Test: Anna's Quest

  • vonYannick Dohrmann
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Innerhalb nur weniger Jahre hat sich der in Hamburg ansässige Entwickler Daedalic Entertainment zu einem Aushängeschild für die deutsche Spieleindustrie entwickelt und feiert mit großen Titeln wie Deponia oder The Whispered World auch internationale Erfolge. Trotzdem hat man im Norden nie aufgehört auch kleinere Entwickler und Menschen mit ihren ambitionierten Ideen für Geschichten zu unterstützen. So geschehen nun auch mit dem Australier Dane Krams, dessen Werk Anna’s Quest auf jedenfall in den richtigen Händen gelandet ist. Was es mit dem Abenteuer rund um Anna auf sich hat verraten wir euch innerhalb der folgenden Zeilen.

Grimm(iges) Erstlingswerk

Bereits 2012 brachte Schöpfer Dane Krams die erste Episode seiner Trilogie rund um das kleine Mädchen Anna raus, damals noch unter dem Titel Anna’s Quest: Winfriedes Turm. Scheinbar hat man bei Daedalic bereits kurz darauf ein Auge auf den Australier geworfen, denn Episode 2 und 3 sind unseres Wissens nach nie erschienen. Stattdessen bekommen wir ab 2. Juli das Komplettpaket zum Sparpreis angeboten und dürfen uns auf eine knapp 12 stündige Geschichte einstellen. Wie immer abhängig davon wie schnell ihr Lösungen für die zahlreichen Rätsel erdenken könnt.

Doch spulen wir noch ein Mal kurz zurück. Anna ist ein junges Mädchen, das mit ihrem Großvater allein auf einer Farm umgeben von einem Wald lebt. Ein Wald, den Anna unter keinen Umständen betreten darf. Eines Tages jedoch zieht sie los, um Medizin für ihren kranken Großvater zu suchen, was sich als fataler Fehler herausstellt. Dies ist auch der Beginn unseres Abenteuers, dass einem bunten Mix verschiedener Grimm Märchen entsprungen sein könnte. Ebenso düster wie jene, obwohl der Zeichenstil das gar nicht vermuten lassen würde. Hexe Winfriede im speziellen ist äußerst interessiert an den verborgenen telekinetischen Fähigkeiten von Anna und sperrt sie in einen Turm. Von da an beginnt unsere Flucht vor Hexen, Todesfeen und Trollen, wobei uns unsere neu gewonnen Kräfte durchaus gelegen kommen.

Mit Köpfchen

Wie Anna schnell feststellen muss wäre es wohl am ungefährlichsten gewesen in der Nähe der Hexe zu bleiben. Denn schnell trachten ihr noch viel gefährlichere Kreaturen, ja sogar der Teufel höchst persönlich nach dem Leben. Immerhin immer an unserer Seite: Teddybär Ben, der von der Hexe verwandelt wurde. Der beste Freund eines jeden, kleinen Mädchens. Dabei liefert uns Anna’s Quest einen herrlichen Kontrast, denn das kleine Mädchen hat strikte Moralvorstellungen und ist alles andere als eine taffe Heldin. Damit meinen wir nicht, dass sie feige ist, im Gegenteil. Sie redet sich die Dinge auf ihre kindliche Art und Weise schöner als sie sind, was auch hoffnungslose Situationen besser dastehen lässt. Sympathie in allen Belangen, etwas, das in Videospielen mit Fokus auf die Geschichte niemals vernachlässigt werden sollte.

Auf Seiten des Gameplays bringt die Telekinese einen neuen Kniff in das ansonsten typische Daedalic Gameplay. Die Leertaste offenbart euch alle klickbaren Hotspots die sich ansehen, benutzen oder halt per Telekinese bewegen oder zerstören lassen. Dazu hat auch Anna, typisch für Point and Click Adventures ein Inventar in dem ihr fröhlich kombinieren dürft um aus zwei nutzlosen Items ein nützlicheres zu machen. Schlüssel wollen erlangt, Türen geöffnet und Auswege aus aussichtlosen Situationen gefunden werden. Gewohnt gut, abgesehen von Anna’s Fähigkeit aber dann doch bereits sehr bekannter Standard.

Das alles trägt zu einer gut spielbaren Geschichte bei in die vor allem Fans von Märchen für einige Stunden abtauchen können. Nicht ganz so brutal wie The Wolf Among Us, aber schaurig schön ist es dennoch. Im Kontrast dazu haben wir Anna mit ihrem kindlichen Optimismus sowie der englischen Synchronstimme die viel zur Authentizität ihrer Rolle beiträgt. Ungewöhnlich mal keine deutsche Sprachausgabe bei Daedalic Titeln zu haben, gerade weil jene meistens nicht schlecht sind. So bleibt uns aber eine absolut stimmige Sprachausgabe und deutsche Untertitel.

Wie im Bilderbuch

Den Stil von Anna’s Quest hatte ich eingangs ja bereits angesprochen und auf den Bilder könnt ihr euch auch selbst einen Eindruck verschaffen. Bunt und schlicht, aber nicht ohne Liebe zum Detail kommt das Spiel daher. Hier eine Anspielung auf Deponia und da ein Harvey Hase. Beim Entwickler ist man sich seiner Marken und Erfolge durchaus bewusst, zumal es Freude bereitet solche Dinge zu entdecken.

Bemängeln müssen wir was die Optik angeht primär zwei Dinge: Zum einen wirken die Animationen stellenweise etwas hakelig, wodurch nicht immer ganz klar ist wohin bestimmte Objekte auf dem Bildschirm verschwinden. Irritierend fanden wir auch, dass Anna keine Pupillen besitzt. Das beraubt ihr eines großen Teils ihres kindlichen Looks und passt auch so gar nicht zu den anderen Charakteren. Unter dem Strich Kleinigkeiten, aber beim Hauptcharakter darf man gerne mal etwas pingelig sein.

Pros

Cons

Fazit

Kinder lieben Märchen und auch viele Erwachsene. Das könnte man vermutlich auf Anna’s Quest übertragen, denn im Prinzip ist die Geschichte ein Best-Of diverser bekannter Geschichten und einem großartigen Mädchen in der Hauptrolle. Es ist eine Geschichte die Dane Krams vielleicht genauso seinen Kindern erzählen wird, denn auf sein Erstlingswerk darf er allemal stolz sein. Es mag nicht die Ausmaße eines Blockbusters, wie die des kommenden Nachfolgers zu The Whispered World erreichen, aber mit viel Charme hat sich Anna trotzdem einen Platz in unseren Herzen verdient. Kurz und knapp: Die Geschichte überzeugt, das Gameplay ist "nur" guter Standard und bei der Optik könnte man hier und da meckern. Durchaus ein Spiel, das man auch mit kleineren Kindern spielen kann um sie an die Thematik der Videospiele heranzuführen.

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