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Skyward Sword HD im Test: Breath of the Old

  • Jonas Dirkes
    VonJonas Dirkes
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Skyward Sword HD soll die Schmach des Wii-Titels wieder ungeschehen machen. Wie sich das Nintendo Switch Remaster schlägt, lest ihr in unserem Test.

Hamburg – Es ist der Sommer 2010. Nintendo präsentiert auf der E3 den neusten Teil der The Legend of Zelda Reihe. Ein großes Spektakel. Shigeru Miyamoto posiert mit Masterschwert und Schild, springt durch einen Bildschirm auf die Bühne und dann beginnt das Debakel. Wiimote-Schwert und Nunchuck-Schild sind von digitalem Schluckauf geplagt. Ein gezieltes Schwingen wird zum Schlenkern, wird zum panischen Fuchteln. Nintendo und Skyward Sword konnten sich von dieser Schmach bis heute nicht erholen. Konsequenzen der Tiefen Schnitte in der japanischen Firmenehre: Man verabschiedete sich bei Nintendo vom Konzept der Pressekonferenz und Skyword Sword wird einer der wenigen Zelda-Teile, der nicht seinen Weg in die Pop-Kultur gefunden hat. Kann Skyword Sword HD für die Nintendo Switch diese Wunden über 10 Jahre später heilen?

Release (Datum der Erstveröffentlichung)16. Juli 2021
Publisher (Herausgeber)Nintendo
SerieThe Legend of Zelda
PlattformNintendo Switch
EntwicklerNintendo
GenreAction-Adventure

Skyward Sword HD im Test: Alte Wunden, alte Texturen – Was war noch gleich HD?

Unsere ehrliche Antwort: Nein, heilen kann auch ein Skyward Sword HD nicht. Viel hat sich im Staate Hyrule nämlich gar nicht getan. Die Nintendo Switch Neuauflage von Skyward Sword ist großteils ein schlichtes Remaster der Wii-Version von 2011. Runtergebrochen heißt das, man hat mit genau dem gearbeitet, was bei Nintendo noch so herumliegen hatte. Hier geht es nicht um frische Inhalte, neue Texturen oder mutige Interpretationen des Ursprungsspiels.

Links Morgenroutine erinnert uns frapide an die eigene.

Skyward Sword HD beruft sich auf seinen Namen und bringt den Wii-Titel auf die Nintendo Switch – in einer Auflösung, die zumindest Nintendo als HD bezeichnen würde. Hat man die Switch in der Hand (oder schlimmer noch im Dock!) zeigt sich das Ausmaß der Matschigkeit. Bitte nicht hauen Nintendo, das ist schon HD, aber die Textursümpfe, durch die man Link waten lässt, sehen am Röhrenfernseher vermutlich genau so knackig aus. Hier zumindest einmal nachzubessern wäre das Mindeste gewesen. Für Charaktermodelle hat man in 2011 scheinbar mehr übrig gehabt, die können sich in Skyward Sword HD nämlich wirklich noch sehen lassen. So stellen wir uns „HD“ schon eher vor, schade, dass man das nicht auch von den Umgebungen in Skyward Sword HD behaupten kann.

Skyward Sword HD im Test: Träumen wir? – Joy-Cons machen Wii Motion Plus lange Beine

Jetzt aber der Punkt, auf den alle gewartet haben: Wie steuert sich Skyward Sword HD denn auf der Nintendo Switch? Immerhin trieb genau das, den damals lang ersehnten Titel in die kulturelle Belanglosigkeit. Skyward Sword sollte als großer System-Seller für das heute fast gänzlich vergessene Wii Motion Plus fungieren. Wii Motion Plus war ein Dongle, das sich an der Unterseite der Wiimote befestigen ließ und damit die genaue Bewegung des Controllers im Raum erfassen sollte. Skyward Sword HD hat auf der Nintendo Switch natürlich kein Wii Motion Plus zur Hand. Wie hat man das Schwert-Schwinge-Dilemma also gelöst? Immerhin ist das Gameplay von Skyward Sword HD auf präzise Richtungseingaben ausgelegt.

Skyward Sword HD im Test: Breath of the Old

Zum einen gibt es eine Knopfsteuerung, die grundlegend gut funktioniert. Das Schwert wird hier mit dem rechten Stick statt einem Tastendruck geschwungen. Leider macht dadurch die widerspenstige Kamera einen Strich durch die Spielspaßrechnung. Die lässt sich so nur mit einem Druck auf eine weitere Taste justieren, dann lässt sich das Schwert aber nicht mehr schwingen. Wie man es auch nimmt: Dynamische Kämpfe sind so nicht drin, unspielbar ist Skyward Sword im Tastenmodus aber auch nicht.

Auf der anderen Seite gibt es da noch die Bewegungssteuerung mit den Joy-Cons. Wir wissen wie verrückt das klingt und können es gar nicht fassen, dass wir so etwas wirklich schreiben, aber… das Fuchteln ist der Tastensteuerung merklich überlegen. Tatsächlich erkennen die kleinen Joy-Cons Bewegungen viel besser, als das die Wiimote jemals konnte. Schlag nach rechts Oben, Link macht Schlag nach rechts Oben. Schneller Stich nach vorn, Link macht schnellen Stich nach vorn. Von 20 Eingaben ging in unserem Test vielleicht eine daneben. Gleichzeitig lässt sich die Kamera drehen und Skyward Sword erleben, wie Miyamoto-San und Aonuma-San sich das wohl ursprünglich vorgestellt haben. 

Charaktermodelle sind gelungen in Skyward Sword HD – der Rest eher verwaschen und matschig.

Ansonsten bleibt aber eigentlich alles beim Alten. Wolkenvögel, Phai-Generve und noch echte Dungeon-Action. Skyward Sword ist die Art von Zelda, die Breath of the Wild leider nicht mehr sein möchte. Dennoch bereitete der Titel mit Kniffen wie der Ausdauerbar den Weg für den System-Seller der Nintendo Switch. Es ist einfach schön solch ein klassisches Spiel neben den aktuellen Ausflügen der Serie auf der Switch zu sehen. Neu ist in dem Zuge übrigens der Einsatz eines separaten Zelda-Amiibos, mit dem man in Dungeons einen Checkpoint setzen und in die Wolken zurückkehren kann. Das Hätte man entweder allen Links dieser Welt zugänglich machen oder sich einfach komplett sparen können – ein ziemlich belangloses Feature, wenn ihr uns fragt.

Skyward Sword HD im Test: Fazit zum Remaster für die Nintendo Switch

Symbolbild Skyward Sword HD: Genuss und Textur-Matsch liegen nah bei einander

Skyward Sword ist das ungeliebte Kind der Reihe: Immer übersehen, hat aber eigentlich wahnsinnig viel auf dem Kasten, wenn man ihm nur seine Aufmerksamkeit schenkt. Schade, dass der Titel selbst für sein Switch Remaster so stiefmütterlich von Nintendo behandelt wurde. Mehr als eine aufpolierte Version des zehn Jahre alten Wii-Spiels ist Skyward Sward HD nicht. Und wo nur poliert wird, kommen die ursprünglichen Macken zum Vorschein, die 2011 noch durchgewunken wurden. Texturen feiern ein ausschweifendes Matschfest, das heut einfach nur altbacken wirkt.

Alle, die Skyward Sword noch nicht genossen haben, bekommen mit der HD-Version für die Switch dank überraschend gelungener Bewegungssteuerung dennoch die derzeit beste Version des Spiels vorgesetzt. Die Schmach von einst macht das aber nicht wett. Skyward Sword kanalisiert den Atem der alten Welt in seinen Lungen – spielerisch ist das wundervoll, technisch heutzutage mangelhaft. Was in den Köpfen bleibt, ist der verzweifelt auf der E3 fuchtelnde Miyamoto, der danach solche öffentlichen Auftritte mied, wo es nur ging. Schade Nintendo! Da ging mehr. Da ging Ehrenrettung. Da ging Resident Evil 2. Da ging Liebe für die Ungeliebten.

ProContra
+ Beste Version von Skyward Sword– Matschige Texturen
+ Gelungene Bewegungssteuerung– Remaster ohne viel Detailliebe
+ Ansehnliche Charaktermodelle– Unnötiger Amiibo-Support
– Tastensteuerung mit kleinen Macken

Rubriklistenbild: © Nintendo

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