I‘ll be there and you‘ll be NieR

NieR Replicant in der Vorschau: Ist es ein Remake oder ein Remaster? Ja.

  • Joost Rademacher
    vonJoost Rademacher
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Über 10 Jahre nach seinem ersten Release will Square Enix dem Kultklassiker NieR Replicant eine zweite Chance geben. Ob sich das lohnt, prüft unsere Vorschau.

Hamburg – Mit NieR kehrt das wohl malerischste Ende der Welt bald endlich zurück. Im Jahr 2017 schlug NieR: Automata bei Fans und Kritikern ein wie eine unerwartete 2 Megaton-Bombe und zwackte sich trotz hochkarätiger Konkurrenz wie Zelda, Horizon oder Super Mario in so manchen Game of the Year-Listen fest. Das Franchise von Yoko Taro kam endlich im Mainstream an und schaffte neue Aufmerksamkeit für seine originellen, wenn auch teils etwas unbeholfenen Spiele. Diese Aufmerksamkeit nutzt Square Enix jetzt, um den 10 Jahre alten Vorgänger NieR als NieR Replicant Ver. 1.22474487139 neu aufzulegen. Wir durften ausgewählte Abschnitte schon vorab spielen.

Release (Datum der Erstveröffentlichung)23. April 2021
Publisher (Herausgeber)Square Enix
SerieDrakeNieR-Reihe
PlattformPS4, Xbox One, PC
EntwicklerToylogic, Cavia (Original)
GenreAction-Rollenspiel

NieR Replicant: Das Wichtigste zum Action-Rollenspiel im Schnelldurchlauf

Wer steckt hinter NieR Replicant?
Ursprünglich stammt NieR Replicant von Cavia Games und aus der Feder von Yoko Taro, der sich seit Jahren mit den Drakengard-Spielen und NieR eine kleine Kult-Fanbase aufgebaut hat. Die Entwicklung des Remakes übernimmt aber Toylogic. Das Entwicklerstudio hat zwar keine größeren Titel entwickelt, arbeitete aber schon an Dragon Quest 10 und 11 und hat einige Mitarbeiter des ursprünglichen NieR-Teams mit an Bord.

Für wen eignet sich NieR Replicant?
Fans der Reihe und von NieR: Automata werden sich hier wie Zuhause fühlen und dürften sich freuen, das Spiel und die Lore in einer technisch sauberen Fassung zu sehen. Wer aber noch keinen Zugang zum DrakeNieR-Franchise hatte, sollte sich darauf einstellen, dass hier eine in großen Teilen etwas langsamere und ruhigere Action-Rollenspiel-Erfahrung wartet.

Kommt das Spiel auch für PS5 und Xbox Series X?
Nein, die Neuauflage von NieR Replicant erscheint für PS4 und Xbox One und wird kein Next-Gen-Upgrade für PS5 und Xbox Series X erhalten. Das Spiel wird durch Abwärtskompatibilität aber trotzdem auf beiden neuen Konsolen spielbar sein und kommt erstmals auch auf den PC.

NieR Replicant: Der Kultklassiker kommt im April neu für die PS4

NieR Replicant: Namensverwirrung und eine kleine Geschichtsstunde

Moment mal, Neuauflage? Ja ganz genau, bei NieR Replicant (Das Ver. 1.22474487139.. lassen wir aus Gründen der Einfachheit mal weg) handelt es sich tatsächlich um ein Remake/Remaster des ersten NieR von 2010. Wer jetzt einen mittelalten Mann mit Gollumgesicht vor Augen hat, liegt damit auch völlig richtig, auch wenn er in der 2021er Version nirgendwo zu finden ist. Kleine Geschichtsstunde dazu: NieR kam ursprünglich in Japan in zwei Versionen auf den Markt. NieR Gestalt kam für die Xbox 360 raus und war die Version, die auch im Rest der Welt erschienen ist, während NieR Replicant exklusiv in Japan blieb und für die PS3 kam.

NieR Replicant: In der neuen Version spielt ihr einen Bruder statt einen Vater

NieR Replicant spielt mehr als 1.000 Jahre in der Zukunft und folgt den Ereignissen aus einem versteckten Ende von Drakengard, einem früheren PS2-Spiel von Yoko Taro. Je nach Version spielt ihr entweder einen Vater (Gestalt) oder einen Teenager (Replicant), der seine Tochter/Schwester Yonah retten muss, die an einer mysteriösen Krankheit namens Runenpest leidet. Der Hauptcharakter ist der einzige Unterschied zwischen beiden Versionen, Story und Gameplay bleiben dabei gleich. Mit NieR Replicant können jetzt also auch wir im Westen erstmals die Geschichte vom Bruder-Protagonisten spielen. Die neue Version bringt aber noch eine Reihe von Neuerungen mit sich, die das Spiel in das neue Jahrzehnt hieven.

NieR Replicant: Was gibt‘s so Neues in der Post-Apokalypse?

Für unsere Vorschau durften wir bereits zwei Areale mitsamt ihren Bosskämpfen sowie einen Abschnitt der Open World-Bereiche spielen. Schnell fiel uns auf, dass die Leute bei Toylogic sich wohl eingehend mit dem Original wie auch mit NieR: Automata befasst haben. Das Gameplay und Kampfsystem von NieR Replicant haben die Entwickler in großen Teilen überarbeitet und an den Nachfolger von 2017 angepasst. Die generelle Geschwindigkeit in Bewegung und Kampf wurde ein wenig erhöht, die Kämpfe fühlen sich weniger unbeholfen an und auch die Combomöglichkeiten sind jetzt etwas vielfältiger.

NieR Replicant: Das Kampfsystem wurde für PS4 neu überarbeitet

Auch den Einsatz von Magie mithilfe des sprechenden Buches (und Fan-Lieblings) Grimoire Weiss hat Toylogic überarbeitet. Jetzt spielt sich die Magie ein wenig mehr wie die Pods aus NieR: Automata und hat ein bisschen mehr Wucht dahinter. Unlimitiertes Zaubern und Ballern ist aber nicht drin, eure Fähigkeiten sind weiter an eine Manaleiste gebunden. Noch eine kleine Änderung, die aber im Gameplay-Kontext große Auswirkungen haben könnte, ist, dass man Nahkampfaktionen jetzt mit Magie kombinieren und gleichzeitig einsetzen kann. Wir mussten uns also nicht mehr entscheiden, ob wir Gegner mit dem Schwert oder durch Magie bearbeiten. Stattdessen konnten wir einfach beides auf einmal einsetzen.

NieR Replicant: Mit Magie lässt sich schnell aufräumen

Wie sich das auf den Rest des Spiels auswirkt, bleibt abzuwarten. Schließlich ist NieR Replicant berüchtigt für seine wilde Mischung aus Genres und Spielstilen. Der erste Eindruck aus den Kämpfen macht aber schon Hoffnung, denn das Gameplay war immer einer der größten Schwachpunkte des Spiels. Rein inhaltlich hat sich aber das bisher Gezeigte sehr stark am Original orientiert und abgesehen von kleineren Quality of Life-Änderungen fiel uns kaum etwas Neues auf. Es wird wohl definitiv kein Final Fantasy VII Remake werden, das das Originalspiel einmal auf Links dreht. Eher versucht es wohl, die ursprüngliche kreative Vision von NieR mit besserer Spielbarkeit neu einzufangen.

NieR Replicant: Mehr Schönes zum begucken, mehr Schönes zum Anhören

Zumindest technisch hat sich wohl einiges an NieR Replicant getan. Seien wir mal ehrlich: Auf der Xbox 360 war NieR nicht gerade eins der schönsten oder saubersten Spiele. In weiten Teilen des Spiels muteten die Texturen eher an PS2 an, vieles musste durch Unmengen an Bloom kaschiert werden und auch die 30 FPS konnte NieR nicht immer zuverlässig halten. Was wir von der Neuauflage dagegen bisher gesehen haben, lief stabil auf 60 FPS, hatte feinere Texturen und etwas natürlichere Farben.

Besonders der Adlerhorst – ein von Leitern und Gerüsten gehaltenes Dorf inmitten einer Schlucht – schaut in der neuen Version nochmals eindrucksvoller aus. Dafür wirkten im Gegenzug einige schnelle Gameplay-Momente durch extrem hohe Bewegungsunschärfe aber etwas ‚ausgewaschen‘ und im Gesamten bleibt es wohl etwas hinter dem Niveau anderer aktueller Spiele zurück. Wir sind trotzdem gespannt, wie die imposanteren Abschnitte des Spiels mit der Extrapolitur aussehen werden.

NieR Replicant: Der Adlerhorst ist einer der eindrucksvolleren Orte

Apropos Extrapolitur: Es ist fast schon illegal, über NieR zu schreiben, ohne den Soundtrack von Keiichi Okabe zu erwähnen. Und es gibt gute Nachrichten für alle Fans des Originals, denn der ursprüngliche Soundtrack bleibt allem bisher Gehörten nach wohl erhalten, wurde aber neu arrangiert und neu aufgenommen. Den gesamten Soundtrack in dieser neuen Qualität zu hören, wird hoffentlich eine echte Freude sein.

Gleiches gilt auch für die meisten Charakterstimmen. Die Hauptfigur selbst wurde komplett neu vertont, schließlich gab es den Bruder-Protagonisten nie in einer englischen Fassung, aber auch der Rest des Casts kehrt mit neu aufgenommenen Stimmen zurück. So sprechen Liam O‘Brien und Laura Bailey (Bekannt als Abby aus The Last of Us 2) erneut ihre Charaktere Grimoire Weiss und Kainé. Dabei hat man ihre alten Stimmen nicht einfach aufpoliert, die Darsteller haben sämtliche Dialoge neu eingesprochen.

NieR Replicant: Ausblick zur Neuauflage des Rollenspiel-Kultklassikers

Aber was wird NieR Replicant denn jetzt für ein Spiel werden? Für ein volles Remake könnten vielen alten Fans die ganz großen Veränderungen fehlen, für ein schlichtes Remaster scheinen aber dann doch zu viele Neuerungen und Features im Spiel zu sein. Wahrscheinlich wird es darauf hinauslaufen, dass so etwas wie „Definitive Edition“ am ehesten als Bezeichnung für den neuen Release des Kultklassikers zutreffen wird. Bisher macht es darin einen guten Eindruck. Einige der größten Kritikpunkte des Originals wurden von den Entwicklern angegangen, wie zum Beispiel das Kampfsystem.

NieR Replicant in der Vorschau: Ist es ein Remake oder ein Remaster? Ja

Auch audiovisuell bahnt sich hier die beste Version von NieR an, auch wenn es die Leistung der PS4 und erst Recht die der PS5 nicht gerade ausreizt. Was aber noch abzuwarten ist und sich wohl erst beim finalen Release zeigt, ist, ob das Spiel sein Pacing (also das Tempo und die Struktur des Spiel) ein wenig aufpolieren kann. Gerade die Nebenmissionen waren damals etwas unkreativ und vor allem repetitiv. Die meisten Aufgaben bestanden größtenteils aus unnötig langen Laufwegen und Sammelaufgaben.

NieR zeichnete sich zum Glück aber immer durch seine wendungsreiche Hauptstory und dessen emotionale Tragweite aus. An der dürfte sich hoffentlich auch im neuen Release von NieR Replicant wenig bis nichts ändern. Wenn Toylogic diese dann noch so ausdauernd wie in unserer Anspielsession mit gut überarbeitetem Gameplay füttert, erwartet uns wahrscheinlich die beste Version von einem unterschätzten Rollenspiel-Klassiker.

Rubriklistenbild: © Square Enix/Toylogic/Cavia

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