Knallhartes Action-RPG

Nioh 2 im Test: Nur Nioh 1.5 und trotzdem ein geniales Soulslike

  • Christian Böttcher
    vonChristian Böttcher
    schließen

Nioh 2: Das Spiel gewordene Déjà-vu. Team Ninja wandelt mit Teil Zwei im Schatten des Vorgängers. Ob das Soulslike trotzdem ein Lichtblick ist, zeigt der Test.

  • Nioh 2 erscheint am 13. März exklusiv für die PS4.
  • Nioh 2 ist ein Prequel zum ersten Teil und lässt euch zum Halbdämon werden.
  • Unser Test zeigt, warum am Ende nur Nioh 1.5 dabei rauskommt und euch trotzdem eins der besten Soulslikes erwartet.

Tokio, Japan – Nachdem Hidetaka Miyazaki sein schärfstes Schwert Dark Souls begraben und sich bis zum Release von Elden Ring in die hintersten Winkel seines diabolischen Denkapparats zurückgezogen hat, ist es nun an der Konkurrenz, den Altmeister herauszufordern. Auftritt: Nioh. Das Action-RPG von Team Ninja bekommt zwei Jahre nach dem ersten Teil endlich einen Nachfolger, der noch knackiger, noch fieser und noch geisterhaftiger sein soll. Im Test klären wir, ob der Ansturm auf den Thron der Soulslikes gelingt oder Nioh 2 im Schatten des Vorgängers verglüht.

Nioh 2 im Test: Ein Soulslike – Tausend Gesichter im gigantischen Charakter-Editor

Nioh 2 entführt euch abermals in feudale Japan, dieses Mal zur Zeit der streitenden Reiche. Und passender könnte das Setting des zweiten Teils nicht sein, denn genau wie das Land der aufgehenden Sonne damals unter einem blutigen Bürgerkrieg zerbricht, setzt auch das Action-RPG von Team Ninja auf einen Helden, der zwischen zwei Welten wandelt, ohne zu wissen, wohin er nun eigentlich gehört. Anders als noch im Vorgänger schlüpfen wir in Nioh 2 nicht in die Rolle eines fertig-gebackenen Protagonisten wie William Adams einer war. Stattdessen dürft ihr euch einen ganz eigenen Samurai zusammenbasteln, den ihr dann wieder und wieder über die Klinge springen lasst.

Nioh 2: Gigantischer Charakter-Editor wird zum spaßigen Zeitfresser.

Dazu gibt euch Team Ninja einen Charakter-Editor an die Hand, der selbst Code Vein, den feuchten Traum eines jeden Mangaka, in den Schatten stellt. Neben 16 vorgefertigten Figuren, die für sich genommen schon mehr optische Vielfalt bieten als alle blassgrauen Dark Souls-Presets zusammen, habt ihr hier die Möglichkeit, euren kühnsten Samurai-Fantasien freien Lauf zu lassen. Haarfarbe, Gesichtszüge, Kriegsbemalung, Stimme: fast jeden Aspekt der Hauptfigur könnt ihr anpassen. Selbst die Geisterform des Helden lässt sich bis in die flammenden Hörner zurechtstutzen. Das ist deshalb wichtig, weil ihr in Nioh 2 keinen Mensch mehr verkörpert, sondern einen mächtigen Halbdämon.

War in Nioh noch glasklar, dass mit den Yokai, Geisterwesen aus der japanischen Mythologie, nicht gut Kirschen essen ist, tragt ihr nun selbst die Essenz eines solchen Dämons in euch. Dementsprechend feingliedriger werden die Yokai im zweiten Teil gezeichnet. In den Reihen der dämonischen Kreaturen finden sich nun sowohl gutmütige Vertreter als auch die abgrundtief bösen Monster wie wir sie bereits kennenlernen durften. Dieser Zwiespalt spiegelt sich auch in der Geschichte von Nioh 2 wider. Als mächtiger Yokai steht ihr an der Seite von prominenten Namen wie "Oda Nobunaga" und versucht das von einer dunklen Kraft verseuchte Japan des 16. Jahrhunderts wieder zu vereinen.

Nioh 2 entsendet einen Halb-Yokai, um das verseuchte Japan zu vereinen.

Die historische Sengoku-Zeit bleibt dabei aber nie mehr als das Fundament, auf dem Nioh 2 eine Geschichte von Verrat, Machtgier und Mythologie aufzieht. Die kommt zwar mit der ein oder anderen ungeahnten Wendung daher, wird aber leider so konfus erzählt, dass die Zwischensequenzen nur deshalb in Erinnerung bleiben, weil sie – wie schon beim Vorgänger – im bildhübschen Aquarell-Look gehalten sind. In puncto Geschichte muss sich Nioh 2 also Style-over-substance-Vorwürfe gefallen lassen. Schade eigentlich, denn die komplexen Beziehungen zwischen den zahlreichen Nebenfiguren hätten durchaus das Potenzial für eine richtig gute Geschichte gehabt.

Nioh 2 bleibt sich treu: Geteilte Missionen statt offener Spielwelt

Erzählt wird die Geschichte wie üblich in Kapiteln, die jeweils drei Hauptmissionen und etliche Nebenmissionen umfassen. Von Kapitel zu Kapitel dringt ihr dabei tiefer in die dunkelsten Ecken der japanischen Geschichte und deren Mythologie vor. Eine offene Spielwelt  wie man sie beispielsweise aus Dark Souls kennt, gibt es in Nioh 2 nicht. Stattdessen führt euch das Spiel über eine Landkarte, auf der ihr Level für Level weiter in der Geschichte voranschreitet. Auch sämtliche Belohnungen, die am Ende auf euch warten, könnt ihr hier bereits vor dem Start einsehen.

Schon beim ersten Teil sorgte dieses fragmentarische Missionsdesign für Kontroversen. Im direkten Vergleich mit dem Genre-Primus von From Software hagelte es saftige Kritik, weil Nioh ganz bewusst auf eindrucksvolles Worldbuilding verzichtete, bei dem alle Teile der Karte miteinander verzahnt sind, und seine Missionen stattdessen als gut verdauliche Häppchen servierte. Daran hat sich auch in Nioh 2 kaum etwas geändert, was sowohl mit Vor- als auch Nachteilen einhergeht. Noch immer fühlt sich die Spielwelt von Nioh ein Stückweit nach Kulisse an. Es fehlt ein atmosphärischer Kleber, der die einzelnen Setpieces, auch wenn sie für sich genommen wunderbar funktionieren, in einen größeren Zusammenhang bringt.

Nioh 2 setzt noch immer auf voneinander getrennte Missionen statt auf eine offene Spielwelt.

Auf der anderen Seite hat das bruchstückhafte Missionsdesign vor allem spielerische Vorteile. Anders als bei Dark Souls und Co. lässt sich jede Mission beliebig oft wiederholen, sodass man die zahlreichen Bosse des Spiels deutlich häufiger zu Gesicht bekommen dürfte – sofern gewollt. Auch Gelegenheitsspieler profitieren vom dieser Aufteilung, denn je nach Art des Auftrags dauern die Missionen in Nioh 2 nur rund 2-3 Stunden an – perfekt also, um nach der Arbeit eine Runde einzuschieben oder nach einer längeren Pause zurückzukehren. 

Trotzdem driftet Nioh 2 zu oft in Schemata ab. Sei es beim Design der Level, in denen sich immer gleiche Abkürzungs-Mechaniken tummeln oder den Bossen, die grundsätzlich gelungen sind, aber stets nach einem vorhersehbaren Ablauf funktionieren. Da helfen auch neue Spiel-Mechaniken wie der Wucht-Konter leider nur wenig. In dieser Hinsicht hat From Software noch einen deutlichen Vorsprung, denn den Spieler ständig zu überraschen – auch das ist Soulslike. Nioh 2 überrascht nur selten.

Nioh 2: Der Gameplay-Loop im Test – Waffen, Rüstungen und Skills in Hülle und Fülle

Story und Missionsdesign sind jedoch nur ein Bruchteil von dem, was Nioh 2 ausmacht. Wie in jedem guten Souls-Like steht das Gameplay auch beim Prequel im Vordergrund. Nicht zuletzt aufgrund des einschlagenden Erfolgs hat sich Team Ninja dazu entschlossen, die spielerischen Ansätze des ersten Teils beizubehalten, anstatt das Spiel komplett umzukrempeln. Auch Teil Zwei setzt auf brachial fordernde Kämpfe mit einem enorm hohen Skillcap und noch höherem Frustfaktor. Dazu gibt euch das Spiel wieder zahlreiche Waffen an die Hand, die es im Laufe von rund 50-70 Stunden Spielzeit zu meistern gilt. Im Vergleich zum Vorgänger hat sich das Arsenal von Nioh 2 sogar noch vergrößert. Diese neun Waffentypen gibt euch das Spiel zur Auswahl:

  • Axt
  • Odachi
  • Speer
  • Kusarigama
  • Katana
  • Doppel-Katana
  • Doppel-Beile
  • Tonfa
  • Kriegsgleve

Neu dazugestoßen sind unter anderem die Doppel-Beile. Sie ermöglichen einen enorm aggressiven Spielstil mit einem Trommelfeuer schneller Angriffe. Außerdem könnt ihr sie auf eure Gegner werfen. Deutlich interessanter und vor allem kniffliger zu spielen ist die Kriegsgleve. Sie profitiert vor allem vom regelmäßigen Wechsel der Kampfhaltung, denn wie schon im Vorgänger habt ihr jederzeit die Möglichkeit, zwischen hoher, mittlerer und niedriger Position zu wechseln, um euch auf direkten Schaden, konsequentes Blocken oder flinkes Ausweichen zu fokussieren.

Endlich Talentbäume! Die machen Nioh 2 weitaus übersichtlicher und zugänglicher.

Erleichtert wird das wilde Herumexperimentieren mit den Samurai-Waffen vor allem deshalb, weil das Skillsystem in Nioh 2 nun eine ganze Ecke übersichtlicher ausfällt. Jeder Waffentyp hat seinen ganz eigenen Skillbaum spendiert bekommen, auf dem ihr euch von Mission zu Mission entlanghangelt. Abgekapselt davon gibt es vier allgemeine Bäume, in denen ihr eure Yokai-Mutation weiter vorantreibt, praktische Samurai-Skills erlernt, Ninja-Fähigkeiten wie Wurfsterne freischaltet oder explosive Magie zu eurem Arsenal hinzufügt. 

Schade allerdings, dass ihr den wirklich guten Skills in der Regel nur hinterherrennt. Da ihr beim Spielen deutlich mehr Skillpunkte verdient als ihr – weil die immer einen bestimmten Missionsfortschritt erfordern – ausgeben könnt, habt ihr im Grunde immer überzählige Punkte auf Halde, die ihr schließlich in Fähigkeiten stecken müsst, mit denen ihr eigentlich gar nichts zu tun haben wollt.

Die Anzahl der Skillpunkte, mit denen Nioh 2 um sich wirft, ist jedoch nichts im Vergleich mit der Masse an Waffen, Rüstungen und nutzbaren Items, die euch Team Ninja ins Inventar kippt. Genau wie im Vorgänger erhaltet ihr von beinahe jedem Gegner einen Gegenstand, sei es eine der wunderschön gestalteten Rüstungen des zweiten Teils, eine mal mehr, mal weniger nützliche Waffe oder aber eine von etlichen Kostbarkeiten, die euch das Spiel um ein Geisha-Zwinkern leichter machen. Dazu zählen Steine, die ihr zum Anlocken auf Gegner werft, Früchte, mit denen ihr Energie wiederherstellt und viele andere Gimmicks, die viel zu oft ungenutzt im Inventar vergammeln.

Das Inventar in Nioh 2: Massig Loot ist Fluch und Segen zugleich.

Auch Nioh 2 schießt mit dem Loot ein wenig über das Ziel hinaus. Statt nützlicher Upgrades erhaltet ihr nämlich gemeinhin nur wertlosen Plunder, den ihr nach der Mission wieder umständlich zerlegen müsst, weil für die wirklich guten Gegenstände, und davon gibt es eine ganze Menge, ansonsten kein Platz mehr ist. Das Crafting-System des Vorgängers kehrt zurück und gibt euch genügend Möglichkeiten, den Loot-Hamster in euch zu füttern, wirklich befriedigend fühlt sich das Schmieden neuer Waffen und Rüstungen jedoch nicht an. Ihre Optik ist dafür umso schöner, denn die Designer hinter den Items haben sich mal wieder selbst übertroffen. Toll auch, dass unsere Figur in wirklich jeder Zwischensequenz genau so aussieht wie auch im Spiel – selbst der Schatten eurer Frisur weht in einer Szene originalgetreu hinter einer Bambuswand durchs Bild.

Nioh 2 im Test: Mehr Yokai im Spiel – Neue Mechaniken und Gegnerdesigns

Ohnehin wieder mit an Bord in Nioh 2: Die großen Tugenden des Soulslike-Genre: Blocken, Ausweichen, Ausdauer(KI)-Management und das permanente Studieren der gegnerischen Bewegungen, in der verzweifelten Hoffnung, einen Schwachpunkt auszumachen. Dazu gesellt sich wie im ersten Teil der essenzielle KI-Burst. Habt ihr dem nächstbesten Fiesling in einem Anfall von Wahnsinn eure komplette KI-Leiste in den Allerwertesten gepustet, gibt euch diese innovative Mechanik die Gelegenheit, einen Teil davon wiederherzustellen. Einzige Bedingung: Schnelle Reflexe und gutes Timing. Der KI-Burst ist in Nioh 2 noch wichtiger als im Erstling, weil eines der neuen Features eure Ausdauer auf brutale Art und Weise beschränkt.

In der Welt der Yokai müsst ihr vor allem auf euer KI Acht geben.

Anstatt die Yokai nämlich ausschließlich in der Welt der Menschen zu bekämpfen, dürft ihr von nun auch deren Geisterwelt besuchen – ein Privileg, das ihr als Halbdämon natürlich gern in Anspruch nehmt. In jedem der weiterhin recht linearen Level von Nioh 2 kommt der Punkt, an dem ihr wie durch einen Schleier in die monochrome Welt der Yokai eintaucht. Dort warten in der Regel nicht nur stärkere Gegner auf euch – auch die KI-Regeneration ist drastisch verringert. Nur wenn ihr die Quelle dieser fiesen Verderbnis auslöscht, könnt ihr die Spielwelt säubern, verschlossene Kisten öffnen oder Abkürzungen freischalten.

Problem nur, dass sich diese Quelle meist als miesgelaunter Yokai entpuppt, der nicht allzu viel vom Sterben hält. Habt ihr den Quälgeist aber schließlich bezwungen und der Schleier lichtet sich, fühlt sich das an als hättet ihr gerade den Endboss über die Wupper geschickt. Die neue Geisterwelt funktioniert vor allem deshalb, weil Nioh 2 beim Gegnerdesign nochmal eine Schippe drauflegt. Von blitzschnellen Rabenwesen, die euch aus der Luft mit Geisterklingen beschießen bis hin zu einäugigen Feuerdämonen, die auf einem gigantischen Hammer wie auf einem Pogo-Stick durch die Gegend hüpfen: Nicht nur die Anzahl der Yokai stimmt, sondern dieses Mal auch ihre Vielfalt.

Nioh 2: Viele Werkzeuge gegen den Frust – So schwer ist das Soulslike wirklich

Jeder Boss in Nioh 2 kann euch in den Wahnsinn treiben.

Wie für die meisten Soulslike üblich, gibt es auch in Nioh 2 nur einen einzigen Schwierigkeitsgrad: Hardcore. Im Vergleich zum ersten Teil hat Team Ninja den Frustfaktor leicht angezogen, ohne dabei aber ins Unfaire abzudriften. Knapp 900 Tode haben wir in 72 Stunden Spielzeit angehäuft. Wer mit fordernden Action-RPGs also nichts anfangen kann, wird sich auch an Nioh 2 die Zähne ausbeißen. Mit ausreichend Training ist aber trotzdem jeder Boss zu bezwingen. Nicht zuletzt deshalb, weil euch Nioh 2 noch mehr spielerische Tools an die Hand gibt, um der Yokai-Brut Herr zu werden.

Die Schutzgeister aus Teil Eins feiern ihre farbenfrohe Rückkehr, wurden aber massiv erweitert. Mehr als 15 verschiedene Geister könnt ihr in Nioh 2 freischalten. Im Laufe des Spiels habt ihr nun die Möglichkeit, mehr als einen dieser tierischen Begleiter an eure Seite zu holen. Bis zu drei Schutzgeister finden in eurem brandneuen Yokai-Körper Platz. Per Knopfdruck wechselt ihr zwischen ihnen hin und her. Genau wie in Nioh sammelt ihr in jedem Kampf Energie, um schließlich eure Yokai-Form zu entfesseln und für kurze Zeit zur unverwundbaren Kampfmaschine zu mutieren – der perfekte "Oh-Shit-Button" für brenzlige Situationen. 

In der Yokai-Form seid ihr für Kurze Zeit unbesiegbar.

Die größte spielerische Neuerung von Nioh 2 sind aber wohl die aktiven Yokai-Fähigkeiten. Regelmäßig hinterlassen Gegner beim Tod sogenannte Seelenkerne, mit denen ihr eure Schutzgeister ausstatten könnt. Einmal ausgerüstet, schaltet der Seelenkern eine aktive Fähigkeit frei, die im Kampf enorm hilfreich ist. Nutzt ihr beispielsweise die Yokai-Fähigkeit "Affentanz", springt ihr in die Luft und entgeht so feindlichen Angriffen. Bis zu drei Fähigkeiten könnt ihr gleichzeitig ausrüsten. Die aktiven Skills sorgen nicht nur für noch mehr spielerische Tiefe, sondern sehen auch noch verdammt cool aus und können in einem engen Kampf den Unterschied machen.

Nioh 2 im Test: Torii-Pforte öffnet Tür und Tor für Koop

Seid ihr in Nioh auf einen Boss gestoßen, den ihr selbst nach Stunden nicht bezwingen konntet, wart ihr in der Regel angeschmiert. Hier schafft Entwickler Team Ninja, deren Hauptsitz mitten in Tokio liegt, nun Abhilfe. Zu den roten Gräbern, an denen ihr im Vorgänger verstorbene Spieler herausfordern und für eine Extraportion Amrita und Loot besiegen konntet, gesellen sich nun aufällige blaue Segensgräber, die spärlich über die zahlreichen Missionen von Nioh 2 verteilt sind. Ganz im Stil von Dark Souls könnt ihr an ihnen hilfreiche Phantome beschwören, die euch begleiten und im Kampf unterstützen. Wirklich clever sind die Zeitgenossen aber selten, sodass sie meist nur als Kanonenfutter für Bosse herhalten, während ihr die Fieslinge von hinten aufschlitzt. Der KI fehlt es hier schlicht an Feinschliff.

Über den Kodama Basar schaltet ihr Gegenstände zum Spielen im Koop-Modus frei.

Warum also seelenlose Pappkameraden herbeirufen, wenn echte menschliche Spieler doch viel hilfreicher sind? Genau wie der erste Teil verfügt auch Nioh 2 quasi über einen Koop-Modus, der auch an Schreinen, den Speicherpunkten im Spiel, andere Spieler beschwören lässt. Genau wie bei den Segensgräber brauch es dafür allerdings Gegenstände, die ihr erst im Laufe der Missionen freischalten oder aber beim Schmied herstellen müsst. Außerdem müssen die Helferlein die Mission, in der ihr gerade feststeckt, bereits abgeschlossen haben, um euch zur Seite stehen zu können. Ist euch auch das nicht kooperativ genug, hat Nioh 2 noch eine weitere Multiplayer-Option in petto.

Über die Übersichtskarte könnt ihr euch für die Torii-Pforte anmelden, um Missionen zu absolvieren, die weder ihr noch euer menschlicher Begleiter bislang abgeschlossen habt. Diese sogenannten Expeditionen haben jedoch eine große Einschränkung. Sterbt ihr zu oft innerhalb einer Expedition, schlägt diese fehl und ihr müsst ohne euren heiß ersehnten Boss-Loot nach Hause gehen. Dafür habt ihr hier die Möglichkeit, euch gegenseitig wiederzubeleben, um die Übermacht der Yokai-Brut auszugleichen. Macht ihr das zu oft, gilt die Mission ebenfalls als gescheitert – ein toller Modus, um Nioh 2 nicht allein durchsterben zu müssen.

Nioh 2: So schlägt sich das Soulslike im Technik-Test

Optisch nur Mittelmaß – dafür zeigt sich Nioh 2 im Test absolut flüssig und als echter Ohrenschmaus.

Die technische Seite von Nioh 2 spiegelt im Grunde genau das wider, was Team Ninja auch in puncto Gameplay vorgibt: Innovation muss Platz machen für alte Stärken. Grafisch bedeutet das vor allem eins: Solides Mittelmaß. An einigen Stellen hat das Entwicklerteam nachgebessert, wirklich zeitgemäß ist die Optik des zweiten Teils aber nicht. Einen guten Eindruck machen vor allem die Lichteffekte und dynamisch an Zwischensequenzen angepassten Charaktermodelle. Leider zeigt sich Nioh 2 bei den Texturen, Stilen und Skyboxen recht sparsam, denn nur allzu oft trifft man in zwei aufeinanderfolgenden Missionen auf parallel strukturierte Gebäude, Umgebungen und Details wie Laternen oder Zäune. Kaum verwunderlich, denn in Nioh 2 kommt dieselbe Engine zum Einsatz wie schon im Vorgänger von 2017.

Doch der fehlende Optische Wagemut hat auch positive Seiten. In Sachen Performance ist Teil Zwei nämlich über jeden Zweifel erhaben. Nioh 2 läuft auf allen drei verfügbaren Spielmodi genau so wie es laufen soll. Im Filmmodus stabilisiert das Spiel die Auflösung, während der Nachfolger im Actionmodus auf kompromissloss stabile 60FPS (Bilder pro Sekunde) schaltet. Der Videomodud schließlich fungiert als Kompromiss zwischen beiden Varianten und setzt die Framerate auf 30 FPS bei gleichzeitig zuverlässiger Auflösung. Nioh 2 spielt sich absolut flüssig und bis auf eine nachladende Textur am Anfang des Spiels stießen wir auf der PS4 Pro nicht auf einen einzigen Bug oder Glitch.

Ein stilles und zugleich wunderbar lautes Highlight von Nioh 2 versteckt sich schließlich im Soundtrack. Die beiden Komponisten Yugo Kanno und Akihiro Manabe haben bei der Vertonung des fordernden Action-RPG wirklich großartige Arbeit geleistet. Von den ruhigen Flötenklängen der Tutorial-Mission bis hin zum mit wuchtigen Trommeln unterlegten ersten Auftritt von Oda Nobunaga: Nioh 2 legt euch eine nahezu perfekte Mischung aus Ruhe und Hektik sowie Laut und Leise auf die Ohren. Ihr wollt euch selbst davon überzeugen? Dann checkt die 18 Tracks auf Spotify! Dort ist der Soundtrack schon vor dem Release verfügbar.

Nioh 2 im Test: Fazit zur Soulslike-Hoffnung von Team Ninja

Nioh 2: Unser Testfazit zum knallharten Action-RPG.

50% Mensch, 50% Yokai: Nioh 2 verfrachtet euch in die Rolle eines geisterhaften Mischwesens. Genau wie der Held des Nachfolgers, weiß jedoch auch das Spiel selbst nicht so ganz, in welcher Welt es sich letztlich Zuhause fühlt. Alt und neu kreuzen ständig die Klingen und so bleibt am Ende nur der flüchtige Versuch, aus dem Nachfolger mehr zu machen als ein extrem umfangreiches Update für den großartigen Erstling. 

Auch wenn sich die spielerische Innovation auf ein paar neue Fähigkeiten, Schutzgeister und minimale Änderungen am Gameplay erstreckt und Recycling an jeder Ecke für Stirnrunzeln sorgt, weiß Nioh 2, was Soulslike-Fans wollen: Anspruch und Präzision. Auch wenn sich optisch kaum etwas getan und das fragmentarische Missionsdesign noch immer die gleichen Schwächen des Vorgängers hat, weiß Nioh 2, was Rollenspieler brauchen: Umfang und Performance.  

Kurzum: Nioh 2 macht alles richtig, aber kaum etwas wirklich neu. Man könnte es also problemlos als Nioh 1.5 bezeichnen. Für ein gutes Spiel reicht es allemal, aber wo Konkurrent Sekiro: Shadows Die Twice mit Innovation in die Zukunft schlitzt, stolpert Nioh 2 über seine eigenen Wurzeln – auch wenn die spielerisch absolut großartig sind.

Christian Böttcher

In seinem Test hat Christian fehlende Innovationen gegenüber dem Vorgänger bemängelt. Als Neueinsteiger in die Serie fallen bei mir andere Kritikpunkte ins Gewicht. Auch ich halte Nioh 2 für ein gutes Spiel, hatte anfangs aber große Schwierigkeiten, mich in die Mechaniken und die Unmenge an Informationen einzufinden. Die ersten Spielstunden – allein der Charakter-Editor kann zum Zeitfresser mutieren – waren zäh. Ständig auf die Mütze zu bekommen, weil die Steuerung alles andere als intuitiv ist – zumindest für Anfänger –, erleichtert den Einstieg nicht gerade. 

Aber wie bei diesem Genre üblich, zahlen sich Geduld und Übung aus: Irgendwann hatte ich verstanden, was Yokai sind, wann ich den Wucht-Konter einsetzen muss und warum es um Himmelswillen so verdammt wichtig ist, den KI-Pulse blind zu beherrschen. Ja, es ist viel Fingerakrobatik notwendig, auch im Kampf gegen den eigentlichen Endgegner, die Kamera. Aber wer sich auf Nioh 2 einlässt, stellt schnell einen Lerneffekt fest. Über die Zeit wird man spürbar besser, kontrollierter und präziser. Diese kleinen Erfolge fühlen sich richtig gut an und davon gibt es in Nioh 2 – neben alle den Flüchen, die ich ausgestoßen habe – jede Menge.

Alexander Kraft



Pro

Con

+ Yokai-Fähigkeiten/Wucht-Konter bringen Abwechslung ins Gameplay

- Bosskämpfe zu schematisch

+ Geschichte wendungsreich und gut geschrieben

- Optik nicht ganz zeitgemäß

+ Starkes, vertikales Leveldesign

- Wenig spielerische Innovation

+ Verschlanktes Inventar-System

- Leicht angestaubtes Setting

+ Viele Quality of Life-Verbesserungen

+ Vielschichtiges Gegnerdesign

+ Makellose Performance (Ladezeiten/FPS/Texturen)

+ Umfrangreicher Charakter-Editor

+ Grandioser Soundtrack

Nioh 2 erscheint am 13. März exklusiv für die PS4.

cb/ak

Rubriklistenbild: © Team Ninja

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Meistgelesen

Final Fantasy 7 Remake: Release verschoben – Kommt die Demo nun früher?

Final Fantasy 7 Remake: Release verschoben – Kommt die Demo nun früher?

WoW Classic: Alle Flugpunkte der Horde und Allianz im Überblick mit Bildern

WoW Classic: Alle Flugpunkte der Horde und Allianz im Überblick mit Bildern

FIFA 20: Fabian Schär SBC – Die günstigste Lösung für nur 100.000 Münzen

FIFA 20: Fabian Schär SBC – Die günstigste Lösung für nur 100.000 Münzen

FIFA 20: Das sind die FUT Champions Belohnungen - Weekend League Ränge

FIFA 20: Das sind die FUT Champions Belohnungen - Weekend League Ränge

Kommentare