Gelungene Erweiterung?

Persona 5 Royal im Test: JRPG in Perfektion

  • Marco Kruse
    vonMarco Kruse
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Endlich erscheint das PS4-exklusive JRPG Meisterwerk Persona 5 Royal auch hierzulande. Unser nahezu spoilerfreier Test verrät euch, ob ihr zugreifen müsst.

  • Persona 5 Royal erscheint am 31. März 2020 für PS4.
  • Persona 5 Royal will ein JRPG mit Stil und Substanz sein
  • Entwickler Atlus verspricht massive Erweiterungen der Inhalte in Serientradition.
  • Im Test zeigen wir, warum euch pure JRPG-Perfektion erwartet.

Tokio, Japan – Machen wir ein Experiment. Man nehme: ein herausragendes JRPG, eine große Tube Politur, eine Tüte Kreativität und Zeit. Was erwartet einen wohl als Ergebnis? In Zeiten, wo mittelmäßige Spiele erst lange mit Patches versorgt werden müssen, bis sie okay sind, können wir erahnen, zu welchem Ergebnis ein Experiment mit derartig vielversprechenden Zutaten führt. Denn alles, was Persona 5 seinerzeit schon toll machte, macht Persona 5 Royal besser. 

Alles auf Anfang

Bevor wir uns ins Geschehen von Persona 5 Royal stürzen, werfen wir zunächst einen Blick auf die Neuerungen, namentlich die großen Erweiterungen: ein komplett neues Semester mit gut 20 bis 30 Stunden Inhalt, ein neuer Dungeon sowie neue Kontaktmöglichkeiten in Form der athletischen Katsumi und dem leicht schusseligen Psychologen Maruki und zu guter Letzt ein neu balanciertes Kampfsystem. Neben den neuen Inhalten haben die Entwickler auch auf die Fans gehört: So sind unter anderem die Bildschirmtexte für deutsche Spieler lokalisiert, die Texturen höher aufgelöst, der Sound überarbeitet etc. Ihr merkt schon, Atlus und Deep Silver haben sich viel Mühe mit der Anpassung von Persona 5 Royal gegeben.

Persona 5 Royal: Mit Kasumi bringt Atlus eine völlig neue Art der Fortbewegung ins Spiel.

Veteranen dürfte der Anfang trotz der Anpassungen dennoch bekannt vorkommen. Bereits im Intro kommen wir in Kontakt mit neuen Mechaniken wie dem Enterhaken, sehen Katsumi erstmals in Action und lernen etwas über das verbesserte rundenbasierte Kampfsystem. So sind die Interaktionen der Gruppenmitglieder untereinander durch die erweiterte Baton-Pass-Mechanik einfacher und nachvollziehbarer, neue „Traits“ der eigenen Persona erlauben eine zusätzliche taktische Tiefe und neue Gegner sind generell erfrischend und herausfordernd.

Gameplay? Alltag!

Persona 5 Royal teilt sich insgesamt in zwei größere Bereiche. Einerseits ist da der Social-Sim-Aspekt, in dem man den Alltag eines japanischen Schülers in Tokio erlebt. Was sich nach trockener Simulation anhört, macht dank der dichten Atmosphäre, den vielfältigen Charakteren und Minispielen aber tatsächlich viel Spaß. Hier muss man wirklich alles unter einen Hut bekommen: Es gilt seine eigenen Fähigkeiten in fünf Bereichen zu verbessern, sich mit Freunden und Bekannten zu treffen, um die Story voranzutreiben, aber auch Boni für die Kämpfe zu erspielen und ganz nebenbei das große Ganze nicht aus den Augen zu verlieren. Gute Nachrichten für Serienneulinge: Atlus hat den Einstieg angenehm vereinfacht und erlaubt euch viel mehr Freiheiten. Das ist auch notwendig, denn durch den neu hinzugekommenen Stadtteil Kichijoji gibt es noch mehr Möglichkeiten, seine Zeit mit anderen zu teilen.

Im neuen Stadtteil von Persona 5 Royal stoßen wir auf eine ganze Reihe alter und neuer Charaktere.

Zum Glück hat sich Atlus nicht nur darauf konzentriert, möglichst viel neuen Inhalt zu produzieren. Auch aus der originalen Veröffentlichung bekannte Charaktere haben für das Royal-Update viel Liebe bekommen. So lernt man die Konflikte der Mitstreiter in Gesprächen mit Doc Makuri tiefer kennen, geht mit den Zwillingen aus dem Velvet Room Burger essen und trainieren oder verbessert die Zusammenarbeit im Team bei einer Partie Darts.

Maskenball mit Dämonen

Moment, was? Velvet Room? Zwillinge? Neueinsteiger fragen zurecht, was es damit auf sich hat. Zur Erklärung: Bei beiden handelt es sich um wichtige Bestandteile für die Nutzung der titelgebenden Persona. Womit wir beim zweiten großen Bereich neben der Alltagssimulation angekommen sind, dem Kampf und den Dungeons. In selbigen verprügeln wir nicht nur über 200 verschiedene Dämonen, sondern sacken diese auch gleich noch als „Masken“ ein. Klingt verwirrend, lässt sich aber mit einem einfachen Vergleich erklären: Pokémon ohne Pokébälle. Anstatt niedliche Viecher in Kleinsträume einzusperren, verhandelt ihr mit euren dämonischen Gegnern und übernehmt ihre Kräfte als Teil eurer Persönlichkeit – als Persona eben – und entwickelt sie im zentralen Hub des Velvet Rooms weiter.

Passend: Das große Thema des Spiels ist das Erreichen von Freiheit, der Velvet Room wird entsprechend, um den gegenwärtigen Zustand des Charakters zu verdeutlichen, als Gefängnis dargestellt und enthält gleich auch die passenden „Werkzeuge“ für die verschiedenen Funktionen. So werden Persona mit Hilfe von Guillotinen fusioniert, mit einem elektrischen Stuhl in Gegenstände und Ausrüstung verwandelt oder in Einzelhaft trainiert. Ja, ziemlich makaber, aber adäquat, dreht sich die Geschichte in Persona 5 Royal doch darum, sich selbst und andere zu befreien. Die drastische Darstellung durch altertümliche Instrumente ist sehr gelungen.

Raus aus dem Gefängnis der Seele! In Persona 5 Royal dreht sich alles um den Ausbruch.

Bei der Fusion gibt es neuerdings die Möglichkeit, euren Persona Charaktereigenschaften mitzugeben. Diese sogenannten Traits können beispielsweise die Kosten von bestimmten Elementen wie Feuer, Eis, Strom aber auch Nuklear und Psy reduzieren, Buffs und Debuffs in ihrer Wirkdauer verlängern oder für mehr Widerstandsfähigkeit sorgen. Ebenfalls neu sind die „Challenge“-Kämpfe, bei denen es außergewöhnliche Ausrüstung zu gewinnen gibt.

Der Haken an der Sache

Damit die Jagd nach neuen Persona nicht langweilig wird, gibt es jede Menge großartige Story-Dungeons zu entdecken, die Atlus allesamt überarbeitet hat. Ob Schloss, Raumstation oder Bank, alle Einsatzorte der „Phantom Thieves“ wurden überarbeitet. Neuerungen sind neben „Willens-Samen“ vor allem in der Bewegung zu finden. Bereits früh im Spiel erhalten wir mit dem Enterhaken die Fähigkeit, uns an einigen vordefinierten Stellen auch vertikal zu bewegen. Gründe gibt es dafür genug – von zusätzlich Schatzkisten, herausfordernden Gegnern oder eben jenen „Willens-Samen“ wird Erkundung in Persona 5 Royal durchweg belohnt.

Persona 5 Royal: Im Kampf glänzt Kasumi mit der Klinge, in der Stadt mit Greifhaken.

Kenner wissen, dass es neben den storyrelevanten Herausforderungen auch noch die zufällig generierten „Mementos“ gibt – unbestritten die größte Schwachstelle von Persona 5. Auch hier kann, zumindest teilweise, aufgeatmet werden. Ja, die Mementos sind immer noch recht simpel und visuell eher monoton, aber durch die fortgeführte Integration von Events abwechslungsreicher gestaltet worden. Neu sind beispielsweise dunkle Ebenen, in denen es keine Minimap gibt oder ausschließlich besonders schwere Gegner vorhanden sind. Mit Jose erwartet euch in den Mementos ein neuer Nebencharakter, der einzigartige Gegenstände verkauft. Bei ihm könnt ihr neue sammelbare Gegenstände, wie Blumen und Stempel, gegen Heilitems eintauschen, aber auch Boni für mehr Erfahrungspunkte, Items aus Kämpfen oder Geld erhalten.

Ich bin du, du bist ich

Noch ein paar Worte zur deutschen Übersetzung. Diese glänzt vor allem damit, dass z.B. auch einige Grafiken übersetzt sind und alles, zumindest sprachlich, korrekt umgesetzt ist. Einige Abkürzungen wirken etwas ungelenk („Gegenstände“ wird schnell mal zu „Ggst“), leider hat sie jedoch Schwächen, was die Atmosphäre im Spiel angeht. Persona 5 Royal ist ein textlastiges Abenteuer; Sprachausgabe gibt es zwar an vielen Stellen, aber längst nicht alles ist vertont, zudem sind die Stimmen nur auf Englisch und Japanisch verfügbar. 

Wenn aus dem ungewöhnlichen englischen Satz „I am thou, thou art I“ ein lapidares „Ich bin du, du bist ich“ wird, kann ich noch ein Auge zudrücken. Weniger gelungen sind sprachliche Anpassungen in Minispielen wie den Kreuzworträtseln, wo in der deutschen Version nach dem Gegenteil von „Wohl“ gesucht wird und die Lösung „Unwohl“ ist, im Englischen aber nach dem „May Blues“ gesucht wird – einer Periode in Japan, in der viele Menschen nach dem Urlaub kränklich sind. Denn auch die Auseinandersetzung mit einer teilweise andersartigen Kultur ist Teil des Spiels.

Einziger Kritikpunkt für Persona 5 Royal: Die deutsche Lokalisation – Gut gemeint, aber nicht immer gelungen.

Krönender Abschluss

Es gäbe noch Etliches im Detail zu erwähnen – zum Beispiel den „Diebesunterschlupf“, quasi ein buntes, virtuelles Heim für die eigenen Errungenschaften und ein Ort zum gemütlichen Kartenspielen – aber die wichtigen Aspekte stehen für sich. Persona 5 Royal ist das, was sich Fans erhofft haben – und viel, viel mehr. Atlus gelingt hiermit die Quadratur des Kreises: Sie schaffen es, ein Spiel, das als das perfekte JRPG gilt, in nahezu allen Punkten zu verbessern. Die deutsche Übersetzung eröffnet das Spielerlebnis darüber hinaus auch neuen Spielern, obwohl die englischen Texte subjektiv besser sind. Um es spoilerfrei zu halten: Der letzte Abschnitt der Geschichte fügt sich nicht nur nahtlos ein, sondern macht alles mindestens genauso gut, wie das, was man aus Persona 5 bereits kennt und liebt.

Fazit

Persona 5 Royal im Test: Atlus liefert mehr von allem, was Fans wollen.

Persona 5 Royal ist einfach mehr: mehr Inhalt, mehr Style, mehr Komfort – mehr von allem. Persona 5 war schon ohne den Zusatz die absolute JRPG-Referenz. Keine der vom Entwickler getroffenen Entscheidungen hinterlässt das Gefühl, dass es sich bei P5R um einen einfachen Aufguss handelt, sondern bietet einen unglaublichen Flow, der das Spiel zu einem der besten JRPGs auf der PS4 – vielleicht sogar der ganzen Konsolengeneration – macht. Ein definitiver „Spielbefehl“ – nicht nur zu Zeiten, in denen man das Haus sowieso nicht verlassen sollte.

Pros

Cons

+ Spielzeit: 120-150 Stunden

- Deutsche Übersetzung technisch korrekt, aber mit wenig Atmosphäre

+ Grafische Verbesserungen und 4K-Modus

- DLCs müssen erneut gekauft werden

+ Mehr: Inhalte, Verbündete Musik

+ Grandioser Soundtrack mit tollen Ergänzungen

+ Neues Semester

ak

Rubriklistenbild: © Atlus

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