Taugt das was?

Mass Effect Legendary Edition: Ein Remaster für die Unendlichkeit

  • Janik Boeck
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Die Mass Effect Legendary Edition bringt einen Videospiele-Klassiker zurück. Haben wir das Remaster gebraucht und wenn ja, warum? Meine Reise durchs Universum.

Hamburg – Wenn es um Klassiker geht, bin ich alles andere als gut aufgestellt. Ich habe Schindlers Liste nie gesehen, mich mit den Rolling Stones nie ernsthaft auseinandergesetzt und Die Schatzinsel war mir bis in die Jugend nur in der Disney-Adaption als Der Schatzplanet bekannt. Und auch bei Videospielen habe ich echte Bildungslücken, wozu bis vor Kurzem auch die Mass Effect-Reihe zählte. Die Mass Effect Legendary Edition war deswegen ein perfekter Zeitpunkt, diese Spiele auf der PS4 nachzuholen. Willkommen auf meiner Reise.

Name des SpielsMass Effect Legendary Edition
Release (Datum der Erstveröffentlichung)14. Mai 2021
Publisher (Herausgeber)Electronic Arts (EA)
SerieMass Effect
EntwicklerBioware
GenreAction-Rollenspiel

Mass Effect Legendary Edition: Die Geschichte der Reihe

Die Mass Effect-Reihe ist inzwischen schon ziemlich betagt. Die drei Teile der Reihe wurden von 2007 bis 2012 veröffentlicht und gehören damit schon dem alten Eisen unter den Videospielen an. Nichtsdestotrotz sind die Spiele alles andere als in Vergessenheit geraten. Unter Fans und Kritiker:innen zählen sie bis heute zu herausragenden Beispielen der Rollenspiele. Dass in Zeiten der Neuauflagen also ein Remaster in Form der Mass Effect Legendary Edition kommt, war abzusehen.

Trotz all dem Hype und all der guten Bewertungen sind die Spiele aber irgendwie an mir vorbeigegangen. Erst in diesem Jahr habe ich den originalen ersten Teil der Reihe gespielt. Und das, obwohl ich die Star Wars: Knights of the old Republic Spiele – die ja zumindest gewisse Parallelen aufweisen – als Kind geliebt und verschlungen habe. Zwar darf ich in Mass Effect keine Lichtschwerter schwingen, aber Setting, Handlung und Gameplay ähneln sich immerhin bis zu einem gewissen Punkt. Aber eins nach dem anderen.

Mass Effect Legendary Edition: Die Handlung

Da die Spiele ja nun, wie gesagt, schon ein wenig älter sind und so mancher sie vielleicht wie ich noch nicht gespielt hat, hier noch einmal kurz die Handlung. In der Zukunft, genauer gesagt im Jahr 2148, entdeckt die Menschheit auf dem Mars Überbleibsel einer außerirdischen Lebensform, den Protheanern. Nachdem es Archäolog:innen gelingt, deren Sprache zu entschlüsseln, ist es den Menschen möglich, die Technologie der ausgestorbenen Rasse zu nutzen. Mit dieser gelingt es ihnen, die Galaxie zu erkunden.

Mass Effect Legendary Edition: Nach dem Remaster sieht alles besser aus

In der Mass Effect Legendary Edition übernimmt der:die Spieler:in die Rolle von Commander Shepard, wahlweise männlich oder weiblich, und beginnt das Abenteuer im Jahr 2183. Die menschliche Rasse ist in der intergalaktischen Politik bisher nur schwach vertreten und wird von den anderen Rassen eher skeptisch beobachtet. Auf der ersten Mission, die Shepard übernimmt, kommt er oder sie mit einem Artefakt der Protheaner in Kontakt und erfährt so von einer drohenden Invasion. Eine als Mythos geltende Rasse, die Reaper, plant alles Leben in der Galaxie auszulöschen.

Wer die Reaper sind, wo sie herkommen und was genau ihr Plan ist, das erfährt Shepard in den drei Teilen der Mass Effect Legendary Edition Stück für Stück, während er oder sie versucht den Rest der Galaxie von der wachsenden Bedrohung zu überzeugen. In Anbetracht der bereits erwähnten Skepsis, welche die anderen Rassen der Menschheit gegenüber hegen, stellt sich das als gar nicht so einfach heraus.

Mass Effect Legendary Edition: Mass Effect – Kleine Änderungen

Der erste Teil der Reihe ist der einzige, den ich in seiner ursprünglichen Fassung auf dem PC gespielt habe und somit auch der einzige, an dem ich selbst Änderungen beurteilen kann. Nach meiner Recherche sind an Teil 2 und 3 nämlich nicht viele davon vorgenommen worden, aber dazu später mehr. Die Änderungen im ersten Teil in der Mass Effect Legendary Edition sind hingegen deutlich, denn vor allem optisch macht das Spiel plötzlich richtig was her.

Das Remaster gewinnt nach heutigen Standards sicherlich keinen Schönheitspreis mehr, hat aber – im Vergleich zum Original erwartbar – deutlich zugelegt. Vor allem Lichteffekte und die Texturen sind enorm verschönert worden. Die Rüstungen sehen unglaublich gut aus und die Gesichter der Figuren wirken nicht mehr länger wie Wachsfiguren. Stattdessen kann ich Falten und Poren erkennen. Erst wenn die Charaktere zu sprechen beginnen und die Gesichter in Bewegung kommen, macht sich das Alter des eigentlichen Spiels bemerkbar.

Mass Effect Legendary Edition: Der Mako lässt sich diesmal gescheit steuern

Außerdem ist das Maximal-Level meines Charakters halbiert worden. Statt bis Level 60 geht es jetzt nur noch bis Level 30, während sich die Menge an Erfahrung, die ich sammle, nicht ändert. Darüber hinaus wurde die Handhabung des Mako angepasst, der sich jetzt deutlich angenehmer fährt. Erstmals kann der in der Mass Effect Legendary Edition auch direkt vor sich auf den Boden schießen. Diese Gameplay-Updates kann ich aber jederzeit im Menü ausschalten. Dann krampfe ich wie im Original mit dem alten Mako und einem Maxlevel von 60 durch das Spiel. Das überlasse ich aber lieber den Nostalgiker:innen.

Mass Effect Legendary Edition: Mass Effect – Mit Anlauf in den Spielspaß

Ich nehme die Quality-of-life-Changes gerne an und widme mich viel lieber der Story des Spiels. Denn die ist unverändert überzeugend. Während ich mit der Normandy durch die Milchstraße heize, um den Reapern auf die Spur zu kommen, erledige ich hie und da ein paar Nebenaufgaben, die ich in meinem ersten Playthrough am PC glatt übersehen habe. Und wie ich so am Questen bin ertappe ich mich, wie ich mich – das erste Mal seit langem mal wieder – in Mass Effect verliere.

Als ich das Spiel das erste mal gespielt habe, bin ich wie ein Berserker durch die Story gehetzt und habe nicht eine Nebenaufgabe erfüllt. Lediglich für eine Romanze habe ich mir Zeit genommen. Hinterher hatte ich zwar das Gefühl, ein gutes Spiel gespielt zu haben, aber ohne zu wissen, warum. Erst mit der Mass Effect Legendary Edition habe ich den Reiz des Spiels verstanden.

Mass Effect Legendary Edition: The Illusive Man

Denn während ich, wie schon beim Original, auch hier eine Weile brauchte um Spannung zu empfinden, habe ich mir in der Mass Effect Legendary Edition tatsächlich die Zeit genommen das Spiel in seiner Gänze zu erleben. Ich habe Planeten erkundet, mich mit meiner Crew unterhalten und alle einzeln kennengelernt. Und plötzlich bedeuten mir meine Gefährt:innen und die Welt, die sie mit ihren Geschichten füllen etwas. Auf einmal versuche ich die Galaxie nicht zu retten, weil das Spiel es mir vorschreibt, sondern, weil ich es will.

Mass Effect Legendary Edition: Mass Effect 2 – Das Abenteuer geht weiter

Ich sag es gleich vorweg: ich bin von Mass Effect 2 begeistert. Was der erste Teil gut macht, macht der zweite Teil noch viel besser. Neben dem deutlich verbesserten Gameplay bietet Teil 2 vor allem eins: mehr Tiefgang der Charaktere. Durch die Mass Effect Legendary Editon übertrage ich meinen Charakter aus Mass Effect direkt ins Spiel und schreibe die Geschichte weiter, die ich begonnen habe.

Und genau dadurch wird eine der größten Stärken der Reihe unmittelbar spürbar. Meine Entscheidungen, die ich im Vorgänger getroffen habe, haben hier eine Auswirkung. Meine Umwelt reagiert auf das, was ich tue und lässt mich wissen, ob es ihr schmeckt oder nicht. Und Zack! bin ich noch mehr an das Spiel und seine Geschichte gebunden. Großartig!

Die Entscheidungen zwischen Gut oder Böse sind außerdem so viel besser und dynamischer in das Spiel eingebunden, dass sich meine Handlungen viel mehr instinktiv als kalkuliert anfühlen. Ich liebe es. Denn auch sonst lässt Mass Effect 2 mir trotz klarer Handlung sehr viel Freiraum. Und damit auch meinen Weggefährt:innen. Statt mich hier „nur“ mit diesen zu unterhalten, hat jede:r im Verlaufe der Geschichte eine eigene Quest für mich.

Mass Effect Legendary Edition: Charaktere – Die größte Stärke von Mass Effect 2

Ab einem gewissen Punkt in der Handlung lässt Mass Effect 2 mir die Wahl: Möchte ich den finalen Vorstoß wagen oder möchte ich vorher noch Teambuilding mit meiner Crew betreiben. Denn viel stärker als noch im ersten Teil liegt der Fokus in diesem Spiel auf der Interaktion mit meiner Crew, die ganz nebenbei auch noch viel größer ist als im Vorgänger.

Mass Effect Legendary Edition: Thane ist einer dieser fantastischen Charaktere

Ich baue Beziehungen auf, darunter auch die obligatorische Romanze (Ouhlala!), erweitere meine Crew und tue weiterhin alles, um die Galaxie vor der drohenden Invasion zu retten. Und wie schon im ersten Teil habe ich irgendwann mein Zeitgefühl verloren. Denn eigentlich war der Plan, die Mass Effect Legendary Edition zügig zu spielen, um dann darüber zu schreiben. Spoiler: hat nicht geklappt.

Stattdessen habe ich die Spiele bis nah an die Komplettierung gespielt und alles aufgesaugt, was mir die Mass Effect Legendary Edition zu bieten hatte. In Mass Effect 2 hat mir sogar das Sammeln von Ressourcen trotz repetitiven Gameplays ein wenig Spaß gemacht, auch wenn es am Ende des Tages nur die Spielzeit streckt.

Mass Effect Legendary Edition: Mass Effect 3 – Das Ende einer Saga

Mass Effect 3 ist der letzte Teil in der Mass Effect Legendary Edition und so fühlt er sich auch an. Die Konflikte in der Galaxie sind auf ihrem Höhepunkt angelangt und es herrscht Krieg. Und das spüre ich, wo ich auch hingehe. Wohin das Auge blickt, herrscht absoluter Notstand und spätestens bei einem Blick ins Quest-Menü wird klar: Die Kacke ist am Dampfen.

Ich werde vom Beginn des Spiels an mit neuen Aufgaben bombardiert. Jeder will etwas von mir und am besten soll ich es gestern gemacht haben. Während ich das am Anfang noch stimmungsvoll finde, geht es mir irgendwann aber nur noch auf die Nerven. Schnell wird nämlich klar, dass die meisten Quests einfach nur Sammelaufgaben sind, die ich nebenbei machen muss, die das Spiel aber nicht sortiert. Statt Haupt- und Nebenmissionen gibt es nur noch Missionen und die sind alle im selben Menü. Das ist unübersichtlich und irgendwann lästig.

Mass Effect Legendary Edition: Im dritten Teil herrscht Chaos

Die Hauptmissionen sind aber immerhin mit „Priorität“ gekennzeichnet. So weiß ich wenigstens, welche Quests die eigentliche Handlung des Spiels vorantreiben. Mass Effect 3 hinkt aber seinem Vorgänger hinterher. Ja es kehren viele alte Bekannte zurück und ich habe noch einmal die Möglichkeit, Zeit mit ihnen zu verbringen. Aber irgendwie schafft es der dritte Teil nicht, das Gefühl aus dem Vorgänger zu vermitteln.

Mass Effect Legendary Edition: Mass Effect 3 – Viel Krieg

Während ich in Mass Effect 2 Beziehungen aufgebaut und neue Charaktere kennengelernt habe, verbringt Mass Effect 3 die meiste Zeit damit, mich daran zu erinnern, statt selbst etwas zu erzählen. Ich hechle durch die Galaxie, nur um von jedem Charakter x-mal gesagt zu bekommen: „Wie in guten alten Zeiten, Shepard“. Das ist vor allem deswegen schade, weil viele wundervolle Charaktere dadurch viel zu kurz kommen.

Mass Effect Legendary Edition: Mordin denkt genauso viel nach wie ich

Dazu kommt, dass die Sammelmechanik in den Nebenquests mich absolut in den Wahnsinn treibt. Nicht etwa, weil die Idee dieses Minigames nicht gut ist, sondern vielmehr, weil sie nicht zu Ende gedacht wurde. Während ich durchs Weltall gurke, um verlorene Technologie und anderen Schnickschnack zu finden, habe ich nämlich keine Möglichkeit, zu markieren, wo ich noch nicht gesucht habe. Stattdessen wird mir für jedes Sonnensystem nur eine Prozentzahl für meinen Fortschritt angezeigt.

Aber trotzdem kann ich nicht leugnen, dass mir auch Mass Effect 3 unendlich viel Spaß gemacht hat. Es ist nur eben einfach nicht Mass Effect 2. Ich habe den dritten Teil in der Mass Effect Legendary Edition dennoch fast komplett gespielt. Am Ende fehlten mir nur fünf Sammelquests, für die meine Geduld aber einfach aufgebraucht war.

Mass Effect Legendary Edition: Was vom Weltraum-Klassiker bleibt

Mass Effect: Legendary Edition – so gut schneidet die Remaster-Sammlung im Test ab.

Ich habe mit der Mass Effect Legendary Edition jetzt insgesamt etwas mehr als 70 Stunden Zeit verbracht. Stunden voller Erforschen, Mitfühlen und Kämpfen in einer Galaxie, die so vollgestopft ist mit Liebe zum Detail, dass ich mich nicht entscheiden kann, was mir am besten gefallen hat. Der Hype hatte Recht, Mass Effect ist fantastisch.

Wer die Spiele schon gespielt hat und sie jetzt mal wieder spielen will – diesmal in etwas hübscher – wird mit der Mass Effect Legendary Edition genau das bekommen, was er oder sie will: Mass Effect wie es leibt und lebt. Wer die Spiele noch nicht kennt und sie endlich mal spielen will, hat genau jetzt die Möglichkeit, einen Klassiker allererster Güte zu spielen. Denn nach mehr als 70 Stunden ist für mich nur eines klar: Ich bin noch lange nicht fertig mit der Mass Effect Legendary Edition.

PluspunkteMinuspunkte
+ fantastische Charaktere- Gameplay des ersten Teils ist spürbar alt
+ Entscheidungen wirken sich auf Geschichte aus- Questmenü im dritten Teil macht nach 5 Stunden keinen Spaß mehr
+ Texturen und Lichteffekte deutlich verbessert- Sammelquests im dritten Teil
+ hoher Wiederspielwert
+ drei Spiele als zusammenhängende Geschichte

Rubriklistenbild: © Electronic Arts

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