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Test: A Way Out

Erstellt: Aktualisiert:

Von: David Oehlmann

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Wer braucht Escape Rooms, wenn man auch einen "richtigen" Gefängnisausbruch planen kann? A Way Out heißt der neueste Titel der Hazelight Studios, welcher sich auf der E3 2017 als einer der wenigen Lichtblicke der EA-Pressekonferenz entpuppte. Die Macher von Brothers: A Tale of Two Sons setzen auf geballte Koop-Action im 70er-Jahre Stil und fordern von euch vor allem eines: Teamwork. Wir haben uns für euch die PC-Version des Koop-Action-Adventures genauer angeschaut.

Jailhouse Blues

Schon wie bei Brothers dreht sich die gesamte Handlung von A Way Out um zwei Protagonisten. Doch entgegen der beiden Brüder haben Leo und Vincent auf den ersten Blick nur eines gemein: Sie sitzen beide im Knast. Beide haben ein ordentliches Portfolio an Straftaten, welches von schwerem Raub bis hin zu Mord reicht. Im Laufe des Prologs wird jedoch deutlich, dass die vermeintlichen Gangster hintergangen wurden und zwar vom selben Fiesling. Daher steht der Plan schnell fest: Ausbrechen und Rache nehmen.

Ohne zu viel von der Story verraten zu wollen, ist der Gefängnisausbruch jedoch lediglich der Einstieg in A Way Out. Außerhalb der schwedischen Gardinen verfolgt ihr euren Rachefeldzug, um euch und eure Familie zu schützen und eure Unschuld zu beweisen. Das klingt für euch ziemlich abgedroschen? Ist es auch! Denn eine ausgefeilte Story mit ordentlich Tiefgang hat das Koop-Adventure nicht wirklich zu bieten. Das ist aber das Todesurteil für den Budget-Titel, denn wer sich trotzdem auf das durchaus stimmige Ambiente einlässt, kann auch über eine nicht ganz hollywoodreife Story hinwegschauen.

Double the trouble, twice the fun!

Das große Augenmerk von A Way Out ist der permanente Koop-Modus. Ausnahmslos das gesamte Spiel über benötigt ihr einen Mitspieler, der entweder online dazustoßen, oder neben euch auf der Couch sitzen kann. Wer keine motivierten Freunde für das Abenteuer findet, kann jedoch auch online mit fremden Spielern ganz bequem das Spiel bestreiten. Selbiges Problem ist jedoch auch im eigenen Freundeskreis schnell zu lösen, denn eure Freunde müssen sich das Spiel nicht einmal kaufen. Mit jedem Exemplar bekommt ihr nämlich auch immer einen Freunde-Pass, mit dem ihr einen eurer Buddies zum Spielen einladen könnt. Dieser muss sich das Spiel nur noch herunterladen und kann völlig kostenlos mit euch zocken.

Ihr teilt jedoch nicht nur euren Key-Code mit eurem Kumpel, sondern auch noch euren Bildschirm. Egal ob ihr online oder per Couch-Koop spielt, euer Bildschirm ist stets im Splitscreen, sodass ihr immer sehen könnt, was beim jeweils Anderen passiert. Das bleibt auch während der meisten Cutscenes so, wobei ihr durch die Bildschirmaufteilung schnell erkennt, wo es gerade wichtig ist. Statisch wird es während der Zwischensequenzen jedoch nicht, da ihr euer Spiel fortsetzen könnt, wenn sie euch nicht betrifft. Das bringt ein schönes Gefühl der Unabhängigkeit, obwohl man im selben Spiel steckt.

Holzhammer oder Köpfchen?

Wie viele Spiele der letzten Jahre spielt sich A Way Out wie ein interaktiver Film mit Quicktime-Events. Zwar gibt es genug Momente, in denen ihr euch innerhalb eines großen Areals frei bewegen und die Umgebung erkunden könnt, doch die meiste Zeit habt ihr klare Ziele, die mit mehr oder weniger schweren Finger- und Timing-Spielchen gespickt sind. Diese müssen entweder allein gelöst werden, oder mit der Unterstützung eures Kumpanen. Das reicht von einer einfachen Räuberleiter und simultanen Türöffnungen hin bis zu gewagten Kletteraktionen. Es entsteht ein richtiges Teamgefühl und die Gewissheit, dass man nur zusammen bestehen kann.

Dieses Gefühl lässt auch im späteren Spielverlauf nicht nach, wenn sich das Gameplay vom Schleich-Adventure a lá Splinter Cell und Railshooter, zu einem Third-Person-Shooter entwickelt. Richtig gut fühlen sich diese Genresprünge zwar nicht an, dafür stimmt aber das Gesamtkonzept des Spiels.

Immer wieder werdet ihr auch vor Entscheidungen gestellt, die den Spielverlauf beeinflussen und selbstverständlich von beiden Spielern einstimmig entschieden werden müssen. Hier kommen die Persönlichkeiten von Leo und Vincent zum Ausdruck. Während Leo mit seiner hitzköpfigen Art gerne den direkten Weg - mit dem Kopf durch die Wand - wählt, steht Vincent eher für bedachte Pläne, die meist weniger gewaltsam und auffällig sind.

Kleinere Entscheidungen nehmen dabei keinen nachhaltigen Einfluss auf den Spielverlauf, sondern ändern lediglich den kurzfristigen Ablauf. Sie sorgen jedoch für eine gewisse Individualität, weil bei jeder Entscheidung eine andere kleine Szene entsteht. Der grobe Verlauf der Story ist aber immer ähnlich. Erst am Ende kommen eure Entscheidungen zum Tragen, sodass ihr über den Ausgang der Geschichte bestimmen könnt. Je nachdem wie man es sieht, gibt es ein gutes bzw. schlechtes Ende.

Grafik/Ambiente

Obwohl A Way Out auf der Unreal Engine basiert, ist es grafisch keine Augenweide und wirkt etwas überholt. Texturen an Wegesrändern sehen hölzern aus und Gesichter sind kaum animiert. Natürlich ist das bei einem eher kleinen Entwicklerstudio Meckern auf hohem Niveau. Die liebevolle Gestaltung der Welt kann man den Entwicklern allerdings nicht absprechen, welche durchaus für ein angenehmes und stimmiges Ambiente sorgt.

In Sachen Inszenierung glänzt A Way Out dann aber wieder, denn was die Entwickler mit Grafik nicht packen, schaffen sie mit schönen Lichteffekten und Kameraeinstellungen. Es wird in vielen Szenen eine wunderbare Atmosphäre geschaffen, die euch als Spieler auch emotional ins Geschehen eintauchen lässt. Beachtlich sind hierbei auch die grandiosen Kamerafahrten, während schneller Action-Szenen. Diese kommen meist komplett ohne Schnitte aus und gehen flüssig von einer in die nächste Situation über. Es entsteht eine richtige Choreographie, die euch von Anfang bis Ende fesselt.

Diese Liebe zum Detail wird auch bei vielen kleinen Interaktionen mit Gegenständen oder Personen deutlich, die immer wieder mit kurzen Dialogen oder Handlungen glänzen. Dazu kommen kleine Minispiele und Easter Eggs, die einen gewissen Witz in das sonst sehr ernste Spiel bringen. Tretet bei einer Partie Vier Gewinnt oder Darts gegeneinander an, oder vergesst bei einer spontanen Jam Session einmal die Sorgen der bösen Gangster-Welt. Es lohnt sich also definitiv, mal Abseits des Weges die Augen offen zu halten.

A Way Out ist seit dem 23. März 2018 erhältlich für PC, PS4 und Xbox One und kostet 29,99€ im Origin-Shop.

Pros

Cons

Fazit

Wer eine ordentliche Portion Koop-Action vermisst hat, bekommt endlich eine Antwort: A Way Out! Der permanente Splitscreen- und Koop-Modus ist gewagt, wird aber konsequent durchgezogen und sorgt damit für eine interessante Auslegung des Koop-Genres. Das Freunde-Pass-Prinzip ist dafür wie gemacht und mehr als fair, da wir hier nicht von einem Vollpreistitel sprechen. Auch wenn Grafik und Story nicht brillieren, taucht man tief in die schöne Atmosphäre ein und wird durch viel Liebe zum Detail überrascht. Vielleicht hat A Way Out kein GOTY-Potential, dennoch sollte jeder, der sich für Action-Adventures im Koop interessiert, definitiv einen Blick drauf geworfen haben. Von uns gibt es daher eine klare Kaufempfehlung!

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