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One Piece Odyssey im Test: Die Strohhutpiraten erobern die Welt der Erinnerungen

Erstellt:

Von: Daniel Neubert, Daniel Meyer

Das Rollenspiel One Piece Odyssey will mit besonderem Story-Kniff und einem neuen Kampfsystem an den Erfolg von Anime und Manga anknüpfen. Wir verraten euch im Test, ob das gelingt.

Hamburg - One Piece ist ohne Frage ein Phänomen. Wie sonst ließe sich eine brachiale Zahl von mittlerweile über 1.000 Episoden des Animes und über 100 Bänden des Mangas erklären? Im neuen Game One Piece Odyssey schickt uns die Entwicklerschmiede ILCA auf ein neues großes Abenteuer. In diesem dürfen wir auch zahlreiche altbekannte und beliebte Charaktere des Franchises wiedersehen. 

Spieletitel:One Piece Odyssey
Release-Datum:13. Januar 2023
Genre:Action, Adventure, Rollenspiel
Plattformen:PlayStation 5, PlayStation 4, Xbox Series, Microsoft Windows
Entwickler:ILCA
Publisher:Bandai Namco

Gerade bei einem laufenden Franchise ist es oft nicht besonders einfach eine Geschichte zu erzählen. Entweder hält man sich strikt an die dort bisher bekannten Geschehnisse, was jedoch selten für erzählerische Überraschungen sorgt, oder man beschreitet einen etwas gewagteren Weg. Mit One Piece Odyssey hat der Entwickler ILCA genau letzteres versucht, und wie sich zeigt, sogar recht erfolgreich.

One Piece Odyssey: Die Welt der Erinnerungen - Memoria

Die Geschichte von One Piece Odyssey startet mit einer Bruchlandung der Strohhut-Piraten auf der mysteriösen Insel Waford. Das Schiff wurde dabei ziemlich lädiert, sodass unsere Helden hier erst mal feststecken. Zu allem Überfluss raubt ein mysteriöses Mädchen, welches auf den Namen Lim hört, der Crew ihre Fähigkeiten. Symbolisiert durch kleine Würfel, kommen diese aus den Körpern geschossen und verstreuen sich in alle Winde.

One Piece Odyssey: Eine wundervolle Welt erwartet uns
One Piece Odyssey: Eine wundervolle Welt erwartet uns © ILCA, Inc.

Um genau zu sein sind es nicht nur die Fähigkeiten, sondern viel mehr die Erinnerungen der Strohhut-Piraten, die abhanden gekommen sind. Somit gilt es die Insel Waford zu erkunden, um wieder zu alter Stärke zurückzukehren. Was Ruffy und Co. jedoch noch nicht ahnen ist, dass hier ein noch deutlich größeres Geheimnis auf die Bande wartet.

Auf Ihrem Abenteuer müssen unsere Helden durch die Welt der Erinnerungen „Memoria“ reisen. Hier entfaltet sich der Kernpunkt der Geschichte hinter One Piece Odyssey, denn Memoria führt uns in altbekannte Gebiete aus früheren One Piece Kapiteln zurück. Man darf sich so auf die wunderschön inszenierten Szenerien von Alabasta, Marineford, Water Seven und Dressrosa freuen.

Mit der Thematik der Erinnerungen schafft es der Entwickler ILCA in One Piece Odyssey zwei Probleme wortwörtlich zu umschiffen. Zum einen kann auf diese Weise das Charakterlevel unserer Helden künstlich zurückgesetzt werden, sodass wir hier einen gewissen Progress haben und auch die Fähigkeiten alle neu erlernen müssen. Gleichzeitig brauchen sich Fans als auch Neulinge keine Sorgen hinsichtlich der Story machen. Es gibt viel neues zu Erleben und gleichzeitig werden Einsteiger solide in die Geschichte eingeführt.

One Piece Odyssey: Das mysteriöse Mädchen Lim sorgt für Aufregung
One Piece Odyssey: Das mysteriöse Mädchen Lim sorgt für Aufregung © ILCA, Inc.

Denn obwohl unsere Helden quasi in die Vergangenheit reisen, basieren die Geschehnisse auf Erinnerungen. Und da Erinnerungen Lücken aufweisen können und mitunter unstet sind, bleibt die Kernhandlung der Vergangenheit zwar gleich, doch erlaubt dies zahlreiche neue Erlebnisse. Selbst ganze Areale können mitunter anders gestaltet sein. Fans dürfen sich daher auf ein stellenweise frisches Abenteuer gefasst machen.

Frisch ist auch die Integration von den speziellen Fähigkeiten der Charaktere in der offenen Spielwelt. Ruffy kann sich hier mit seinen Gummi-Armen über Abgründe schwingen, Zorro kann Metallkisten und Gittertüren zerschneiden und Sanji findet hin und wieder Zutaten für Kochrezepte. Das einzige Problem ist der Wechsel zwischen den Charakteren, denn hier muss immer über das D-Pad ein Menü aufgerufen werden. Ein schnelles Durchschalten der Charaktere über das D-Pad wäre die bessere Alternative gewesen.

One Piece Odyssey bietet eine wunderschöne Welt, tollen Humor aber einen seichten Schwierigkeitsgrad…

Wenn One Piece Odyssey mit etwas bestechen kann, dann zählt dazu die optische Inszenierung als auch der typische Humor der Serie. Der Titel sieht einfach wunderschön aus und auch die Größe der Areale kann sich sehen lassen. Zwar bekommen wir es nicht mit einer offenen Spielwelt zu tun, doch die teils schlauchartigen Gebiete fallen nicht allzu negativ auf.

One Piece Odyssey: Ikonische Momente erwarten uns
One Piece Odyssey: Ikonische Momente erwarten uns © ILCA, Inc.

Auch dürfen sich Fans mit One Piece Odyssey auf ein tolles Charakterdesign, viele unterhaltsame Zwischensequenzen und den üblichen, schrägen Humor gefasst machen. Lediglich im Bereich der Vertonung sind wir auch hier noch immer nicht bei 100 Prozent angekommen. Der Großteil der Dialoge kommt zwar mit japanischer Synchronisierung daher, jedoch bekommen wir es immer wieder mit zahlreichen stummen Passagen zu tun. Eine deutsche Vertonung ist nicht vorhanden und ebenso steht Spielern lediglich Untertitel und eine Menüführung in englischer Sprache zur Verfügung.

Aber nicht in allen Bereichen weiß One Piece Odyssey zu glänzen. Bedauerlicherweise zählt das Kampfsystem zu den Punkten, in denen der Titel quasi Schiffbruch erleidet. Dies hängt zum einen mit dem äußerst niedrigen Schwierigkeitsgrad zusammen und zum anderen mit dem Prinzip des Kampfsystems.

One Piece Odyssey: Einzigartige und epische Momente...
One Piece Odyssey screenshot 1.jpg © ILCA, Inc.

Besonders die ersten zwei bis drei Spielstunden hatten wir ein flaues Gefühl im Magen. Der Schwierigkeitsgrad fiel hier derart niedrig aus, dass die meisten Gegner mit einem Treffer besiegt werden konnten. Zwar nimmt das Spiel im späteren Verlauf stärker an Fahrt auf, doch Core-Gamer sollten hier keine anspruchsvollen und taktischen Gefechte erwarten. Somit richtet sich One Piece Odyssey hinsichtlich der Schwierigkeit vor allem an Gelegenheitsspieler und Einsteiger.

One Piece Odyssey: Wenn das Kampfsystem auf Halbmast steht

Dass der Entwickler ILCA bei der Entwicklung des rundenbasierten Kampfsystems von One Piece Odyssey neue Wege eingeschlagen hat, ist positiv und erfrischend zugleich. So unterscheidet sich das System insbesondere bei der Positionierung aller beteiligten Kämpfer von so manch anderen Games. Das Kampfgebiet teilt sich so in bis zu vier unterschiedlichen Bereiche auf, in denen sich unsere Helden und Gegner direkt gegenüberstehen. Wir selbst können zudem maximal nur vier Charaktere simultan auf dem Feld haben, wohingegen uns oft eine Übermacht gegenüber steht.

Soll Ruffy seine GumGum-Fähigkeiten nutzen, so muss der Ort des jeweiligen Gegner berücksichtig werden. Befindet sich ein Feind im gleichen Areal wie Ruffy, so kann jeder Angriff und jede Fähigkeit eingesetzt werden. Befindet sich das Ziel jedoch in einem anderen Gebiet, so grenzt sich die Auswahl deutlich ein, da hier nur als Fernangriffe gekennzeichnet Fähigkeiten das Ziel erreichen können.

One Piece Odyssey: Herausragendes Charakterdesign in vielen Bereichen
One Piece Odyssey: Herausragendes Charakterdesign in vielen Bereichen © ILCA, Inc.

Dieses System ist pauschal auch keine schlechte Idee, denn so gesellt sich etwas frischer Wind ins Geschehen. Obendrein werden Flächenangriffe dadurch künstlich limitiert, was den Kämpfen mehr Möglichkeiten offenbart. Das Problem ist allerdings das Stein-, Papier, Schere-System in One Piece Odyssey, denn dieses birgt eine große Schwäche in sich.

Jeder Charakter auf dem Feld gehört einer Kategorie an: Stärke, Geschwindigkeit oder Technik. Jede davon ist gegen eine andere besonders stark bzw. besonders schwach. An sich kein selten verwendetes Schema, jedoch kommt dieses System in One Piece Odyssey mit einem großen Problem daher: Möchten wir einen Charakter auswechseln und einen besser geeigneten Kampftyp auf Feld schicken, kommt dies ohne Kosten für uns daher.

One Piece Odyssey: Es lassen sich sogar Verbundsattacken freischalten
One Piece Odyssey: Es lassen sich sogar Verbundsattacken freischalten © ILCA, Inc.

In anderen Spielen kosten solche Wechsel logischerweise einen Spielzug. Dies ist in One Piece Odyssey leider nicht der Fall. Entsprechend. können wir zu jederzeit die effektivsten Charaktere instant einwechseln, was dem ganzen System einen Großteil des Sinns raubt. Berücksichtigen wir zudem noch den sowieso niedrigen Schwierigkeitsgrad, wird dies quasi ad absurdum geführt. Es ist schade, dass hier dermaßen Potential verschenkt wird, denn das Kampfsystem hätte in der Form zwar nicht herausragend, aber dennoch durchaus solide ausfallen können.

„Stimmige und attraktive Atmosphäre“: Daniel Meyers Testfazit zu One Piece Odyssey – 8/10

Spannende Story mit Schwerpunkt auf ErinnerungenKampfsystem überzeugt nur bedingt
Eine wunderschön designte WeltSchwierigkeitsgrad sehr niedrig angesetzt
Jeder Charakter hat eigene Fähigkeiten in der offenen Welt ...... doch das Wechseln der Charaktere ist umständlich
Großteil des Spiels ist synchronisiert...... aber noch immer keine 100 Prozent der Dialoge
Typischer großartiger One Piece-Humor
Viele Sidequests und Inhalte neben der Hauptstory

Fans von Manga und Anime werden auch mit One Piece Odyssey größtenteils auf ihre Kosten kommen. Das betrifft vor allem die wunderschöne Welt, das gewohnt herausragende Charakterdesign und auch den sehr eigenen Humor der Reihe. Selbst Einsteiger können sehr viel Spaß mit dem Game haben, da viele Geschehnisse der Vergangenheit erneut erzählt werden. Natürlich bleiben schlussendlich viele Geschehnisse außen vor, da es kaum möglich ist dermaßen viel Content in einem Spiel zu verarbeiten, weshalb sich der Titel vor allen an Fans richtet.

Ein Bestandteil von One Piece Odyssey muss sich jedoch Kritik gefallen lassen: Das Kampfsystem. Insbesondere in Verbindung mit dem generell niedrig angesetzten Schwierigkeitsgrad, kann bei alteingesessenen Rollenspiel-Fans und Anhängern anspruchsvoller Scharmützel stellenweise eine ernüchternde Spielerfahrung aufkommen. Wer mit One Piece Odyssey die Herausforderung sucht dürfte also bitterlich enttäuscht werden. Fans und Gelegenheitsspieler, die mehr Wert auf solides Pacing, tolle Dialoge und eine insgesamt stimmige und attraktive Inszenierung legen, werden hingegen durchaus auf ihre Kosten kommen und mit einem gelegentlichen Schmunzler den typischen Slap-Stick-Humor der Serie genießen.

„Fans werden glücklich“: Daniel Neuberts Testfazit zu One Piece Odyssey – 7.5/10

Mit One Piece Odysse erwartet euch sehr traditionelle, aber spaßige JRPG-Kost. Das fängt bei einer Oberwelt an, in der Gefechte auf einem separaten Kampfbildschirm stattfinden und endet bei schlauchigen Levels, in denen ihr regelmäßig zurückgepfiffen werdet, wenn ihr euch vom vorgesehenen, schnurgeraden, Pfad entfernt. Das rundenbasierte Kampfsystem ist schnell gelernt und bietet für erfahrene Spieler leider wenig Anspruch und taktische Tiefe, Genre-Neulinge werden sich aber über die niedrige Einstiegshürde freuen.

Wer gern japanische Rollenspiele zockt, wird sich bei One Piece Odysse jedoch schnell heimisch fühlen. Darüber hinaus bietet der Titel jede Menge Fanservice. Allerdings sollte man den Anime oder Manga kennen. Vom Spieler wird erwartet, mit dem Material sehr vertraut zu sein, um somit die Tragweite der Ereignisse und Beziehungen der Figuren zueinander zu verstehen. Wer die Strohhutbande nicht kennt, wird vom Spiel nicht ins Boot geholt, denn die Geschichte ist ein einziger Nostalgietrip aus 20 Jahren One Piece.

Die Kämpfe sind schick animiert und protzen mit fetzigem Effekt-Gewitter. Leider nervt, dass die Animation bei jedem Angriff in voller Längere überspringbar über den Bildschirm laufen. Warum man 2023 in so einem Spiel nicht frei speichern darf, sorgt übrigens für Kopfschütteln und viel Backtracking. Mit einer Länge von ca. 35 Stunden für die Hauptstory artet der Titel am Ende zudem etwas in Arbeit aus. One Piece Odysse ist eindeutig ein Spiel nur für Fans der Serie, die mit dem Titel durchaus glücklich werden können. Alle anderen müssen leider im viel zu kleinen Beiboot sitzen, während die „Thousand Sunny“ auf der Memory Lane Richtung „East Blue“ shippert.

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