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Nioh 2: Zu nah am Vorgänger?

Nichts neu macht der Yokai?

Nioh 2 in der Vorschau – Nicht mehr als ein DLC für den ersten Teil?

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Nioh 2: Wer den Vorgänger mag, wird den Nachfolger lieben. Wirklich neu ist nämlich nur die Ziffer. Wartet also ein verkappter DLC auf uns? Die Vorschau zeigt's

Lange Zeit war es ruhig um Nioh 2, den Nachfolger des erfolgreichen Action-Adventures von Team Ninja. In den vergangenen Monaten hat sich die Ruhe jedoch in einen amtlichen Sturm verwandelt. Zunächst präsentierte Sony wie aus heiterem Himmel eine geschlossene Alpha, nur für ausgewählte PS4-Nutzer spielbar, dann folgte auf der Tokyo Game Show brandneues Gameplay-Material und die Ankündigung, schon im November in eine offene Beta zu starten. Bis in die japanische Metropole haben wir es nicht geschafft, konnten im Rahmen einer Anspielsession aber trotzdem schon 1,5 Stunden in Nioh 2 reinschnuppern. Soviel vorab: In den kommenden Wochen wird der zweite Teil garantiert noch von sich reden machen.

Nioh 2: Endlich wieder Sterben im Schatten von Sakura-Wäldern.

Obwohl Nioh nämlich bereits mehr als zwei Jahre auf dem Buckel hat, erinnert der für das Frühjahr 2020 angesetzte Nachfolger auf den ersten Blick gravierend an den Erstling der Reihe – und das sowohl spielerisch als auch optisch. Stellt sich die Frage: Gehen Team Ninja die Ideen aus oder setzt das Studio ganz bewusst auf alte Stärken und nimmt bereits bekannte Schwächen dabei billigend in Kauf? Zu 100% konnten wir diese Frage nach unserem kurzen Abstecher in die Welt des Prequels natürlich nicht beantworten, wollen euch aber erklären, warum Nioh 2 trotz oder gerade wegen dieser neu entdeckten Beständigkeit ein besseres Spiel als der Vorgänger werden könnte.

Nioh 2: Neuer Held gegen Geisterwelt

Grundüberholt und bis in die letzte Haarspitze neu zeigt sich zumindest die Geschichte von Nioh 2. Während wir im Vorgänger noch mit dem Briten William in japanische Folklore und Mythologie eintauchen konnten, dürfen wir im zweiten Teil einen eigenen Charakter ins Feld führen. In unserer Demo stand der Charakter-Editor zwar noch nicht zur Verfügung, die vier vorgegebenen Figuren pro Geschlecht (Presets) machen jedoch Lust auf mehr. Vor allem die Haarpracht der Soon-to-be-Shinobi scheint seit Williams strähniger Pixelfrise einen grafischen Satz nach vorn gemacht zu haben.

Nioh 2: Bye William, Konnichiwa namenloser Held.

Frisch frisiert stürzen wir uns also ins feudale Japan des 16. Jahrhunderts, Jahrzehnte bevor William die sagenumwobene Insel mit ihren Yokai, Samurai und monströsem Allerlei überhaupt erst für sich entdeckte. Wir bekommen es also mit einem amtlichen Prequel zu tun, in dem auch Obermotz Oda Nobunaga wieder eine tragende Rolle spielen könnte – das zumindest deutet der aktuelle Trailer von der Tokyo Game Show an. Viel mehr zur Story können wir euch an dieser Stelle jedoch nicht verraten, denn die hält Team Ninja bislang hartnäckig hinter verschlossenen Türen.

Eine Spekulation sei jedoch erlaubt: Nach unserem Ersteindruck und dem Erfolg von Sekiro: Shadows Die Twice Anfang des Jahres halten wir es durchaus für möglich, dass Nioh 2 dem klassischen Samurai-Setting aus Gründen der Abgrenzung den Rücken kehrt und stattdessen voll und ganz in japanische Mythologie und Folklore abtaucht. Darauf deutet zumindest das Fehlen jeglicher menschlicher Gegner in der Demo hin sowie einige Neuerungen im Gameplay, mit denen Team Ninja die Grenzen zwischen unserer Welt und der Welt der Yokai endgültig pulverisiert. 

Nioh 2: Wecke den Yokai in dir

Denn auch wenn Nioh 2 dem Vorgänger optisch mehr als nur nacheifert, hat der schnelle Schnetzler ein paar spielerische Tricks in petto, die mächtig frischen Wind ins bockschwere Gameplay bringen. So dienen die japanischen Geisterwesen, welche euch zum blutigen Klingentanz bitten, nicht mehr nur als todbringende Widersacher, sondern lassen nach dem Ableben ihre dämonische Essenz in Form eines Seelenkerns zurück. Einmal gelootet nutzt ihr diesen, um euren Spielstil zu beeinflussen, denn jeder Kern geht mit passiven Boni, aber auch einer aktiven Fähigkeit einher. 

Seelenkerne versorgen euch mit praktischen Yokai-Kräften.

In Nioh 2 spielt die Wahl der richtigen Yokai-Kraft und ihr geschickter Einsatz also eine essenzielle Rolle. Die Hits unserer Demo: Ein Ninja-Slam-Dunk, der den Gegner in Flammen hüllt sowie ein Skill, mit dem wir uns eingraben, um fiesen Angriffen auszuweichen und dem Gegner anschließend von unten die Hölle heißzumachen. Bis zu zwei dieser Seelenkerne konnten wir in der Demo gleichzeitig nutzen. Die Fähigkeiten sind vielseitig einsetzbar und verleihen den ohnehin recht komplexen Kämpfen in Nioh 2 noch mehr spielerische Tiefe.

Besonders cool: Mit euren neuen Dämonenkräften könnt ihr euch außerdem selbst in einen Yokai verwandeln. Das funktioniert ähnlich wie im Vorgänger über eine Leiste, die sich langsam füllt, wenn ihr Schaden austeilt. Erreicht diese ihren Höhepunkt, könnt ihr jederzeit den Dämonen-Modus aktivieren und schaltet je nach aktivem Wächter-Geist besondere Spezialfähigkeiten frei. Das sind nicht nur brutal gut aus, sondern bring ebenfalls taktischen Anspruch in die Bosskämpfe. Wann zünde ich die Yokai-Form? Wie kann ich sie möglichst lang aufrechterhalten? Alles Fragen, dank derer Nioh 2 herrlich komplex bleibt.

Wir können hier nicht anhalten. Das ist Geisterland!

Damit jedoch nicht genug der Yokai-Spielereien. Um euren frisch erlernten Fähigkeiten etwas entgegenzusetzen, haben nämlich auch die Bosse in Nioh 2 ein neues Spielzeug an die Hand bekommen. Regelmäßig im Kampf entführen euch die blutrünstigen Viecher in die Geisterwelt, in der das Spielprinzip kurzerhand auf den Kopf gestellt wird. Sowohl ihr als auch die Bosse sind in diesem düsteren Nirvana deutlich langsamer, eure Stamina regeneriert sich nur schleppend und auch optisch unterscheidet sich die Yokai-Welt drastisch von der Sphäre der Lebenden.

Erst in der Welt der Yokai entfalten die Kämpfe ihre ganze Wucht.

Was grundsätzlich nach einer guten Idee klingt, um in den Kämpfen für mehr Dynamik zu sorgen und euer Timing auf die Probe zu stellen, entpuppte sich jedoch recht schnell als fragwürdiges Feature. Die Optik der Yokai-Welten ist wirklich gelungen und liefert eine gern gesehene Abwechslung, spielerisch hat diese Zwischenphase bislang jedoch kaum etwas zu bieten. An den Mechaniken der Bosse ändert sich nichts und dadurch, dass wirklich alles drei Stufen langsamer abläuft, hatten wir eher das Gefühl, eine Valium zuviel geschluckt zu haben als es mit einer wachsenden spielerischen Herausforderung zu tun zu bekommen.

Alte Stärken - alte Wunden

Gegen drohenden Bewusstlosigkeit hilft nur ein kurzer Blick in das aufgepumpte Waffenarsenal von Nioh 2. Zu Tonfa, Kusarigama und Co. gesellt sich im neuen Teil nämlich eine Waffenkombination, welche sich zum echten Fan-Favorite mausern könnte: Doppeläxte. Mit einer Axt in jeder Hand mäht ihr nur so durch kleinere Gegnergruppen und könnt mit genügend wohlplatzierten Schwingern auch Bosse für kurze Zeit aus dem Gleichgewicht bringen. Das Beste jedoch zum Schluss: In der richtigen Haltung lassen sich die Dinger sogar werfen. Ihre Reichweite fällt recht gering aus, dafür gibt es endlich Abwechslung zu Bogen und Kunai.

Bei Herzproblemen: Doppelaxt.

Abseits davon vertraut Nioh 2 auf die Stärken des Erstlings. Schnelle, sackschwere Kämpfe, aufgepeppt mit Ausweich-, Parier- und Blockmechaniken sorgen bei Genrefans weiterhin für Schweiß auf der Stirn und Adrenalin in den Venen, während das innovative Stamina-Rückhol-System aus dem Vorgänger erhalten bleibt. Das erlaubt euch, einen Teil der verbrauchten Energie zurückzuholen, indem ihr nach einer intensiven Kombo im richtigen Moment die rechte Schultertaste drückt. Auch die verschiedenen Waffenhaltungen des Vorgängers bleiben erhalten.

Mission für Mission 

Das gilt übrigens auch für einen der größten Kritikpunkte des ersten Teils: Das Leveldesign. Während die verwinkelten und mit Items, Geheimnissen sowie Massen von Gegnern vollgestopften Einzel-Abschnitte größtenteils gut ankamen, sorgte das Missions-basierte Gamedesign allerorten für Stirnfalten. Mit der Vertikalität und verblüffend verzahnten Welt eines Dark Souls konnte sich der Vorgänger seinerzeit nicht messen. Schlechte Nachrichten also, denn daran wird sich auch im zweiten Teil nichts ändern. Die schnöde 2D-Karte bekommt zwar ein schickes 3D-Update, allerdings kämpft ihr euch auch in Nioh 2 Mission für Mission durch die japanische Mythologie.

Mehr Fokus japanische Mythologie: Wir finden's toll.

Als deutlich hilfreicher stellte sich hingegen die überarbeitete Menüführung des zweiten Teils heraus. War im Vorgänger noch mühseliges Suchen nach Items oder den richtigen Skills an der Tagesordnung, navigiert ihr jetzt endlich wieder mit Freude durch die weiterhin umfangreichen, aber weitaus besser strukturierten Untermenüs. Auf die höchst ansehnliche Spitze treibt Team Ninja es mit den komplett überarbeiteten Skill-Trees. Die sind nun nämlich nicht nur auf einen Blick allesamt sichtbar, sondern zeigen auch im Untermenü sofort alle relevanten Informationen an. Toll auch, dass die Video-Vorschau zu sämtlichen Skills (inklusive der neuen Yokai-Fähigkeiten) ihre Rückkehr feiert.

Was in zwei Jahren so alles nicht passieren kann

Bleibt abschließend nur noch der große, überaus unförmige Elefant im Raum: Die Grafik von Nioh 2. Schon der erste Teil galt seinerzeit nicht gerade als optisches Meisterwerk. Verwunderlich also, dass Team Ninja mit Nioh 2 nicht nur erneut auf die gleiche Engine zurückgreift, sondern sich mit winzigen grafischen Verbesserungen begnügt. Das Gegnerdesign ist weitaus feiner ausgearbeitet, will aber immer noch nicht so recht zu den übrigen Figuren passen. Für merkliche Unterschiede sorgen einzig und allein die überarbeiteten Licht- und Schatteneffekte des Spiels, die Nioh 2 einen verträumten Look verschaffen, der gut zu einem mythologisch orientierten Spielkonzept passen würde. Trotzdem hinkt auch der zweite Teil dem grafischen Standard eine Schwertlänge hinterher.

Die Grafik von Nioh 2: Von Weitem hui, von Nahem pfui!

Für Wiedergutmachung sorgen indes die vielen Performance-Einstellungen, mit denen Nioh 2 an den Start geht. Drei verschiedene Modi sorgen dafür, dass ihr genau so draufgehen könnt wie eure Hardware und grafische Ansprüche es verlangen. Im Action Mode beispielsweise wird die Grafik herunterskaliert, um flüssige 60 Bilder pro Sekunde zu garantieren. Im Kontrast dazu setzt der Movie Mode die FPS fest auf 30 und schraubt dafür an Auflösung und Lichteffekten. Neu ist der variable Movie Mode, der als Kompromiss zwischen den anderen beiden fungiert, die Grafik hochsetzt und gleichzeitig die Framerate auf Reisen schickt.

Fazit

Nioh 2: Unser Ersteindruck nach 1,5 Stunden.

Nioh 2 hat uns nach knapp zwei Stunden maßlos enttäuscht und himmelhoch jauchzend zurückgelassen – mit zitternden Fingern und offenem Mund. Grund für diesen Zwiespalt: Team Ninja beweist wenig Mut und stützt sich mit dem zweiten Teil so dermaßen auf den Vorgänger, dass man die beiden derzeit noch für eineiige Action-RPG-Zwillinge halten könnt. Grafisch gibt es noch massig Potenzial nach oben und auch das gnadenlos lineare Leveldesign der Demo ließ noch arg zu wünschen übrig – Kritikpunkte, die sich der Erstling schon zum Release vor zwei Jahren gefallen lassen musste. 

Und doch hat uns Nioh 2 genau das gegeben, was wir so dringend brauchen: Den nächsten Schuss Adrenalin nach einem hart erkämpften Bosskill, die nächste Flut an spektakulär glitzerndem Loot, das nächste "Einen Versuch noch" zwischen Seufzen und Grinsen. Seine fehlenden Innovationen in Inszenierung und Präsentation wiegt das Spiel mit fein poliertem Gameplay auf, das dank Yokai-Kräften, Doppeläxten und anderen Detailverbesserungen noch runder und flüssiger von der Hand geht. Es gibt also Grund zu feiern für alle Fans des Erstlings. Wer schon mit Teil Eins so seine Probleme hatte, kommt auch mit Nioh 2 auf keinen grünen Zweig.

Nioh 2 erscheint im Frühjahr 2020 für PlayStation 4 und PC.

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