Test – Ace Combat 7: Skies Unknown

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Noch vor ein paar Jahren waren die Dinge nicht gut bestellt um Ace Combat. Jeder Teil von 1 bis 6 gilt als Klassiker in seinem Genre. Seit 2007 war aber kein Ableger der Hauptreihe erschienen und mit Assault Horizon und Infinity fuhr Project Aces zuletzt eher gemischte Wertungen ein. Wenige rechneten damit, die Reihe überhaupt einmal wieder in altem Glanz zu sehen. Doch jetzt knallt Ace Combat 7 mit Überschallgeschwindigkeit zurück auf die Bildfläche und beweist, noch ist der letzte Tropfen Kerosin nicht verfeuert.

In 20 Missionen über den Verlauf von über 10 Stunden bietet Ace Combat 7 eine Übung in Intensität. Luftkämpfe werden ausgefochten, gegnerische Basen bombardiert und feindliche Ass-Piloten verfolgt. Alles während ihr selbst versucht, nicht an der nächstbesten Klippe zu zerschellen. Im besten Fall zeigen solche Momente, dass Ace Combat in den Arcade Flight-Sims unangefochten bleibt.

All hail Osea!

Typisch für Ace Combat ist die Story, die sich in jedem Teil durch die Missionen zieht. Wieder einmal schickt uns Ace Combat 7 in einen Konflikt zwischen den Staaten Osea und Erusea, beide bekannt aus früheren Spielen der Reihe. Nach einem früheren kontinentalen Krieg hat die Oseanische Föderation auf dem Useanischen Kontinent einen Weltraumlift erbaut. Hier liegt auch das Königreich Erusea und da dieses Land vermutet, dass die Oseaner mit dem Weltraumlift die Kontrolle über den gesamten Kontinent übernehmen will, eskalieren die Spannungen erneut. Ihr nehmt in diesem Konflikt die Rolle eines oseanischen Kampfpiloten ein, der nach sich nach einer fehlgeschlagenen Mission in einer Flugeinheit von Strafgefangenen wiederfindet. Ihr merkt, die Story ist recht hanebüchen und der zentrale Konflikt eher schmückendes Beiwerk als integraler Bestandteil.

Was die Geschichte außerhalb der Missionen dennoch überzeugend macht, sind die großartig inszenierten Cutscenes, die einige Missionen begleiten. Hier geht es meistens mehr um einzelne Nebencharaktere, die ihre Seite der Story ausführen. Da geht es um eine Mechanikerin, die aus dem Schatten ihrer Familie treten will, einen alternden Profipiloten, oder die Prinzessin von Erusea, die ihr Volk irgendwie zusammenhalten möchte. Teilweise erlaubt sich die Story hier auch manchen Ausreißer ins Lächerliche, erinnert im Gesamtbild aber fast schon an Versatzstücke aus einem Metal Gear. Noch dazu sind die Sequenzen stilsicher animiert und mit klasse Musik unterlegt.

Aber wir sind hier nicht zum Filme gucken, wir sind hier zum Fliegen. Also, ab ins Cockpit.

"Ich spür die Gier, die Gier nach Tempo in mir!"

Vor jeder Mission erfahrt ihr in einem kurzen Briefing, was zu tun ist und kurz darauf dürft ihr euch schon in einen Flieger nach Wunsch schmeißen. 28 verschiedene davon könnt ihr freischalten, unterschieden in Jäger, Mehrzweckflieger und Bomber. Zwischen den Klassen sind die Unterschiede im Flugverhalten stark bemerkbar, ein Bomber ist nachvollziehbarer Weise wesentlich träger als ein Abfangjäger. In den Klassen selbst kommt es eher auf persönliche Präferenz für Spezialwaffen an. Durch die Bank weg gelungen ist aber vor allem der Detailreichtum jedes Modells. Besonders in der Cockpit-Ansicht fällt dies auf, jeder Flieger sieht von innen anders aus und zeigt viel Treue zum echten Pendant.

Habt ihr euren Boliden erst einmal ausgewählt und mit Upgradeteilen nach Vorliebe bestückt, geht es straight ins Getümmel. Auch wenn die Flugzeuge an realistische Flieger angelehnt sind, das gleiche lässt sich nicht für's Gameplay behaupten. Hier steht die Action gegenüber dem Realismus im Vordergrund. Und wie sie das tut. Ihr müsst keine komplexen Flightsticks als Controllerersatz kaufen, oder stundenlang durch das Steuerungshandbuch wälzen, schon in der ersten Mission lernt ihr fast alles, was ihr im Rest des Spiels brauchen werdet. Nicht lange dauert es, da knallt ihr schon mit vierstelliger Geschwindigkeit wie ein junger Gott durch die Welt. Von da an ist nichts mehr sicher vor euch, egal ob an Land, im Wasser oder in der Luft. Gegnerische Flugzeuge aus der Luft zu schießen fühlt sich dank schöner Explosionseffekte und knusprigem Sounddesign noch dazu richtig befriedigend an.

Ihr Übriges tut die Vielfalt an Missionen, die Ace Combat 7 euch bietet. Von Eskortmissionen über Bodenangriffe bis hin zu waschechtem Düsenjet-Stealth werdet ihr hier stets auf kreativem Wege gefordert.

"Da oben hat man keine Zeit zu denken. Wenn man denkt, ist man tot. "

Damit ihr aber nicht zu übermächtig werdet, bekommt ihr es mit immer größer werdenden Herausforderungen zu tun. Unbemannt fliegende Drohnen, die euch an Mobilität weit überlegen sind, Luftabwehrkanonen und das Wetter höchstselbst werden euch das Leben immer schwerer machen. Auf höheren Schwierigkeitsgraden werden euch auch schon übliche Gegner verdammt gefährlich, sodass das Ausweichen vor Raketen gelernt sein will. Das alles sorgt für eine Menge Spannung, aber auch für so manchen Ausreißer in der Schwierigkeit und frustrierende Momente. Erschwerend hinzu kommt, dass manches Mal die Missionsziele unzureichend erklärt werden. So mussten wir einige Fehlschläge einstecken, ohne überhaupt zu wissen, woran es lag.

Toll fanden wir allerdings den bereits erwähnten Einbau von verschiedenen Wetterverhältnissen und -effekten. Nicht nur sehen diese richtig knackig aus, sie haben auch maßgeblichen Einfluss auf das Spielgeschehen. Einmal mussten wir bei einem Flug unter dem Radar mit Turbulenzen kämpfen, einmal mussten wir uns unter einer dichten Wolkendecke verstecken oder Nachts bei totaler Finsternis zurecht kommen. Ein besonderes Highlight ist aber Gewitter. Regen prasselt gegen die Metallhüllen, Flugzeuge verschwinden in dichten Wolken und wie aus dem Nichts ein Blitz. Ein grelles Licht und plötzlich spielen alle Instrumente verrückt. Das fordert den Spieler und sorgt obendrein noch für reichlich Atmosphäre.

Habt ihr euch erst einmal genug mit der Kampagne ausgetobt, könnt ihr auch noch dem Multiplayer einen Besuch abstatten. Gegen echte menschliche Spieler gewinnen die Luftkämpfe nochmal an Unberechenbarkeit und werden merklich chaotischer. Schnell trennt sich hier Flieger-Ass von Buschpilot, es ist nicht unwahrscheinlich, dass ein ungeübter Spieler ein Match beendet, ohne nur einen Abschuss zu verzeichnen. Mit ein wenig Übung konnten wir hier aber auch schnell Erfolge verzeichnen.

Multiplayer und VR-Manöver

Auch cool: Das Flugzeugschema, über das ihr Flieger und Upgrades freischaltet, gilt gemeinsam für Einzel- und Mehrspieler. Möchtet ihr also schnell ein paar neue Bauteile freischalten, könnt ihr auch einfach ein paar schnelle Matches online austragen. Schade ist aber, dass ihr im Multiplayer lediglich zwei Spielmodi findet: Battle Royal (Deathmatch) und Team-Deathmatch. Für ein Spiel mit derartiger Vielfalt in den Einzelspielermissionen ist das ernüchternd.

Kompensiert wird das aber durch den PS4-exklusiven VR-Modus. Hier spielt ihr eine separate Kampagne, die speziell für VR konzipiert ist und mit einem VR-Headset auf der Nase erhält das Erlebnis eine ganz neue, sehr körperliche Dimension. Wir haben nur vor einigen Wochen auf einem Event eine Mission daraus anspielen können, aber diese hatte es in sich. Es ist kein Systemseller für PlayStation VR, aber neben Resident Evil 7 eine der lohnenswerten Triple AAA-Erfahrungen für das Headset.

Pros

Cons

Fazit

Ace Combat 7 markiert eine Rückkehr zu alter Form für ein Franchise, das mittlerweile mehr als 20 Jahre auf dem Buckel hat. Was an Neuerungen am Gameplay ausbleibt, macht es mit kreativen Missionen und konstant hoher Intensität wieder wett. Noch dazu bringen die vielen Upgrades und Flieger einiges an Wiederspielwert und der VR-Modus ist eine wahre Freude für Spieler mit starkem Magen. Lediglich für den Multiplayer hätten wir uns etwas mehr Varianz gewünscht. Wenn ihr uns entschuldigt, wir gehen jetzt erst mal Top Gun schauen.

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