Dat muss scheppern

Knockout City im Test: Völkerball-Geschepper mit E-Sport-Potenzial?

  • Joost Rademacher
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Dass da nicht schon früher jemand drauf gekommen ist: Knockout City macht einen Versuch, Movement-Shooter mit Völkerball zu verbinden. Bälle raus, ab aufs Feld.

Hamburg – Die aktuelle Szene der kompetitiven Multiplayer-Spiele fühlt sich irgendwie gleichgeschaltet an. Am einen Ende ist alles voll mit MOBAs, am anderen tummeln sich reihenweise Ego-Shooter und wo die Battle Royales hintreten, wächst kein Gras mehr. Richtig frische Ideen, wie raketenbetriebenes Autoball finden sich nur noch selten. Jetzt treten aber EA und Velan Studios auf den Plan und wollen Schulsport E-Sport-fähig machen. Ihr neuer Multiplayer-Titel Knockout City verbindet Völkerball mit der knallharten Action eines Movement-Shooters und einer gehörigen Portion Craziness. Schauen wir mal, ob diese Rechnung aufgeht.

Release (Datum der Erstveröffentlichung)21. Mai 2021
Publisher (Herausgeber)EA
Serie-
PlattformPS4, Xbox One, Nintendo Switch, PC
EntwicklerVelan Studios
GenreMultiplayer-Action

Knockout City im Test: Zwei Strikes, du bist raus!

Das Spielprinzip von Knockout City ist grundsätzlich schnell erklärt: Zwei Teams á drei Spieler:innen schmeißen sich Bälle um die Ohren, wer zwei Mal getroffen wird, geht K.O. und das Team mit den meisten K.O.s gewinnt. Es gibt ein paar verschiedene Spielmodi, die noch ein paar Extras in die Formel bringen, aber im Grunde ist Knockout City quasi ein Völkerball-Team-Deathmatch. Aber Moment mal – da explodieren Bälle, Leute schmeißen ihre eigenen ballgewordenen Teammitglieder umher und sind das etwa Sniper-Footballs?

Ihr merkt schon, Knockout City geht mit seiner Prämisse tatsächlich weit über das herkömmliche Turnhallen-Trauma vieler Schüler:innen hinaus. Es hat schon einen Grund, dass Velan Studios das Spiel gerne Dodgebrawl nennt. So schneidet es sich mit seinem Timing- und Movement-basierten Gameplay ein ordentliches Stück vom Arena-Shooter-Kuchen ab und schmeißt noch eine ordentliche Schippe knallbunter Fortnite-Ästhetik obendrauf. Von seinen Inspirationen nimmt Knockout City noch eine ganz wichtige Sache mit: Skillbasierten Multiplayer in Reinform.

Knockout City im Test: Völkerball-Geschepper mit E-Sport-Potenzial?

Knockout City im Test: Kind, wollen wir ein paar Bälle werfen?

In den Matches von Knockout City scheppert es ordentlich. Das liegt nicht etwa daran, dass ihr viele verschiedene Helden lernen müsst, die alle verschiedene Skills haben. Nein, Probleme mit dem Balancing verschiedener Waffen und Fähigkeiten gibt es nicht, denn Velan Studios konzentriert sich bei Knockout City auf das Wesentlichste. Im Kern des Spiels liegt ein einziges System aus Werfen und Fangen, das die Entwickler:innen mit einigen Kniffen versucht haben, möglichst weit auszureifen.

Wie im Völkerball üblich, könnt ihr nämlich geworfenen gegnerischen Bällen nicht nur ausweichen, sondern sie mit entsprechendem Timing fangen und für einen Konterwurf auf eure Gegner zurückschleudern. Besseres Timing wird dazu mit einem härteren Wurf belohnt. Damit ihr euch auch voll und ganz auf diese Ballwechsel konzentrieren könnt, verzichtet Knockout City völlig auf manuelles Zielen. Stattdessen nehmt ihr einen Gegner automatisch ins Visier, sobald ihr zum Wurf ansetzt. Eigentlich ist das nur ein kleiner Wechsel im Gameplay-Fokus, aber die Auswirkungen auf die Matches sind deutlich spürbar.

Knockout City: Gutes Timing macht gute Treffer

Zusätzlich könnt ihr nämlich noch Bälle in Kurven und als Lupfer werfen, oder auch Würfe nur antäuschen, was besonders aus den 1-gegen-1-Duellen ziemlich nervenaufreibende Mindgames macht. Nur solltet ihr nicht von blitzschnellem Movement ausgehen, bei dem ihr jede Animation canceln könnt. Ein wenig Bedacht für eure nächsten Aktionen solltet ihr schon mitbringen. Dennoch: die Steuerung von Knockout City bietet einige Möglichkeiten, taktisch gegen eure Gegner vorzugehen – noch wilder wird es aber, wenn ihr mit euren Freunden gemeinsam im Team spielt.

Mit geschicktem Teamplay durch Pässe oder indem ihr einfach eure Crewmitglieder auf die Gegner schmeißt, könnt ihr einen ziemlich großen Vorteil im Völkerball-Getümmel erlangen. Die meisten Mechaniken davon sind aber immer mit einem gewissen Risiko besetzt, einfach weil eure Gegner praktisch jeden Ball fangen könnten und mit umso härteren Würfen antworten könnten. Zusammen mit einigen Superbällen, die jedes Match noch ein wenig aufrütteln, spielt Knockout City sich tatsächlich sehr frisch und chaotisch, ohne dabei die taktische Tiefe allzu sehr aufs Spiel zu setzen.

Knockout City im Test: Da hapert es etwas im Mittelfeld

Velan Studios scheitert allerdings ein wenig daran, das technisch recht gelungene Gameplay mit wirklich einnehmenden Inhalten voll auszureizen. Zunächst einmal wäre da die Frage nach den verschiedenen Spielmodi. Zum Release gab es die üblichen Verdächtigen: 3v3-Team K.O, Party-Team K.O., ein 1v1-Duell und einen Diamantenklau-Modus, der wie Abschuss Bestätigt in Call of Duty funktioniert. Die Modi arbeiten zwar gut mit dem Spielprinzip und den verfügbaren Maps, aber sie sind eben auch nur der erwartbare Genre-Standard. Gerade ein Spiel wie Knockout City, das sich mit seinem ‚verrückten‘ Stil brüstet, hätte da etwas mehr Originalität vertragen können.

Knockout City: Obacht mit gegnerischem Beschuss

Auch müsst ihr euch darauf beschränken, ausschließlich Online gegen Freunde oder Fremde zu spielen. Private Matches sind möglich, mit einer ausreichend großen Truppe könnt ihr also grundsätzlich problemlos gemeinsam zocken. Ein Lokaler Modus mit Splitscreen fehlt aber, was schade ist, weil Knockout City prinzipiell großartig zu gemeinsamen Matches auf der Couch passen würde. Wer seine Techniken alleine etwas ausfeilen möchte, muss leider auch in die Röhre gucken: Offline-Spielmodi gegen die KI gibt es auch nicht.

Immerhin gibt es für die kompetitiven Spieler:innen einen Ranglisten-Modus mitsamt neunwöchigen Saisons. In den Ligaspielen wird grundsätzlich 3v3-Team K.O. gespielt und je höher ihr während einer Saison klettert, desto besser fallen eure Belohnungen am Ende aus. Erwartet aber nicht zu viel, sämtliche Belohnungen für Levelaufstiege und Ranglisten-Matches sind in Knockout City rein kosmetischer Natur. Mit jeder Saison will Velan Studios dafür das Angebot in Knockout City etwas aufstocken und neue Events, Playlists und Maps ins Spiel bringen.

Knockout City: Häuserkampf mal anders

Knockout City im Test: Stadionstimmung auf dem Hochhaus

In der aktuellen Saison kommt Knockout City auf etwa 6 Arenen. Das ist eine etwas schmale Auswahl, dafür sind die Maps im Einzelnen schön abwechslungsreich und kommen mit verschiedenen Gimmicks, die das Gameplay noch ein wenig aufbrechen. Hier gibt es eine Häuserschlucht, die überbrückt werden will, da fliegt eine riesige Abrissbirne umher – solche Eigenheiten heben das Spielgefühl für jede Map voneinander ab und helfen bei der Orientierung. Generell findet Velan Studios einen Weg, die Arenen intuitiv navigierbar zu machen, ohne das klassische 3-Lane-Prinzip zu offensichtlich zu nutzen.

In den Maps wird auch der visuelle Stil von Knockout City nochmal richtig deutlich. Zwar finden die Runden alle in urbanen Gegenden wie Baustellen, Hochhäusern oder dicht befahrenen Straßen statt, aber das macht das Spiel nicht weniger farbenfroh. Alles blinkt und leuchtet in Neonfarben, die Sättigung ist gefühlt auf 130% gedreht und harte Ecken und Kanten stärken den Comicstil, den Knockout City fährt.

Knockout City: Quietschbunt und explosiv

Knockout City im Test: Ärger in der Umkleide

Nur ist der Grafikstil stellenweise nicht konsequent genug durchgesetzt, oder ganz einfach unschön anzusehen. Die Menüs sind in weiten Teilen umständlich gestaltet und machen einige Dinge nerviger, als sie sein müssten. Ein direkter Wechsel des Spielmodus nach einem Match ist zum Beispiel nicht drin. Stattdessen zwingt Knockout City euch, erst ins Hauptmenü zurückzukehren, um eine andere Playlist zu wählen.

Die größten Schwierigkeiten werden die meisten Spieler:innen aber wohl mit den Charaktermodellen haben. Die ewig frech aussehenden Punk-Cartoonfratzen werden nicht jedermanns Sache sein. Sie sehen dauerhaft aus, als würden sie aushecken, wie sie dem nächstbesten Teenager in der Umkleidekabine die Unterhose über den Kopf ziehen. Charme geht da anders. Dieser ‚Douchebag-Faktor‘ lässt sich mit den verschiedenen kosmetischen Items zwar etwas mindern, aber etwas unangenehm sehen die Charaktere trotzdem immer aus.

Knockout City: Diese Fratzen muss man erstmal mögen

Knockout City im Test: Party im Vereinsheim

Letzten Endes tut das Aussehen der Charaktere aber wenig zur Sache. Was bei einem kompetitiven Multiplayer-Spiel zählt, ist gutes Gameplay und da kommt Knockout City im Großen und Ganzen gut bei weg. Der Einstieg in ein Match ist schnell erledigt, dann gibt‘s Fratzengeballer und 10 Minuten später ist das ganze schon wieder vorbei. Knockout City ist schnelle Kost, die sich spielerisch gut anfühlt. Nur sind wir uns nicht ganz sicher, ob das Gerüst auch über mehrere Saisons bei der Stange halten kann, gerade da die bisher verfügbaren Spielmodi nach ein paar Stunden durchgekaut sind.

Ein Blick in Knockout City lohnt sich trotzdem, allein da ihr dank Crossplay mit euren Freunden problemlos zusammen spielen könnt. Crews könnt ihr über mehrere Plattformen hinweg starten und aufbauen und selbst an einen integrierten Voicechat für alle Mitspieler:innen hat Velan Studios gedacht. Außerdem könnt ihr Knockout City noch bis zum 30. Mai kostenlos testen, bevor ihr die 20 Euro für das komplette Spiel hinlegt.

Knockout City im Test: Unser Fazit zur Völkerball-Keilerei

Knockout City: Unser Fazit zur Völkerball-Keilerei

Der Markt für Multiplayer-Spiele ist heute ziemlich gesättigt. Da braucht es etwas wirklich originelles, um irgendwie den Fuß in die Tür zu bekommen. Dass Velan Studios so etwas schon mit seinem zweiten Spiel wagt, ist allein schon ein Mindestmaß an Respekt wert. Knockout City ist ein vollblütiges Multiplayer-Spiel mit einer originellen Idee und größtenteils ziemlich guten Umsetzung. Das Gameplay ist schnell und intuitiv, die Matches sind kurzweilig und kompetitive Spieler:innen können sich in den Ranglisten festbeißen.

Das ganze Drumherum ist es leider, wo Velan Studios nicht weit genug gedacht hat oder Fehltritte macht. Ohne einen lokalen Multiplayer und Offline-Matches ist die Spielbarkeit von Knockout City schon eingeschränkt und auch die bisher verfügbaren Spielmodi sind nicht endlos unterhaltsam. Ob wir noch in einem halben Jahr von Knockout City sprechen werden, bleibt letzten Endes aber daran hängen, ob Velan Studios Wege finden kann, seine Community motiviert zu halten. Das Gerüst für ein ausdauerndes Spiel ist da, aber das Innenleben ist noch ausbaufähig.

Pro Con
+ Frische Idee für ein Multiplayer-Spiel- Wenig originelle Spielmodi und keine Offline-Matches
+ Gameplaymechaniken bieten viel Platz für clevere Spielzüge- Movement funktioniert nicht allzu flüssig
+ Fokus auf Timing statt Zielgenauigkeit- Bietet aktuell nicht genug Langzeitmotivation
+ Schnell verständliche Maps mit eigenen Gimmicks- Umständliche Menüs
+ Kurzweilige Matches- Charaktermodelle sind Geschmackssache
+ Knallbunter Grafikstil, ohne unlesbar zu werden
+ Crossplay für alle Plattformen

Rubriklistenbild: © Velan Studios/ EA

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