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Eine zweite Chance

MediEvil im Test: Ein gelungenes Remake bis auf die Knochen!

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MediEvil: Und wieder kehrt eine längst vergessen geglaubte Marke zurück – aufpoliert und ausgebaut. Bereit, um alte, aber auch neue Spieler zu begeistern

MediEvil ist das Dark Souls der alten Schule. Als Skelett-Ritter schnetzelt, röstet und zerstampft ihr alles auf eurem Weg durch das Königreich von Gallowmere. Hier ein Rätsel, da ein versteckter Pfad – MediEvil steckt voller kreativer Ideen. Anders als ähnliche Neuauflagen der letzten Jahre wie die Crash Bandicoot N.Sane Trilogy oder die Spyro Reignited Trilogy steckt aber in diesem Remake des Entwicklers Other Ocean Emeryville mehr als nur das verstaubte Action-Adventure aus den 90ern. PlayStation 4-Besitzer erwartet hier ganz viel Nostalgie, aber auch eine Ladung frischer Ideen. 

Die Geschichte eines gefallenen Helden… oder so

Ihr spielt Sir Daniel „Dan“ Fortesque, den tollkühnen Ritter, welcher den Hexer Zarok in einer epischen Schlacht mit seinem letzten Atemzug besiegen konnte. Zumindest hat man es so in den großen Geschichtsbüchern niedergeschrieben. In Wahrheit ist Sir Dan gleich als Erster gefallen. Man könnte sagen: Er hat sich bis auf die Knochen blamiert. 100 Jahre später erwacht Zarok wieder zum Leben und möchte das Königreich von Gallowmere erneut unterjochen. Dafür stellt er mit seiner Magie eine gefährliche Armee aus Toten zusammen. Im Zuge dessen erwacht auch Sir Dan und bekommt seine zweite Chance. 

Sir Daniel: Trotz Schwert und Schild ein hoffnungsloser Fall.

Die Figuren in MediEvil lassen euch schnell klar werden: Ihr seid ein Versager. Die Gargoyles, die euch auf eurer Reise immer wieder begegnen und Story-Schnipsel oder Hinweise liefern, verspotten euch bei fast jeder Begegnung. Oder die anderen gefallenen Helden, auf die ihr in der Heldenhalle immer wieder trefft und die euch neue Ausrüstung geben können, nehmen kein Blatt vor den Mund. Der Humor ist aber nie drüber, sondern immer so, dass man etwas zu schmunzeln hat. Das ist besonders sympathisch und ist ein Teil dessen, was MediEvil so amüsant macht

Nächster Halt: Gallowmere 

Die andere Besonderheit von MediEvil sind die kleinen, aber komplexen labyrinth-artigen Level. Ihr beginnt selbstverständlich auf einem Friedhof, durchquert in Gallowmere aber auch ein verfluchtes Dorf, eine Kristallhöhle, eine Irrenanstalt oder ein Geisterpiratenschiff. Die Level unterscheiden sich allesamt nicht nur in der Atmosphäre, sondern auch spielerisch. Mal wird euer Geschick gefordert, mal müsst ihr ein Rätsel lösen. Diese variieren meistens von einfachem Eins-und-eins-Zusammenzählen bis hin zu Aufgaben, die mit mehr Mühe verbunden sind. Oft sammelt man auch Gegenstände auf, die erst ein paar Level später benötigt werden.

Das Verhältnis zwischen Kampf und Rätseln stimmt.

Zudem gibt es gut versteckte Pfade, hinter denen sich ein Schatz oder ein wichtiges Objekt versteckt. Relativ früh im Spiel müssen wir mit einer Keule eine Mauer durchbrechen. Dahinter müssen wir die Keule an ein Feuer halten und dann mit der brennenden Keule ein paar Räume weiter ein anderes Feuer zu entzünden. In MediEvil stecken viele solcher Geheimnisse und laden einfach dazu ein, jeden Level ausgiebig zu erkunden. Die Spielzeit kann dadurch auf zehn Stunden steigen. Und nach Ende bietet jedes Level neue kleine Aufgaben, die die Spielzeit noch einmal positiv strecken. 

Knochenharte Kämpfe 

Neben den Level und Geheimnissen erwarten euch auch unterschiedlichste Gegner, die fast alle ein anderes Angriffsmuster haben. Stupides Draufhauen führt häufig nur zu einem vorzeitigen Tod. Die Kämpfe fallen nämlich taktischer aus als sie zu Beginn des Spiels scheinen. Ihr müsst also auch mit eurem Schild blocken oder Angriffe ausweichen, um eine Chance zu haben, das Level zu beenden. Da Feinde nach und nach stärker und aggressiver werden und euch immer wieder neue Monster begegnen, müsst ihr ständig eure Strategie anpassen. Für Bossgegner gilt dasselbe, denn man kann nicht in jedem Kampf kurzentschlossen mit dem Schwert anstürmen. Jeder Boss ist kreativ gestaltet und verlangt eine andere Vorgehensweise von euch ab. 

MediEvil: Ein ungewohnt knackiges Remake.

Außerdem gewinnt ihr über die Zeit ein großes Arsenal an Waffen. Vorausgesetzt ihr besiegt in jedem Level genügend Gegner, um einen goldenen Kelch mitnehmen zu können. Dieser füllt sich nämlich, wenn ihr Feinde erledigt. Beendet ihr ein Level mit einem goldenen Kelch in der Tasche, dann gelangt ihr in die Heldenhalle, wo ihr allmählich neue Waffen wie Schwert, Bogen oder Axt freischalten könnt. Falls euch für bestimmte Waffen die Munition oder Energie ausgeht, könnt ihr in fast jedem Level von einem Gargoyle neue kaufen. Was ihr nicht kaufen könnt, sind Lebenspunkte. Diese stellt ihr entweder her, indem ihr euch auf Lebensquellen stellt und eure Lebensanzeige auffüllt. Oder mit Lebensflaschen, welche Sir Dan automatisch nimmt, wenn die Anzeige auf Null fällt. 

Für Nostalgiker und Neueinsteiger

MediEvil ist nicht nur ein bloßes Remake mit aufgehübschten Texturen. Der gesamte Soundtrack wurde neuaufgenommen und die Framerate ist flüssiger. Das gespenstige Action-Adventure MediEvil hat aber auch viele Veränderungen durchgemacht, die vielleicht nicht auf den ersten Blick zu sehen sind. Einige Objekte stehen auf einer etwas anderen Position. Sir Dans Schwert schwebt zum Beispiel nicht mehr witzlos vor seinem Grab, sondern befindet sich in einem Gang daneben an einer heldenhaften Statue befestigt. Auch Feinde stehen zum Teil etwas anders. Im ursprünglichen MediEvil warten hinter dem ersten großen Tor ein paar Untote. Im Remake stürmen sie beim Öffnen auf Sir Dan los. Insgesamt sind alle Feinde nun deutlich aggressiver und gefährlicher. Darüber hinaus hat Entwickler Other Ocean Emeryville im alten Quellcode herumgeforscht und auch bis heute ungenutztes Material für das Remake verwendet. Fans der ersten Stunde können sich also auf zusätzliches Spielmaterial freuen, auch wenn dieses minimal ausfällt. Und Neueinsteiger können einen auf moderne Standards angepassten Klassiker nachholen. 

Die Veränderungen haben aber auch eine kleine Kehrseite: Der Hexer Zarok ist im Remake etwas lächerlich ausgefallen. So ähnelt seine Figur rein äußerlich mehr die einem Zirkusclown als einem bösen Magier. Und auch wenn alles modernisiert wurde, man merkt dem Spiel doch an, dass es aus einer anderen Zeit kommt, gerade bei Geschicklichkeitspassagen. Außerdem fällt die Framerate ganz selten, aber dann doch spürbar runter. Das passiert aber eigentlich nur, wenn sich zu viele Gegner auf dem Bildschirm herumtummeln. 

Fazit: Unsere Testwertung zu MediEvil

Neben kleinen Designänderungen, die dem Spiel zweckmäßig nur gut tun, ist MediEvil ein großartiges Remake, das sowohl Nostalgiker sehr freuen dürfte, aber auch neue Spieler dazu einlädt, eine Perle der Vergangenheit nachzuholen. Other Ocean Emeryville hat es geschafft, den Charme des Klassikers von 1998 einzufangen und ein spaßiges Spiel auf die Beine zu stellen. Es ist knochenhart, lustig und bietet reichlich zu entdecken. Die Welt von Gallowmere wird euch 8-10 Stunden unterhalten können und selbst nach Spielende erwarten euch neue, geniale Aufgaben.

PROS

CONS

+ Remake mit neuen Extras

– Kleine Framerate-Einbrüche bei zu vielen Gegnern

+ Überdurchschnittlicher harter Schwierigkeitsgrad

– Steuerung anfangs etwas gewöhnungsbedürftig

+ Spaßige Level voll mit Geheimnissen

– Keine ausschweifende Handlung

+ Taktisches Kampferlebnis aufgrund aggressiver KI

Sanel Rihic

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