Mortal Shell im Test: Ein Soulslike-Game, das sich sehen lassen kann

  • vonDaniel Meyer
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Lernkurve steil und trotzdem kein Frust in Sicht – Was Dark Souls seit Jahren schafft, will nun auch Indie-Soulslike Mortal Shell erreichen. Wir haben es getestet.

  • Mortal Shell erschien am 18. August 2020 für PS4, Xbox One und PC.
  • Indie-Entwickler Cold Symmetry setzt auf Soulslike-Elemente mit kleinen Twists
  • Unser Test zeigt, wie gut die Souls-Formel in Mortal Shell funktioniert.

London, Großbritannien – Als From Software das Spiel Demon's Souls im Jahr 2009 für die PlayStation 3 herausbrachte, hat sich der Entwickler vermutlich selbst nicht den großen Erfolg dieses neuartigen Spielprinzips ausmalen können. Spieler wollen zur damaligen Zeit nicht immer nur an die Hand genommen werden. Viele sehnten sich nach einer echten Herausforderung, und dieses masochistisch anmutende Prinzip stieß damals wie heute auf großen Erfolg. Auch andere Entwickler haben sich seither eine Scheibe davon abgeschnitten, wie es bspw. mit Lords of the Fallen oder The Surge der Fall war. Auch der Entwickler Cold Symmetry hat nun ein ähnliches Soulslike-Game herausgebracht und Mortal Shell kann sich durchaus sehen lassen.

Name des SpielsMortal Shell
Release (Datum der Erstveröffentlichung)18. August 2020
Publisher (Herausgeber)PlayStack
Serie-
PlattformPS4, Xbox One, PC
EntwicklerCold Symmetry
GenreAction-Rollenspiel

Keine Ahnung von nix? Egal!

Eines vorweg: Der Schwierigkeitsgrad hinter Mortal Shell ist, wie bei der Souls-Reihe auch, sehr hoch angesetzt. Gelegenheitsspieler sollten sich daher zwei Mal überlegen, ob dieser Titel etwas für sie ist. Veteranen der Souls-Games werden sich hingegen gleich wie zu Hause fühlen und nur wenige Probleme mit dem Spiel haben.

Düster, fantastisch und verwinkelt: Die Atmosphäre von Mortal Shell weckt Erinnerungen an From Software.

Nicht nur das Gameplay, auch Storytelling und Atmosphäre liegen unheimlich nahe an der Original-Serie, wenn auch der Schwierigkeitsgrad nicht gänzlich an das Original herankommt. Entsprechend werden wir hier in eine Welt geworfen, die vor Verderbtheit nur so strotzt, allerdings ohne wirklich auch nur eine Idee zu haben, was hier los ist. Aber dies ist auch gar nicht so wichtig, denn die paar Info-Fetzen zur Story folgen anhand von Inschriften und Objekten im Laufe des Spiels von allein – zugegeben: Am Ende sind wir auch nicht allzu viel schlauer.

Aber das Herz von Mortal Shell steckt nicht in der Geschichte, sondern im Kampf. Mit einem Schwert bewaffnet, steuern wir einen sogenannten „Foundling“, ein Wesen, mit dem wir in die toten Körper sterblicher Wesen schlüpfen und diese übernehmen können. Im Laufe des Spiels stoßen wir auf bis zu vier dieser Körper, die wir fortan nutzen können.

Jeder Charakter kommt dabei nicht nur äußerlich ansprechend daher, auch warten diese mit unterschiedlichen Fähigkeiten und vor allem einem jeweils eigenen Mix aus Attributen auf. Lebensenergie, Wille und Ausdauer sind die drei Kern-Attribute, die sich auch im Laufe des Spiels vom Wert her nicht verändern. Während die beiden anderen Attribute selbsterklärend sind, so kommt Wille in Form kleiner Balken daher. Diese laden sich auf, wenn wir Gegner mit unserer Waffe treffen und zudem können diese Balken für Spezialattacken verbraucht werden.  

Taktieren und ein Körper wie ein Fels

Die Kämpfe fallen in der Regel nicht allzu kompliziert aus, jedoch bedarf es vor allem einem guten Timing und einer passenden Taktik, um mit jedem Gegner im Spiel fertig zu werden. Mit Hechtsprüngen können wir Gegnern ausweichen, schwache und schwere Schläge ausführen, gegnerische Angriffe parieren und mit dem richtigen Timing auch eine Riposte durchführen. Letztere kann in Verbindung mit ausgerüsteten Skills unseren Charakter zudem als Bonus heilen oder Feinden ordentlich einheizen – vorausgesetzt genügend Willensenergie ist vorhanden.

Die Bosskämpfe in Mortal Shell sind ein Highlight, können Design-technisch aber nicht mit dem großen Vorbild mithalten.

Eine Besonderheit in Mortal Shell, durch die sich der Titel besonders von der Souls-Reihe abhebt, ist eine Fähigkeit, mit der wir unseren Körper quasi in Granit verwandeln können. Diese Härten-Fähigkeit können wir einmalig einsetzen, ehe diese einige Sekunden braucht um sich wieder aufzuladen. Nutzen und halten wir diese aktiv, können Gegner nicht nur keinen Schaden anrichten, auch gelangen Sie ins Taumeln wenn sie unseren Körper treffen. Dies kann taktisch hervorragend eingesetzt werden, Bedarf aber insbesondere zum Spielstart einiges an Training, denn das Prinzip ist etwas gewöhnungsbedürftig, geht aber später ins Blut über.

Optisch wunderschön, aber weniger episch

Technisch und optisch muss sich Mortal Shell keineswegs verstecken. Die Welt ist düster, aber sehr atmosphärisch inszeniert und auch das Kampfsystem wurde hervorragend umgesetzt. Insgesamt gilt es im Spielverlauf, die teils etwas konfus wirkende Welt zu erkunden, in der wir uns nicht selten verlaufen haben. Schade ist, dass manchmal der roten Faden fehlt und wir lange umherirren, um den richtigen Weg zu finden. Vier unterschiedliche Tempel gibt es hier zu entdecken, die allesamt mit einzigartigen Herausforderungen und Bossen auf uns warten. Letztere fallen in der Regel allerdings etwas unspektakulärer aus, zumindest im Vergleich mit den Gegnern, mit denen wir es bspw. in der Souls-Reihe zu tun bekommen. Dies ist zwar kein großes Problem, enttäuscht allerdings in der Erwartungshaltung.

Nach dem Tod in Mortal Shell landet ihr bei Sester Genessa.

Statt auf Lagerfeuer zum Regenerieren stoßen wir auf den NPC Sester Genessa, die uns zudem zusätzliche Fähigkeiten spendiert, vorausgesetzt wir haben genug „Tar“ gesammelt. Diese Währung des Spiels erhalten wir beim Besiegen von Gegnern, das auch in einem Shop zum Erwerb von Items genutzt werden kann. Eine klassische Aufwertung unseres eigenen Charakters ist in Mortal Shell hingegen nicht möglich, sodass der Status Quo konstant bleibt: Wir werden nicht stärker, höchstens besser!  

Stille Gewässer sind nicht immer tief

Während Mortal Shell zunächst einen hervorragenden Eindruck macht, so fällt im Spielverlauf auf, dass doch gewaltige Abstriche zu verzeichnen sind, insbesondere im Vergleich zu anderen Genrevertretern. So gibt es insgesamt nur vier Waffen zu finden und auch sind die vier Tempel relativ schnell absolviert. Der Anspruch ist zwar recht hoch angesetzt, doch im Vergleich zur Souls-Reihe fehlt es hier schlussendlich – vor allem bei den Bosskämpfen – an einer echten Herausforderung. Dies lässt sich auch an einer Durchspielzeit von knapp 15 Spielstunden erkennen, wobei hier auch so manch Suche nach dem richtigen Weg auf der Tagesordnung stand.

Trotz recht kurzer Spielzeit bietet Mortal Shell eine Vielzahl schicker Level-Architekturen.

Frustrierend wird Mortal Shell vor allem durch einige Designfehler. Eine Ghoul-artige Gegnerklasse besitzt einige Einheiten, die plötzlich aus dem Himmel fallen und uns mit einer Beiß-Klammer-Attacke Lebensenergie absaugen. Diesen kann zwar ausgewichen werden, doch eine sichtbare Möglichkeit, diese Kreaturen lange im Vorfeld zu erspähen, gibt es nicht.

Sie fallen einfach so aus dem Himmel und nur wenige Meter vorher wird dies durch ein Leuchten impliziert – bei einem Vollsprint ist es oft kaum möglich, hier zu reagieren. Schlimmer fällt zudem einer der vier Tempel aus, in dem wir auf schwebenden Plattformen navigieren müssen. Zwar war dies das imposanteste Levelgebiet in Mortal Shell, doch auch der Frustlevel stieg bei uns in ungeahnte Höhen. Zu oft wurden wir hier in den Abgrund gestoßen und sind in diesen unfreiwillig gerollt, weil zum Navigieren einfach zu wenig Platz war.

Mortal Shell im Test: Unser Fazit zum düsteren Soulslike

Mortal Shell im Test: So schneidet das Soulslike von Cold Symmetry ab.

Im Großen und Ganzen hat der Entwickler Cold Symmetry mit Mortal Shell eine tolle Leistung vollbracht. Der Titel kommt sehr anspruchsvoll daher, allerdings ohne den Schwierigkeitsgrad eines Souls-Games zu erreichen. Gleichzeitig bietet das Spiel ein präzise und gut umgesetztes Gameplay in einer wunderschönen und atmosphärischen Welt, wobei die Spiellänge mit ca. 12 bis 15 Stunden recht begrenzt daherkommt. Dafür könnte sich der Titel vor allem als Einstieg in das Soulslike-Genre anbieten, aber auch, um als Überbrückung bis zum nächsten großen Titel des Genres zu dienen und, um die eine oder andere Herausforderung zu meistern. Ein Blick kann sich für Fans durchaus lohnen.

ProCon
+ Wunderschöne Inszenierung- Manch frustige Design-Entscheidung
+ Frisches „Härten“-Kampfprinzip- Geringer Umfang
+ Anspruchsvolle aber nicht frustrierende Kämpfe- Wenige Waffen und Bosse
+ Abwechslungsreiche Gegner und viel zu entdecken- Wenige epische Momente a la From Software
+ Steuerung makellos

Rubriklistenbild: © Cold Symmetry

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