Eure Dosis Japan für 2021

Scarlet Nexus Vorschau: Anime-Adaption ohne Vorlage

  • Jonas Dirkes
    VonJonas Dirkes
    schließen

Das Action Adventure Scarlet Nexus will sich mit Anime-Charme in eure Herzen schnetzeln – gelingt dieser verwegene Move von Bandai Namco?

Hamburg – Mit Scarlet Nexus bekommen Fans der beliebten Anime-Vorlage endlich die lang ersehnte Versoftung des… Einen kurzen Augenblick bitte, wir bekommen hier gerade neue Informationen zugespielt. Scheinbar ist Scarlet Nexus eine brandneue IP: Es gibt (noch) gar keine Anime-Adaption! Schaut man sich Scarlet Nexus aber nur wenige Minuten an, dann ist das eigentlich kaum zu glauben. Wir konnten das neue Action-Adventure von Bandai Namco sogar bereits für einige Stunden begutachten und verraten euch, wie sich diese Anime-Adaption ohne Vorlage so spielt.

VideospielScarlet Nexus
Datum der Erstveröffentlichung25. Juni 2021
EntwicklerBANDAI NAMCO Studios
PlattformenPlayStation 5, PlayStation 4, Xbox One, Xbox Series, Microsoft Windows
GenreAction Adventure
HerausgeberBandai Namco Entertainment

Scarlet Nexus Vorschau: Neues vom Anime-Teenage-Herzschmerz-Schulalltag

Ein geselliges Kawaii in die Runde. Dieser Tage sind Spieler und Spielerinnen mit einer Flut an Anime-Versoftungen gesegnet. Das war allerdings nicht immer so: Sahen die 90er in Bezug auf japanischer Animation im Medium Videospiel noch ziemlich mau aus, startete im Zuge der Fusion von Bandai und Namco Mitte der 00er Jahre eine echte Anime-Offensive. One Piece, Naruto, Dragon Ball aber auch dieserorts weniger bekannte Schwergewichte wie etwa ein Sword Art Online, fanden ihren Weg auf die heimischen Spielekonsolen. Eben dieses Bandai Namco dreht aktuell den Spieß um: Warum nicht den Mittelsmann umgehen und keine bekannte Anime-Marke versoften – warum nicht einfach ein Spiel entwickeln, das auch ein Anime sein könnte? Bei diesen schelmischen Überlegungen kam zuletzt das ambitionierte Action-Adventure Scarlet Nexus an das Licht der Welt. 

In der Neuproduktion schlüpfen Spieler und Spielerinnen entweder in die Rolle der Vorbildschülerin Kasane oder die des hochwohlgeborenen Yuito. Beide jung, gutaussehend und Anime durch und durch: Der Schmachtfaktor sprengt alle paar Minuten die Skala aufs neue. Gemeinsam ist man Teil der OSFOther Supression Force – eine Spezialeinheit aus hübsch gewachsenen und in sich gekehrten Jung Adults, die die letzten Horte der Menschheit vor den mysteriösen Others beschützen. Scarlet Nexus zelebriert dabei wie jeder gute Shounen Anime Rangfolgen der OSF, Spezialkräfte der Kadetten und Teenage-Herzschmerz-Emophantasien.

Scarlet Nexus Vorschau: Anime-Adaption ohne Vorlage

Die Lore, die dem Ganzen zu Grunde liegt, wirkt ziemlich saftig, aber zeitgleich auch sehr erdrückend. Wie bereits herausgestellt, beruft sich die Welt von Scarlet Nexus nun mal nicht auf einen Anime. Neueinsteiger und das sind ja de facto alle Spielerinnen und Spieler, bekommen zur Begrüßung erst einmal ein Brett vor den Kopf gedonnert. Warum wachsen den Kadetten Kabelschläuche aus dem Rücken? Was hat es mit den Others und den omnipräsenten Blumen, die aus ihnen herauswachsen auf sich? Was ist eigentlich ein Scarlet Nexus? Alles Fragen, auf die man zumindest in der dreistündigen Demoversion, in die wir reinschnuppern konnten, selbst eine Antwort finden musste. 

Schade ist aber definitiv, dass jetzt schon abzusehen ist, dass die Story von Scarlet Nexus ein wahres Standbildfest wird. Wie so viele andere Spiele auch, entschied man sich hier auf kostengünstige Textwüsten zu setzen, anstatt auf sauber inszenierte und animierte Zwischensequenzen. Ab und an gibt es dann mal wundervolles Bewegtmaterial, aber auch nur um dann nach wenigen Augenblicken wieder ernüchternd in die Trägheit des Anime-Stoptanzes abzudriften. Schade, denn in Bewegung würde man der Erzählung sicherlich einiges von seinem Cringe-Faktor nehmen können.

Das sehen wir ja anders als Kasane und langweilige Standbildfeste sind uns auch nicht egal.

Wobei man sich mittlerweile auch einmal eingestehen könnte, dass schmachtende Oberschüler mit außergewöhnlichen Fähigkeiten zwar zu den Standard-Narrativen in Animes gehören, aber eigentlich nicht mehr in das Jahr 2021 passen. Ein Persona 5 Strikers vom Konkurrenten Atlus fällt ab und an zwar auch in diese Schlaglöcher, scheint den Wandel der Welt aber dennoch durchaus feinfühliger einzufangen. Nur weil man zum hundertsten Mal sein Cringe Me Baby One More Time spielen kann, muss man das ja vielleicht gar nicht machen. Wie viele von diesen Haaren schlussendlich aber tatsächlich in der servierten Scarlet Nexus-Suppe schwimmen werden, kann uns nur das fertige Spiel zeigen – vielleicht tun wir dem Oberkellner hier auch unrecht.

Scarlet Nexus Vorschau: Platinum-Flow und Elektro-Germans

Klingt bisher nach ganz schön viel Nörgelei, oder? Keine Sorge jetzt kommt der U-Turn: Gameplay fetzt. Was Scarlet Nexus auf der inhaltlichen Ebene versäumt, gleicht man in der dreistündigen Demo mit Hochglanzgameplay aus, das man eher bei einem Platinum Games als bei Bandai Namco verorten würde. Kämpfen bedeutet in Scarlet Nexus tanzen. Auf einen physischen Hieb hat eine telekinetische Attacke zu folgen und umgekehrt. Dann bleiben eure „Mana“-Werte im reinen, dann lässt sich ordentlich austeilen. Spielt man nicht nach diesen Regeln, spielt man im Grunde gegen das Spiel und landet schnell im Niemandsland des Game Over-Screens. Für die Person hinter dem Gamepad heißt das wiederum im Flow bleiben, Lücken suchen, finden und auszunutzen. Blitzschnell nachdenken. Man könnte auch sagen: Genau das, was man von einem guten Action-Adventure à la Devil May Cry oder Bayonetta erwartet.

Scarlet Nexus hat auch fordernde Bosskämpfe zu bieten.

Zusätzlich gibt Scarlet Nexus Kasane oder Yuito noch weitere Kadetten an die Hand, mit denen man via SAS Brain Connection ihre Fähigkeiten nutzen kann. Da gibt es zum Beispiel einen eitlen und eingebildeten deutschen Kadetten-Kumpel, mit dem wundervoll doofen Namen Shiden Ritter, der mit seinen Elektro-Fähigkeiten die Others brutzelt. Ein Tastendruck genügt und ihr kämpft für kurze Zeit mit seinen Kräften in der Hinterhand weiter. Das ist besonders praktisch, da teilweise auch die (zugegeben triste) Umgebung von Scarlet Nexus in die Kämpfe mit einbezogen werden kann. Heißt: Bekommt ihr die fiesen Others pitsche und patsche nass, dann brutzeln sie bei Elektro-Hieben doppelt. Im Grunde umgeht man durch die anderen Kadetten auf geschickte Art und Weise das sonst so obligatorische Weapon-Wheel im Genre. Entscheidend im fertigen Spiel wird letztendlich aber sein, wie viele Weggefährten euch Scarlet Nexus an die Seite stellt.

Das Grauen der Others geht in Scarlet Nexus oft mit roten Rosen daher.

Scarlet Nexus Vorschau: Abschließendes Fazit – Cool gegen Cringe

Was machen wir jetzt mit Scarlet Nexus? Gar kein so einfacher Fall, wenn ihr uns fragt. Für schmerzfreie Anime-Junkies bahnt sich nach den ersten drei Stunden mit dem Titel ein glasklares Must-Play an. Für alle anderen heißt es Cringe lass nach! – es entscheidet wohl das finale Gameplay über das Schicksal von Scarlet Nexus. Bleibt das so rasierklingenscharf, steht uns vielleicht der erste Sleeper-Hit in 2021 bevor, stumpft das Ganze mit fortlaufender Spielzeit ab, haben wir es mit einer verschreibungspflichtigen Schlaftablette zu tun. Die eigentliche Pointe sind wir euch allerdings noch schuldig: Wie man bereits offiziell bekannt gab, befindet sich derzeit bereits eine Anime-Adaption von Scarlet Nexus in Arbeit. 

Rubriklistenbild: © Bandai Namco

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare