Tiefsee-Trash trifft animalische Action

Maneater im Test: Erwarten uns seichte Gewässer oder blutrünstige Hai-Action?

  • vonDaniel Meyer
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Eine Reise vom Baby-Hai bis zum Mega-Shark: In Maneater stehen Menschen ganz oben auf der Speisekarte. Im Test zeigt sich, was das kuriose Action-Rollenspiel kann.

  • Maneater ist ein Action-Rollenspiel von US-Entwickler Tripwire Interactive für PS4, Xbox One, PC und Nintendo Switch.
  • Das Singleplayer-Spiel schickt euch auf eine Reise vom Baby-Hai zum Mega-Shark.
  • Im Test zeigt sich, ob Maneater seichten Trash feiert oder tiefe Action verspricht.

Roswell, USA – Hai-Alarm auf Konsole und PC. Auf den ersten Blick verspricht das Konzept von Maneater kurzweilige Unterhaltung im Trash-Segment. Ob an dem Action-Rollenspiel rund um den König der Raubfische vielleicht mehr dran ist als es scheint, zeigt unser Test zum kuriosen Spiel von Tripwire Interactive.

Release (Datum der Erstveröffentlichung)22. Mai 2020
Publisher (Herausgeber)Tripwire Interactive, Deep Silver
Serie-
PlattformenPS4, Xbox One, PC, Nintendo Switch
EntwicklerTripwire Interactive, Blindside Interactive
GenresAction-RPG

Maneater im Test: Zwischen seichter Story, aber solidem Gameplay

Maneater gehört zu der Sorte Spiel, welches man nicht allzu ernst nehmen soll. Dies erkennen wir schon relativ früh, wenn allerlei Popkultur-Anekdoten auf uns einprasseln, die gesamte Welt für unseren kleinen Hai nichts weiter ist als ein Buffet und wir aktiv am Strand umherhüpfen um Sonnenanbeter zu schnabulieren. Doch auch entsprechend seicht kommt die Grundgeschichte des Games daher, die in Form einer trashigen Hai-Dokumentationsserie aufgezogen ist. Dies wird vor allem durch den Sprecher erkenntlich, der uns immer wieder mit spannenden Facts über Haie, Areale und andere Kreaturen der sieben Weltmeere zuballert.

Fische, Menschen, Boote, Jet-Skis: Die Beute in Maneater ist vielfältig und herrlich absurd.

Die eigentliche Geschichte beginnt mit einem Tutorial, in dem wir einen ausgewachsenen Bullenhai spielen. Nachdem wir jedoch die grundlegenden Mechaniken erlernt haben, begegnen wir unseren Erzrivalen, einem hasserfüllten Haijäger, dessen Vorfahren allesamt durch Haie getötet wurden. Also hegt dieser einen enormen Groll und ist auf der Suche nach dem Mega-Hai, der schon seinen Daddy auf dem Gewissen hat. Wir sind zwar nicht der Hai den er sucht, aber nach dem er uns gekillt hat, geht unsere Geschichte, als Baby-Hai los, in der wir es nicht nur einmal mit diesem Haijäger zu tun bekommen.

Abseits dieser Grundstory, bewegt sich Maneater allerdings grundlegend in äußerst seichten Gewässern – sowohl was die Küstengebiete der unterschiedlichen Areale der offenen Spielewelt angeht, aber auch die Story selbst. Maneater ist ein durchaus solider Titel, der allerdings nur sehr flache und eintönige Action liefert. Dank einer guten Steuerung, brilliert der Titel hier jedoch, auch wenn das Potential nicht annähernd abgeschöpft wurde.

Maneater hat ein Motto: Fressen oder gefressen werden…

Zugegeben, solange wir etwas Geschick an den Tag legen, stellt der Schwierigkeitsgrad hinter Maneater kein Problem dar, zumal es meist eh nur aufs Button-Mashing hinausläuft. Wir steuern so unseren kleinen Bullenhai, der mit jedem Levelaufstieg bis Stufe 30 stetig wächst und größer wird, durch Sümpfe, Stadt-Kanäle und Küstengebiete. Hier müssen wir im Grunde nur eines tun: Fressen. Durch das Fressen von anderen Meeresbewohnern und Menschen gelangen wir an wichtige Ressourcen, die wiederum zum Upgraden von passiven Fähigkeiten und Evolutionen genutzt werden können.

Haijäger sind eine besondere Bedrohung in Maneater, am Ende des Tages aber auch nur Futter für den aufstrebenden König der Raubfische.

Die meisten Fische sind allerdings nur Beute. Diese gilt es anzusteuern und mit der rechten Schultertaste in kleine Häppchen zu zerbeißen. Andere Raubfische stellen eine etwas größere Herausforderung dar, insbesondere wenn diese ein höheres Level als wir haben. Dies ist allerdings nur selten ein Problem, denn wir waren bereits nach der Hälfte des Spiels auf dem maximalen Level angekommen. Zudem können wir uns von Kämpfen jederzeit kurz zurückziehen um kleine Fische zu fressen, die uns wieder Lebensenergie zurückgeben.

Die Kämpfe gestalten sich ebenso einseitig. Mit den Schultertasten können Bissangriffe und Schwanzschläge durchgeführt und gegnerischen Attacken mit einem Ausweichsprint entgangen werden. Abseits dessen gibt es nur noch wenige Variationen, wie bspw. ein Schütteln der Beute, wenn wir es geschafft haben, uns an dieser festzubeißen. Zwar gibt es auch besonders hochrangige Apex-Predatoren in der Welt zu finden, jedoch bieten auch diese nur wenig Abwechslung. Wünschenswert wären bei einem solchen Game, welches sich selbst kaum ernst nimmt, etwa richtige Bosskämpfe gewesen. Bspw. gegen einen Kraken, einen Megalodon oder gerne auch gegen Kaijus. Leider geht Maneater hier nicht annähernd weit genug, um wirklich für abgedrehte Action zu sorgen. Stattdessen schwimmen wir durch die Gebiete der Welt, jagen vorgeschriebene Beute und sammeln massig Sammelobjekte ein, die allerdings auch so manche witzige Anspielung an Popkulturgeschehen abliefern.

Herausforderungen in Maneater: Haijäger als größte Bedrohung

Menschen fressen gehört in Maneater zu einer der Hauptbeschäftigungen. Diese können dabei nicht nur aus dem Wasser gepickt werden, auch ist es möglich mit einem Hechtsprung auf oder über Schiffe zu springen und das „Futter“ dabei abzugreifen. Dass Maneater nicht allzu realistisch ist, zeigt auch die Möglichkeit des An-Land-Gehens. So können wir uns für einige Zeit auch außerhalb des Wassers aufhalten und an Stränden und auf Promenaden aktiv auf Nahrungsmittelsuche begeben. 

Als Hai in Maneater könnt ihr eurer Beute nicht nur im Wasser auflauern. Als Mega-Shark macht ihr auch vor dem Landgang nicht Halt.

Jagen wir jedoch zu viele Menschen, so werden Haijäger auf uns aufmerksam, die alsbald in mehreren Jagdbooten daherkommen. Diese sind mit Gewehren und Dynamit schwer bewaffnet und stellen in Maneater eine der größten Bedrohungen dar. Je mehr Haijäger wir erledigen, umso berüchtigter werden wir. Mit jeder neuen erreichten Rangstufe kommt ein neuer spezieller Haijäger daher, den es auszuschalten gibt. Leider jedoch sind auch diese Encounter alles andere als herausfordernd und selbst die Charaktere sind hier eindimensional und langweilig gestaltet. Zumindest gibt es neue Evolutionsupgrades, wenn wir die Jäger ausschalten.

Maneater und Evolution – du musst ein schwarzer Hai sein unter den ganzen weißen!

Ein witziges Merkmal in Maneater ist das Evolutionssystem. Durch das Sammeln von Collectables oder durch das Erledigen von Haijägern, gelangen wir an neue Upgrades. Insgesamt gibt es für unseren Hai fünf Slots – von Flossen bis Zähnen – die wir mit diesen Evolutions-Upgrades ausstatten können. Davon gibt es je drei Varianten: Elektro, Knochen und Schatten. Jeder Variante verändert unseren Hai zum einen äußerlich und offenbaren obendrein deftige Verbesserungen.

Maneater: Wenn ihr jede Menge Meeresbewohner und Touristen verputzt habt, sieht euer Hai irgendwann so aus.

Betroffen sind davon bspw. passive Optimierungen wie Geschwindigkeit oder die Menge an Lebensenergie unseres Hais, aber auch deutlich aggressivere Features gesellen sich hinzu. Das Knochen-Set ist so bspw. ausgezeichnet für Kämpfe gegen Schiffe geeignet, wohingegen das Schatten-Set Feinde vergiften und das Elektro-Set zum Betäuben dieser genutzt werden kann. Außerdem sehen die Upgrades großartig aus, die zudem mit Ressourcen verbessert werden können. Etwas schade ist jedoch, dass manche Sets nur ganz zum Ende des Spiels freigeschaltet werden können.

Maneater im Test: Unser Fazit zum herrlich chaotischen Hai-Abenteuer

Maneater im Test: Netter Zeitvertreib statt Hailight.

Lohnt sich Maneater? Das kommt ganz drauf an. Der Titel liefert auf der einen Seite wenig Tiefgang und ist auch auf Dauer sehr repetitiv, aber dafür ist das Gameplay selbst ausgezeichnet umgesetzt. Es ist jedoch schade, dass das Potential des Spiels nicht annähernd ausgeschöpft wurde. Der Titel bietet so viele Möglichen aberwitzige Encounter abzuliefern. Selbst Eventszenen wären vorstellbar gewesen! Bspw. eine in der wir eine Gruppe Teenies, die einen Yachturlaub machen, in bester Horror-Manier den Ausflug verderben müssen – leider wurden solche Aspekte in keiner Weise aufgegriffen. Sollte man auf der Suche nach kurzweiliger Action sein, so lässt sich Maneater dennoch wunderbar empfehlen, jedoch sollte man hier keine sonderlichen Herausforderungen oder gar eine großartige Geschichte erwarten, denn dann fischt man wortwörtlich nur in trüben Gewässern. Maneater kommt daher als netter Zeitvertreib daher, ein Hailight ist das Game jedoch nicht.

ProCon
+ Wunderschöne und abwechslungsreiche Welt - Potenzial kaum ausgeschöpft
+ Schnelle und solide Action- Erfolge verbuggt und gelegentliche Hardcrashs
+ Abgedrehter Ansatz- Repetitives Gameplay
+ Reality-Show als Handlungsbasis- Evolutionen teils erst zum Spielende vollendet
+ Viele Eastereggs- Wenig Wiederspielwert
+ Evolutions- und Wachstumssystem- Steuerung teilweise hakelig
- Seichte Story
- Schwaches Charakterdesign

Jetzt seid ihr gefragt. Steht ihr auf die seichte Formel von Maneater oder braucht ihr ein bisschen mehr Tiefgang? Verratet uns eure ganz persönliche Testwertung in der folgenden Umfrage!

Rubriklistenbild: © Tripwire Interactive / Deep Silver

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