Test: Battlefield 1 - Singleplayer

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Nach dem kurzen Ausflug in das Cops n' Robbers - Setting in Battlefield Hardline (ingame-Wertung: 8,0), geht es mit Battlefield 1 zurück an die Front! Dieses Mal treten wir jedoch nicht gegen Terroristen oder Soldaten in der Neuzeit an, sondern kämpfen uns durch die Gräben und Schlachtfelder des ersten Weltkriegs. Ob die Kampagne genauso frischen Wind wie das Setting mit sich bringt, erfahrt ihr in diesem Test! Getestet wurde von uns die PC-Version.

Die Grauen des Krieges

Nachdem wir das Spiel zum ersten Mal starten, landen wir nicht etwa im Hauptmenü, sondern direkt in der ersten Zwischensequenz der Kampagne. Wir sehen einen verwundeten Soldaten in einer Art Krankenhaus liegen. Trotz der ruhigen Musik, die im Hintergrund läuft, zeichnen sich auf dem Gesicht des Verwundeten deutliche Zeichen von Anspannung ab.

Plötzlich befinden wir uns mitten im Gefecht! Um uns herum kämpfen unsere Kameraden gegen den Ansturm der Mittelmächte. Gegen den Lärm des Gefechts anschreiend, gibt uns unser Vorgesetzter den Befehl unsere Stellung mit allen Mitteln zu halten. Das ist der Moment, in dem wir erstmals unsere Spielfigur selber steuern können. Mit Pistole und Maschinengewehr bewaffnet versuchen wir die Angriffe unserer Gegner abzuwehren, doch irgendwann überlaufen sie unsere Stellung und schaffen es uns zu erschießen. Mission fehlgeschlagen! Doch statt neu zu starten, erscheint der Schriftzug "Hugh Burns, 1894 - 1918". Im Hintergrund sehen wir noch, wie wir in Zeitlupe zu Boden gehen und das Bild langsam unscharf wird. Daraufhin finden wir uns auf einmal an einer MG-Stellung wieder und eröffnen das Feuer auf die anrückenden Streitkräfte. Doch auch hier schaffen wir es nicht die Gegner zum Rückzug zu drängen und unsere Stellung wird überrannt. Erneut sehen wir unsere Soldaten zu Boden gehen, erneut erscheint ein weiterer Schriftzug, der uns den Namen und sein Geburts- und Todesjahr nennen.

Das Ganze sorgt für eine interessante Wirkung beim Spielen. Es zeigt uns, dass man im Gegensatz zu anderen Ego-Shootern nicht der unsterbliche Held ist, der im Alleingang den Feind besiegt. Die komplette Prolog-Mission in Battlefield scheint förmlich schreien zu wollen "Ich bin ein Ego-Shooter und ich hasse Krieg!". Ein interessanter und spannender Auftakt, der sich leider nicht in den Rest weiterträgt.

Getrennte Missionen statt geschlossener Kampagne

Nach dem Abschluss der Anfangsmission finden wir uns Auswahlmenü der Kampagne wieder. Anstatt einer großen geschlossenen Kampagne haben wir nämlich die Wahl zwischen 5 unterschiedlichen Kampagnen, die alle an unterschiedlichen Schauplätzen des ersten Weltkrieges spielen. Während wir uns etwa in der Kampagne "Durch Morast und Blut" mit unserer britischen Panzer-Crew versuchen durch die französischen Wälder zu kämpfen, schließen wir uns in "Nichts steht geschrieben" den arabischen Rebellen an und führen einen kleinen Guerilla-Krieg gegen die Osmanen.

Wie man vielleicht schon an den beiden Beispielen herauslesen kann, spielen die unterschiedlichen Kampagnen nicht nur an verschiedenen Orten, sondern unterscheiden sich auch im Gameplay manchmal mehr, manchmal weniger voneinander. Diese Abwechslung sorgt dafür, dass einem während des Spielens der insgesamt knapp 5-6 stündigen Kampagne nie langweilig wird. Die einzelnen Kampagnen unterteilen sich noch einmal in einzelne Missionen, die aber nur von einer Zwischensequenz getrennt werden und ansonsten nahtlos ineinander übergehen.

Gameplay und Geschichte im Widerspruch

In jeder der 5 Kampagnen spielen wir einen anderen Soldaten oder Soldatin auf Seiten der Entente. Dabei zeigen die Zwischensequenzen uns stehts ein gefühlt ungeschöntes Bild des Krieges. Wir erleben wie unsere Kameraden und unsere Freunde im Kampf fallen und sehen welches Grauen der Krieg anrichtet. Diese Zwischensequenzen erzählen die kurzen Storys sehr gut und auch schlüssig, stehen jedoch meist im Gegenspruch zum eigentlichen Gameplay. Während beinahe jede Cutscene uns zeigen will wie grausam der Krieg doch war, sind wir im Spiel wieder die Ein-Mann-Armee, die wir immer sind. Wir mähen die Gegner reihenweise nieder - nehmen es mit 4 Panzern auf einmal auf und zeigen keinerlei Reue und Bedenken bei unseren Taten. Ludonarrative Dissonanz a là Uncharted. Schade! Hier hätte man mehr rausholen können. Zwar gibt es Einzelfälle, wie etwa (Achtung Spoiler!) der Moment, in dem wir unseren verletzten Kameraden ohne Waffe durch das Niemandsland tragen und dort Soldaten treffen, die anscheinend einen Nervenzusammenbruch erlitten haben, aber genau solche Momente hätte es ruhig häufiger geben können. Oder aber mal eine Mission auf Seiten der Mittelmächte?

Spielgefühl - top!

Nun aber genug von Story und Setting! Wie spielt sich der erste Weltkriegs-Shooter von DICE nun? Das schwedische Entwicklerteam hat auch dieses Mal wieder ein verdammt gutes Gesamtpaket geschnürt - wenn auch kein komplett makelloses. Auf dem Schlachtfeld stehen euch allerlei unterschiedliche Waffen zur Verfügung, die sich auch allesamt sehr unterschiedlich handhaben. Während ihr mit den Scharfschützengewehren die Gegner auf lange Strecken gut aufs Korn nehmen könnt, solltet ihr ihm Nahkampf doch lieber zu einer der Maschinenpistolen oder der Pistole greifen. Auf mittlere Distanzen trefft ihr mit den Teilen jedoch kaum noch etwas, da sowohl der visuelle Rückstoß, als auch der eigentliche "Spray" nicht ohne sind.  Das Waffenhandling ist im Gegensatz zu den Vorgängern generell etwas anspruchsvoller geworden. Wirkliche "Allround"- Waffen gibt es nicht mehr. Euch mit einer Waffe alleine durch das Kriegsgebiet zu kämpfen, ist also sehr viel schwieriger als früher.

Fast jede Waffe hat seine Daseins-Berechtigung - außer die Schrotflinten. Deren Reichweite ist echt ein Witz und selbst im Nahkampf seid ihr meist mit einer MP besser beraten. Also wechselt eure Waffen je nach Situation aus! Das müsst ihr wahrscheinlich sowieso. Die Zeiten, in denen man mehr Munition hat, als man verballern könnte, sind vorbei. Nicht selten fand ich mich im Boden des Schützengrabens wieder um dort nach einer anderen Waffe zu suchen, während um mich die Gegner langsam vorrückten. Auch das "Um die Ecke lehnen" - Feature ist wieder mit am Start und funktioniert sehr gut und macht Sinn. Durch die Mechanik könnt ihr kurz über die Deckung gucken, einen Schuss abgeben und euch wieder in Deckung begeben, noch bevor eure Gegner euch treffen können. Wenn ihr eure Gegner auf größere Distanzen ausschalten wollt, solltet ihr euch besser zweimal überlegen, ob ihr euch hinlegen oder nicht doch lieber nur ducken wollt. Die Hitboxen der Steine an Bergabhängen und in Schützengräben sind manchmal größer als sie aussehen. Das sorgt dafür, dass euer Schuss gerne mal vom Stein vor euch abgehalten wird, obwohl ihr mit eurem Visier weit über dem Stein und auf dem Gegner seid.

Panzer und Flugzeuge lassen sich hingegen etwas leichter und direkter steuern, als man es etwa aus Battlefield 3 oder 4 gewohnt ist.  Das sorgt für weniger Frust, ist halt aber auch etwas anspruchsloser. Die Pferde dienen meist der schnellen Fortbewegung von A nach B. Als Kriegsmaschinerie taugen sie jedoch nicht wirklich, da ihr so leichter von euren Gegner entdeckt werdet und auch nicht so einfach in Deckung gehen könnt.

Die gegnerische KI macht einen soliden, wenn auch nicht revolutionären Eindruck. Wenn ihr zusammen mit einem Trupp eine Stellung halten müsst, rücken sie meist in Wellen vor und verschanzen sich hinter der erstbesten Deckung. Von dort aus versuchen sie euch dann abzuknallen und werfen ab und an auch mal eine Granate, wenn ihr zu lange hinter eurer Deckung hockt. Wenn ihr alleine unterwegs seid und die Gegner eure Position kennen, versuchen sie meist euch einzukreisen und aus mehreren Richtungen anzugreifen. Das ist jetzt nichts, was man nicht schon von anderen Spielen kennt, aber immerhin! Die KI eurer Kameraden hingegen ist eher Kulisse, als echte Hilfe. Meist verschanzen auch sie sich hinter der Deckung und ballern dann wild in der Gegend rum - wirklich etwas treffen tun sie jedoch nicht.

Während des Tests gab es 2 Aussetzer der Gegner-KI. Während der Kampagne "Avanti Savoia!" spawnte ein Gegner-Trupp direkt vor uns. In der Kampagne "Durch Morast und Blut" blieb ein gegnerischer Panzer auf einer Anhöhe stecken und konnte sich erst nach einigen Minuten selbst befreien und uns angreifen. Außerdem gab es eine Aussetzer bei den Animationen der Gegner. Diese reagierten manchmal nicht auf Treffer unsererseits, sondern schossen munter weiter.

Mehr spielerische Freiheiten

Battlefield 1 bietet mehr spielerische Freiheiten als seine Vorgänger. Wer will, kann natürlich in beinahe jeder Situation sofort zum Schießeisen greifen, wenn er einen Feind gesichtet hat, aber es gibt auch die Möglichkeit es gar nicht erst zu einer Eskalation kommen zu lassen. In vielen Abschnitten müsst ihr nämlich nur etwas aus einem Feindlager klauen oder es auf die andere Seite schaffen. Die engen Levelschläuche findet man hier nur noch sehr selten. In den meisten Fällen habt ihr ein relativ großes und offenes Areal, welches euch mehr als nur einen Weg zum Ziel bietet. Vor allem die Möglichkeit des Schleichens und lautlosen Ausschaltens eurer Gegner ist eine willkommene Abwechslung, die Spielern von Battlefield Hardline bereits bekannt ist. Das ganze funktioniert in etwa so wie bei Far Cry oder Mafia III (ingame-Wertung: 7,5). Wenn euch ein Gegner sieht, füllt sich über ihm eine Anzeige, die seine Alarmbereitschaft angibt. Ist diese erst einmal voll, hat er euch entdeckt, eröffnet das Feuer und warnt seine Kameraden. Um das zu verhindern, könnt ihr euch versuchen vor ihm zu verstecken oder schnell auf ihn losgehen und ihn möglichst leise erledigen, ohne seine Kameraden zu alarmieren. Während meiner Spielzeit habe ich mich nur selten vom Spiel dazu gezwungen gefühlt ein Weg dem anderen vorzuziehen. Wirklich vorbildlich Battlefield! Das Ganze System ist durchaus noch ausbaufähig, aber auf jeden Fall ein Schritt in die richtige Richtung.

Optisch, akustisch und technisch eine Wucht!

Sattes Gras, schlammige Schützengräben im Mondlicht, Explosionen - Battlefield 1 liefert ein Grafikfeuerwerk ab, dass seines Gleichen sucht! Die Optik des Spiels setzt durchaus neue Maßstäbe im Shooter-Genre und kann sich folglich mehr, als nur sehen lassen. Der Detailgrad auf dem Schlachtfeld ist herausragend. Besonders, wenn man im Hinterkopf behält, dass die Levelschläuche nun offeneren Arealen gewichen sind. Zwar gibt es die ein oder andere Textur, die bei näherer Betrachtung durchaus etwas hochauflösender sein können, aber auch solch kleine Aussetzer trüben die Gesamtoptik des Spiels nur wenig. Vor allem die Lichtspiegelungen an metallischen Objekten und in den Wasserlachen sehen gut aus - wenn auch manchmal etwas zu hell. Auch die Zerstörung von Gebäuden sieht sehr gut aus. Natürlich lassen sich nicht alle Gebäude ausnahmlos in Schutt und Asche verwandeln, aber insgesamt macht die Zerstörungsorgie wieder großen Spaß beim Zusehen. Schade nur, dass die Flora nicht auch solch einen Zerstörungsgrad vorweisen kann. Bäume und Sträucher scheinen aus Adamantium zu sein und lassen sich nicht einfach umschießen.

Auch der Sound überzeugt mal wieder. Wie auch in den Vorgängern klingen die Waffen authentisch, die Explosionen satt und sogar die deutsche Synchronisation ist durchaus gelungen. Mit dem Headset auf Anschlag klingelt einem auch schon mal ein wenig der Kopf, wenn direkt neben einem eine Granate hochgeht. Auch das Orten von Geräuschen funktioniert sehr gut. Hier hat DICE mal wieder ganze Arbeit geleistet.

Generell gibt es auf technischer Seite nichts zu beanstanden. Das Spiel lief mit einer GTX 980Ti stehts mit mehr als 60 FPS auf Full-HD und das auf Ultra-Settings. Mit diesen Einstellungen hat Battlefield zwischen 3,2 - 3,5 GB VRAM verbraucht. Für Nutzer einer GTX 970 könnte es hier also knapp werden. Die Grafikoptionen bieten aber allen Spielern genug Möglichkeiten das Spiel an ihr System anzupassen und so Performance und Bildqualität aufeinander abzustimmen. Natürlich gibt es auch die Möglichkeit das FOV noch ordentlich aufzudrehen. Auch die Tastenbelegung lässt jede Änderung zu und erkennt Zusatztasten eurer Maus. Hier sind auch primäre und sekundäre Tastenbelegungen möglich. Das einzige Manko ist die Bildqualität der Zwischensequenzen. Diese sind vorgerendert und wurden etwas zu stark komprimiert und wirken so leider etwas "pixelig" und kontrastarm.

Battlefield 1 erscheint am 21. Oktober 2016 für PS4, Xbox One und PC und kostet regulär 59,99€ bzw. 69,99€.

Pros

Cons

Fazit

Die Kampagne von Battlefield 1 ist ein guter Ego-Shooter. Das Shooter-Gameplay funktioniert klasse, die Grafik ist bombastisch und auch sonst macht das Spiel nicht viel falsch. Nach dem grandiosen Auftakt hatte ich mir jedoch persönlich etwas mehr von der Story mancher Kampagnen und der Einbettung der Anti-Kriegs-Message in das Gameplay erhofft. Immer noch sind wir die unbesiegbare Ein-Mann-Armee, nur jetzt eben im ersten Weltkrieg. Von der rein technischen und spielmechanischen Seite macht Battlefield 1alles richtig. Das nächste Mal ein bisschen mehr Mut zur konsequenten Umsetzung der Idee DICE, dann wird es definitiv ne 9er-Wertung!

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