Test: Attack on Titan 2

  • VonDaniel Meyer
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Als Attack on Titan: Wings of Freedom 2016 auf den Markt kam, sorgte der Titel für eine gewaltige Überraschung, und das im wahrsten Sinne des Wortes. Nicht nur galt es hier gegen monströse Riesen zu kämpfen, auch kam das Gameplay unfassbar solide, präzise und schnell daher – etwas, das bei Anime-Versoftungen nicht immer der Fall ist. Allerdings war der Titel in seiner Art auch speziell. Nicht nur richtete sich das Game primär an Fans der bekannten Anime-Serie, auch gestaltete sich das Gameplay alles andere als simpel zu erlernen. Dies war für Core-Gamer ein Fest, für Einsteiger eher komplex. Wie sich Attack on Titan 2 mausert, das verraten wir euch im Folgenden.

Eine neue Perspektive

Eine Besonderheit von Attack on Titan 2 ist ohne Frage, dass der Spieler hier in die Rolle eines neuen und namenlosen Charakters schlüpft. Dabei dürfen wir aus dessen Perspektive die Geschehnisse des Anime miterleben, und das Seite an Seite mit bekannten Charakteren aus der Serie. In diesem Rahmen bestreiten wir zusammen mit Eren Jager, Armin Arlert und unter anderen Mikasa Ackermann die bekannten Szenarien, von denen wir auch schon zahlreiche im ersten Teil spielen durften. Insbesondere ist dem Entwickler dabei ein Lob hinsichtlich der großen Individualisierungsmöglichkeiten im Charakter-Editor zu zollen. Wo andere Spiele nur rudimentäre Optionen anbieten, so wird hier sehr viel Freiraum geboten.

Auch in der inhaltlichen Präsentation hat sich dabei im Bereich der Perspektive etwas getan. Aufbauend auf dem Erfolg des ersten Teils, haben die Entwickler etwas mehr Geld in die Hand genommen und attraktive und eindrucksvolle Zwischensequenzen aus der First-Person-Perspektive, oder besser gesagt aus den Augen unserer Figur heraus, eingeführt. Ebenso gibt es grafische Verbesserungen, sodass Attack on Titan 2 noch eine Ecke schöner, aber auch farblich attraktiver daherkommt. Das Farbenspiel wurde deutlich düsterer gehalten.

Wie Spider-Man durch Häuserschluchten schwingen

Die Geschichte hinter Attack on Titan 2 spielt in einer dystopischen Zukunft, in der sich die Reste der Menschheit in ein großes, von riesigen Mauern umschlossenes Areal, zurückgezogen haben. Außerhalb dieser streifen nämlich die Titanen umher, gigantische menschlich-aussehende Wesen, nur von einem Trieb gesteuert: Menschen zu fressen. Diese können dabei zwischen fünf und 30 Meter groß werden, zumindest so der Irrglaube. Als eines Tages ein 100 Meter großer Titan auftaucht und die Mauer mit einem Fußtritt beschädigt, sodass kleinere Titanen in die Stadt strömen konnten, ändert sich das Leben der Protagonisten für immer.

Diese, darunter auch der Spielercharakter, gingen daraufhin zur Armee, um den Titanen den Kampf anzusagen. Gekämpft wird dabei mit Schwertern und dem sogenannten Omnidirectional-Manöver-Gear, kurz ODM. Das ODM stellt dabei ein mit Gasdruck betriebenes System dar, welches je zwei Enterhacken verschießen kann. Diese werden beispielsweise an Felswänden, Häusern oder anderen höher gelegenen Objekten befestigt, woraufhin unser Charakter sich mit Druck heranziehen kann. Das Resultat, wir werden wie mit einer Zwille nach vorne und in die Luft geschleudert. Mit etwas Übung ist es so möglich sich rasant durch die Level zu bewegen und sogar den Kampf aufzunehmen, und das ohne den Boden je zu berühren.

Einer gegen alle - alle gegen einen

Das Ziel im Kampf gegen die Titanen ist deren Schwachstellen anzugreifen. Dazu gehören zum einen ihre Gliedmaßen, die komplett abgetrennt werden können, aber vor allem der Nacken, der die Achillessehne darstellt. Schafft man es, diesen mit dem Schwert zu durchtrennen, stirbt der Titan – man sollte sich allerdings nicht von den Riesen packen lassen, denn diese können sich sehr wohl zur Wehr setzen. Gerade das schnelle und vor allem präzise Gameplay mit dem ODM stellt auch in Attack on Titan 2 wieder eine der großen Stärken des Spiels dar. Die Steuerung fällt nämlich erneut ausgesprochen positiv aus und hat nochmals Optimierungen spendiert bekommen. Jedoch bedarf diese ohne Frage auch an Übung und richtet sich eher an eingefleischte Gamer.

Dabei müsst ihr allerdings nicht allein gegen die zahlreichen Titanen antreten. Zahlreiche Angehörige des Kadeten Corps stehen an eurer Seite und bekämpfen die Titanen mit euch zusammen, wobei deren Effektivität natürlich weit unter der euren liegt. Aber auch gesellen sich jeweils bis zu drei weitere Streiter dem eigenen Squad hinzu, die jeweils auf unterschiedliche Art und Weise Hilfestellung liefern können. Dazu gehören beispielsweise der Einsatz von Items oder das direkte Angreifen der Gegnern. Diese Mitglieder könnt ihr über das D-Pad aktivieren, allerdings besteht hier ein Cooldown, bis diese ihren nächsten Einsatz feiern können.

Neuerungen abseits der Kämpfe

Mit Attack on Titan 2 hat Entwickler Omega Force natürlich mehr gemacht als nur an den Stellschrauben gedreht. Nicht nur zeigt sich die Grafik aufgehübscht, auch kann unser Charakter nun an Wänden sowohl hoch- als auch entlanglaufen. Aber auch Türme können wir im Verlauf der Missionen bauen, die Titanen angreifen, Items anbieten oder aber Ressourcen abbauen. Letztere werden, wie schon im ersten Teil, benötigt, um neue Ausrüstung zu craften, damit man sich noch effizienter gwegen die Titanen erwehren kann. Ebenso gesellen  sich dem Spiel zwei neue Systeme hinzu: Zum einen ein Überraschungsangriff, mit dem man Titanen auf einen Schlag erledigen kann, und zum anderen ein Berserker-Modus. Wenn Titanen uns lange genug im Blickfeld haben, dann werden sie ganz wild und somit noch bedrohlicher.

Da wir nicht selbst in die Haut der Charaktere des Animes schlüpfen, haben die Entwickler dem Spiel einen sozialen Modus beigefügt. In diesem können wir abseits von Missionen mit den Charakteren der Geschichte Dialoge führen und so unsere Freundschaft stärken. Im „Anderen Modus“ können wir zudem ebenfalls unseren Freundschaftsmodus stärken, in welchem wir hier Nebenmissionen absolvieren. Dies ist insofern wichtig, da wir bestimmte Fähigkeiten und Vorzüge nur erhalten, wenn wir diese Freundschaften pflegen. Dies ist zwar nett gedacht, aber wenig abwechslungsreich und auf Dauer ermüdend. Zumindest im Mehrspieler-Modus geht es dafür ordentlich zur Sache, denn hier treten zwei Teams aus je vier Spielern gegeneinander an. Das Spielprinzip ist simpel: Wer die meisten Titanen legt, gewinnt.

Pros

Cons

Fazit

Attack on Titan 2 richtet sich insbesondere an Fans des ersten Teils und bietet dabei zahlreiche Verbesserungen und auch manche neuen Features. Allerdings fallen diese schlussendlich so marginal aus, dass das Game keine wirklich Fortsetzung ist. Dafür wurde zu viel aus dem Vorgänger recycelt. Dies beginnt bei den Maps und reicht hin bis zu Zwischensequenzen,  die teils sehr ähnlich ausfallen. Trotz diesen Mangels an Einfallsreichtum ist Attack on Titan 2 ein Fest, denn gerade das sehr solide schnelle und präzise Gameplay, dank dem man sich mit tollkühnen Einlagen durch Canyons und Städte schwingt, macht einen Heidenspaß – bedarf aber auch schnellen Reflexen und Übung. Aufgrund der marginalen Neuerungen ist das Game allerdings nur eingeschränkt zu empfehlen. Insbesondere Fans des ersten Ablegers werden hier nicht allzu viel Neues erwarten dürfen.

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