4X-Strategiespiel angezockt

Humankind: Endlich Konkurrenz für Strategie-König Civilization?

  • Christian Böttcher
    vonChristian Böttcher
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Mit Humankind nimmt Entwickler Amplitude Studios den Strategie-König Civilization ins Visier. Was das für 2021 geplante 4X-Spiel kann, zeigt unsere Vorschau

  • Das 4X-Strategiespiel Humankind erscheint 2021 für den PC.
  • Die französischen Amplitude Studios setzen auf einen wilden Mix aus Kulturen statt einen statischen Herrscher.
  • Unsere Vorschau zeigt, ob der Strategie-Brocken das Potenzial hat, Civilization vom Thron zu stürzen.

Paris, Frankreich – Auskundschaften, Ausbreiten, Ausbeuten, Auslöschen – So lauten seit mehr als dreißig Jahren die vier Säulen der 4X-Strategiespiele. Sei es als historische Zivilisation, hoch entwickelte Alienrasse oder politische Gruppierung der Neuzeit: In 4X-Spielen geht es immer darum, eine ertragreiche Karte zu kontrollieren, um das eigene Volk voranzubringen – und das mit allen Mitteln. So vielfältig das Genre auf den ersten Blick auch scheint, an der Spitze zieht seit jeher eine Reihe einsam ihre Kreise: Sid Meier's Civilization. Doch damit könnte schon bald Schluss sein, denn Amplitude Studios, verantwortlich für die Endless Space-Reihe sowie Endless Legend, sind auf Konfrontation aus. Mit Humankind bringt der französische Entwickler ein historisches 4X-Spiel auf den PC, das neue Wege beschreiten will. Ob diese Wege schnurstracks nach oben führen oder das seit 10 Jahren in Entwicklung befindliche Herzensprojekt kolossal abstürzt, verraten wir in unserer Vorschau.

Name des Spiels

Humankind

Release (Datum der Erstveröffentlichung)

2021

Publisher (Herausgeber)

SEGA

Serie

-

Plattformen

PC

Entwickler

Amplitude Studios

Genre

4X-Strategie (Globalstrategie)

Humankind in der Vorschau: Ruhm ist das A und O

Seit Gründung des Studios im Jahr 2011 haben die Strategie-Experten von Amplitude von einem 4X-Spiel geträumt, das den Spieler die komplette Menschheitsgeschichte durchleben lässt. Mit Humankind soll dieser Traum nun Realität werden. Nachdem sich der in Paris ansässige Entwickler mit der Endless Space-Reihe und Endless Legend bereits einen Namen unter Strategie-Nerds gemacht hat, folgt in 2021 nun das absolute Herzensprojekt der Franzosen. Das Fundament von Humankind unterscheidet sich dabei jedoch kaum vom großen Vorbild Civilization. Wir starten als steinzeitlicher Nomadenstamm und entwickeln uns im Laufe einer jeden Runde, die wie gewohnt mehrere Dutzend Stunden Spielzeit in Anspruch nimmt, zu einer blühenden Zivilisation, die uns bis in die Moderne führt. Auf den altbekannten Hexfeldern errichten wir Städte und erschließen die Ressourcen der Karte, bevor wir uns in rundenbasierte Kämpfe mit unseren Nachbarn stürzen oder friedlich aneinander vorbeisiedeln.

Die Städte in Humankind formen sich abhängig von euren gewählten Kulturen.

Doch es gibt drei große Unterschiede zum Strategie-König Civ, mit denen Humankind das 4X-Genre ordentlich aufrütteln könnte. Zunächst einmal gibt es keine klassischen Siegbedingungen wie wir sie von Firaxis kennen. Statt also auf einen Wissenschafts-, Kultur- oder Diplomatiesieg hinzuarbeiten, dreht sich im Spiel von Amplitude Studios alles darum, wie die Nachwelt unsere Zivilisation in Erinnerung behält. Um nicht in Vergessenheit zu geraten, sammeln wir in Humankind fleißig sogenannte Ruhmpunkte. Die bekommen wir für alle Aktionen im Spiel, die unsere Zivilisation voranbringen. Egal ob wir eine neue Stadt gründen, ein Weltwunder entdecken oder gegnerische Truppen in den Staub befördern: Je größer die Tat, desto mehr Ruhm hagelt es. Wer am Ende der Partie am meisten Ruhm angehäuft hat, gewinnt das Spiel. Da wir Humankind bislang leider nur rund drei Stunden anspielen konnten, ließ sich jedoch noch nicht herausfinden, ob somit jede Partie von der Steinzeit bis in die Moderne ausgespielt wird oder das Spiel auch enden kann, sobald eine Zivilisation eine bestimmte Anzahl von Ruhmpunkten ergattert hat. 

Humankind: Culture-Clash statt festgefahrener Zivilisation

Der zweite und wohl größte Unterschied zwischen Humankind und Civilization liegt in den Kulturen des Spiels begründet. Statt uns nämlich wie beim Genre-Primus vor jeder Partie für eine Kultur zu entscheiden, die wir dann bis zum Ende des Spiels beibehalten, setzt Amplitude auf einen Ansatz, der Historikern ein Lächeln aufs Gesicht zaubern dürfte.  Am Anfang des Spiels haben wir die Wahl aus zehn verschiedenen Kulturen, die das Fundament unserer Zivilisation bilden. Nach dem Ende jeder Epoche, von denen es insgesamt sechs geben wird, kommt es in Humankind anschließend zum großen Culture-Clash. Denn dann dürfen wir unsere Startkultur mit einer aus zehn weiteren Kulturen mischen. So entsteht auf dem Weg von der Bronzezeit bis in die Moderne ein wildes Mosaik verschiedenster Kulturen, die alle mit ihren eigenen Vor- und Nachteilen, Boni und Truppen auf das Spiel Einfluss nehmen. Bis zu einer Million Kombinationsmöglichkeiten sind mit diesem System möglich, was nicht nur den Wiederspielwert von Humankind ordentlich nach oben schraubt, sondern auch taktisch gewaltige Tiefe verspricht. Natürlich können wir uns auch dazu entschließen, unserer Zivilisation keine neue Kultur hinzuzufügen, müssen dann aber auf potenziell wichtige Boni verzichten.

Im Gespräch mit Narrative Director Jeff Spock, der seit der Endless Space-Reihe mit an Bord ist, fragten wir, ob die Identifikation mit der eigenen Zivilisation bei diesem Multikulti-Ansatz eventuell auf der Strecke bleibt. Doch in dieser Hinsicht hat Amplitude vorgesorgt, denn um das Gefühl zu vermitteln, in jeder Partie eine ganz persönliche Geschichte zu schreiben, wird der Spieler seinen eigenen Avatar gestalten können. Wie umfangreich der Charakter-Editor letztlich wird, konnten wir bislang jedoch noch nicht herausfinden. Doch nicht nur spielerisch nimmt die Kombination verschiedener Kulturen Einfluss auf das Spiel. Auch optisch lässt sich unsere Reise durch die Geschichte jederzeit nachverfolgen. Starten wir beispielsweise als Ägypter und fügen beim Aufstieg in eine neue Epoche eine weitere Kultur hinzu, bleibt der historische Stadtkern unserer ersten Metropole trotzdem bestehen. Das Ergebnis: Am Ende des Spiels blicken wir auf eine kunterbunte Mischung aus Kulturen, die in Kombination mit dem farbenfrohen und im Vergleich zu Civilization 6 weniger comichaften Look von Humankind eine echte Augenweide ist.

Humankind: Taktische Kämpfe und der Griff nach den Sternen

Deutlich mehr in die Tiefe geht Humankind auch den Kämpfen – und das wortwörtlich. Im Herzensprojekt von Amplitude spielen nämlich nicht nur Höhenunterschiede zwischen den Hexfeldern eine entscheidende Rolle, auch die Gefechte selbst versprechen einiges an taktischen Möglichkeiten. So können wir mehrere Einheiten stapeln und damit ihre Truppenstärke erhöhen. Zusätzlich dazu hat sich Humankind eine Scheibe von Endless Space und Co. abgeschnitten. Statt die Kämpfe nämlich direkt auf der Weltkarte auszutragen, wird in Konfrontationen ein fester Bereich abgesteckt, auf dem wir jede Einheit individuell platzieren können, bevor die Schlacht losgeht. Anders als in Civ spielt also nicht nur die bloße Truppenstärke eine Rolle, auch Faktoren wie Terrain, Positionierung und Anzahl der gestapelten Einheiten bestimmen, wer am Ende siegreich vom Platz geht. Um Endloskämpfen einen Riegel vorzuschieben, kann die angreifende Fraktion ein Gefecht auch für sich entscheiden, indem sie mit einer Einheit die Flagge der Verteidiger übernimmt, die in der Regel weit hinter der Kampflinie zu finden ist. Schafft es der Angreifer, sie über mehrere Runden zu halten, ist der Kampf ebenfalls gewonnen.

Nach jeder Epoche in Humankind dürft ihr eine neue Kultur wählen.

Wie jedes gute 4X-Strategiespiel beinhaltet auch Humankind einen umfangreichen Forschungsbaum, in dem wir neue Gebäude, Wunder und Technologien freischalten. Im Gegensatz zu Civilization funktioniert dieser jedoch losgelöst vom Epochen-Fortschritt. Um unsere Zivilisation weiterzuentwickeln und in die nächste Phase des Spiels zu bringen, gibt es im Amplitude-Projekt die sogenannten Ära-Sterne. Dabei handelt es sich um kleine Trophäen aus den verschiedensten Bereichen des Spiels. So müssen wir beispielsweise fünf neue Technologien freischalten, drei feindliche Einheiten vernichten oder eine bestimmte Bevölkerungsanzahl in unseren Städten erreichen, um diese Sterne freizuschalten. Erst wenn wir sieben Ära-Sterne verdient haben, können wir in die nächste Epoche aufsteigen. Doch es kann sich lohnen, mehr als die Mindestanzahl von Sternen zu ergattern, bevor es in die nächste Phase geht, denn für jeden Ära-Stern belohnt euch Humankind mit einer Extraportion Ruhm. Dieser Balanceakt zwischen Ruhmpunkten und Weiterentwicklung kann darüber entscheiden, ob eure Zivilisation am Ende als Sieger in die Geschichte eingeht oder in Vergessenheit gerät.

Humankind: Abgespeckter Singleplayer mit endlosem Potenzial

Was Humankind im Vergleich zum Genre-König fehlt, sind aufwendige Singleplayer-Inhalte. Zwar gibt es zahlreiche Möglichkeiten, die Spielwelt im Vorfeld den eigenen Wünschen anzupassen, jedoch wird das Spiel zum Release lediglich einen klassischen Skirmish-Modus gegen die KI sowie einen Multiplayer-Modus bieten. Historische Szenarien oder gar eine Kampagne haben die französischen Entwickler im Hinterkopf, zum Start des Spiels wird es sie aber voraussichtlich nicht geben. Schade, denn gerade die gigantische Anzahl an Kulturen in Humankind weckt Lust auf mehr narrative Elemente. Insbesondere, weil Amplitude sehr eng mit Historikern zusammengearbeitet hat, um das Spiel so historisch akkurat wie möglich zu halten. Da das Team von Amplitude jedoch bereits angekündigt hat, im Rahmen der Open Dev-Initiative von Humankind viel Feedback der Spieler einzufordern, ist es durchaus möglich, dass bis zum Release im kommenden Jahr noch einige Inhalte dazukommen. Denn auch der Mod-Support über Steam liegt dem Team am Herzen und so freue sich Jeff Spock schon sehr darauf, die Kreationen der Community in Aktion zu erleben.

Die Harapper sind nur eine von zehn Kulturen, zwischen denen ihr zum Start von Humankind wählen könnt.

Ganz auf Storytelling verzichten müssen wir zum Start aber trotzdem nicht, denn im Skirmish selbst gibt es zahlreiche Story-Events, in denen kleine Geschichten aus unserer Zivilisation erzählt werden und die uns immer wieder vor knifflige Entscheidungen stellen. Als beispielsweise ein Jäger auf uns zukommt und fragt, was er mit seinen Tierkadavern machen soll, dürfen wir entscheiden, ob wir sie für militärische Zwecke, zum Handel oder als Nahrungsquelle nutzen wollen. Doch Vorsicht! Wie uns die Entwickler verraten haben, kann selbst die kleinste Entscheidung Folgen für die späteren Epochen haben. Wie genau diese Konsequenzen aussehen, konnten wir in unserer Session jedoch noch nicht herausfinden. Die Story-Events bieten eine nette Abwechslung zum altbekannten Gameplay-Loop und sind bislang allesamt toll geschrieben.

Zufällige Story-Events in Humankind stellen euch immer wieder vor knifflige Entscheidungen.

Nachdem Humankind auf der Gamescom 2019 offiziell angekündigt wurde, rückte Amplitude Studios nur sehr spärlich mit Informationen heraus. Nach drei Stunden mit dem Spiel wissen wir nun schon deutlich mehr, doch noch immer gibt es Spielelemente, hinter denen derzeit noch ein großes Fragezeichen steht. Das Diplomatie-System stand uns in unserer Demo-Version beispielsweise noch nicht zur Verfügung, soll den Entwickeln zufolge aber einen integralen Teil des Spiels ausmachen. Auch das Civics-System, welches sich stark am Genre-Primus Civilization 6 orientiert, konnten wir nur in Grundzügen ausprobieren. Nachdem wir bestimmte Gebäude errichtet oder Territorien eingenommen haben, verlangt Humankind von uns, dass wir uns für eine Spielphilosophie entscheiden. Im Civics-Baum taucht dann eine neue Grundsatzentscheidung auf, die wir mit zuvor verdienten Skillpunkten aktivieren können. So gibt uns das Spiel die Wahl, ob wir Polytheismus in unserer Zivilisation erlauben oder unser Volk stattdessen auf den einen großen Gott vertrauen soll. Unsere Entscheidung spiegelt sich schließlich in Gameplay-Boni, Vor- und Nachteilen wieder.

Humankind: Unser Vorab-Fazit zur 4X-Hoffnung von Amplitude Studios

Auch wenn Humankind das 4X-Rad nicht völlig neu erfindet, verspricht der für 2021 geplante Strategie-Brocken gern gesehene Abwechslung zum Civ-Alltag. Statt der Weltgeschichte unseren Stempel mit nur einer Kultur aufzudrücken, kommt es im neuen Spiel der Endless Space-Macher regelmäßig zum Culture-Clash. So schichten wir Epoche für Epoche ein Mosaik aus Kulturen an, das massig Potenzial für spielerische Tiefe liefert und für jede Partie eine einzigartige Erfahrung garantiert. Amplitude Studios wirft klassische Siegbedingungen über Bord und versucht sich stattdessen an einer völlig neuen Art, einen Gewinner zu küren. Ob die Jagd nach Ruhm am Ende aufgeht, lässt sich zu diesem Zeitpunkt nur schwer sagen. Was jedoch schon jetzt Lust auf mehr macht, sind die fundamentalen Spielmechaniken, mit denen jeder 4X-Jünger vertraut ist, die von Humankind aber völlig neu interpretiert werden. Taktische Positionsgefechte mit zahlreichen Einheiten treffen auf innovative Territorialsysteme und erfrischende Story-Events, die Einfluss auf den späteren Spielverlauf nehmen. Auch wenn Amplitude gern noch weitere Singleplayer-Modi in Form von historischen Szenarien oben drauf packen darf, hat Humankind schon jetzt alles, was Strategie-Fans wollen und könnte somit zum ernsthaften Konkurrenten für Civilization werden.

Rubriklistenbild: © Sega

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