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Persona 5 Strikers im Test: Das beste Spin-off der Reihe?

  • Henrik J
    vonHenrik J
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Nach knapp einem Jahr Abstinenz meldet sich die Persona-Reihe aus dem Hause Atlus zurück. Wir zeigen in unserem Test, was Persona 5 Strikers auf dem Kasten hat.

Hamburg - Vor circa eineinhalb Jahren wurde Persona 5 Scramble angekündigt. Vor fast genau einem Jahr erschien das Spin-Off der Persona-Reihe dann in Japan. Fans der Serie mussten hierzulande geschlagene 12 Monate auf eine Lokalisierung warten. Ein Jahr und eine Namensänderung später kann Persona 5 Strikers nun auch in Europa genossen werden. In unserem Test haben wir Persona 5 Strikers auf Herz und Nieren überprüft und sagen euch, ob das Spin-Off nur ein Cashgrab seitens Atlus ist, oder tatsächlich spielerischen Mehrwert bietet.

Name des SpielsPersona 5 Strikers
Release (Datum der Erstveröffentlichung)23. Februar 2021
Publisher (Herausgeber)Atlus
SeriePersona 5 (Spin-off)
PlattformNintendo Switch, PS4, PC
EntwicklerOmega Force, P-Studio
GenreAction-RPG

Persona 5 Strikers im Test: Der Weg von tanzenden Protagonisten zum schnetzelnden Joker

Die Persona-Reihe hat einen langen Weg hinter sich. Begonnen als Ableger des Shin Megami Tensei-Franchises, hat Persona sich zur erfolgreichsten Marke von Atlus entwickelt. Nach dem gigantischen Erfolg von Persona 4 und Persona 5, erschienen mehrere Spin-Offs zur JRPG-Reihe. Persona 5 Strikers nimmt dabei einen ganz besonderen Platz ein.

Lange Zeit wurde darüber spekuliert, was hinter dem Kürzel „P5S“ steckt. Als der Reveal-Trailer zu Persona 5 Strikers veröffentlicht wurde, stand die Persona-Community dem neuen Spin-off kritisch gegenüber. Statt rundenbasierter Kämpfe nun Hack and Slay im Dynasty Warrior-Style. Ob das gut gehen kann?

Persona 5 Strikers im Test: Anscheinend können Joker und Co. auch tanzen

Tatsächlich hat die Persona-Reihe schon Ausflüge in so manch anderes Genre gewagt. In Persona 4 Arena Ultimax konnte man die Protagonisten in einem Arena-Brawler antreten lassen. Noch etwas kurioser ist der Fakt, dass Persona 3, 4 und 5 allesamt Tanzspiel-Ableger erhielten. Auch wenn dies kurios erscheint, so handelte es sich um durchaus gute Rhythmusspiele mit einem Hauch von Persona-Flair. Persona 5 Strikers agiert jedoch in einem wesentlichen Gesichtspunkt anders als seine Spin-off-Kollegen.

Persona 5 Strikers im Test: Schnelles Pacing in einem Persona-Spiel?! Neuzugängen Sophia und Zenkichi sei Dank

Im März vergangenen Jahres erschien mit Persona 5 Royale eine aufpolierte Version der ursprünglichen Persona 5 und lieferte neben einigen spielerischen Verbesserungen auch eine unglaubliche Storyerweiterung rund um den Schul-Psychologen Maruki und unsere Schulkameradin Kasumi. Die Erweiterung hat die komplette Handlung des Hauptspieles auf den Kopf gestellt und perfekte Plot-Twists eingebaut. Für Persona 5 Strikers könnt ihr dies jedoch aus eurem Kopf streichen.

Persona 5 Strikers bindet nahtlos an die Handlung des ursprünglichen Persona 5-Spieles an. Eine Kasumi oder ein Maruki existieren hier also nicht. In Persona 5 Strikers treffen wir stattdessen alle bekannten Gesichter der Phantomdiebe wieder. Nachdem unsere Truppe etliche Palaces bezwungen, Herzen gewandelt und Gott bezwungen hat, treffen sie sich in den Sommerferien in ihrem alten Versteck, dem Leblanc, wieder.

Persona 5 Strikers im Test: Treffen im alten Leblanc

Wer mit dem letzten Satz nichts anfangen konnte, wird mit Persona 5 Strikers keinen Spaß haben. Dies sei an dieser Stelle unseres Tests einmal so deutlich gesagt. Persona 5 Strikers versucht keineswegs Neulinge in die komplexe Welt von Persona einzuführen. Weder Personas an sich, noch was in der Story von Persona 5 passiert ist, wird in Persona 5 Strikers erklärt. Es wird jedoch ständig thematisiert und aufgegriffen. Spieler, die Persona 5 nicht gezockt haben, werden demnach bei den langen Dialogen in Persona 5 Strikers schnell den Überblick verlieren und abschalten.

Auch innerhalb der Phantomdiebe werden etliche Referenzen und charakterbezogene Witze getätigt. Alle Mitglieder unserer Gruppe haben im Hauptspiel bereits ihren eigenen Story-Arc erhalten. Eine Weiterentwicklung der Charaktere findet in Persona 5 Strikers nicht statt. Der Spieler bekommt bereits „fertige“ Charaktere zum Spielen bereitgestellt – für Persona 5-Fans perfekt, für Neulinge eine Katastrophe.

Eingefleischte Persona-Fans dürfen sich jedoch über zwei Neuzugänge bei den Phantomdieben freuen. Zum einen hätten wir Sophia, eine künstliche Intelligenz, welche sich selbst als „Begleiterin der Menschheit“ vorstellt. Sie treffen wir direkt zum Beginn von Persona 5 Strikers an. Ein wenig später stößt auch der Polizei-Inspektor Zenkichi zu unserer Gruppe hinzu. Bei beiden Neuzugängen handelt es sich um spielbare Charaktere.

Persona 5 Strikers im Test: Willkommen bei den Phantomdieben Sophia!

Nun ist die Frage, wie Sophia und Zenkichi in die Story mit eingebunden wurden. Persona-Fans haben so ihre zwiespältigen Erfahrungen mit neu hinzugefügten Charakteren in ein bestehendes Setting gemacht. Während die Eingliederung von Kasumi in Persona 5 Royale perfekt verlief, wirkte Marie in Persona 4 Golden über die gesamte Spieldauer wie ein Fremdkörper.

In unserem Persona 5 Strikers Test haben wir jedoch sowohl die Einbindung von Sophia als auch von Zenkichi als durchweg positiv wahrgenommen. Auch wenn der Charakter vom Polizei-Inspektor etwas mehr Tiefe und Spannung als Sophia bietet, sind beide hervorragende Ergänzungen für unsere Phantomdiebe.

Persona 5 Strikers im Test: Action direkt zu Beginn

Da die Einbindung von Sophia direkt zu Beginn von Persona 5 Strikers stattfindet, werden wir als Spieler direkt in die Aktion geworfen. Für ein Persona-Spiel durchaus ungewöhnlich. Vergehen in einem Hauptspiel doch gut und gerne erst 10 Stunden, bevor man zum ersten Dungeon kommt. Ein solch langsames Pacing hätte Persona 5 Strikers jedoch nicht gutgetan. Die Entscheidung, den Spieler direkt in den ersten Dungeon zu entlassen, ist im Persona-Universum eine mehr als willkommene Abwechslung.

Persona 5 Strikers im Test: Hack and Slay statt rundenbasierter Kämpfe – Kann das überhaupt gut gehen?

Kommen wir zur größten Besonderheit in Persona 5 Strikers, dem Gameplay. Anders als in allen Hauptteilen zuvor, setzt Persona 5 Strikers nicht auf die bewährten rundenbasierten Kämpfe, sondern auf Hack and Slay und Horden an Gegnern. Persona 5 Strikers stammt aus derselben Feder wie die Dynasty Warrior-Spiele und dies merkt man. Statt in Palaces kämpfen wir derweil in Jails, was im Grunde jedoch dasselbe ist.

Persona 5 Strikers im Test: Unsere Phantomdiebe befinden dich im Fadenkreuz der Behörden

Die Veränderung des Gameplays haben wir in unserem Persona 5 Strikers Test jedoch nicht unbedingt als störend empfunden. Man trifft innerhalb von kurzen Zeitabständen auf neue Gegner, die man weghauen muss. In Persona 5 Strikers können wir uns aussuchen, mit welchem unserer Phantomdiebe wir in den Kampf gehen wollen.

Alle Phantomdiebe spielen sich dabei anders. Während beispielsweise Yusuke extrem schnell auf den Beinen ist und gezielt auf Konterattacken setzt, ist Ryuji die geballte Hau-Drauf-Power. Im ursprünglichen Persona 5 spielten sich die Charaktere, aufgrund des rundenbasierten Systems, relativ gleich. Hier erwartet euch also ein wesentlicher Pluspunkt im Gameplay von Persona 5 Strikers.

Während der Rest der Gruppe nur über einen Persona verfügt, kann unser Hauptprotagonist gleich mehrere davon nutzen. Anders als im Hauptspiel, versuchen wir die Personas nicht durch unsere Überredungskunst auf unsere Seite zu locken, sondern sammeln sie nach bestimmten Kämpfen einfach wie ein Item auf.

Persona 5 Strikers im Test: Joker stellt sich den Massen an Gegnern problemlos

Dies schadet der Vielfalt an Möglichkeiten bei der Wahl unserer Persona jedoch keineswegs. Der Velvet Room dient nämlich auch in Persona 5 Strikers als Ort zum Herumexperimentieren und Verbessern unserer Persona. Hier gelten genau dieselben Regeln wie im Hauptspiel. Zwei verschiedene Persona können zu einer neuen fusioniert werden. Die Persona können während der Kämpfe eine oder mehrere Fähigkeiten ausführen. Während der Ausführung bleibt das Geschehen kurz stehen. Das Ganze sieht nahezu 1:1 wie in Final Fantasy 7 Remake aus, was keineswegs schlecht ist. Entwickler Omega Force hat einen guten Job geleistet, indem er vertraute Spielelemente übernommen und dezent angepasst hat.

Eine Sache, die wir jedoch in unserem Persona 5 Strikers Test am Gameplay zu bemängeln haben, ist die Schwierigkeit. Wir hatten auf der höchsten Schwierigkeitsstufe nie ernsthafte Probleme mit den Gegnerhorden, und dies ganz ohne Dynasty Warrior-Erfahrung. Wer nach knifflige Kämpfen sucht, wird in Persona 5 Strikers nicht fündig.

Persona 5 Strikers im Test: Wieviel Persona steckt noch in all dem Hack and Slay?

In den Persona-Hauptspielen beläuft sich die Aufteilung zwischen Dungeons und Life-Simulator circa auf ein Verhältnis von 40:60. In Persona 5 Strikers ist die Verteilung in etwa umgekehrt. Trotz des actionreichen Gameplays, kommen die Slice of Life-Elemente in Persona 5 Strikers nicht zu kurz. Noch immer verbringen wird genügend Zeit mit unseren Phantomdieben. Es sind schließlich Sommerferien und in diesen gibt es jede Menge Freizeitaktivitäten zu absolvieren.

Persona 5 Strikers im Test: Endlich mal wieder Zeit mit den Phantomdieben verbringen

Auch in Hinblick auf den Soundtrack bleibt sich die Persona-Reihe treu. So kommen zu einigen neuen Soundtracks, vor allem Remixe aus dem Hauptspiel zum Einsatz, welche allesamt perfekt in das Geschehen passen. Zudem können Besitzer des Hauptspieles oder von Persona 5 Royale auch die Musik komplett eines der anderen Spiele anpassen. Abgesehen vom veränderten Gameplay steckt also noch jede Menge Persona in Persona 5 Strikers.

Auch die Grafik passt sich hervorragend den vorherigen Persona-Spielen an und wirkt zeitlos. PS4-Pro und PS5-Spieler kommen zudem in den Genuss von 60 FPS. Auch die Lokalisierung lässt sich sehen. Seit Persona 5 Royale werden die Spiele der Reihe nämlich auch ins Deutsche übersetzt. Erhebliche Übersetzungsfehler sucht man hier vergebens. Wer lieber auf Japanisch oder Englisch spielen möchte, kann dies ebenfalls tun. Für Letzteres muss man jedoch die Spracheinstellung seines Systems ändern. Englische Texte sind in der deutschen Version von Persona 5 Strikers nämlich nicht vorgegeben.

Persona 5 Strikers im Test: Sowohl die englische als auch japanische Sprachausgabe sind einwandfrei.

Persona 5 Strikers im Test: Fazit – Ein mehr als würdiger Nachfolger von Persona 5 und ein besonderer Teil in der langjährigen Reihe

Persona 5 Strikers im Test: Ein Spin-off, das ihr gespielt haben müsst

Abschließend lässt sich sagen, dass Persona 5 Strikers genau das macht, was es soll: Persona-Fans in seinen Bann ziehen. Das abgeänderte Gameplay schadet dem Gesamtkonstrukt keineswegs, sondern sorgt für ein Alleinstellungsmerkmal. Atlus scheint sich mit Persona 5 Strikers endlich mal wieder etwas zu trauen. Auch, wenn man an der Schwierigkeit gut und gerne nochmal eine Schippe hätte draufpacken können.

Es macht Spaß unsere geliebten Phantomdiebe in Persona 5 Strikers wiederzusehen. Die beiden Neuzugänge Sophia und Zenkichi fügen sich perfekt in die Story und Gameplay ein. An manchen Stellen hätte man sich jedoch gewünscht, dass Atlus uns noch etwas mehr Einblick in die Charaktere gibt.

Persona 5 Strikers im Test: Gerne hätten wir noch mehr Zeit mit den neuen Charakteren verbracht

Das schnelle Pacing des Spiels lässt es von anderen Einträgen der Reihe abheben, jedoch ist Persona 5 Strikers keineswegs einsteigerfreundlich. Damit ihr Persona 5 Strikers genießen könnt, ist das Spielen von Persona 5 Pflicht. Ansonsten versteht man nahezu keine Zusammenhänge der eigentlich großartig konstruierten Story.

ProCon
+ Absolutes Persona-Feeling dank Kanon-Story- Zu niedriger Schwierigkeitsgrad
+ Bombastischer Soundtrack- Ungenießbar für Neueinsteiger
+ Actiongeladenes Gameplay mit abwechslungsreichen Charakteren- Charaktere hätten etwas mehr Tiefe vertragen können
+ Gelungene Story mit dem ein oder anderen Twist
+ Perfektes Pacing direkt zu Beginn – Ein Novum im Persona-Universum

Rubriklistenbild: © Atlus

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