Imposante Optik | Abzüge im Gamedesign

Scarlet Nexus im Test: Mit Telekinese stilvoll die Welt retten

  • VonDaniel Meyer
    schließen

Scarlet Nexus bringt Aficionados von Action und Anime zusammen. Wie gut das funktioniert, zeigt unser Test zum Next-Gen-Spiel von Bandai Namco.

Tokio – Bandai Namco ist mit Scarlet Nexus in vielerlei Hinsicht eine ordentliche Überraschung gelungen. Denn im Gegensatz zu vielen anderen Games des japanischen Entwicklers und Publishers, gehört dieser Titel wahrlich zur Next-Gen der Anime-Games. Schnelles und präzises Gameplay trifft auf wunderschöne Anime-Optik und punktet insbesondere durch flüssige 60hz-Action und anspruchsvolle Kämpfe. Doch leider kommt die neue IP auch mit einigen Abzügen in der B-Note daher, auf die wir später noch etwas genauer eingehen werden.

Name des SpielsScarlet Nexus
Release (Datum der Erstveröffentlichung)25. Juni 2021
PublisherBandai Namco
Serie-
PlattformenPS4, PS5, Xbox One, Xbox Series X/S, PC
EntwicklerBandai Namco/Tose
GenreAction-RPG

Scarlet Nexus im Test: Verworrene Story – oder versuche dem roten Faden zu folgen

Um die Geschichte hinter Scarlet Nexus vollends zu verstehen, reicht ein einfaches Durchspielen des Titels nicht aus. Dies klingt konfus, ist aber zumindest zum Teil ein positives Merkmal. Zum Spielstart können wir so zwischen den beiden Protagonisten Yuito und Kasane wählen, die vom Charakter nicht verschiedener hätten sein können. Ebenso unterschiedlich entfaltet sich fortan die Geschichte, denn wir erleben diese durchgehend aus der Perspektive des jeweiligen Charakters.

Dies ist umso bemerkenswerter, da Bandai Namco keine Abkürzung genommen hat. Beide Charaktere erleben teils sehr unterschiedliche Begebenheiten, was den Wiederspielwert immens erhöht. Zudem spielen sich die beiden Helden der Story recht unterschiedlich und auch verfügen beide Charaktere über ein eigenes Team an Gefährten, die mit ebenso unterschiedlichen Fähigkeiten daherkommen.

Brachiale Action im Anime-Gewand: hier glänzt Scarlet Nexus.

Yuito und Kasane sind beide Bürger der Stadt Suoh und planen als Rekruten der OSF (Other Suppression Force) den Kampf gegen die Others aufzunehmen. Others sind eine fremde Lebensform, die außerhalb der Atmosphäre der Erde geboren wird und eine immense Gefahr für jedes Lebewesen darstellt.

In dieser fiktiven Zukunft wurde die OSF gegründet, die mit ihren Brain-Fähigkeiten, über die fast jeder Mensch der Erde verfügt, den Kampf gegen diese Bedrohung aufnimmt. Mit diesen Fähigkeiten kann bspw. Feuer entfacht und die Zeit verlangsamt werden, oder wir nutzen diese, um uns selbst zu teleportieren oder unsichtbar zu machen.

Scarlet Nexus: Nicht selten entgleitet dem Spiel der dringend nötige rote Faden.

Doch so eindrucksvoll und tiefgreifend die Geschichte hinter Scarlet Nexus auch aufgezogen ist, stellenweise wirkt es, als hätten sich die Entwickler, die auch schon an Tales of Vesperia gearbeitet haben, ein wenig verfranzt. Zum Plot mit den übernatürlichen Fähigkeiten gesellen sich hier auch noch dystopische Szenarien, diplomatische und religiöse Stories, die Others, sowie einige noch deutlich abstraktere Themenfelder hinzu.

Da fällt es gelegentlich schwer, dem roten Faden zu folgen, um den sich auch im wahrsten Sinne des Wortes ein Hauptteil des Spiels dreht – denn die Fähigkeiten unserer beiden Helden werden „Red String“ genannt. Im Japanischen ist dies gleichbedeutend mit dem sprichwörtlichen roten Faden des Schicksals. Kurios also, dass es Scarlet Nexus gelegentlich an genau dieser Stringenz fehlt.

Scarlet Nexus im Test: Freundschaften schließen und gemeinsam Kämpfe beschreiten

Im Laufe der Geschichte lernen wir nach und nach neue Charaktere kennen, die sich unserem Team anschließen. Durch spezielle Pauseneinheiten innerhalb der Story können wir uns mit ihnen unterhalten, Events erleben, Geschenke verteilen und mehr. Dadurch steigt unser Freundschaftslevel, und je höher dieses ausfällt, desto mehr Vorzüge haben wir im Kampf mit unseren Verbündeten. So können wir bspw. auch deren Fähigkeiten häufiger verwenden. 

Dank Brainpunk-Setting bekommt ihr es in Scarlet Nexus mit allerhand kuriosen Gegnern zu tun.

Das Kampfgeschehen in Scarlet Nexus fällt ausgesprochen hochkarätig aus. Teils gilt es in Bruchteilen von Sekunden zu reagieren, in Souls-Manier das Verhalten von Feinden zu studieren, Konter einzuleiten und unter anderen die Fähigkeiten unserer Verbündeten strategisch zu nutzen. Ist gerade zu viel los aus dem Schlachtfeld, so lohnt es sich, einmal kurz die Zeit zu verlangsamen und die Zahl der Feinde zu dezimieren.

Manche Gegner teilen sich zudem in mehrere auf, sodass wir mit der passenden Hellsehen-Fähigkeit erkennen können, welches das Original ist. Dies sind nur einige Beispiele dafür, wie taktisch anspruchsvoll und unterhaltsam sich das Gameplay gestaltet. Aber jede Fähigkeit, die wir nicht nur passiv, sondern auch als Attacke aktiv verwenden können, benötigt Energie. Diese lädt sich für jeden Charakter einzeln von alleine wieder auf, jedoch ist ein bedachter Einsatz dennoch anzuraten.

Die Kämpfe in Scarlet Nexus fordern euch alles ab: Im Positiven wie Negativen.

Ein Manko ist allerdings, dass insbesondere Gelegenheitsspieler in Scarlet Nexus einige Probleme haben dürften. Der Anspruch ist generell hoch angesetzt, aber einige Begegnungen sind so knackig, dass wir sogar den Schwierigkeitsgrad von schwer auf einfach heruntersetzen mussten, und trotzdem noch immer Frustmomente erleben. Diese unnötigen Spitzen in der Schwierigkeit sind leider an mehreren Stellen des Spiels zu finden. Dass obendrein manche Gegner über sehr unfaire Angriffsmanöver verfügen und es mehr auf Glück als unsere Fähigkeiten ankommt, ist ebenfalls sehr schade.

Gamedesign und epische Momente

Vom Design-Standpunkt her hat Bandai Namco eine durchwachsene Präsentation abgeliefert. Während das Grundkonzept dieses Brainpunk-Titels sehr stylisch ist und mehr als nur einmal an ein Persona 5 erinnert, so drückt hingegen das Leveldesign auf die Negativseite der Waage. Während die zahlreichen Areale durchaus abwechslungsreich und interessant gestaltet sind, so fällt auch die Willkür der Designer schnell auf.

Die Level machen architektonisch oft wenig Sinn. Vielmehr liegt der Fokus darin, dass wir vom offenen Areal A zum offenen Areal B zum offenen Areal C schreiten und gegen möglichst viele Gegner kämpfen sollen. Stellenweise kommt dies einem künstlichen In-die-Länge-Ziehen gleich. Bei einem Persona 5 macht das Leveldesign deutlich mehr Sinn, da es sich von der Story her nicht um die reale Welt handelte – bei Scarlet Nexus kann dieses Argument nicht herhalten.

Die Welt von Scarlet Nexus lädt zum Staunen ein.

Auch im späteren Verlauf kehren wir auch in bereits besuchte Level zurück, um beispielsweise anhand von Eventszenen mit Gefährten einen besonderen Storyabschnitt zu erleben oder eine Nebenquest zu absolvieren. Eine sinnvolle Begründung war nur selten erkennbar, insbesondere bei den Nebenquests, die vielmehr wirkten als würden Sie dazu dienen, uns möglichst lange am Spielen zu halten.

Diese Nebenquests erhalten wir so von normalen Bürgern, die uns mit Aussicht auf Belohnungen beauftragen, bestimmte Monster auf eine ganze bestimmte Art und Weise zu besiegen. Als augenscheinliche Begründung wird bspw. ein aufgehaltener Truck genannt. Eine andere Bürgerin möchte unsere „Hellsehen“-Fähigkeit sehen, weil sie ein großer Fan eines Künstlers ist, der vielleicht besondere Augen besitzt. 

In seinen besten Momenten bringt Scarlet Nexus das Blut von Anime-Fans zum Kochen.

Während die Nebenmissionen teils an den Haaren herbeigezogen sind, so lässt das Storytelling gelegentlich doch Raum fürs Staunen offen. Dabei ist nicht nur bemerkenswert, dass 99% aller Dialoge auf Japanisch synchronisiert wurden, auch sind manche Zwischensequenzen und Szenerien unglaublich episch in Szene gesetzt, weil sie das Blut eines jeden Anime-Fans in Wallung bringen.

Bemerkenswert ist zudem auch die Möglichkeit, die eigenen Charaktere mit kosmetischen Items auszustatten. Dabei sprechen wir nicht nur von der Masse, die uns hier im Laufe des Spiels angeboten wird, sondern auch, dass genau diese optischen Anpassungen in allen Zwischensequenzen und Zwischenanimationen mit angezeigt werden, was bei vermeintlichen Screenshotaufnahmen durchaus positiv ins Gewicht fällt – schön mitgedacht!

Scarlet Nexus im Test: Fazit zur Anime-Action mit Abzügen

Scarlet Nexus im Test: Fazit zur Anime-Action mit Abzügen

Scarlet Nexus zu testen stellte sich für mich insgesamt als sehr durchwachsene Erfahrung heraus, die ich jedoch nicht missen möchte. Obwohl der Titel viele Ecken und Kanten hat, waren das solide Kampfsystem und das hochkarätige Anime-Design absolute Fürsprecher für das Game. Auch wenn ich gelegentlich mit Kameraproblemen zu kämpfen hatte, stellenweise frustrierende Schwierkeitsgrad-Spitzen erleben musste und die Bonding-Episoden teils langatmig ausfielen, so gehört auf der anderen Seite die Möglichkeit, das Spiel aus zwei sehr unterschiedlichen Perspektiven zu erleben, zu den wirklich herausragenden Aspekten von Scarlet Nexus. Zudem brilliert das Game im Bereich des Gameplays, welches durch seine strategischen Anforderungen und seine Geschwindigkeit für viel Unterhaltung sorgt. Untermalt wird das ganze Geschehen dann noch mit einem stimmigen Soundtrack und einer sehr komplexen und emotionalen Geschichte, die vielleicht sogar etwas zu komplex daherkommt und gelegentlich wirkt, als hätte das Entwicklerteam sich nicht auf eine Thematik festlegen können.  

ProCon
– Tolles Anime-Design– Stellenweise hohe Schwierigkeitsspitzen
– Rasantes und forderndes Gameplay in 60 FPS– Teils ermüdende Bonding-Events
– New Game Plus mit Möglichkeit der Fortschritt-Übernahme– Unattraktives Nebenquest-System
– Komplexe und tiefgreifende Story...– ...die teils zu Konfusion führt
– Story aus zwei Perspektiven erlebbar– Schlauchlevel mit stellenweise uninspiriertem Design
– Hoher Individualisierungsgrad durch zahllose Cosmetics– Viele Gegner sind wahre Kugelschwämme

Rubriklistenbild: © Bandai Namco

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Meistgelesen

Test: Vampyr - Saugen oder nicht saugen?
Test: Vampyr - Saugen oder nicht saugen?
Test: Vampyr - Saugen oder nicht saugen?

Kommentare