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Oninaki im Test

Zwischen JRPG und Hack 'n' Slay

Oninaki im Test: JRPG mit heiklen Themen

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Die Entwickler von I am Setsuna und Lost Sphear sind zurück: Tokyo RPG Factory’s Oninaki regt zum Nachdenken an und verbindet Hack'n'Slay mit klassischen JRPGs.

Unsere Gesellschaft beschäftigt sich ungern mit dem Tod, obwohl wir uns so oder so eines Tages damit auseinandersetzen müssen. Dinge  wie Selbstmord sind nach wie vor ein Tabu-Thema. Im neuesten Game der Tokyo RPG Factory müsst ihr euch aber eben dieser Thematik stellen: N ichts für leichte Gemüter. In Oninaki betretet ihr eine Welt, in der ihr nicht über den Tod eurer Geliebten trauern könnt und erlebt eine Geschichte, die euch emotional erschüttern wird - soviel können wir versprechen. Wir haben das ungewöhnliche Action-Adventure getestet.

Emotionale Story: „Du darfst nicht trauern“ 

Menschen trauern um ihre Verstorbenen: Für unseren Kulturkreis ein gängiges Mittel der Verarbeitung. In vielen Teilen Japans geht man jedoch anders mit Trauer um. Diesen Kulturclash nimmt sich Oninaki zum Anlass und spinnt dazwischen eine dramatische Geschichte. Denn im Spiel Trauer die Toten Reue verspüren und diese Reue hält sie davon ab, ins nächste Leben voranzuschreiten. Seelen, die nicht mit ihrem Leben im Diesseits abschließen können, schaffen diesen Übergang nicht. Ziellos wandern sie in der anderen Welt ewig umher, bis sie zu Gefallenen werden. Wer bereits gefallen ist, hat auch keine Chance, wiedergeboren zu werden. So lautet die recht verkopfte Prämisse von Oninaki. Das Spiel findet also in einer Grauzone zwischen Leben und Tod statt, was sich sowohl in der Geschichte als auch dem Gameplay widerspiegelt.

Was für uns nach einem ungewöhnlichen Umgang mit dem Tod klingt, ist für Kagachi, den jungen Protagonisten von Oninaki, bittere Realität. In seinem Heimatdorf gilt: Wer über die Verstorbenen trauert, verhindert, dass ihre Seelen wiedergeboren werden können. Dieses Credo ist für ihn solange in Stein gemeißelt, bis er sich eines Tages den Wächtern anschließt. Die Wächter sind Beschützer vom Kreislauf des Lebens und der Wiedergeburt und dazu in der Lage, zwischen der Welt der Lebenden und der Welt der Toten hin und her zu wandern. Sie geleiten sowohl die Lebenden, als auch die verlorenen Seelen ins Jenseits und erfüllen die letzten Wünsche der Toten, damit sie in Frieden ruhen können.

Aber die Hände der Wächter sind nicht rein, denn auch sie töten auf Wunsch Hinterbliebene, damit sie sich ihren Liebsten in der anderen Welt anschließen können. Konkret formuliert heißt das: Sie unterstützen Menschen beim Selbstmord.Auf diese grausame Weise vermeiden die Wächter, dass ungeklärte Gefühle die Verstorbenen davon abhalten, wiedergeboren zu werden.

Als Spieler schlüpft ihr in die Rolle des emotionslosen Kagachi, der eigentlich nur seinen Job erledigen möchte und plötzlich auf ein mysteriöses Mädchen trifft, welches seine Welt komplett auf den Kopf stellt. Gemeinsam mit ihr versucht er eine hasserfüllte, verlorene Seele zur Strecke zu bringen: den Nachtteufel. Dieser plant, die Heimatstadt von Kagachi ins Chaos zu stürzen. Auf der Jagd nach dem Nachtteufel beginnt der junge Wächter Stück für Stück, das Weltbild seiner Vorväter zu hinterfragen. Aber die Folgen, die seine Arbeit mit sich bringt, liegen schwer auf seinen Schultern.

Kagachi's Daemon: Aisha

Begleiter: Daemons

In der Iso-Perspektive folgt ihr dem jungen Kagachi auf seiner Reise zur Wahrheit. Man findet sich dank der simplen Gestaltung schnell und einfach in das Kampfsystem ein. Mit euren Daemons könnt ihr in den Kampf schreiten. Daemons sind Geister, die an eurer Seite kämpfen und verschiedene Möglichkeiten mit unterschiedlichen Waffen bieten, eure Gegner in Grund und Boden zu schlagen. Besonders innovativ: Zwischen vier dieser Daemons könnt ihr während des Kampfes on the fly wechseln und ausprobieren, mit welchem ihr im Kampf möglichst effizient seid. Auf eurer Reise trefft ihr jedoch auf weit mehr als nur vier dieser Geistwesen. Bedeutet: Ihr könnt euer Daemon-Loadout auf jeden Gegner bzw. Boss individuell anpassen. Neben dem anfänglichen Katana findet ihr schon bald einen Speer und eine Axt.

Links unten im Interface gibt es das Icon der angelegten Daemons mit einer Prozentzahl. Damit könnt ihr den sogenannten Erscheinen-Zustand aktivieren, wenn diese 100% erreicht habt. Für die nächsten paar Sekunden stattet euch der aktive Deaemon nun mit unglaublichen Power-Ups aus, allerdings könnt ihr den Daemon während der Erscheinungsphase nicht wechseln. Obendrein lässt sich   kann man den Power-Boost selbst nach dem Kampf ni cht mehr deaktivieren. So laufen die Prozentpunkte fröhlich ab, während ihr nichts dagegen tun könnt.

Ein großes Spektrum an Abwehrmöglichkeiten wird euch während dem Kampf nicht geboten. Bereits wenige Treffer reichen aus und ihr beißt ins Gras. Allerdings verfügt jeder Daemon über eine Fähigkeit, die es euch entweder erlaubt, flink aus gefährlichen Situationen zu entkommen oder eure Verteidigung zu stärken. Euer erster Daemon Aisha z.B. hat einen schnellen Dash in petto, mit dem ihr blitzschnell hinter Gegner kommt oder fliehen könnt.

Räucherstäbchen bieten Abhilfe gegen verlorene HP-Punkte und werden von geschlagenen Gegner fallen gelassen oder können in Schatzkisten gefunden werden. Haken an den Räucherstäbchen: Sie im Kampf zu nutzen fällt recht schwer, da die Anwendung etwas Zeit in Anspruch nimmt.

Zwei Welten: Schatten und Licht

Jedes Gebiet hat zwei Versionen. Oninaki bietet die Funktion, jederzeit zwischen diesen Welten zu wechseln. Wenn ihr in der Welt der Lebenden alle Mobs beseitigt habt und weiter in der Welt der Toten möchtet, nur zu. In der Welt des Jenseits trefft ihr jedoch auf andere Gegner und könnt zusätzlich XP sammeln und mehr Schatzkisten finden.

Um euch jedoch uneingeschränkt in der Welt der Toten bewegen zu können, solltet ihr zunächst kleine Zwischenbosse in der Welt der Lebenden besiegen, um Portale freischalten zu schalten, die euch ins Jenseits bringen können. Macht ihr das nicht, bleibt die Welt der Toten ansonsten in gefährliche Schatten gehüllt. 

Ihr müsst eure Missionen erfüllen , Gebiete erkunden und dabei  verlorene Seelen helfen. Nur so könnt ihr eure Wiedergeburt erlangen. In dem Aspekt zeigt Oninaki nicht viel Abwechslung, da der Ablauf in den unterschiedlichen Story-Teilen sich stark ähnelt. Glücklicherweise speichert das Spiel automatisch bei jeder Säule und gibt euch obendrein zusätzlich noch gratis Full-Heals.

Skills: Der Fertigkeitsbaum

Ihr könnt Kagachis Stärken durch den  Fertigkeitsbaum anpassen. Dabei habt ihr die Auswahl zwischen diversen aktiven und passiven Fähigkeiten, die auch davon abhängen, welchen Deamon ihr ausgerüstet habt. Mit dem Fertigkeitsbaum könnt ihr die Bindung zu eurem Daemon stärken und zusätzlich Erinnerungen aus seinem damaligen Leben sammeln. Anschließend könnt ihr euch die Erinnerungen in Cutscene mit vollem Voice-Acting ansehen.  

Jeder der Daemons hat seinen eigenen Fertigkeitsbaum. Um die Felder zu aktivieren, braucht ihr einen entsprechenden Seelenstein. Diese könnt ihr bekommen, indem ihr einfach mit dem entsprechenden Daemon kämpft. Beispiel: Ihr kämpft mit Aisha und erhaltet Schwert-Steine für ihren Fertigkeitsbaum.

Man sollte das Leveln  nicht vernachlässigen, da man bei Boss-Kämpfen deutlich spürt, dass man zu wenig Schaden verursacht. Bei dem Schmied in der Hauptstadt habt ihr die Möglichkeit eure Waffen zusätzlich noch zu upgraden und Schattensteine zu kaufen.

Schattensteine droppen regelmäßig nach Kämpfen. Durch die Schattensteine könnt ihr verschiedene Spezial-Effekte nutzen.

Seid ihr Anfänger oder Experte?

Es gibt drei Schwierigkeitsgrade zwischen denen ihr bei einem Speicherpunkt beliebig wechseln könnt. Anfänger, Normal und Experte. Die Abstufung ist relativ gut ausbalanciert. Wenn ihr einfach die Story genießen wollt ist der Anfänger Modus passend, da ihr den Gegnern sehr viel Schaden macht und sie leicht niedermetzeln könnt. Um ein wenig herausgefordert zu werden und das Kampfsystem zu genießen, ist der Normal-Modus zu empfehlen. 

Der Experten Modus ist passend dazu schwieriger. Ihr macht weniger Schaden, die Gefallenen machen mehr Schaden und ihr bekommt weniger Räucherstäbchen, um euch zu heilen. Es ist ein guter Modus, um euer Können und Geschick zu beweisen und mit ein wenig Übung nicht unüberwindbar.

Farbe in der Trauer

Das dunkle Story-Setting zeigt sich unerwartet in einer kräftig, farbenfroh gestalteten Animations-Welt. Im Bereich Präsentation lässt Tokyo RPG Factory in einzelnen Bereichen nicht nach. Die Spielwelt ist auf jeden Fall was fürs Auge, obwohl man schon anmerken muss, dass  teilweise ein starker Hell-Dunkel-Kontrast dominiert. Die farbenfrohe Normal-Welt lässt Oninaki sehr munter und friedlich erscheint. Währenddessen zeigt die Welt des Jenseits einen beruhigenden Kontrast, als wäre man in einer Märchenwelt mit schwirrenden Glühwürmchen. Die Artworks der Charaktere, die ihr im Menü über Erinnerungen und Daemons betrachten könnt sind wahrlich vom feinsten und können mit der Concept Art von Final Fantasy XIV oder Grandblue Fantasy mithalten.

Die Soundtracks passen zur Atmosphäre und lassen euch noch tiefer in die Welt von Oninaki eintauchen. Man hört das Rascheln der Pflanzen und die Brise des Windes, während die Musik den Spieler auffängt. Mit sanften Harfenklängen, der Geige und dem Cello kann die Musik Ruhe aber auch Dramatik darstellen. Die Tracks sind zwar nicht ohrwurmtüchtig aber tragen viel zum Feeling des Spiels bei.

Oninaki wurde nicht auf unterschiedlichen Sprachen synchronisiert, verliert deswegen aber nicht an Spielgefühl. Die Sprecher der Daemons legen in den Cutscenes ihrer Vergangenheit mit ihrem nostalgischen Klang ebenso eine gute Leistung ab wie der Sprecher von Kagachi: Tomohisa Hashizume. Schade, dass ein großer Teil der anderen Figuren keinen Text bekommen haben und hauptsächlich nur Laute oder kleine Anmerkungen von sich geben. 

Fazit

PROS

CONS

+ Dramatische Story im Kontrast zur äußerlichen Erscheinung

+ Simples Kampfsystem

+ Stimmungsvolle Hell-Dunkel-Kontraste

+ Einzigartige Waffenauswahl

+ Eindrucksvolle Umgebungen

+ Keine Mana-Abhängigkeit

- Recht lineares Leveldesign

- Kaum synchronisierte Figuren

- Lebende Charaktere ohne viel Tiefgang

- Zu wenig defensive Möglichkeiten im Kampf

Fazit

Oninaki bringt nichts komplett Neues mit sich - besonders in spielerischer Hinsicht. Wenn ihr aber hochemotional geschriebene Stories bevorzugt, dann seid ihr bei Oninaki richtig. Die Art und Weise wie Kagachi zu Beginn mit dem Thema Tod und Leben umgeht, übermittelt dem Spieler sinnvolle Nachrichten für die Zukunft. Zwar sind uns nicht die Tränen gekommen, aber es hat uns zum Nachdenken angeregt. Mit der eindrucksvollen Umgebung und wie die Entwickler mit der Farbwirkung auf Menschen gespielt haben, ist Oninaki definitiv eine Erfahrung wert.

ltp

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