Pures Abenteuer

Tales of Arise im Test – Von Unterjochung, Aufstand und einer epischen Reise

  • VonDaniel Meyer
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Mit Tales of Arise, dem neusten Teil der Tales-Saga, will Bandai Namco Fans in eine packende Welt mit fesselnder Story ziehen. Ob das klappt, zeigt unser Test.

Hamburg – Wie Kenner es von bisherigen Tales-Games gewohnt sind, kommt auch mit Tales of Arise wieder ein absolutes Rollenspiel-Highlight daher, welches sich JRPG-Fans nicht entgehen lassen sollten. Eine packende Geschichte, ein düsteres Konzept, actiongeladene Kämpfe sowie ein Quantensprung in der Optik lassen die Herzen von Fans höher schlagen. Doch ein paar Kritikpunkte muss sich der neueste Teil der Reihe doch gefallen lassen.

Name des SpielsTales of Arise
Release (Datum der Erstveröffentlichung)18. August 2021
Publisher (Herausgeber)Bandai Namco Entertainment
SerieTales-Saga
EntwicklerBandai Namco Studios
PlattformPS4, PS5, Xbox One, Xbox Series X, PC
GenreJRPG

Tales of Arise im Test: Ohne Erinnerung – Ein Sklave aus der Asche

In Tales of Arise finden wir uns auf dem Planeten Dahna wieder, an dessen Firmament sich auch die Zwillingswelt Rena finden lässt. Vor 300 Jahren herrschte auf Dahna ein düsterer Krieg, den die technisch weit überlegenden Renaner gewannen. Seither wurde die Welt in fünf Regionen unterteilt, in denen die Bewohner von Danah in Sklaverei leben und unter den abscheulichsten Bedingungen ausgebeutet werden.

Tales of Arise im Test: Ohne Erinnerung – Ein Sklave aus der Asche

Wir finden uns zum Spielstart in der Region Orbus Calaglia wieder, eine Feuerwüste in der die Menschen Leben, Schuften und Sterben. Hier schlüpfen wir auch in die Rolle des eigentlichen Protagonisten des Spiels, einem jungen Mann mit einer Eisenmaske, der unter Amnesie leidet. Wie das Schicksal so oft spielt, finden wir uns alsbald in einem Konflikt mit einer Gruppe Rebellen wieder und schließen uns diesen an, denn unser Held kann die Ausbeutung der Menschen von Danah nicht mehr mit ansehen. So beginnt eine Reise, um die fünf Herrscher der verschiedenen Regionen der Welt zu besiegen, mit dem Ziel den Menschen die Freiheit zu schenken.

Tales of Arise im Test: Spannendes und frisches Setting mit soliden Charakteren

Fans der Tales-Reihe wissen, dass man gerade hinsichtlich der Story großes erwarten darf und so ist dies auch in Tales of Arise wieder der Fall. Von Anfang bis Ende bleibt die Geschichte spannend, was insbesondere den zahlreichen Wendungen zu verdanken ist. Auch das persönlich Miträtseln trägt dazu bei – denn viele Hintergründe bleiben uns zum Beginn noch verbogen. Eines sei verraten: Fünf Herrscher zu besiegen reicht natürlich nicht unbedingt aus um langfristigen Frieden zu erreichen, zumal sich im Laufe der Geschichte mehr Fragen auftun als Antworten geliefert werden.

Tales of Arise im Test: Spannendes und frisches Setting mit soliden Charakteren

Während der Spieldauer werden wir gewohnt langsam und ohne überfordert zu werden, an die komplexen Mechaniken und Kampfsysteme des Spiels herangeführt. Dies braucht seine Zeit, und mit einer Spiellänge von 60-80 Spielstunden gibt es hier auch genügend Gelegenheiten in das Spiel einzutauchen. So gesellen sich auch nach und nach immer mehrere Charaktere unserer Gruppe hinzu, die allesamt mit einer soliden und tiefgreifenden eigenen Geschichte daherkommen.

Insgesamt stehen uns sechs Charaktere zur Verfügung, von denen immer vier simultan in einer Party auf dem Schlachtfeld kämpfen können. Dabei können die Charaktere auf ganzer Linie überzeugen, auch wenn das Charakterdesign für manchen Geschmack eine Ecke zu erwachsen daherkommen mag. Uns fehlte am Ende des Tages dieser eine ganz besonderer Lieblingscharakter mit besonders quirligen Eigenschaften – wie wir diese schon in anderen Ablegern der Reihe präsentiert bekommen haben - wie bspw. Magilou aus Tales of Berseria oder Rita Mordio aus Tales of Vesperia. Am Ende fällt Tales of Arise vielleicht eine Spur zu ernst aus, auch wenn humoristische Noten durchaus vorzufinden sind.

Tales of Arise im Test: Das grindige Erfolgsrezept der Tales-Reihe

Einen Kampf nach dem anderen absolvieren und in Button-Mashing-Manier Gegner zu Kleinholz verarbeiten. Klingt langweilig? Nicht bei der Tales-Reihe, denn hier sorgt der Entwickler für besonders viel Abwechslung, die nun nahezu perfektioniert wurde. Auf unseren Reisen durch die 3D-Areale der Welt stoßen wir immer wieder auf Monster, die es zu bezwingen gilt. Diesen kann zwar oft auch aus dem Weg gegangen werden, doch verzichtet man dann auf Erfahrungspunkte und Materialien, die später fürs Crafting genutzt werden können.

Tales of Arise im Test: Das grindige Erfolgsrezept der Tales-Reihe

Die Kämpfe finden in gewohnten kleinen runden Arenen statt, in denen wir mit bis zu vier Charakteren gleichzeitig kämpfen können. Wir selbst übernehmen die direkte Steuerung einer Figur, wohingegen die anderen von der CPU übernommen werden. Auch auf hohem Schwierigkeitsgrad funktioniert dies sehr gut und ist selten Auslöser für Frust. Ein ausgefeiltes Taktikmenü bietet uns zudem die Möglichkeit das Verhalten der Party weiter zu optimieren, was sehr tief ins Detail geht. Aber was dem Kampfgeschehen den besonderen Charme verleiht, sind insbesondere die einzigartigen Charaktere sowie die Artes.

Jeder einzelne Charakter kommt in Tales of Arise nicht nur unglaublich solide daher und lässt sich toll und unterhaltsam in den Kämpfen steuern, auch hat jeder von diesen ganz besondere Eigenschaften. Der Faustkämpfer Law prügelt mit schnellen Hieben auf seine Gegner ein und wird er für einen längeren Zeitraum nicht selbst getroffen, so erhöht sich dessen Angriffskraft. Die ernste Kisara, die als Leibwache für einen Renanischen Herrscher gearbeitet hat, kommt hingegen mit einem großen Schild daher. Wo wir mit anderen Charakteren per Knopfdruck und richtigen Timing ausweichen und sogar Kontern können, da sucht Kisara vielmehr den direkten Kontakt. Durch das Blocken kann sie selbst Konter einleiten aber auch heranstürmende Feinde stoppen und betäuben.

Tales of Arise im Test: Artes sorgen für Abwechslung und Spielspaß

Für zusätzliche Abwechslung sorgen in den Kämpfen die Artes. Dies sind spezielle Kampftechniken - egal ob Magie oder Nahkampf - mit denen wir unseren Gegnern einheizen können. Im Verlauf des Spiels schalten wir so immer neue Artes frei, die für weitere Individualisierung und Abwechslung sorgen. Schade ist nur, dass zum Spielstart nur drei Artes auf dem Gamepad belegt werden können – drei für den Kampf auf dem Boden sowie drei für den Kampf in der Luft. Erst nach rund 30 Spielstunden kommt eine weitere Funktion dazu, sodass mit gedrückter Schultertaste je drei weitere Artes zugeordnet werden können – leider ist dies doch reichlich spät.

Tales of Arise im Test: Artes sorgen für Abwechslung und Spielspaß

Auch ist schade, dass gerade im Endgame des Spiels die normalen Gegner immer größer werden und unfassbar viel aushalten. Hier fehlt klar weiteres Polishing, denn das Gezerge bereitet nur noch mäßig viel Spaß und zieht das Game unnötig in die Länge ohne Mehrwert zu liefern. Ebenso muss kritisch hinterfragt werden, ob das Kampfsystem, welches nicht mehr auf Mana sondern auf Aktionspunkten basiert, die richtige Designentscheidung gewesen ist. Anstelle von Mana gibt es nun die sogenannten Cure Points (CP), die für Buffs und Heilungs-Artes verbraucht werden. Normale Artes nutzen hingegen Aktionspunkte, die im Kampf nach wenigen Sekunden regenerieren. Das Resultat daraus ist, dass Artes im Spielverlauf sehr stark gespammt werden und der klassische Kampf ins Hintertreffen gerät. Dadurch kommt es gleichermaßen zu einem Verlust an Strategie sowie einem von Effekten überladenden Bildschirm.

Tales of Arise im Test: Kostüme, Artefakte, Ausrüstung und eine wunderschönen Welt

Die Inszenierung von Tales of Arise ist Bandai Namco ausgezeichnet gelungen, was allerdings auch dem immensen grafischen Sprung im Vergleich zu früheren Ablegern der Reihe zu verdanken ist. Die Welt kommt atemberaubend schön daher, bietet unglaubliche Szenerien zum bestaunen und vor allem die Partikeleffekte wissen zu begeistern. Dabei grasen wir, wie schon in den letzten Teilen der Serie, die Welt in 3D-Umgebungen ab, bereisen tiefe Urwälder, finstere Höhlen und steile Berggipfel. Das einzige Problem bei der kompletten Abkehr von der Weltkartensteuerung, wie man sie noch von Tales of Vesperia kannte, zeigt sich in Form der Orientierung auf. Der Spieler weiß nie ganz so genau wo auf der Welt er sich gerade befindet, was doch etwas schade ist. Etwas was auch mit Tales of Arise nicht gelöst werden konnte.

Was weitere Abwechslung und Individualisierung angeht, so müssen Fans hier nicht lange warten. Gerade hinsichtlich Accessoires und weiteren Kostümen lässt sich Bandai Namco nicht Lumpen, denn eine Vielzahl solcher lassen sich auch abseits des Stores mit etwas Zeit und Mühe erspielen, um den Charakteren einen neuen Look zu verpassen. Auch lassen sich in der Welt wieder gigantische seltene wilde Bosse finden, die wir zum Ende des Spiels nach und nach angehen können. Diese dienen als Artefaktlieferanten. Dies sind Objekte mit Anspielungen auf andere Games aus dem Hause Bandai Namcos und bieten uns im New Game+ einige zusätzliche Boni. Schade ist, dass damit das klassische Grad-System wegfällt, welches bisher auch einen Ansporn lieferte, noch effizienter zu kämpfen.

Tales of Arise im Test: Kostüme, Artefakte, Ausrüstung und eine wunderschönen Welt

Etwas unspektakulär geht es hingegen bei der Ausrüstung vor sich. Rüstungen und Waffen können im Laufe des Spiels bei Händlern erworben bzw. geschmiedet werden, wofür allerdings nur die nötige Anzahl an Rohstoffen vorausgesetzt wird. Auf besondere Spielereien hat Bandai Namco hier verzichtet. Spannender wird es allerdings beim Zubehör, welches mit bis zu fünf passiven Boni daherkommt – bspw. höherer Elementarschaden, geringere Aggro oder eine bessere Droprate für rare Items. Später lassen sich diese Boni mit etwas Aufwand sogar transferieren, sodass wir unsere Party ganz individuell nach unseren Wünschen optimieren können.

Tales of Arise im Test: Fazit – so schneidet das Spiel ab

Für Fans japanischer Rollenspiele gibt es an Tales of Arise kaum einen Weg vorbei. Eine epische Story, eine grandiose optische sowie akustische Inszenierung und ein abwechslungsreiches und packendes Kampfsystem begleiten uns durch den 60 bis 80 Stunden langen storylastigen Titel. Zahlreiche Storywendungen wissen immer wieder zu überraschen und die recht düstere Thematik mit Sklaverei und Ausbeutung ist innerhalb der Reihe nicht nur frisch, sondern schafft es, den Spieler auch ausgezeichnet emotional zu berühren. Gleichzeitig fällt das Ensemble an Charakteren äußerst ansprechend aus, auch wenn wir uns vielleicht noch etwas mehr Tiefgang bei der Geschichte der Antagonisten gewünscht hätten. Am Ende des Tages ist Tales of Arise ein absolut lohnenswerter Titel, der kaum Langeweile aufkommen lassen vermag.

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ProContra
+ Solides Charakter Ensemble- Gegner im Endgame mit „Schwammverhalten“
+ Abwechslungsreiche Charaktersteuerung- Schwierigkeitsgrad teils zu einfach
+ Soundtrack mit großartigem Orchester-Fokus- Mehr Gegnertypen wären wünschenswert
+ Herausragende Synchronisation- Bosse oft nicht originell genug
+ Gigantisches Arsenal an Artes- Kämpfe zu oft optisch überladen
+ Ausgezeichnetes Storytelling
+ Tolles Ausweichen-/Abwehren-System

Rubriklistenbild: © Bandai Namco Entertainment

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