Die Jagd beginnt

Monster Hunter Rise im Test: Schnetzeln bis die Switch qualmt

  • Jonas Dirkes
    vonJonas Dirkes
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Monster Hunter Rise bei ingame im Test. Wir haben uns den Monsterklopper von Capcom für die Nintendo-Switch angeschaut und geben im Review eine Wertung ab.

Hamburg – Mein Name, Sir Schnetzelot. Meine Aufgabe, Monster schnetzeln. Das ist mein Tagewerk. So verdiene ich Brot, Butter und Geschnetzeltes. Mit Monster Hunter Rise für die Nintendo Switch steht nun der nächste Großauftrag für Jäger und Jägerinnen ins Haus. Da konnten wir natürlich nicht ablehnen und stürzten uns ohne Umschweife in den nicht endenden Boss-Rush. Wir schnetzelten am Morgen. Wir schnetzelten am Mittag. Schoben ein kleines Vier-Uhr-Geschnetzel ein und schnetzelten im Sonnenuntergang – aber schnetzelten wir in Freude und noch wichtiger, solltet ihr auch schnetzeln? All das verrät unser Test zu Monster Hunter Rise für die Nintendo Switch.

Release (Datum der Erstveröffentlichung26. März 2021
Publisher (Herausgeber)Capcom, Capcom U.S.A., Inc.
SerieMonster Hunter
PlattformNintendo Switch
EntwicklerCapcom
GenreAction-RPG

Monster Hunter Rise im Test: Seilkäfer – Der große Sommer-Trend 2021

Wer soll da noch durchblicken? Mit über 20 wild und wuselig betitelten Spielen ist die Monster Hunter-Reihe fast noch undurchsichtiger benannt, als die Rambo-Filme oder Hideo Kojimas Metal Gear-Reihe. Wenn wir uns nicht verzählt haben – und das ist in diesem Wust an Monster Hunter-Teilen eine reelle Möglichkeit – dann handelt es sich bei Monster Hunter Rise für die Nintendo Switch eigentlich um Monster Hunter 6. Also vorausgesetzt, man zählt Monster Hunter World als Teil 5, das hatte ja auch schon keine Zahl – Ich denke, ihr versteht das Dilemma. Was aber offensichtlich ist: Monster Hunter Rise ist der nächste große Eintrag in Capcoms Monster-Saga

Monster Hunter Rise im Test: Schnetzeln bis die Switch qualmt

Wie Produzent Ryozo Tsujimoto gegenüber den Kollegen von IGN erklärte, ist seit Monster Hunter World Schluss mit den Zahlen. Von nun an wird der unglaublich beliebte Monster-Gauntlet stets nach dem Schlüsselfeature des Spiels benannt. Bei World war das nun mal die massive Spielwelt ohne Ladezeiten, Rise schreibt sich Vertikalität auf die Fahne. Neu sind daher die sogenannten Seilkäfer. So richtig zu sehen bekommt man die gar nicht, glaubt man aber, dass sie da sind, dann lassen sie unseren guten Sir Schnetzelot wie Spider-Man über die Map schwingen.

Anders als die freundliche Spinne aus der Nachbarschaft sind eure Fäden allerdings auf wenige, sich aber direkt regenerierende, Schüsse begrenzt. Wild über die Map fliegen ist so nicht drin. Zudem sind die neuen Seilkäfer-Moves (ihr könnt zum Beispiel auch kurz an Wänden laufen) wie eigentlich alles in Monster Hunter, ziemlich behäbig. Es will also gut überlegt sein, wann man sich in die Lüfte katapultiert und mit Axt und Kriegsgebrüll auf ein Monster zufliegt – im Zweifel macht das nämlich einfach einmal Happs und das war es dann mit dem Schnetzeln.

Monster Hunter Rise im Test: Kein Zen-Lehrmeister oder Geschichtenerzähler 

Sollte sich jemand fragen, worum es denn in Monster Hunter Rise eigentlich so geht, dann müssen wir mit hochgezogenen Augenbrauen und einem wahnsinnigen Blick erwidern: Es geht natürlich ums Monster Kloppen. Das Ding heißt ja sogar Monster Hunter. Hier versteckt sich kein geheimer Kubrick, kein Spielberg, wenn man ehrlich ist eigentlich nicht mal ein Boll.

Auch wenn Capcom jetzt sicherlich widersprechen würde, eine Story ist in Monster Hunter Rise nicht existent und selbst wenn, wäre sie auch eigentlich völlig irrelevant. Die wenigen Kommunikationsversuche der NPCs via Textboxen werden so schnell abgeschmettert wie die der letzten Tinder-Matches. Macht aber nichts, das eigentliche Superlike gebührt nämlich natürlich unserer einzig wahren Liebe – und nur die zählt ja bekanntlich – in Monster Hunter Rise: Dem Schnetzeln. 

Das Prinzip ist auch auf der Nintendo Switch gleich: Auftrag annehmen, dann das Monster schnetzeln.

Richtiges Verdreschen will allerdings gelernt sein. Während Veteranen sich ungeduldig durch die Erklärungen der Steuerung klicken müssen und so einen lahmen Daumen riskieren, brettern Neueinsteiger erst einmal mit 180 gegen eine Ziegelsteinwand: Monster Hunter Rise erklärt sich einfach miserabel. Solch einen Tutorial-Irrsinn im Jahre 2021 abzuliefern, ist auch eine Leistung. Alle Erklärungen finden ausschließlich schriftlich statt, ab und an gibt es vielleicht mal ein Bild.

Das wäre kein großes Problem, wenn Monster Hunter Rise nicht so wahnsinnig komplex wäre. In den ersten Stunden bekommt dadurch erstmal ihr, anstatt die Monster, ordentlich auf die Rübe. Uns würde es nicht wundern, wenn an diesem Punkt viele Gamer das Switch-Spiel einfach in die Ecke pfeffern. Anders als ein Dark Souls, das sich gar nicht erklären will und seine geheimen Kniffe zum Erkundungsfeature stilisiert, versucht sich Monster Hunter Rise im Erklären und scheitert dabei schlicht phänomenal. Das ist schade, unter der Schale befindet sich nämlich ein richtig gutes Spiel.

Monster Hunter Rise im Test: Hundi, Herms und Schnetzelot auf der Jagd

Beißt man sich aber einmal durch, dann steht einer erfolgreichen Jagd nichts mehr im Wege. Unser Sir Schnetzelot muss in Monster Hunter Rise nicht allein in die Welt zum Vermöbeln hinausziehen, sondern bekommt dafür tierische Begleitung in Form von einem Hund (unserer heißt Hundi) und einer Katze (die hört auf Herms). Im Monster Hunter-Universum heißen die Kollegen übrigens Palamute und Palico – aber seien wir ehrlich, es sind ein Hund und eine Katze.

Hundi lässt sich wie ein gut ausgebildeter Schattenwolf reiten, um so schnell den unzähligen Monstern hinterherzujagen. Zudem schert sich der haarige Zeitgenosse nicht um Physik. Ein Glück, so lassen sich mit ihm sogar spezielle Wände empor laufen. Unser treuer Katzenfreund Herms hilft uns im Kampf mit nützlichen Aktionen, wie dem Aufbauen von Heil-Items, die in hitzigen Gefechten ein absoluter Notanker sein können.

Die Umgebungen in Monster Hunter Rise auf der Nintendo Switch sind abwechslungsreich, aber detailarm ausgefallen.

Aber wie sind Kämpfe und Monster? Wir wollen gar nicht länger um den heißen Brei reden, klar geht es auch in Monster Hunter Rise hauptsächlich um die Kämpfe und was sollen wir sagen: Die Jagd fetzt glücklicherweise wie eh und je. Man muss das eher schwerfällige Kampfsystem eines Monster Hunter zwar mögen, findet man sich aber erst einmal ein, schnetzelt man Monster wie der Dönermeister der örtlichen Kebab-Connection.

Neben einigen Monstern ist zum Beispiel die Möglichkeit neu, mit den vielseitigen Seilkäfern auch größere Monster zu zähmen, auf ihnen zu reiten und sie gegen andere Schreihälse in den Kampf zu schicken. Blinde Wut führt euch aber auch in Monster Hunter Rise nicht zum Ziel. Geht ihr allerdings wohlüberlegt, taktisch und nicht zu gierig an die Jagd heran, dann legt ihr mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit auch jedes noch so große und agile Monster. Dafür steht euch noch immer eine wahnwitzige Auswahl an Waffen zur Verfügung, die nach Lust und Laune aufgemotzt werden können. Leider sind die Menüs dafür ziemlich gruselig und unübersichtlich geraten.

In Monster Hunter Rise trifft man auf so manche ulkigen Kollegen – hier alle im hübscheren Cutscene-Look zu sehen.

Was die wirklich spaßige Monsterjagd ebenfalls etwas trübt, ist die Grafik auf der Nintendo Switch. Monster Hunter Rise ist grafisch kein Hauptgewinn, eher so der zweite Preis auf der Schul-Tombola. Da wäre auch auf der Switch mehr drin gewesen. Tatsächlich hat das auch Einfluss auf das letztendliche Gameplay. Denn mit der zwar stabilen, aber niedrigen Framerate, gepaart mit den mittelprächtigen Texturen, kann man im Chaos der Jagd schonmal den Überblick verlieren, eine falsche Rolle ausführen und sofort per Katzen-Kranken-Transport zum Rücksetzpunkt des Levels gesetzt werden. Ziemlich ärgerlich ist auch das Lock-On Feature. Normalerweise seit 1998 kein Problem in der Videospielwelt, scheint das Anvisieren von Gegnern in Monster Hunter Rise nur in 20 Prozent der Fälle überhaupt zu funktionieren. 

Monster Hunter Rise im Test: Fazit zum Schnetzelfest auf der Nintendo Switch

Monster Hunter Rise ist ein toller Eintrag der Reihe für die Nintendo Switch – Erfindet das Rad aber nicht neu.

Monster Hunter Rise ist wie der hippe Foodtruck eures Lieblingsrestaurants: Voll cool, dass es ihn gibt und ihr auch unterwegs ein bisschen schlemmen könnt – in der eigentlichen Location schmeckt es dann aber doch noch ein bisschen besser. Nach einem pompösen Monster Hunter World, macht der neue Eintrag Rise zwar weiß Gott nicht weniger Spaß. Aufgrund der technischen Limitierungen der Switch wirkt er aber eher wie eine Katzentatze im Pfotenabdruck eines T-Rex.

Dem versucht sich Monster Hunter Rise mit neuen Features wie Seilkäfern, Hundefreunden und zähmbaren Monstern entgegenzustemmen. Zum Kaufgrund reicht das aber nicht. Nicht dass wir uns falsch verstehen, auch Monster Hunter Rise ist ein wirklich hochwertiger Eintrag der Capcom-Reihe und sicherlich ein Must-Have für Switch-Spieler. Hat man aber noch die Jagd von Monster Hunter World in den Knochen, kann man Rise leicht ernüchternd finden – gerade weil hier das Rad trotz neuer Features nicht neu erfunden wird. Serienfans sollte das aber egal sein, wir raten dennoch zuzugreifen, denn gerade der Switch-exklusive Unterwegs-Faktor steht Monster Hunter Rise richtig gut – wir gehen jetzt auch erstmal weiter schnetzeln!

ProCon
+ Vollwertiges Monster Hunter zum Mitnehmen– Mittelprächtige Grafik
+ Komplexes und forderndes Kampfsystem– Übersicht leidet unter Framerate und Texturen
+ Tolle Designs und Animationen– Lock-On funktioniert nur, wenn es will
+ Monster-Umfang– Unübersichtliche Menüs
+ Seilkäfer-Moves lockern Gameplay auf– Einsteigerunfreundlich dank altbackener Tutorials
+ Neue Tierfreunde
+ Man kann jetzt Monster reiten
+ Katzen, die Reisbällchengerichte kochen

Rubriklistenbild: © Ingame/Capcom

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