Wind, Entfernung, Ruhig halten, Feuern

Sniper: Ghost Warrior Contracts 2: Taktisches Distanzgeballer in der Vorschau

  • Joost Rademacher
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Wer sich gern die Zeit für den perfekten Schuss nimmt, darf sich auf Sniper: Ghost Warrior Contracts 2 freuen. Wir haben schon ein paar Schüsse feuern dürfen.

Hamburg – Die Sniper: Ghost Warrior-Reihe ist ein interessantes Kleinod im ohnehin schon speziellen Genre der Taktik-Shooter. Im öffentlichen Bewusstsein fliegt sie gern mal unter dem Radar, hat sich in den letzten 10 Jahren aber eine durchaus devote Community geschaffen. So hat die Reihe insgesamt bereits über 11 Millionen Spiele verkauft und mit Sniper: Ghost Warrior Contracts im Jahr 2019 den bisher am besten angenommenen Ableger erhalten. CI Games versucht jetzt, mit Contracts 2 an den immerhin moderaten Erfolg des Vorgängers anzuknüpfen. Wir durften uns schon für eine Stunde durch die Wüste schießen.

Release (Datum der Erstveröffentlichung)04. Juni 2021
Publisher (Herausgeber)CI Games
SerieSniper: Ghost Warrior
PlattformPC, PS4, PS5, Xbox One, Xbox Series X/S
EntwicklerCI Games
GenreEgo-Shooter, Taktik-Shooter

Sniper: Ghost Warrior Contracts 2: Der Schuss war ein Hit, Man

Dass CI Games mit dem neuen Teil von Sniper: Ghost Warrior den Untertitel Contracts im Namen behält, kommt nicht von ungefähr. Nach dem recht glanzlos gescheiterten Versuch, mit Ghost Warrior 3 in den AAA-Markt einzusteigen, hat das polnische Studio die Ambitionen mit Contracts zuletzt ein wenig zurückgefahren. Das Open World-Gameplay wurde gestrichen, stattdessen bot eine Handvoll einzelner Maps jeweils mehrere Aufträge pro Location.

Eben dieses System macht sich auch Sniper: Ghost Warrior Contracts 2 zunutze. Das Spiel schickt euch durch fünf separate Regionen, in denen ihr eine Reihe von Zielen bekommt und diese, in guter alter Sandbox-Manier, nach freier Wahl ausschalten könnt. Zusätzlich gibt es weitere Herausforderungen für jedes Ziel, bei denen sich CI Games ein wenig Inspiration von der Hitman-Reihe geholt haben muss.

Sniper: Ghost Warrior Contracts 2: Jeder Schuss auf ein Ziel will gut durchdacht sein

Ihr verdient zusätzliches Geld und Upgradematerialien, indem ihr Aufträge mehrfach ausführt und die Ziele unter bestimmten Bedingungen ausschaltet. Je kreativer ihr die Umgebung nutzt und je weniger ihr euch dabei bemerkbar macht, desto bessere Belohnungen springen dabei raus. Klingt ganz nach dem stillen Mörder mit Fleischmütze und Barcode. Als der Scharfschütze, den ihr nun einmal in Sniper: Ghost Warrior Contracts 2 spielt, werdet ihr aber weniger Zeit mit listigen Tarnungen und Menschenmengen verbringen. Viel mehr sollten eure Augen hinter Fernglas und Zielfernrohr kleben.

Sniper: Ghost Warrior Contracts 2: Weder Wind noch Wetter...

Die Regionen, in denen ihr in Sniper: Ghost Warrior Contracts 2 unterwegs sein werdet, werden euch reichlich Gelegenheiten für eure Schießkünste geben. CI Games hat die fünf Missionsgebiete nach Weitschussaufträgen und Standardaufträgen aufgeteilt und will im Spielablauf ein wenig mehr Abwechslung schaffen. Die Standardaufträge behalten weitestgehend das Gameplay vom Vorgänger bei. In Regionen mit Weitschussaufträgen hingegen müsst ihr euch zu Scharfschützenposten vorkämpfen, um von da aus Ziele über besonders hohe Entfernungen auszuschalten. Genau so einen Auftrag durften wir für unsere Preview-Zwecke durchspielen.

Sniper: Ghost Warrior Contracts 2: Schatz, ich hab nen Picknick-Platz mit toller Aussicht gefunden

Am Aussichtsposten angekommen setzt das Spiel euch einen Bereich vor, den ihr per Fernglas und Gewehr nach eurem Ziel absuchen müsst. Dann sind Geduld und Kreativität gefragt, denn das Scharfschützengewehr ist auf die gern weit über einen Kilometer hohen Entfernungen euer einziges Werkzeug. Ihr könnt die Umgebung beeinflussen, euer Ziel isolieren und dann mit einem kalkulierten Schuss möglichst glanzvoll ausschalten. Da fühlt sich das Spiel ein bisschen wie ein Wimmelbild an, in dem ihr bestimmte Objekte finden und markieren müsst – nur bedeutet „markieren“ hier hochpräzise Waffengewalt.

Eben diese Waffengewalt bleibt auch in Sniper: Ghost Warrior Contracts 2 so befriedigend wie von der Serie gewohnt – zumindest bei den Scharfschützengewehren. Wie üblich müsst ihr bei euren Schüssen Entfernung, Flugzeit und Wind einberechnen. CI Games hat aber zusätzlich nochmal die Entfernungen eurer Ziele, im Gegensatz zum Vorgänger, um einiges angehoben. Wenn dann ein Schuss über mehr als 1500 Meter sitzt und die altbekannte Bullet-Cam einsetzt, fühlt sich der Abschuss so richtig belohnend an. Die Kugel bei ihrem Flug bis zum Treffer mitzuverfolgen war schon in früheren Teilen eine Freude und bleibt auch in Contracts 2 ein kleines Highlight.

Sniper: Ghost Warrior Contracts 2: Alles beim Alten, in der Wüste wie in Sibirien

Nicht nur die Bullet-Cam wird wieder aus den früheren Teilen übernommen. Frei nach dem Motto ‚Never change a running system‘ scheint CI Games wohl abgesehen von den kleinen Änderungen in Missionen und Herausforderungen keine wirklichen Experimente zu wagen. Im Großen und Ganzen bleibt der Spielablauf in den Sandbox-Maps derselbe und vom Waffenhandling über die Nutzeroberfläche bis zu den verfügbaren Gadgets ist Contracts 2 fast deckungsgleich mit seinem Vorgänger. Statt sibirischem Schnee bekommt ihr in den Regionen hauptsächlich Wüstensand serviert, aber das ist schon die auffälligste Änderung.

Sniper: Ghost Warrior Contracts 2: Hab ich noch die Katze gefütt-

Auch die Story bleibt so wie im ersten Contractspraktisch non-existent. Am Anfang gibt es eine kleine Story-Sequenz, die den Rahmen für das Geschehen bilden soll, viel mehr Worldbuilding oder Charakter-Entwicklung ist aber wohl nicht zu erwarten. Darüber ist sich CI Games bewusst. Leveldesigner Daniel Sławiński erwähnte während unserer Anspielsession, dass der Fokus für Sniper: Ghost Warrior Contracts 2 nicht auf der Narrative liege. Vielmehr habe sich das Team zur Aufgabe gemacht, das Erforschen der Regionen und die Aufträge ansprechend zu gestalten.

Was sich wohl erst im Verlauf des vollständigen Spiels zeigen wird, ist, ob CI Games das technische Gerüst der CryEngine ein wenig besser im Griff hat. Das erste Sniper: Ghost Warrior Contracts litt noch unter matschigen Texturen und ruckeligen Zwischensequenzen. Sehr viel eindrucksvoller sieht es bisher auch bei Contracts 2 nicht aus, aber immerhin bieten die Wüstenlandschaften einige Weitsicht – Zwischensequenzen haben wir dagegen noch nicht anschauen können.

Sniper: Ghost Warrior Contracts 2: Taktisches Distanzgeballer in der Vorschau

Sniper: Ghost Warrior Contracts 2: Ausblick auf die Scharfschützen-Hatz

Mit Sniper: Ghost Warrior Contracts hat CI Games die eigenen AAA-Ambitionen zur Seite gelegt und einen etwas besser fokussierten Stil gefunden. Diesen Stil festigt das Studio mit Contracts 2 wohl noch weiter. Gut erscheint immerhin schon einmal, dass CI Games das, was Sniper: Ghost Warrior ausmacht, ein bisschen mehr in den Vordergrund rückt. Mit einem dicken Gewehr möglichst eindrucksvolle Abschüsse über große Distanzen abzugeben, fühlt sich immer noch belohnend an und die neue Missionsstruktur der Weitschussaufträge begünstigt dieses Gameplay noch mehr.

Als direkter Nachfolger bringt der Titel aber wohl mehr von der Scharfschützen-Kost, die auch 2019 schon serviert wurde. Nur die Tischdeko wurde von sibirischem Eis zu rustikaler Wüste getauscht. In unserem Ersteindruck ist Sniper: Ghost Warrior Contracts 2 letzten Endes mehr vom Selben. Allzu viel wird sich daran bis zum Release am 04. Juni 2021 wohl auch nicht ändern. Wer das erste Contracts mochte, wird hier wohl wieder einigen Spaß finden. Wer die Reihe bisher verschmäht oder verpasst hat, wird sich aber auch nicht dazu überredet sehen, mit Contracts 2 nachträglich einzusteigen.

Rubriklistenbild: © CI Games

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