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Legends of Runeterra: Das Kartenspiel von Riot angezockt.

MOBA meets MTG

Legends of Runeterra (LoR) in der Vorschau: Alles zum neuen League Kartenspiel

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League of Legends als digitales Sammelkartenspiel. Wir haben Legends of Runeterra angespielt und verraten, was ihr über das neue Spiel von Riot Games wissen müsst.

Legends of Runeterra: Das Kartenspiel von Riot angezockt.

Oh frohlocket, Beschwörer des Teemo und Jünger der Elo! Zur Feier des zehnjährigen Jubiläums von Riot Games MOBA-Gigant League of Legends kündigte der Entwickler gleich mehrere neue Spiele an. So springt Riot unter anderem auf den Collectible Card Game Zug (CCG) auf und schraubt mit Legends of Runeterra an einem brandneuen DCCG, das frischen Wind in die Welt von Heartstone, Magic und Co. bringen soll. Material zum Spiel könnt ihr euch bereits in Hülle und Fülle online ansehen, doch mit etwas Glück dürft ich sogar selbst schon Hand anlegen.

Was ist LoR?

Legends of Runeterra heißt der neue Titel aus dem Hause Riot Games, der seit dem 16. Oktober als Preview-Patch für eine ausgewählte Spielerschaft spielbar ist. Inspiriert von Artifact, Hearthstone, Magic The Gathering und Eternal (und schätzungsweise noch einem dutzend anderer Spiele, die wir hier zu faul sind zu nennen), verbindet LoR bekannte Spielelemente des DCCG Genres zu einer neuen Spielerfahrung.

Alte Legenden in neuer Kartenform.

Selbstverständlich stehen die namensgebenden Legenden im Vordergrund, sodass ihr euch auch in der Kartenspiel-Variante nicht von den geliebten Champions trennen müsst. Ähnlich wie beim Konkurrenten von Valve, orientieren sich die insgesamt 24 Champions des Basissets stark an ihren MOBA Alter Egos und geben so jedem Deck ihren ganz eigenen Charakter. Insgesamt enthält das Basisset 318 Karten, die sich auf aktuell 6 Fraktionen aufteilen. Bisher spielbar sind diese aus dem Universum bekannten Fraktionen: 

  • Demacia
  • Ionia
  • Die Schatteninseln
  • Noxus
  • Freljord
  • Piltover & Zaun

Ein Deck besteht dabei aus maximal zwei verschiedenen Fraktionen, die ihr nach Lust und Laune zusammenbasteln könnt – und ja, ihr könnt also Darius und Braum Hand in Hand mit einer Armee wütender Poros in den Kampf ziehen lassen. Träume werden wahr.

Wie ihr Legends of Runeterra schon jetzt spielen könnt – LoR Beta Zugang und Release Date

Vor dem eigentlichen Release von Legends of Runeterra Anfang 2020 hat Riot Games eine Serie an sogenannten Preview-Patches angekündigt, bei der neben Presse und Content Creators auch ausgewählte Betatester mitmachen dürfen. Damit ihr euch für den Early Access qualifiziert, müsst ihr euch entweder mit eurem existierenden Riot Games Account auf der offiziellen Webseite einloggen oder einen neuen Account erstellen. Spielt ihr dann auch noch fleißig League of Legends oder konsumiert entsprechenden Content auf Twitch oder YouTube, steigen eure Chancen auf einen Vorabzugang. Außerdem sichert ihr euch durch die Registrierung einen Moonstruck Poro Skin für das knuddelige Dekotierchen auf dem Kartentisch.

Die nächste Vorschau-Phase folgt im November.

Glücklicher oder unglücklicherweise (das müsst ihr entscheiden) hat Riot unserer Redaktion voll Bronze Hardstucks und Level 25 Hearthstone Angry Chickens auch einen Zugang zur Legends of Runeterra Vorabversion ins Haus gebracht. Bevor der Titel also Anfang 2020 für PC und Android tatsächlich released, sind wir schonmal durch Runeterras Tavernen gestolpert und haben jeden Beschwörer*in zum Kartenkloppen verdonnert, der oder die nicht schnell genug wegflashen konnte. Dass der Client in nicht allzu ferner Zukunft auch für IOS und ggf. für Konsolen erscheinen wird, halten wir im Übrigen für ziemlich wahrscheinlich. In der ersten Phase wird sich der Entwickler allerdings, laut eigener Aussage, zunächst auf die PC- und Android-Versionen konzentrieren.

Mehr zum Kartenspiel: Legends of Runeterra – Ist das Spiel dem Marktriesen Hearthstone gewachsen?

LoR Gameplay – Ein bisschen League of Legends, ein bisschen mehr Magic the Gathering

Was haben Poros und Seto Kaiba gemeinsam? Seit dem Legends of Runeterra Vorschaupatch wissen wir es: Beide haben Angst vor Exodi.. äh Fiora. Aber bevor wir uns hier selbst überholen, erstmal das Spielprinzip im Überblick: Grundsätzlich spielt sich Legends of Runeterra wie ein gewöhnliches CCG. Beide Spieler sind abwechselnd an der Reihe und spielen Karten aus, wobei jede Karte eine bestimmte Anzahl an Mana kostet. Zu Beginn einer Runde erhöht sich der Manavorrat beider Spieler um eins und füllt sich automatisch wieder vollständig auf. Soweit so Hearthstone.

LoR setzt auf das Konzept Aktion-Reaktion.

Hier hören dann aber auch schon die Parallelen zu Blizzards Kartenklopper auf. So führt bei Legends of Runeterra nicht jeder Spieler in aller Ruhe seinen eigenen Zug aus, sondern lediglich eine Aktion zur Zeit. Nach jeder Aktion ist der andere Spieler wieder an der Reihe und kann eine Karte ausspielen, oder einfach die Aktion zurück an den Gegenspieler geben. Es wird also ähnlich wie bei Magic the Gathering nach jeder ausgespielten Karte die Zugpriorität an den Gegenspieler abgegeben. Der Ablauf eines Zugs ist dabei nicht klassisch in Mainphase, Combat Phase und Mainphase II unterteilt, sondern konzentriert sich hauptsächlich auf das Prinzip Aktion-Reaktion.

Zwar gibt es auch eine Kampfphase, doch Angreifer und Verteidiger wechseln hier fest nach jedem Zug. Beide Spieler teilen sich also praktisch einen Zug und können zu jedem Zeitpunkt – außerhalb des Kampfes – Unterstützer ausspielen. Ein Zug endet, sobald kein Spieler mehr Mana ausgeben kann oder möchte. LoR ist, auch hier vergleichbar mit Magic und ungleich Hearthstone, ein Blockersgame. Seid ihr also in der Position des Angreifers solltet ihr vor dem Angriff eure Synapsen kneten, um herauszufinden, wie der Gegner euren Angriff vermutlich blocken wird. Anders als bei Magic könnt ihr allerdings jeden Angreifer nur mit einem Verteidiger zur Zeit blocken, was die potentiellen Optionen deutlich reduziert und Einsteigern das Leben erleichtert. Außerdem erleichtert euch Legends of Runeterra das Blocken zusätzlich, da alle Einheiten immer angreifen und trotzdem im folgenden Zug blocken können.

Mit dem Keyword "Herausforderer" sucht ihr euch eure Blocker selbst aus.

Alternativ könnt ihr Karten mit dem Keyword Herausforderer ausspielen, um der gegnerischen Defensive einen Strich durch die Rechnung zu machen. Die mit einem kleinen Enterhaken markierten Karten werfen eben diesen fiesen Haken aus, um sich ihren jeweiligen Verteidiger selbst auszusuchen. Gekämpft wird klassisch, jede Karte hat neben den Manakosten auch noch eine Zahl für Angriffs- sowie Verteidigungspunkte. Sind die Angriffspunkte gleich oder höher den Verteidigungspunkten des Gegenübers, wird die Karte zerstört. Überlebenden Karten stellen allerdings nicht automatisch zum Rundenende ihre Lebenspunkte wieder her, sondern verbleiben angeschlagen auf dem Feld. Greift eine Karte ungeblockt an, richtet sie direkten Schaden am feindlichen Nexus an. Der Nexus beider Spieler hat zu Beginn eines Matches 20 Lebenspunkte. Achso und hatten wir erwähnt, dass ihr gewinnt, sobald ihr den gegnerischen Nexus zerstört habt – klar oder?

Wer spart, der zaubert

Ein weiteres neues Feature im CCG Genre ist das Manareservoir. Habt ihr am Rundenende ungenutztes Mana, wird dieses gespeichert. Hier könnt ihr zwar nur bis zu drei Manapunkte zwischenlagern, außerdem können die Punkte nur für Zauber genutzt werden, allerdings feder die Mechanik eine schlechte Anfangshand oder den Drawback bei einem gezwungenen oder taktischen Passen etwas ab. Da es in Legends of Runeterra auch Zauber gibt, die zu jedem Zeitpunkt – also auch während der gegnerischen Aktion – genutzt werden können, bringt das Reservoir eine willkommene taktische Finesse mit sich. 

Schnellzauber geben euch flexible Kontermöglichkeiten.

Ähnlich wie bei Magic gibt es auch in LoR einen Stack, so könnt ihr mit schnellen Zaubern auf gegnerische Zauber reagieren. Beispielsweise könnt ihr mit dem Zauber "Leugnen" gegnerische Fähigkeiten oder Zauber negieren. Spielt ihr einen "Combat Trick", um eine eurer Einheiten im Kampf zu unterstützen, haben diese in LoR allerdings häufig den Zusatz „sofort", womit sie den Stack nach dem Ausspielen schließen und der Gegner nicht mehr reagieren kann. 

Level Up 

Die zentralen Champions in Legends of Runeterra geben nicht nur den meisten Decks Identität und Charakter, sondern legen häufig auch den spielerischen Fokus des Decks fest. Bis zu sechs Champions und drei Kopien könnt ihr pro Deck spielen. Jeder Champion verfügt über eine Levelup-Mechanik, die beim Erfüllen einer bestimmten Bedingung in Kraft tritt. Hat euch Lux z.B. dabei zugesehen wie ihr 6 Zauber auf den Gegner schmeißt, entwickelt sie sich. Bei der Entwicklung steigen zum einen Angriffs und Verteidigungspunkte des Champions, zum anderen verfügen die entwickelten Helden über eine mächtigere Fähigkeit als ihre schwächliche Basisversion. So fügt Lux bei jedem Angriff ein "Finales Funkeln" eurer Hand hinzu, ein Zauber der sechs Schaden an einer gegnersichen Einheit anrichtet und am Ende der Runde wieder aus eurer Hand verschwindet, solltet ihr den Zauber nicht genutzt haben. 

Keine Legende ohne Level.

Die Fähigkeiten der Helden schwanken dabei zwischen unterstützend und spielentscheidend. Während Lux euch also mit Removal Spells versorgt und sich Tryndamere selbstverständlich hartnäckig weigert zu sterben, kann Fioras Fähigkeit das Spiel allein entscheiden. Vermutlich in Anlehnung an die eine Fiora im Gegnerteam, die jeden League of Legends Spieler schon einmal mit drei Degenhieben über die Wupper geschickt hat, muss die Dame vier gegnerische Einheiten ausschalten ohne dabei zu sterben und gewinnt das Spiel. Damit stellt Fiora die aktuelle OTK Mechanik von Legends of Runeterra und erinnert damit an ikonische Karte wie die Exodia aus Yu-Gi-OH!. In jedem Fall sind nahezu alle Champions interessant designed und laden noch lange zum Theorycraften ein. Wer also hauptsächlich wegen der bekannten Gesichter aus League of Legends an dem Kartenbrawler interessiert ist, kommt hier definitiv aus seine Kosten.

Alle Champions im Überblick:

Demacia

Fiora

Garen

Lucian

Lux

Ionia

Karma

Shen

Yasuo

Zed

Die Schatteninseln

Elise

Hecarim

Kalista

Thresh

Noxus

Darius

Draven

Katarina

Vladimir

Freljord

Anivia

Ashe

Braum

Tryndamere

Piltover & Zaun

Ezreal

Heimerdinger

Jinx

Teemo

Spielmodi und Bezahlmodell – Porostreichelzoo statt Walfang 

Bislang ist die Auswahl an Spielmodi noch enorm begrenzt, so gibt es nach einem kleinen Tutorial lediglich die Möglichkeit, gegen andere Spieler oder gegen die KI in normalen Spielen anzutreten. In 11 Belohnungsstufen erweitern wir über den Prolog unsere Sammlung und erhalten sowohl erste Quests als auch Wildcards. Anders als bei der Konkurrenz setzt Riot Games nicht auf teilrandomisierte Booster Packs und konzentriert sich auf einen etwas zielstrebigeren Ansatz. Wie bei MTG Arena erhaltet ihr durch das Erledigen von Quests und Sammeln von Erfahrungspunkten Wildcards, die ihr gezielt gegen eure Wunschkarte eintauschen könnt. Habt ihr den Prolog beendet, könnt ihr euch zusätzlich entscheiden, für welche Fraktion ihr gerade fokussiert Belohnungen sammeln wollt. Ein Deck enthält 40 Karten und 6 Champions, wobei sich die Karten wie üblich in folgende Seltenheitsstufen einteilen: Gewöhnlich, Selten, Episch und Champion unterteilen. 

Legends of Runeterra: Vielspieler statt Vielzahler im Fokus.

Freischalten könnt ihr die Karten entweder über Wildcards, über die Ingamewährung Splitter oder über die Echtgeldwährung Münzen. Besonders bemerkenswert ist, dass Riot Games mit ihrem digitalen Kartenspiel offenbar nicht die Walfangsaison eröffnet hat. Wildcards sind im Shop wöchentlich limitiert, sodass euch auch Omas Erspartes hier zum Release nur wenig weiterhilft. Diese Designentscheidung soll ein gemeinsames Wachstum der Community ermöglichen und Spieler dazu ermutigen, mit dem vorhandenen Karten ihrer Sammlung zu experimentieren, anstatt stumpf zu Netdecken. Zusätzlich leiht sich Riot Games den Vault von MTG: Arena und feiert den wöchentlichen Vaultday. Jeglicher Fortschritt im Spiel bringt Erfahrungspunkte, die direkt in den Tresor fließen. Je mehr ihr spielt, desto fetter die Beute am Ende der Woche. Ab Level 10 winkt sogar ein garantierter Champion im Tresor. Vielspieler werden hier also vor Vielzahlern begünstigt. Wir finden: Gut so!

Legends of Runeterra: Story, Design und Präsentation

Eine Hintergrundgeschichte hat Riot Games für das Kartenspiel noch nicht bestätigt, spannend dürfte es trotzdem werden, zu sehen, wo sich das Spiel ins League of Legends Universum einpasst. Gerade im Zusammenhang mit der angekündigten Animated Series sowie den fortlaufenden Comics, könnte Riot Games mit Legends of Runeterra die Möglichkeit wahrnehmen, die Lore ihrer Welt noch weiter auszudifferenzieren.

Die aktuelle Preview-Version lässt bislang jede Spur narrativer Elemente vermissen und konzentriert sich voll und ganz auf das Gameplay des Titels. Ähnlich wie beim großen Vorbild Magic the Gathering nuanciert aber schon jetzt der Flavor Text auf jeder Karte das narrative Geflecht von Runeterra und trägt so zu einer immersiveren Lore bei. Untermalt wird der Flavor Text zusätzlich von anekdotischen Interaktionen zwischen bestimmten Karten. So postuliert der Meisterschüler der Laurent sehnsüchtig: „Wenn Fiora mich doch jetzt sehen könnte!“ Habt ihr Lady Fiora bei Ausspielen des Schülers tatsächlich auf dem Feld, antwortet die Dame prompt mit: „Das kann sie und sie ist nicht beeindruckt.“ Diese kleinen Anspielungen erfinden das Rad zwar nicht neu, laden aber hie und da zum Schmunzeln ein und runden den Eindruck der Welt ab. 

Gelungene Flavor Texte und kleine Anspielungen.

Gerade Neulingen oder League Veteranen, die sich bislang noch nicht mit der Lore des MOBAs auseinander gesetzt haben, dürfte die stimmige Inszenierung entgegen kommen. Wie schon beim Klassensystem von Hearthstone oder den Farben von Magic, spielt sich jede Fraktion nicht nur anders, sondern steht auch für einen ganz eigenen Look. Zugegeben war die designtechnische Herausforderung für das Gameplay der einzelnen Fraktionen hier definitiv größer, als die Identitätsfindung, da Freljord, Ionia und Co. aus der Spiellore bereits bekannt waren. Dennoch macht Riot Games hier einen soliden Job und transportiert mit der gewohnt knalligen Farbwahl eine Mischung aus Aquarell und Comiclook, der sich hervorragend eignet, um den Fantasy-Stereotypen einen Rahmen zu geben.

Zwar ist das Artwork weder so pointiert und ikonisch wie bei Blizzard und kommt auch bei Weitem nicht an die künstlerische Finesse eines Magic the Gathering ran, lässt aber die übrige Konkorrenz weit hinter sich. Legends of Runeterra positioniert sich mit einem eigenwilligen Stil trotz recht generischem Design, in der ersten Fassung aber beinahe auf Augenhöhe mit Hearthstone und MTG und dürfte gerade die League of Legends Fans mehr als zufriedenstellen. Nicht wenige der Neuinterpretationen bekannter Helden bereichern die existierenden Illustrationen aus TFT und LOL, um zusätzliche Charaktertiefe, was das Sammeln der bekannten Champions umso reizvoller macht. Die Qualität der Artworks ist durchweg auf hohem Niveau, mit einigen wenigen Ausreißern nach oben und nach unten. Alles in allem wirkt das Basisset wie aus einem Guss und auch die Illustrationen der Hintergründe im Client laden zum Verweilen ein.

Die Bombast-Optik stimmt, steht aber dem Gameplay im Weg.

Auch die Kartenanimationen sind größtenteils sehr treffend und spaßig designed, wobei Riot aber nicht an Bombast gespart hat. Nimmt sich Magic The Gathering Arena fast völlig zurück in punkte flashy Animations, zündet LoR bei nahezu jeder Animation die LSD-Ultimate. So wird jedes gewonnene Match oder jeder aufgelevelte Held zu einem Synapsenfest der Extraklasse. Zwar ist der Endorfin-Freudentaumel die ersten Matches sehr belohnend, verliert aber recht schnell seine Griffigkeit. Die Helden-Animationen sind obligatorisch und laufen stehts im Vollbild ab, was das Gameplay unterbricht und weniger erfahrenen Spielern den Überblick über das Spielgeschehen erschwert.

Unterm Strich macht der Auftakt von Legends of Runeterra aber visuell eine gute Figur. Die Welt ist stimmig eingefangen und lädt zum Verweilen ein, die Animationen machen Spaß, auch wenn sie für unseren Geschmack deutlich zu aufgedreht wirken. Ein Wermutstropfen ist außerdem die deutsche Synchronisation und Lokalisierung. Weder das eine noch das andere will so richtig rund wirken und bricht stellenweise sogar arg mit der Kohärenz der Welt, wobei wir uns beim Probespielen besonders an der kindlichen Lokalisierung aufgehangen haben. Gerade beim Text des zuvor angesprochenen Meisterschülers der Laurent fällt der Fremdschäm-Faktor enorm hoch aus. Der tapfere Kämpfer krakelt beim Ausspielen der Karte jedesmal leidenschaftlich: „Parade, Konter du bist am Popo!“. Flach- und Wortwitze haben wir bei der Konkurrenz schon besser gesehen, wir erinnern uns beispielsweise an den Affen mit Waffe aus Hearthstone.

Kleinere Mängel in der frühen Version.

Besonders gefallen haben uns hingegen einige der namenlosen Supportkarten, die auf unbekannte Facetten von Runeterra und damit auf großes Erweiterungspotential schließen lassen. Zwar wird es zu Release nur die genannten sechs Fraktionen geben, zukünftige Add-ons sind allerdings in Planung. Hier wird sich also noch zeigen, welches Designpotential Riot Games mit Legends of Runeterra noch ausschöpfen kann, sobald der Titel erstmal aus dem Startblock geghosted ist. 

Zusätzlich zu Legends of Runeterra hat Riot auch eine neue Season für ihren Auto-Brawler angekündigt. Im Artikel erfahrt ihr, was euch in Season 2 von Teamfight Tactics erwartet.

Fazit*

Legends of Runeterra bedient sich ganz offensichtlich der spielerischen Brillianz von Genre-Urvater Magic the Gathering. Dabei vereinfach Entwickler Riot Games dutzende der komplexen Spielmechaniken gekonnt und spielt die Vorzüge eines rein digitalen Kartenspiels voll aus. Gepaart mit der starken IP und einigen unerwarteten Neuerungen, liefert LoR einen gekonnten ersten Auftritt. Der knallige Stil und die LSD-getränkten Animationen treffen sicherlich nicht jeden Geschmack, dennoch präsentiert sich der Titel mit Charme und Charakter. Gerade der Supporting Cast fällt allerdings deutlich hinter den Champions zurück und zeigt stellenweise die Grenzen der MOBA Lore auf. Da Riot hier aber mit Animationsserie und Comics fleißig nachbessert, zeigt sich schon jetzt viel Potential für künftige Erweiterungssets. Sowohl spielerisch als auch inszenatorisch setzt Riot Games auf Zugänglichkeit und Massentauglichkeit, doch überrascht durch faire Monetarisierung und interessante Fortschrittsmechaniken. Anders als Valve scheint uns das kalifornische Studio hier näher am Zahn der Zeit in puncto Kurzweiligkeit, Zugänglichkeit und Kartenökonomie digitaler Kartenspiele. Ob Legends of Runeterra damit allerdings an Hearthstone und Magic the Gathering Arena vorbeiziehen kann, werden letztlich Spielumfang sowie die Qualität der künftigen Erweiterungen entscheiden. 

PROS*

CONS*

+ Sehr übersichtlicher Launcher

- Wenige Spielmodi

+ Verhältnismäßig stabil für eine Beta

- Außerhalb der Champions wenig Identität und Charakter im Design

+ Frische Ideen

- Fehlende Komfortfunktionen (Mouseover, Deckgröße, Handgröße)

+ Gelungener Mix aus Gameplay-Elementen der Konkurrenz

- Recht lange Animationen ohne Möglichkeit, diese zu überspringen

+ Kein Whalefishing

- Reduziertes Spieldesign lässt bislang weniger Tiefgang vermuten als bei Magic the Gathering

+ Angenehme Fortschrittskurve

- Schwache deutsche Lokalisation

+ Reduzierte Echtgeldpreise anteilig am Sammlungsvolumen

+ Spaßige Interaktion zwischen Karten und Charakteren aus dem MOBA

* Unser Fazit bezieht sich lediglich auf ca. 10 Stunden mit dem ersten Vorschau-Patch von Legends of Runeterra. Ein ausführlicher Test folgt, sobald das Spiel in 2020 erscheint. Aktuell schaut ganz Europa auf das Team von G2 Esports, die im Duell gegen FPX um die Weltmeisterschaft kämpfen. Wir halten das Geschehen im LoL Worlds 2019 Live-Ticker fest.

Vincent Rieger

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