Literally everybody was Kung-Fu fighting

Sifu im Test: Dieses Spiel lässt euch alt aussehen – Kung-Fu Dark Souls

  • Josh Großmann
    VonJosh Großmann
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Mit Sifu bringt der Entwickler Sloclap ein actionreiches Beat ‘em up, das nichts für schwache Nerven ist. Wir zeigen euch, worauf ihr euch einstellen könnt.

Magdeburg – Nach ihrem Debüt-Titel Absolver bringt das französische Studio Sloclap eine weitere Kampfkunst-Darbietung für PS4, PS5 und PC. Sifu überzeugte bereits in ausführlichen Previews mit flüssigem Gameplay und liebevoller Optik. Zwar könnt ihr in Sifu nicht gegen eure Freunde oder Online-Gegner*innen antreten, aber die zahlreichen Hürden, die euch in der Story erwarten, werden euch lange auf Trab halten. Wir zeigen euch, was in Sifu steckt.

Name des SpielsSifu
Release (Datum der Erstveröffentlichung)08. Februar 2022
Publisher (Herausgeber)Sloclap
EntwicklerSloclap
PlattformPS4, PS5, PC
GenreKampfspiel, Beat 'em up, Action-Adventure

Sifu im Test: Die wichtigsten Elemente im Überblick – So läuft das Spiel

Die Grafik: Zwar ist Sifu kein fotorealistisches Meisterwerk, aber dennoch kann sich der Art-Style sehen lassen. Mein Mitbewohner sagte beim ersten Anschauen: „Das sieht aus, wie ein gutes PS2-Spiel“ – aber das wird Sifu nicht ganz gerecht. Das Spiel erinnert an ein Gemälde im Comic-Style und bringt euch in überwucherten Lagerhäusern, neon-ausgeleuchteten Clubs und brennenden Kung-Fu-Schulen immer wieder Szenen, die zum Staunen anregen. Mit dem gemalten Look hat Sloclap einen zeitlosen Stil gewählt, der Sifu wohl in zehn Jahren noch gut aussehen lassen wird.

Sifu: Malerische Umgebungen bringen euch zum Staunen

Die Performance: Ich habe Sifu auf der PS4 getestet und war von der Performance begeistert. Die Ladebildschirme sind nie länger als 20 Sekunden und bis auf kleine Ruckler beim Betreten eines neuen Gebietes, kam es nie zum Frame-Einbrüchen. So kann man ungestört flüssige Combos auf große Mengen an Gegnern anwenden. Zwar kam ich auf der PS4 nur in den Genuss von 30 fps, aber das hat die Immersion für mich nie gebrochen. Auf PS5 und PC wird Sifu wohl durchaus besser laufen, aber wenn ihr (wie ich) nicht Next-Gen ready seid, werdet ihr Sifu trotzdem genießen können.

So gut spielt sich Sifu: Das Gameplay ist genauso flüssig, wie es die Trailer zu Sifu erwarten lassen. Die präzise Steuerung macht die fordernden Kämpfe zwar nicht leichter, aber sorgt für Spielspaß, der sich nur selten unfair anfühlt. Besonders die Interaktionen mit der Umgebung lassen die Spielwelt real wirken. So könnt ihr problemlos herumstehende Flaschen und herrenlose Hocker in die Gesichter eurer Gegner befördern. Die Möglichkeiten sind zwar nicht besonders zahlreich, machen aber dennoch Laune.

Sifu: Große Mengen an Gegnern bringen einen ins Schwitzen

Sifu ist nichts für schwache Nerven. Das Gameplay, die Combos und Mechaniken erinnern an Kampfspiele wie Tekken mit einer Prise Dark Souls und erfordern sehr viel Übung, um alles aus ihnen herauszuholen. Da ich immer mehr ein Smash-Bros.-kinda-guy war, habe ich mich mit den combolastigen Kämpfen, die auch schon im Test zu Absolver für gespaltene Meinungen sorgten, schwergetan, aber alle Kampfspiel-Fans sollten mit Sifu auf ihre Kosten kommen.

Die Probleme: Anfänger*innen werden ihre Probleme haben, die Sloclap mit einigen Features im Keim ersticken könnte – jedoch richtet sich Sifu, so wie es jetzt ist, eher an Gamer*innen, die Erfahrung mit dem Genre haben. Mein größtes Problem mit Sifu ist das Progression-System, das euch hin und wieder mit einem Fragezeichen über dem Kopf zurücklässt. Ihr werdet dazu gezwungen, ein Level ein weiteres Mal zu spielen, wenn ihr beim ersten Mal nicht gut genug wart – mehr dazu weiter unten im Test.

Sifu im Test: Die Story – Rache, die den Tod überdauert

Die Story: Sifu schmeißt euch zunächst in eine Handlung, in der euch nicht direkt bewusst wird, dass ihr der Bösewicht seid. Im etwa 15-minütigen Tutorial-Segment spielt ihr den Anführer der Antagonisten und erledigt euren alten Meister, euren Sifu, und seine gesamte Familie. Darunter auch den Charakter, den ihr im Rest des Spiels verkörpern werdet. Damit setzt ihr die Story in Gange, die nicht nur von jeder Menge Kung-Fu, sondern auch von einem Funken Magie geprägt ist.

Sifu: Die Story beginnt mit der Ermordung eures Vaters

Euer Vater war im Besitz eines mysteriösen Amuletts, das euch und euren Durst nach Rache wiederbelebt. Somit macht ihr es euch zur Aufgabe, die fünf Mörder eurer Familie in einem modernen chinesischen Setting ausfindig zu machen und ihrem Schöpfer zu übergeben. Jeder von ihnen besitzt magische Kräfte, die euch in den Kämpfen aber nicht vollkommen machtlos dastehen lassen. Die Kräfte sind mehr für Style-Points gedacht, sodass ihr euch nicht vor fliegenden Feuerkugeln oder aus Fingern abgefeuerten Blitzen in Acht nehmen müsst. 

Sifu im Test: Gameplay im Detail – Literally everybody was Kung-Fu fighting

Das Gameplay: Sifu bietet euch über 150 verschiedene Moves, die von chinesischem Pak Mei Kung-Fu inspiriert sind. Neben leichten und schweren Angriffen, die in vielen verschiedenen Combos anwendbar sind, könnt ihr selbstverständlich auch parieren und ausweichen. Neben euren treuen Fäusten gibt es auch verschiedene Gegenstände, die sich als Waffen nutzen lassen. Schlagwaffen, Stabwaffen, Klingenwaffen und kleine werfbare Objekte machen eure Umgebung zu eurem besten Freund.

Sifu: Jeder will euch mit Kung-Fu-Künsten zur Strecke bringen

In Sifu beherrscht nämlich so ziemlich jeder Kung-Fu und niemand hat Angst, es gegen euch einzusetzen. Somit kommt ihr oft in Situationen, in denen ihr Mal eben acht Gegner gleichzeitig bekämpfen müsst. Combos lassen sich mühelos mit dem Bewegen des Sticks auf den richtigen Gegner anwenden und auch zwischen einzelnen Schlägen könnt ihr euer Ziel ziemlich präzise wählen – auch ohne große Indikatoren im HUD.

Nichts als Kämpfe: Bis auf Schlägereien erwartet euch aber nicht besonders viel in Sifu. Zwar gibt es eine kleine Auswahl an Collectibles und Secrets, die ihr entdecken könnt, aber Sloclap hat den Fokus definitiv auf das Gameplay gelegt. Selbst neue Moves freizuschalten, fühlt sich wie eine Nebensache an. Euch werden von Anfang an die wichtigsten Fähigkeiten gegeben, mit denen ihr jeden Gegner ausschalten könnt – neue Combos bringen euch deshalb nur bedingt weiter.

Sifu im Test: Einzigartige Spielmechanik mit Frustfaktor – Bloß nicht sterben

Aufstehen oder Aufgeben: Das magische Amulett eures Vaters begleitet euch in Sifu und bringt eine extrem interessante Spielmechanik. Wenn eure Lebenspunkte auf null fallen, seid ihr nicht direkt tot, sondern bekommt die Möglichkeit, am Punkt eures Todes direkt wieder einzusteigen. Jedoch hat die mächtige Kraft ihren Preis. Ihr zahlt mit eurer Lebenszeit und werdet älter, je öfter ihr es benutzt. Mit eurem Alter werden eure Schläge härter, aber dafür verringern sich eure Lebenspunkte.

Sifu: Euer magisches Amulett kann euch wiederbeleben

So alt könnt ihr werden: Ihr startet als 20-Jährige*r und werdet mit jedem Wiedereinstieg ein kleines Stück älter. Um wie viele Jahre hängt davon ab, wie oft ihr bereits in diesem Versuch gestorben seid. Beim ersten Mal ist es nur ein Jahr. Beim zweiten Mal, werdet ihr zwei Jahre älter, beim dritten Mal, sind es drei Jahre – ihr könnt euch denken, wie es weitergeht. Zwar lässt sich euer Death-Counter mit dem Besiegen starker Gegner um je 1 zurücksetzen, aber wenn ihr euch nicht anstrengt, erreicht ihr so ziemlich schnell das maximale Alter von 80. Danach müsst ihr das Level von vorn starten.

Sifu: Euer spielbarer Charakter altert sichtlich

Das Problem: Wer sich im ersten Level etwas gehen lassen hat, wird im nächsten Level im hohen Alter starten. In Sifu geht es also darum, so perfekt wie möglich zu spielen und dabei bestenfalls gar nicht zu sterben. Ich habe das erste Level im Alter von 55 abgeschlossen und mir wurde schnell bewusst, dass ich Sifu so nicht meistern kann. Also heißt es: zurück ins erste Level und den Run optimieren. Ähnlich wie in Soulsborne-Spielen will man so vielen Kämpfen wie möglich aus dem Weg gehen, um dem Boss mit möglichst geringem Risiko gegenüberzutreten. Optional kann man sich den Kämpfen so oft stellen, bis man jeden Dreh raus hat und problemlos ans Ende der Level kommt.

Das kann einem schon einmal die Laune verderben, wenn man auf dem Weg zum Boss zu oft stirbt. Zwar schaltet man mithilfe von Schlüsseln, Key Cards und Codes Abkürzungen frei, die einem bei nächsten Versuchen längere Passagen umgehen lassen, jedoch kommt man sich nur bedingt belohnt vor, wenn man weiß, dass man das Level noch ein zweites oder drittes Mal spielen muss.

Sifu im Test: Nichts für schwache Nerven – Fazit

Das Gute: Man merkt eindeutig, dass Sloclap mit Sifu etwas Besonderes erschaffen wollte. Mit kaum vergleichbaren Titeln und Mechaniken bekommt man ein einzigartiges Spielerlebnis, das einen nicht an die Hand nimmt. Ohne viel Schnickschnack konzentriert sich Sifu auf das Wichtigste: das Gameplay – und das mit vollem Erfolg. Die flüssigen Bewegungen während der Non-Stop-Action machen Spaß und verlangen gleichzeitig viel Aufmerksamkeit und Konzentration – ich habe zwar nicht viel Ahnung von Martial Arts, aber man kommt sich vor, als würde man selbst Kung-Fu ausüben.

In Sifu kommt es darauf an, sich schwierigen Situation immer wieder zu stellen, bis man sie mit Perfektion beherrscht. Die Meisterung der einzelnen Begegnungen mit dem Feind sind wichtiger als fancy Upgrades und Buffs. Die Bosskämpfe, sowie das Ausweichen/Parieren sind das, was am ehesten an Spiele wie Sekiro: Shadows Die Twice erinnert. Beinahe wie in einem Tanz muss man sich Feinden stellen, die nicht nur besonders stark, sondern auch mit speziellen Moves ausgestattet sind. Einen Bosskampf beim ersten Mal ohne zu sterben zu schaffen, fühlt sich ziemlich unmöglich an.

Neben dem Gameplay überzeugt Sifu aber auch mit Optik und Performance. Malerische Umgebungen und passende Soundtracks machen es leicht, sich im Gameplay zu verlieren. Ohne lange Unterbrechungen durch Cutscenes kann man sich ohne Abschweife auf die Kämpfe konzentrieren, in denen man auch beim dritten Versuch neue Möglichkeiten findet, seine Feinde zur Strecke zu bringen.

Sifu im Test: Dieses Spiel lässt euch buchstäblich alt werden – Nichts für Anfänger*innen

Das Schlechte: Leider ist Sifu nicht ganz anfängerfreundlich und macht es schwer, sich seinen Fehlern bewusst zu werden. Welche Combos gegen welche Angriffsmuster effektiv sind, muss man durch Trial-and-Error selbst in Erfahrung bringen. Zwar werden manche Angriffe durch etwa leuchtende Hände angekündigt, jedoch verrät Sifu nicht genau, was in solchen Situationen zu tun ist. Fehlende Hilfestellungen machen Sifu zwar zu einer beeindruckenden Herausforderung, doch kleine Hilfen zum Ausführen von Combos würden Einsteiger*innen des Genres mehr Kontrolle geben.

Das Progression-System ist eine Wissenschaft für sich, die man ebenfalls nur durch Ausprobieren erlernen kann. Während man Gegenstände behält, verliert man seine Upgrades nach dem Tod. So entsteht ein Gameplay-Loop, in dem man sich sicher ist, dass man beim nächsten Versuch wieder sterben muss. Man steckt sich Mini-Ziele, die unweigerlich darin enden, die Level wieder von vorn zu spielen. Viele Sektionen machen zwar ziemlich Laune, aber einige Gegner sind frustrierend und ihnen etliche Male gegenüberzutreten, bis man sich wieder an den Boss wagen kann, fühlt sich alles andere als belohnend an.

Sifu im Test: Unser Fazit zur bockschweren Kung-fu-Choreographie in Videospielform.

Alles in allem... ist Sifu ein sehr interessantes Spiel, das viele neue Mechaniken ausprobiert, die sich in keinem anderen Game finden lassen. Während das Gameplay fordernde Kämpfe der Extraklasse bietet, ist Frustration durch das Streben nach Perfektion vorprogrammiert. Wer sich mit Kampfspielen auskennt, wird in Sifu eine einmalige Herausforderung finden können – jedoch sollten sich Novizen im Klaren darüber sein, dass sie auf Schwierigkeiten stoßen werden. Außerdem solltet ihr eine Sonnenbrille parat haben, wenn ihr Sifu spielen wollt. Die grellen, weißen Menüs haben mir beinahe die Augen ausgebrannt.

ProCon
+ extrem flüssiges Gameplay- frustrierender Gameplay-Loop
+ fordernde Kämpfe- verwirrendes Progression-System
+ einzigartige Spielmechaniken- kaum anfängerfreundlich
+ große Auswahl an Moves- Gameplay fühlt sich wenig belohnend an
+ kein Story-Schnickschnack
+ zeitlose Optik und spannende Spielwelt

Rubriklistenbild: © Sloclap

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