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Oninaki: Unser Ersteindruck nach 2 Stunden.

Nach I am Setsuna und Lost Sphear

Oninaki in der Vorschau: Selbstmord, Anime und ein Hauch von Hack'n'Slay

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Ein wilder Mix aus Action-RPG und Hack'n'Slay: Oninaki bringt bunten Anime-Look in Einklang mit Themen wie Selbstmord und Reinkarnation. Alles zum Spiel: In unserer Vorschau!

Die Tokyo RPG Factory ist weiter im Aufwind. 2016 hat das kleine Studio aus der großen Stadt einen echten Überraschungshit gelandet: I Am Setsuna. Das JRPG der alten Schule rannte bei Rollenspiel-Fans offene Türen ein und zog bereits ein Jahr später das nächste Spiel nach sich. Lost Sphear stellte sich schnell als Hommage an Klassiker wie Chrono Trigger heraus und fand eine kleine aber loyale Anhängerschaft. 

Oninaki: Das dritte Spiel der Tokyo RPG Factory geht neue Wege.

Mit ihrem dritten Projekt verabschieden sich die Entwickler nicht nur vom jährlichen Veröffentlichungszyklus, sondern werfen auch das rundenbasierte Kampfsystem der inoffiziellen Vorgänger über den Haufen. In Oninaki erwarten euch stattdessen Echtzeitkämpfe im Hack'n'Slay Style. In einigen Punkten erinnert das Ganze fast an ein frühes Diablo und das nicht nur, weil es ordentlich Monster zu zerhacken gibt. Auch Story und Setting lassen Parallelen zu, denn Leben, Tod, Auferstehung und Dämonen sind auch in Oninaki zentrale Themen - auch wenn es meist die eigenen Dämonen sind, mit denen euch das JRPG konfrontiert.

Von transzendentalen Problemlösern

Reinkarnation: Nicht mit diesem Fiesling.

Den Mittelpunkt der erstaunlich düsteren Geschichte bildet ein zentrales Konzept: Reinkarnation. In der Welt von Oninaki ist es selbstverständlich, dass Verstorbene nach ihrem Tod in veränderter Form zurück auf die Erde kommen - das allerdings nur unter einer Bedingung: Sie müssen zunächst mit allem abschließen, was sie noch mit ihrem alten Leben verbindet. Von verflossenen Liebschaften über trauernde Angehörige bis hin zu Traumata aus der Kindheit. Erst wenn die Ketten zwischen Leben und Tod gesprengt sind, schließt sich der Kreislauf des Sterbens und kann von Neuem beginnen. Um einen flüssigen Übergang zwischen Jenseits und Diesseits zu gewährleisten, gibt es die sogenannten Wächter. 

Als transzendentale Problemlöser können sie in einem Wimpernschlag zwischen den beiden Welten hin und herreisen und sorgen dafür, dass die Seelen der Verstorbenen Ruhe finden. Nicht selten greifen sie dabei jedoch zu rabiaten Mitteln. In Oninaki schlüpft ihr in die Rolle eines solchen Wächters. Der junge Kagachi nimmt seine Aufgabe ernst - selbst wenn das bedeutet, Angehörige in den Selbstmord zu treiben oder selbst zur Sense zu greifen. Erst als er auf ein mysteriöses Mädchen trifft, das ihm in der Vergangenheit bereits erschienen ist, beginnt er seine Rolle in der Welt zu hinterfragen. Möglicherweise zu spät, denn ein uraltes Übel streckt bereits seine Klauen nach der unschuldigen Linne aus. Die Schicksale der beiden sind untrennbar miteinander verworben, doch der Weg vor ihnen ist gepflastert mit Blut und Tod.

Zwischen Tabu-Thema und Anime-Look

Ganz allein ist Kagachi nicht. Seine Kindheitsfreundin Mayura steht ihm zur Seite.
Mehr Hack'n'Slay als klassisches JRPG

Euch ist es vielleicht schon aufgefallen: Oninaki geht nicht gerade zimperlich mit seiner Themenauswahl um und hat in Deutschland deshalb eine USK-Freigabe ab 16 Jahren erhalten. Eine kleine Überraschung, denn auf den ersten Blick präsentiert sich das Spiel im recht farbenfrohen Anime-Look mit leichten Cel-Shading-Elementen. Die emotionale Wucht des Spiels verbirgt sich stattdessen in der Story. In rund zwei Stunden hat uns das Action-RPG mehrfach einen Kloß in den Hals gezaubert, denn Motive wie Selbstmord und verurteilte Trauer werden mit einem traumwandlerischen Selbstverständnis dargestellt wie es nur in Japan funktioniert. Hierzulande geht man in der Regel weit weniger offen damit um, sodass uns Oninaki zu Beginn kalt erwischte.

Grundsätzlich hat uns diese Mischung aus ernsten Untertönen und der kindlich-charmanten Inszenierung aber gut gefallen. Vor allem deshalb, weil sich das Action-RPG spielerisch in nur allzu bekannten Gefilden austobt. Wirklich innovativ sind hier nur die Daemonen (Das ist kein Schreibfehler, sondern ihr offizieller Name), mit denen Kagachi unterwegs ist. Diese spielen nicht nur für die Geschichte eine wichtige Rolle, sondern bilden auch den Kern der Spielerfahrung. Die praktischen Helferlein sind auch der Grund dafür, dass ihr es nicht nur mit einem Button-Masher in JRPG-Verkleidung zu tun bekommt, sondern einem waschechten Vertreter des Genres. Sie fungieren als eine Art Klassensystem und versorgen Kagachi (der ansonsten ein ziemlicher Hämpfling ist) mit allerlei Skills aus der Geisterwelt.

Dämon im Haus erspart den Zimmermann

Die hat der Held auch bitter nötig, denn in klassischer Hack'n'Slay-Manier bekommt er es in abgesteckten und extrem linearen Levelpassagen mit einer ganzen Wagenladung an Monstern zu tun. Die haben allesamt einentollen Look spendiert bekommen, allerdings trefft ihr recht schnell auf die immer gleichen Gegner. Es bleibt abzuwarten, ob die Tokyo RPG Factory im späteren Spielverlauf noch nachlegt, denn die wirklich gelungenen und - je nach Schwierigkeitsgrad - mal mehr, mal weniger knackigen Bosskämpfe blieben bislang leider ein seltenes Vergnügen. Trotzdem hätten wir nach unserer Session gern direkt weitergezockt, denn Oninaki spielt sich richtig gut. Die Steuerung (sowohl PS4 als auch Switch) ist präzise, lässt sich komplett frei belegen und fällt dabei nicht zu komplex aus. Während ihr zu Beginn des Spiels lediglich auf einen Standard-Angriff setzt, trefft ihr schon bald auf euren ersten Daemon, der euch neues Futter für die Finger liefert.

Die Kämpfe in Oninaki gehen flott von der Hand und machen richtig Laune.

Zwischen bis zu vier Daemonen könnt ihr gleichzeitig hin und herwechseln - und das mit nur einem Knopfdruck. Jeder kommt mit einer eigenen Waffe, einem praktischen Allzweck-Skill und drei weiteren, einzigartigen Moves. Lasst ihr euch beispielsweise von Aisha heimsuchen, geht Kagachi fortan mit einem Katana ans Werk und wirbelt auf recht kurze Distanz durch die Gegnermassen. Außerdem verfügt er nun über einen Dash, um feindlichen Angriffen auszuweichen. Die daemonische Speerkämpferin Zaav hingegen gibt dem Wächter deutlich mehr Reichweite und einen Sprung, mit dem ihr grazil über todbringende Schwinger hüpft. In unserer Demo haben wir dazu noch einen Daemon mit Hammer und einen mit Sense ausprobieren können. Im Verlauf der Story sollen noch weitere dazukommen, wie viele es insgesamt werden, behalten die Entwickler vorerst jedoch für sich. 

Zwischen den Welten

Die Skilltrees: Nicht komplex, aber mit dem richtigen Fokus.

Sicher ist: Die Daemonen sind eine tolle Mechanik, um die Kämpfe dynamisch zu gestalten und für taktische Tiefe zu sorgen. Nicht zuletzt deshalb, weil jeder von ihnen einen rudimentären, aber gelungenen Skilltree im Gepäck hat. In diesem schaltet ihr neue Fähigkeiten frei, erhöht passiv die Stärke der Begleiter oder macht aus Kagachi eine blutrünstige Kampfmaschine. Allerdings sind die Daemonen nicht das einzige Feature, mit dem Oninaki sich von der Masse der Action-RPGs abheben will. Auch die Welten, zwischen denen die Wächter wandeln, spielen sowohl für Story als auch Gameplay eine entscheidende Rolle. Die voneinander getrennten Level, welche ihr mithilfe einer Übersichtskarte nach und nach bereist, sind nämlich nicht nach Schema F aufgebaut, sondern umfassen immer zwei Ebenen: Eine physische und eine transzendentale. 

Stoßt ihr beispielsweise in der Welt der Lebenden auf ein Hindernis, könnt ihr per Knopfdruck in die Welt der Toten wechseln, um es beiseite zu räumen oder einen anderen Weg einzuschlagen. Allerdings müsst ihr dafür zunächst einen sogenannten Schleierdieb erledigen. Dabei handelt es sich um Minibosse, die nach ihrem Tod ein Portal zwischen den Welten öffnen. Erst nachdem ihr in dieses Portal gehüpft seid, könnt ihr beliebig oft zwischen den Dimensionen wandeln. Klingt nach einer unglaublich kreativen Idee, stellte sich jedoch bereits nach der ersten Stunde als recht eintönig heraus. Zwar warten auf der anderen Seite leicht veränderte Versionen der bekannten Monster auf euch, allerdings fühlt sich der fließende Wechsel mehr wie eine Pflichtaufgabe an. Wir hätten uns knackige Rätsel als Abwechslung zum Schlachteralltag gewünscht.

Oninaki erscheint am 22. August 2019 für Nintendo Switch, PlayStation 4 und den PC. Ab dem 23. Juli könnt ihr die von uns gespielte Demo-Version kostenlos auf allen Plattformen herunterladen und das Action-RPG selbst ausprobieren. Viel Spaß!

Fazit - Vielversprechend

Unser Highlight: Die knackigen Bosskämpfe.

Oninaki geht mit vielen Ideen an den Start, die im Action-RPG-Segment nicht nur neu, sondern geradezu innovativ sind. Die Geschichte scheut sich nicht vor Tabu-Themen und erweckt trotz farbenfroher Anime-Inszenierung einen düsteren, erwachsenen Eindruck. Auch mit der dynamischen Dämonen-Mechanik setzt sich das neue Spiel der Tokyo RPG Factory von der Konkurrenz ab und könnte sich so zu einem echten Geheimtipp mausern. Fraglich bleibt jedoch, ob Oninaki das anfänglich hohe Tempo über die volle Spielzeit von 30 Stunden aufrecht erhalten kann oder dem "Hack'n'Slay Light" die Puste ausgeht. Wir bleiben für euch dran, denn spielerisch ist es schon jetzt über jeden Zweifel erhaben.


Auch lesen: Was hat Square Enix neben Oninaki noch auf der E3 2019 enthüllt?

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