicht nur Feuerkraft, sondern auch mächtig Fachwissen entgegensetzen.

House of Ashes: Wohl ein echtes Creature Feature – ansonsten aber alles beim Alten

So verschlägt es uns in House of Ashes in das Jahr 2003. Der Irakkrieg steht kurz vor dem Ende und eine Truppe US-Soldaten macht sich auf die Suche nach verbleibenden Massenvernichtungswaffen, als sich buchstäblich die Erde auftut und sie allesamt verschluckt. Versprengt und abgeschnitten von jeglicher Kommunikation offenbart sich ihnen statt Atombomben ein uralter sumerischer Tempel. Der Weg an die Oberfläche ist verschüttet, also begeben sich die fünf tiefer in das finstere Labyrinth. Dort stoßen sie auf gigantische Ritualkammern und längst verlassene Kultstätten. Doch sie sind nicht so verlassen, wie die fünf Abenteuerer:innen meinen.

House of Ashes schickt euch in die Tiefen eines uralten sumerischen Labyrinths.

Anders als etwa in Man of Medan, wo bis zum Ende nie so ganz klar wurde, mit welchem Übel wir es denn nun eigentlich zu tun hatten, zeigt House of Ashes seine Monster bereits in den ersten Minuten von ihrer schrecklich-schönsten Seite. Es wirkt fast so als stünde im neuen Teil nicht im Fokus, was genau unsere Held:innen jagt, sondern vielmehr, welche Schrecken in der Tiefe noch auf uns lauern. Fans von waschechtem Monster-Horror dürften unserer Einschätzung nach also voll auf ihre Kosten kommen. Schließlich bietet der mythologische Rahmen genug krallenbewehrte Kreaturen zur Auswahl.

House of Ashes: Diese Features des Vorgänger sind wieder dabei.

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Die Kursrichtung in House of Ashes gibt euch Hinweise, wie ihr die Figuren retten könnt. © Supermassive Games
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Im Charakterbildschirm von House of Ashes erfahrt ihr, wie es um eure Schützlinge steht. © Supermassive Games
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Auch in House of Ashes sind wieder zahlreiche Geheimnisse zum Sammeln versteckt. © Supermassive Games
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Blick in die Zukunft – uralte Schrifttafeln geben in House of Ashes Hinweise auf den Tod der Held:innen. © Supermassive Games

Wie von der Reihe gewohnt, geht es also auch in House of Ashes wieder ums nackte Überleben. Und der Tod klopft nicht nur in Gestalt von Monstern an der Tür. Spielen wir alleine, übernehmen wir im Wechsel die fünf Figuren, erkunden die unterirdischen Tunnel und Gemäuer, treffen moralische Grundsatzentscheidungen und hämmern uns via Quick-Time-Events in Richtung Herzinfarkt. Beurteilen wir die Lage richtig, meistern die QTEs und der Saturn steht im richtigen Aszendenten zur Venus, erhöhen wir die Überlebenschancen der fünf Figuren. Läuft nur eine Sache schief, beißen die suizidalen Abziehbilder von Abenteurer:innen aber schneller ins Gras als wir „Vorsicht, hinter dir!“ sagen können.

House of Ashes: Neuer Cast, alte Probleme und viele Chancen

Und Möglichkeiten zu sterben, gibt es wahrlich genug in House of Ashes. In Tomb Raider-Manier seilen wir uns von bröckelnden Abgründen ab, stemmen bedrohlich klemmende Türen auf oder versuchen längst verlorene Kamerad:innen vor dem sicheren Tod zu retten. Ob auch die Charaktere halten, was sie versprechen und im Laufe des Spiels für den ein oder anderen emotionalen Moment sorgen können, bleib abzuwarten. Doch in der ersten Stunde geht der MIx aus Abenteuer und Horror richtig gut auf. Ständig schwingt Entdecker-Feeling mit, weil Supermassive Games uns ein richtig langes Seil an die Hand gibt – fest zusammengeflochten aus Mythologie und Atmosphäre.

Selbst der kleinste Flirt kann in House of Ashes drastische Konsequenzen haben.

Am Gameplay selbst ändert sich dabei kaum etwas, sofern wir das jetzt schon beurteilen können. Auch House of Ashes ist eher ein interaktiver Film als ein Meisterwerk der Spieltiefe. Die Interaktion zwischen den Figuren, ihre spektakulären Tode, hauchdünnen Rettungstaten und romantischen Verflechtungen stehen im Fokus, während ihr diebisch grinsend dabei zuschaut, wie sie sich ihr eigenes Grab schaufeln. Dazu hat Supermassive Games auch im neuen Teil wieder ein Arsenal mehr oder weniger prominenter Schauspieler:innen an Land gezogen, die den Figuren Leben einhauchen sollen. So sieht der Cast von House of Ashes aus:

In der ersten Stunde machen die fünf ihre Sache gut, auch wenn sie zum derzeitigen Stand der Entwicklung noch einigen technischen Limitationen ausgesetzt sind. Gelegentlich ploppen die Augen von Ashley Tisdale dann doch etwas zu sehr aus ihren Höhlen und Bewegungen wirken etwas hölzern. Alles in allem wirken die Animationen der Figuren aber eine ganze Ecke flüssiger als noch bei Little Hope und Man of Medan. Sorgenkind bleibt die etwas hakelige Steuerung von Rachel und ihrer Truppe. Wir hoffen, dass Supermassive Games bis zum Release im Oktober noch etwas nachbessert, auch wenn das Gameplay nicht den Kern des Spiel ausmacht.

House of Ashes: Genau unsere Art Horror – am Ende entscheidet das Setting

House of Ashes hat sich eine ganze Menge bei Indiana Jones, Tomb Raider und Co. abgeschaut. Es scheint das erste Spiel der Dark Pictures Anthology zu werden, in dem so richtig Abenteuer-Feeling aufkommt, das konsequent auf sein mythologisches Fundament baut und wenig am erfolgreichen Konzept ändern muss, um uns zu begeistern. Oder in Kurzform: Nach der ersten Stunde sind wir hin und weg. Setting, Figuren und der zackige Einstieg in die Story machen Lust auf mehr. Wie unheimlich der Trip in die Tiefen der sumerischen Grusel-Folklore letztlich wird, muss sich zum Release zeigen. Ein dickes Fragezeichen steht auch dahinter, ob Supermassive Games dieses Mal die technischen Schwächen rechtzeitig in den Griff bekommt.

House of Ashes: Horror nach unserem Geschmack.

In der Sumerer seiner Teile verspricht House of Ashes aber ein saftiges Horror-Spektakel für alle zu werden, die auf klassische Mythologie abfahren und mit dem Begriff „Creature Feature“ mehr verbinden als den Kurzauftritt eines Hauselfen in Harry Potter. Dem Ruf als das perfekte Multiplayer-Spiel für einen interaktiven Horrorfilmabend mit Freund:innen wird auch House of Ashes garantiert gerecht. Wenn ihr also wie wir beim Setting von House of Ashes denkt: „Na das ist ja mal right down my labyrinth“, müsst ihr euch nur noch bis zum 22. Oktober gedulden. Dann erscheint The Dark Pictures Anthology: House of Ashes für PS4, PS5, Xbox One, Xbox Series X und den PC.

Rubriklistenbild: © Supermassive Games

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