Verfolgungsjagd mit Müttern und Katzen inklusive

Mario Kart Live: Home Circuit im Test – Das perfekte Weihnachtsgeschenk?

  • Jonas Dirkes
    vonJonas Dirkes
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Mit Mario Kart Live: Home Circuit verwandelt Nintendo euer Wohnzimmer in eine Rennpiste. Ist das Spiel für die Switch das perfekte Weihnachtsgeschenk?

  • Mit Mario Kart Live: Home Circuit veröffentlicht Nintendo einen Rennspielableger fürs Wohnzimmer.
  • Mit der Nintendo Switch steuert man sein Kart durch selbstgebaute Rennstrecken quer durch die eigene Wohnung.
  • Ob sich der Spaß für knapp 100€ lohnt, lest ihr in unserem Test zu Mario Kart Live: Home Circuit.

HamburgWenn ich groß bin, schalt ich in den Turbogang! Kein Werbeversprechen hat mich als Knirps mehr gelockt: Etwas, das Turbo ist, das kann ja nur gut sein. Wenn dieses Turbo dann auch noch in der Karosserie eines ferngesteuerten Autos schlummert, sprechen wir Fachleute von einem BINGO. Knappe 20 Jahre später holt Nintendo mich mit Mario Kart Live: Home Circuit genau da ab, wo ich damals aufgehört hatte. Keine imaginären Rennstrecken über Omas guten Teppich mehr – dank Zusammenspiel von eingebauter Kamera, Nintendo Switch und der Macht der Augmented Reality kommt man dem Kindheitstraum so nah wie nie zuvor. Macht das Heizen über selbstgebastelte Pisten im Mario Kart Gewand aber so viel Spaß, wie man sich das erhofft?

Datum der Erstveröffentlichung16. Oktober 2020
SerieMario Kart
PlattformNintendo Switch
HerausgeberNintendo
ModiEinzelspieler, Mehrspieler
GenresRennspiel, Erweiterte Realität

Mario Kart Live: Home Circuit – Das Wohnzimmer wird zur Rennstrecke oder Carrerabahn 2.0

Wir sollten zunächst einmal die Grundidee von Mario Kart Live: Home Circuit ein wenig aufdröseln. Der Nintendo Switch-Titel ist definitiv kein Videospiel im herkömmlichen Sinne. Wer hier den Nachfolger von Mario Kart 8 erwartet, ist an der falschen Adresse gelandet. Man sollte Mario Kart Live: Home Circuit viel mehr als eine Art interaktives Spielzeug, als Carrerabahn des zockenden Menschens betrachten.

Wem das ewige Runden-Jagen und der Kampf um Bestzeiten bei diesem Spielzeugklassiker schon nach wenigen Minuten langweilt, der wird auch mit Mario Kart Live: Home Circuit keine Freude haben. Alle begeisterungsfähigen Spielkinder da draußen können jetzt aber näher an den Bildschirm rücken und gespannt die Lauscher spitzen.

Mario Kart Live: Home Circuit im Test: Mit Vollgas in den Spielzeug-Himmel oder schnurstracks in die Mülltonne?

In der Box von Mario Kart Live: Home Circuit erwartet Spieler entweder Klempner Rot oder Klempner Grün im passenden Kart. Bisher sind nur eine Mario und eine Luigi Version von Mario Kart Live: Home Circuit erhältlich. Wobei das nicht so ganz stimmt: In der roten Nintendo-Schachtel befindet sich nämlich gar kein Spiel für die Switch. Die Software für Mario Kart Live: Home Circuit muss zunächst kostenlos und ohne Code aus dem Nintendo eShop geladen werden.

In der Zwischenzeit empfiehlt es sich den weiteren Packungsinhalt genauer zu studieren: Zusätzlich zum fernsteuerbaren Kart samt USB-C Ladekabel werden vier Renntore und zwei Seitenbegrenzungen mitgeliefert. Alle Elemente sind aus der guten alten Nintendo Labo Pappe gefertigt und daher stabil wie umweltfreundlich – ein vorbildlicher Move von Nintendo wie wir finden! Zusammengebaut sind die Einzelteile bereits, die Renntore müssen nur mit ein paar flinken Fingergriffen auseinander geklappt werden und sind dann auch schon startbereit. 

Mario Kart Live: Home Circuit – So baut man die eigene Rennstrecke durchs Wohnzimmer

Ist die Mario Kart Live: Home Circuit Software dann heruntergeladen, beginnt der eigentliche Spaß. Zunächst bittet euch ein ziemlich freundlicher Toad, euer Kart mit der Switch zu koppeln. Dafür drückt man einfach nur den Zündknopf auf der Oberseite des Karts und hält dann die Kamera auf einen QR-Code auf dem Bildschirm der Nintendo Switch. Schwups kann es auch schon losgehen. Jetzt habt ihr die volle Kontrolle und könnt euer Wohnzimmer nach Herzenslust nach Wollmäusen erkunden.

Durch die weitwinklige Kamera am fernsteuerbaren Kart bekommt ihr eine Miniaturansicht eures Reichs wahlweise auf dem Fernseher oder direkt dem Bildschirm der Switch zu sehen. Besonders lichtstark ist das Objektiv allerdings leider nicht, weswegen sich ein hell beleuchtetes Zimmer für Spritztouren empfiehlt. Das Kart selbst steuert sich eigentlich wie man es schon aus Mario Kart 8 kennt. Selbst das charakteristische Driften ist per Knopfdruck (und ausreichend Platz) mit dem Mini-Flitzer möglich. 

Start, Ziel und Hindernisse könnt ihr in Mario Kart Live: Home Circuit ganz nach euren Wünschen platzieren.

Anders als alle anderen Spiele der Reihe kommt Mario Kart Live: Home Circuit nicht mit von Nintendo vorgefertigten Rennstrecken daher. Für den ordnungsgemäßen Bau der Rennpisten ist man selbst verantwortlich und jetzt kommen die Renntore wieder ins Spiel. Diese verteilt man so im Wohnzimmer, dass ein möglichst abwechslungsreicher Kurs entsteht: Vorbei an Teppich, Sofa und TV aber auch gefährliche Manöver sind möglich - etwa nahe des Territoriums, der stets auf der Lauer liegenden Hauskatze oder unter Mutters auf dem Tisch liegenden Beinen hindurch.

Hier kann man sich nach Herzenslust austoben, neben normalen Rundkursen gibt Mario Kart Live: Home Circuit den Spielern auch die Möglichkeit Schleifen oder Rückwärts-Manöver in die Strecken einzubauen. Online gibt Nintendo nochmal extra Tipps zum Streckenbau. Wie spaßig die Rennpisten sind, liegt also in der Hand der Spieler: Je kreativer, umso besser. Die beiden beiliegenden Streckenbegrenzungen bringen zusätzlich etwas Ordnung in das Strecken-Chaos und können unübersichtlichen Kursen die nötige Übersicht verleihen.

Für das Spiel fahrt ihr die fertige Strecke dann einmal zum besseren Verständnis langsam ab und schon könnt ihr Rennen gegen die fiesen Koopalinge fahren. Prominentere Gegner gibt es derzeit nicht, vermutlich erscheinen Peach, Wario, Yoshi und Co. bei Erfolg des Spiels als zusätzliche fernsteuerbare Karts. Das ergibt Sinn für Nintendo, der Spieler schaut aber in die Röhre. Rennen lassen sich aber nicht nur gegen CPUs fahren, sondern mit dem nötigen Kleingeld auch gegen bis zu drei echte Kontrahenten.

Allerdings brauchen alle Teilnehmer eine eigene Nintendo Switch und selbstverständlich auch ein eigenes Kart. In der Grundausstattung von Mario Kart Live: Home Circuit ist nur ein Flitzer enthalten. So wird der ohnehin schon teure Spaß zum Luxus-Vergnügen. Der Vier-Spieler-Modus wird wohl nur von den Wenigsten wie intendiert genutzt werden können. 

Mario Kart Live: Home Circuit – Ein teures Vergnügen mit Makeln

Ist man alleine, kann man sich in verschiedenen Grand Prixs versuchen. Anstatt wechselnder Rennstrecken ändern sich dann von Track zu Track aber die Hindernisse auf der Fahrbahn. Mal machen euch Eisbeulen das Leben schwer, mal gibt es Schalter zu überfahren, die für extra Münzen auf der Strecke sorgen. Ansonsten spielt sich Mario Kart Live: Home Circuit wie jedes Mario Kart auch: Items sammeln, driften und sich über den blauen Panzer ärgern.

Mario Kart Live: Home Circuit spielt sich angenehm bekannt – und bietet doch ganz neue Möglichkeiten.

Eine wirkliche Langzeitmotivation, wie etwa bei Mario Kart 8, konnten wir in den normalen Spielmodi bei uns allerdings nicht feststellen. Da man immer wieder dieselbe Strecke fahren oder seine ganze Planung umstellen muss, gewinnt schnell die Monotonie die Überhand. Das gute ist aber, dass man diesen Modus gar nicht nutzen muss.

Wir hatten viel mehr Spaß damit, das Wohnzimmer in eine echte Strecke zu verwandeln und das meiste aus unseren 20 Quadratmetern herauszuholen. Dabei sei aber auf jeden Fall erwähnt: Je mehr Platz ihr für Mario Kart Live: Home Circuit habt, umso mehr Spaß werdet ihr haben. Das macht Mario Kart Live: Home Circuit nicht automatisch zum Proll-Spielzeug auf dem Schulhof, geht aber schon in diese Richtung. 

Wer will, kann übrigens auch einfach im freien Modus auf Erkundungsfahrt gehen und seine Wohnung mal aus einer anderen Perspektive bewundern. Schade dabei ist nur, dass die Verbindung zum Mini-Fernlenker bereits nach fünf Metern Entfernung abbricht. Selbst in unserem kleinen Testzimmer kam es immer wieder zu Störungen des Bildsignals. Das ist wirklich ärgerlich und bemängelnswert.

Für uns ist es nicht verständlich, warum die WiFI-Verbindung zu den Karts nicht im ganzen Haus funktioniert. Das schiebt leider auch extravaganten Streckenkonstruktionen von Wohnzimmer über Küche und Bad einen Riegel vor. Zusätzlich würden wir uns mehr Papp-Hindernisse wie etwa Rampen wünschen, die man in seine Streckenkreationen einbauen kann. Luft nach oben gibt es noch einige, aber wir sind uns sicher, dass Nintendo da in naher Zukunft nachliefern wird.

Mario Kart Live: Home Circuit – Fazit zum Rennspielspaß

ProContra
+ Carrerabahn 2.0– Mehr Wohnraum = Mehr Spaß
+ Toller Kreativ-Aspekt– Sehr geringe Reichweite von 5 Metern
+ Für zwischendurch ein Riesenspaß– Keine Videospiel-Langzeitmotivation
+ Mario Kart im Wohnzimmer– Teures Vergnügen
– Keine lichtstarke Kamera im Kart

Mario Kart Live: Home Circuit ist definitiv kein Must-Have unterm Weihnachtsbaum geworden, zum Funkeln wird das Spielzeug aber trotzdem zahllose Augen bringen. Die Carrerabahn 2.0 ist genau das richtige für Spielkinder, die Spaß daran haben, die perfekte Rennpiste in ihrem Wohnzimmer zu kreieren oder gerne auf Erkundungsfahrt in der eigenen Wohnung gehen. Schade daran ist allerdings der verhältnismäßig hohe Preis, die mittelmäßige, nicht sehr lichtstarke Kamera im Kart und die geringe Verbindungsreichweite. Mario Kart Live: Home Circuit sollte nicht als normales Videospiel mit Langzeitmotivation betrachtet werden, sondern als neue Art von Spielzeug – und als das macht es seine Sache trotz Schnitzer sehr ordentlich.

Rubriklistenbild: © Nintendo (Montage)

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