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Let’s Get Fit (Nintendo Switch) im Test: Zwischen Fitness-Fiasko und Trainings-Traum

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Von: Daniel Meyer

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Kein Spiel, sondern ein Fitness-Programm - mit Let‘s Get Fit stehen Workouts klar im Vordergrund, und die Umsetzung kann sich sehen lassen!

Paris – Im Laufe der Corona-Pandemie waren Fitnessstudio-Fans gezwungen, sich Alternativen zu suchen, bspw. Sport unter freiem Himmel oder in den eigenen vier Wänden. Um letzteres erfolgreich durchzuführen, wird an sich nur eine Trainings-Matte benötigt und schon geht es los. Let’s Get Fit auf der Switch unterstützt euch dabei und leitet in ganze Workouts ein. Also Zeit, um ins Schwitzen zu kommen! 

Name des SpielsLet's Get Fit
Release13. Mai 2022
EntwicklerVoxler (Paris)
PublisherNintendo
PlattformNintendo Switch
GenreFitness, Sport

Let‘s Get Fit (Nintendo Switch) im Test: So funktioniert das Fitness-Spiel

Let’s Get Fit ist auf der Nintendo Switch nicht alleine im Fitness-Genre anzutreffen. Ring Fit Adventure hat bereits stark vorgelegt, jedoch mehr einen Gamification-Ansatz gewählt, um Spieler zu motivieren. Bei Let’s Get Fit fällt dies zum großen Teil weg. Stattdessen möchte Entwickler Voxler professionelle Workouts anbieten, die sich sowohl an komplette Neulinge als auch Fitness-Cracks richten.

Ganz ohne Gamification kommt Let’s Get Fit vom Studio Voxler jedoch nicht daher. Neben abräumbaren Achievements gibt auch es eine Weltrangliste, in der eure Highscores aufsummiert werden. Je mehr ihr trainiert, desto weiter klettert ihr nach oben. Punkte gibt es für jede einzelne erfolgreich durchgeführte Übung, also bspw. für eine Liegestütze oder einen Squat. Wie erfolgreich diese ausgeführt werden, das wird via Joycon gemessen.

Let‘s Get Fit: Der virtuelle Trainer zeigt, wie die Übungen gemacht werden
Let‘s Get Fit: Der virtuelle Trainer zeigt, wie die Übungen gemacht werden © Voxler

Let’s Get Fit kann in einer Light-Version gespielt werden, in der ihr nur einen Joycon benutzen müsst. Die Retailfassung liefert hingegen zwei Gurte mit, an denen die Joycons eingefasst werden. Die Gurte werden am linken Oberschenkel sowie am rechten Unterarm festgezurrt und so kann das Training losgehen und gemessen werden. Größtenteils funktioniert dies gut, jedoch fällt es bei einigen Übungen auf, dass die Messungen mitunter nicht präzise genug durchgeführt werden.

Deinen Trainingsplan in Let‘s Get Fit auswählen und loslegen

In Let’s Get Fit begleiten euch vier unterschiedliche Trainer, die euch im Laufe der Workouts immer wieder mit kurzen Infohäppchen unterstützen und anfeuern. Dies ist an sich positiv, doch gerade die Anzahl der Dialogzeilen ist sehr begrenzt. Statt wie eine kaputte Schallplatte immer wieder dieselben Sprüche zu hören, wurde hier viel Potential verpasst. Weitere Infos zu den eigenen Übungen oder zum Pacing entfallen leider nahezu komplett.

In Let’s Get Fit gibt es zahlreiche voreingestellte Trainings zu finden, die euch auf eine 30-Tage lange Workout-Tour schicken. Die einzelnen Workouts sind zwischen 10 und 20 Minuten lang und auch unterschiedliche Schwierigkeitsgrade können gemäß eurem Fitness-Level ausgewählt werden. Ebenso können eigene Trainings erstellt werden, in denen die von euch gewünschten Körperregionen, die trainiert werden sollen, ausgewählt werden müssen. So kann schnell ein individuelles Workout generiert werden.

Let‘s get Fit: Die Vorschau zeigt, was im Workout auf euch zukommt
Let‘s get Fit: Die Vorschau zeigt, was im Workout auf euch zukommt © Voxler

Enttäuschend ist, dass es nicht möglich ist, komplett individuelle Trainings zusammenzustellen. Dies hätte eine der wichtigsten Funktionen des Spiels sein müssen – insbesondere für Workout-Fans. Kritisch ist zudem das Aufwärmen in Let’s Get Fit. Vor jedem Workout kann freiwillig eine Aufwärm-Session eingelegt werden, die allerdings sehr kurz und oberflächlich ausfällt. Dies ist leider gerade für längere und intensivere Trainings unschön, da ein erhöhtes Verletzungsrisiko besteht.

Let‘s Get Fit (Nintendo Switch) im Test: Umfang super – Umsetzung holprig

Wenn Let’s Get Fit etwas richtig macht, dann die Art und Weise wie die Workouts angeboten werden. Auf dem TV seht ihr euren Trainer, der euch Übung für Übung begleitet. Ganz nach dem Motto abschauen und mitmachen, können selbst Anfänger ganz einfach an den Übungen teilnehmen und richtig ins Schwitzen kommen. Tutorials stellen Neulingen zudem vor, wie bestimmte Übungen durchgeführt werden müssen. 

Auch die Anzahl der unterschiedlichen Übungen lässt sich sehen. Ob Jump Squats, klassische Burpees, Air-Bike Crunches oder Lounges – für jede Körperpartie sind zahlreiche Übungen mit dabei und bringen euch in den abwechslungsreichen Sessions ordentlich ins Schwitzen. Doch gerade die Durchführung ist mitunter recht holprig, denn so gibt es zahlreiche Ansatzpunkte in Let’s Get Fit, die deutlich besser hätten umgesetzt werden können. 

Let‘s Get Fit: Treten, Laufen, Boxen, Burpees - Hier kommt ihr ins Schwitzen!
Let‘s Get Fit: Treten, Laufen, Boxen, Burpees - Hier kommt ihr ins Schwitzen! © Voxler

Zu den größten Kritikpunkten an Let’s Get Fit zählt die Berechnung der verbrannten Kalorien. Nach einem absolvierten Workout erhaltet ihr eine Auswertung, wozu auch die soeben verbrannten Kilokalorien zählen. Erfahrene Fitness-Fans wissen jedoch sofort, dass hier kräftig geflunkert wird. Viele der zehn-minütigen Übungen wollen über 500 Kcal verbrennen, was quasi nicht möglich ist, was sich schon an der oft geringen Intensität der durchgeführten Übungen erkennen lässt. Unsere Vermutung: Hier hat man sich mal eben um eine Kommastelle vertan – peinlich.

Let‘s Get Fit im Test: Highscore und Joycons als Hindernis auf der Nintendo Switch

Während Let’s Get Fit auf der Nintendo Switch eine solide Präsentation abliefert, so ist es schade, dass der Nutzer gezwungen wird, die Joycons zu verwenden. Es gibt keine Möglichkeit, das Tracking zu deaktivieren, denn die Highscorejagd ist quasi ein Muss. Zwar können die Joycons auch einfach zur Seite gelegt werden, doch gerade das akustische und visuelle Feedback für das erfolgreiche oder nicht erfolgreiche Durchführen einzelner Übungen ist etwas störend. 

Wer sich zudem für die Lightversion auf der Nintendo Switch entschieden hat und somit keine Spanngurte verwendet, der muss auch inhaltlich Abstriche machen. Einige Übungen dürfen ohne Gurte nicht durchgeführt werden, was unserer Meinung nach Unsinn ist. Die Joycons stellen eine nette Ergänzung zum Tracking dar, doch was spricht gegen eine Deaktivierung des Punktesammelns? Es geht darum Fit zu werden und nicht Punkte zu sammeln.

Let‘s Get Fit: Nicht nur HIITs, auch Yoga-Übungen sind vorhanden!
Let‘s Get Fit: Nicht nur HIITs, auch Yoga-Übungen sind vorhanden! © Voxler

Während der Übungen lässt sich in Let’s Get Fit zudem ein Barometer auf dem Bildschirm finden, welches die Geschwindigkeit der durchzuführenden Übungen vorgibt. Dieses Konzept ist nicht schlecht, jedoch muss das Tempo beibehalten werden. Manche Übungen geben ein derart schnelles Tempo vor, dass diese kaum zu absolvieren sind, wohingegen andere teils viel zu langsam präsentiert werden.

Auch ist das akustische Feedback nicht ideal. Bei vielen Übungen ist der genau Start unklar, und während einiger Sessions fehlen akustische Signale, die auf das Ende einer Übung hinweisen oder der Start eines Bewegungsablaufes widergeben. Dies ist wichtig, da viele Übungen es quasi unmöglich machen, den Bildschirm zu verfolgen – zumindest ohne sich dabei beträchtlich zu verrenken.

Let‘s Get Fit (Nintendo Switch) im Test: Fitness-Fiasko oder Trainings-Traum?

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Let‘s Get Fit: Gute Ideen, durchwachsene Umsetzung. © ingame.de

Mit jahrelanger Erfahrung im Bereich Leistungssport sowie durch das regelmäßige Durchführen von HIIT-Workouts war ich sehr gespannt, was Let’s Get Fit auf der Nintendo Switch tatsächlich zu bieten hat. Das Resultat fällt schlussendlich allerdings durchwachsen aus und es ist notwendig, zwischen zwei potentiellen Zielgruppen zu differenzieren: Einsteiger und Profis.

Der umfangreiche Content sowie die solide Umsetzung von Übungen sowie diverse Tutorials liefern einen ordentlichen Mehrwert. Nutzer werden gründlich und gut in die Übungen eingeführt, die Schwierigkeitsgrade bauen gut aufeinander auf und bei regelmäßiger Nutzung von Let’s Get Fit kann definitiv der eigene Fitnessgrad beträchtlich verbessert werden. Daher lässt sich Let’s Get Fit vor allem für Einsteiger empfehlen.

Wer bereits regelmäßige Workouts durchführt und auf einem höheren Niveau trainiert, wird höchstwahrscheinlich eher enttäuscht werden. Neben der fehlenden Möglichkeit, komplett individuelle Workouts zu erstellen – es ist mir schleierhaft, warum gerade das nicht möglich ist – stehen auch viele weitere Hürden im Raum. So sind beispielsweise viele Übungen bereits abgeschlossen ehe die betroffene Körperpartie richtig zu brennen beginnt.

Auch das Fehlen von vielen akustischen Hinweisen innerhalb von Übungen sowie wie der Zwang, die Joycons zu nutzen, stellen sich als Unbequemlichkeiten dar. Final lässt sich sagen, dass Let’s Get Fit durchaus einen den eigenen Fitnesslevel erhöhen kann und auch sehr solide daherkommt, doch aufgrund vieler Einschränkungen ist der Titel nur begrenzt für Workout-Fanatiker zu empfehlen.

ProContra
+ Ideal für Einsteiger geeignet- Für Profis mit vielen Hindernissen
+ Große Anzahl an Übungen- JoyCon-Pflicht
+ WarmUps bereiten auf Workouts vor ...- ... die sehr kurz sind - Verletzungsrisiko!
+ Motivation durch Challenges und 30-Tage-Trainings- Keine individuellen Workouts erstellbar
+ Hilft in der Tat Fit zu werden!- Kalorienverbrauch wird komplett falsch berechnet

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