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King’s Bounty 2 im Test: Mutiges Rollenspiel alter Güte

  • VonDaniel Meyer
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King‘s Bounty 2: Wie klassisches Storytelling, rundenbasierte Kämpfe und brisante Entscheidungen zu überzeugen wissen. Der Test zeigt, wie gut das Rollenspiel ist.

Moskau – King’s Bounty 2 ist wie kaum ein anderes Spiel. Auf der einen Seite hat die Reihe seinen Ursprung im Jahr 1990 und wirkt auch in vielen Details wie ein altbackenes Rollenspiel. Dann wiederum weiß der Titel wieder zu überraschen und holt uns widerholt aus unserer Komfortzone. Das Rollenspiel alter Güte stellt uns vor schwierige Aufgaben, die unseren Moralkompass ganz schön aus dem Lot bringen. Doch wie gut ist King‘s Bounty 2? Wir verraten es euch im Test.

Name des SpielsKing's Bounty 2
Release (Datum der Erstveröffentlichung)21. August 2021
Publisher (Herausgaber)Prime Matter
SerieKing's Bounty
PlattformPS4, Xbox One, PC, Nintendo Switch
Entwickler1C Publishing EU
GenreRollenspiel, Rundenbasierte Strategie

King‘s Bounty 2 im Test: Mitreißendes Storytelling mit eigenwilligen Designentscheidungen

Was die Entwickler von King’s Bounty 2 auf die Beine gestellt haben, zeigt gekonnt, dass man sich nicht immer an Erfolgsrezepte halten muss. Dies lässt sich insbesondere daran erkennen, wie eine Third-Person-Erkundung in einer relativ offenen Welt, mit rundenbasierten Kämpfen und einem Armee-System gepaart wurde. Ungewöhnlich, aber es funktioniert prächtig. Besonders sticht bei King’s Bounty 2 aber auch heraus, wie der eigene Charakter sich im Laufe der Story weiterentwickelt, insbesondere hinsichtlich der eigenen Skills.

Nostria braucht eure Hilfe: in King‘s Bounty 2 seid ihr mit der Rettung des Reiches betraut.

Die Story unserer Dramatis Personae startet im Kerker, nachdem wir uns für einen von drei verschiedenen Charakteren als Hauptfigur entschieden haben. Neben einem Söldner stehen uns auch eine adelige Magierin sowie ein junge bäuerliche Auserwählte – ganz im Stile einer Jean d’Arc – zur Auswahl, die allesamt mit einem etwas eigenen Gameplay-Fokus daherkommen.

Auf Erlass des Prinzen werden wir jedoch befreit und mit Pferd, Mitteln und Begleitschutz ausgestattet, ehe unser großes Abenteuer zur Rettung des Reiches Nostria beginnt. Auf unserer Reise begegnen uns viele interessante Charaktere. Zusätzlich dazu können wir zahlreiche Rätsel und Quests lösen, aber auch Konflikte aus der Welt schaffen – meist mit entsprechend durchschlagenden Argumenten. Dabei stellt das Spiel uns meist vor Entscheidungen, die nie offensichtlich in Gut und Böse eingeordnet werden können. Klassisches RPG-Schubladendenken fällt also weg.

Man kennt die Situation aus anderen Spielen: meist fokussiert man als Spieler eine ganz bestimmte Art von Gameplay. Sei es der Tank, der Supporter oder der Damagedealer. Der eine spielt am liebsten möglichst abtrünnig, wohingegen andere die Rechtschaffenheit in Person sind. In King’s Bounty 2 verschwimmen diese Grenzen jedoch schnell, sodass wir eben noch strahlender Ritter waren und zwei Sekunden später nur die Dicke der eigenen Geldbörse im Blick haben.

King‘s Bounty 2 stellt euren moralischen Kompass ständig auf die Probe.

Wenige Spiele schaffen es so bravourös, den Moralkompass der Spieler:innen derart auf die Probe zu stellen wie King’s Bounty 2. So treffen wir beispielsweise kurz nach Spielbeginn auf eine Gruppe von Menschen, die eine Truppe von Zwergen vertreiben oder gar töten will. Was auf den ersten Blick nach kaltblütigem Mord aussieht, entpuppt sich jedoch schnell als moralische Graustufenregenbogen.

Denn offenbar hat sich die menschliche Prozession nur deshalb dazu entschieden, die Zwerge zu attackieren, weil der herrschende Lord mit ungerechter Hand über beide Gruppen regiert. Plötzlich wirken die Motive der vermeintlichen Mörder alles andere als unehrenhaft. Man will hier eine Vorratsroute abschneiden, um Gefangene zu befreien und dem eigenen Volk ein besseres Leben zu ermöglichen. Wie entscheidet man sich hier am besten – gibt es überhaupt einen richtigen Weg? Dieser moralische Zwiespalt ist eher die Regel als die Ausnahme in King‘s Bounty 2.

King‘s Bounty 2 im Test: Hybrid-Gameplay als Weiterentwicklung der Reihe

Die Entscheidungen in solchen Quests und Konflikten beeinflussen nicht nur teils zukünftige Ereignisse, sondern auch den eigenen Weg unseres Charakters. Dieser verfügt über vier Talentbäume: Order, Anarchy, Power und Finesse. Diese Ideale erhalten je nach von uns getroffenen Entscheidungen Talentpunkte, mit denen wir neue Fähigkeiten und Möglichkeiten freischalten können. Bspw. erhalten unsere Einheiten zum Start eines Kampfes Boni auf Rüstung, oder aber wir erhalten generell mehr Geld aus Schatztruhen. Selbst gänzlich neue Magiearten können hier freigeschaltet werden, die man im Laufe des Spiels erlernen kann. 

Egal ob Magie oder mit dem Schwert: King‘s Bounty 2 liefert Rollenspiel in Reinkultur.

Magie, vorausgesetzt wir haben uns nicht für den Söldner zum Spielstart entschieden, kann auch in Kämpfen als Fähigkeit eingesetzt werden, um unseren Gegnern einzuheizen. Doch das Hauptaugenmerk des rundenbasierten Kampfsystems liegt auf unserer Armee. Im Spielverlauf können wir für entsprechendes Gold neue Einheiten anheuern und in Trupps einteilen.

Dabei ist es vor allem wichtig, dass wir auch deren Gesinnung betrachten, denn unterschiedliche Ideale können sich negativ auf die Moral auswirken, was sogar zu einer Befehlsverweigerung führen kann. Zudem sollte man nicht unbedingt Skelette oder Ghoule mit menschlichen Speerkämpfern zusammenwürfeln, das kommt nicht so gut an.

Die Story von King‘s Bounty 2 erlebt ihr in Third-Person, die rundenbasierten Kämpfe in Iso-Perspektive.

In klassischer rundenbasierter Manier müssen wir in Kämpfen auf einer kleinen hexadezimal-Kachelkarte unsere Einheiten positionieren und bewegen. Jede Einheit verfügt dabei über spezielle Fähigkeiten, die zusätzliche Tiefe verleihen. Das reicht von Hit-&-Run-Attacken, über Fernangriffe bis hin zu unterstützenden Fähigkeiten wie der klassischen Heilung.

Jede Einheit erhält für bestrittene Kämpfe zudem Erfahrungspunkte und kann aufgelevelt werden, aber ebenso kommt das Spiel mit einem Perma-Death-Modus daher. Ist eine Einheit besiegt, kommt sie nicht wieder. Daher gilt es Einheiten regelmäßig zu heilen und durch neue Rekruten zu verstärken.

King‘s Bounty 2 im Test: Technisch wie inhaltlich oldschool

Während viele Gameplay-Mechaniken insbesondere durch deren klassische und bewährte Ausrichtung überzeugen können, so kommt King’s Bounty 2 leider auch in manch anderem Bereich recht klassisch daher – wie bspw. der technischen Umsetzung. So muss sich der Titel auch die Kritik gefallen lassen, dass bspw. die Steuerung in der 3D-Welt oft sehr schwerfällig ausfällt, dass Dialoge teils sehr erzwungen wirken und auch die Optik nicht annähernd das heute übliche Niveau erreichen kann. Dass nicht einmal 60 FPS auf der Xbox Series X erzielt werden, ist besonders schade, da dies bei schnellen Kamerafahrten besonders negativ auffällt.

King‘s Bounty 2: Technisch leider genau so oldschool wie inhaltlich.

Positiv hingegen ist, dass wir einen großen Teil der Welt erkunden und dabei viele liebevoll gestaltete Szenerien und Biome entdecken können. Dies sei auch angeraten, denn in den unterschiedlichsten Winkeln Nostrias gibt es Schätze und Plunder zu ergattern. Seien es neue Ausrüstungsgegenstände, die uns einen zusätzlichen Bonus in den anstehenden Kämpfen bieten, oder aber Gold und andere wertvolle Objekte. Eine Armee ist teuer und will entsprechend finanziert werden.

King‘s Bounty 2 im Test: Meinung und Fazit zum mutigen Oldschool-Rollenspiel

King‘s Bounty 2 im Test: Mutiges Rollenspiel mit klaren Stärken und Schwächen.

King’s Bounty 2 ist ein solides Rollenspiel alter Güte. Es kommt zwar technisch und inhaltlich nicht mit moderneren Genre-Vertretern mit, verzichtet es doch auf viele entsprechende Merkmale, wie bspw. Dialogoptionen oder bombastische Grafik. Dafür verläuft sich der Titel auch nicht auf seinem Weg zu diesem Ziel und macht durchgehend eine solide Figur. Dabei besticht insbesondere das rundenbasierte Kampfsystem, welches durchaus fordernde taktische Elemente mit sich bringt. Zwar kann man dem Spiel ankreiden, dass die visuelle Präsentation nicht den heutigen Maßstäben entspricht, doch im Austausch dafür bietet der Titel eine packende Story, die uns im Laufe des Spiels immer mehr in ihren Bann gezogen hat und auch in anderen Bereichen viele Freiheiten bietet.

ProCon
– Wunderschöne, weitläufige Welt– Fehlende Dialogoptionen
– Talentsystem mit schwerwiegenden Entscheidungen– Technisch angestaubt
– Tiefgreifendes taktisches Kampfsystem– Teils klobige Steuerung
– Armee mit zahllosen Einheitentypen– Keine 60 FPS
– Drei unterschiedliche Hauptcharaktere– Rätsel teils zu einfach

Rubriklistenbild: © Deep Silver

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