Test: The Elder Scrolls Online

  • vonDaniel Meyer
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Viele große Videospiel-Marken sind am Projekt MMO gescheitert und bislang gab es keinen Titel, welcher auch nur eine wage Bedrohung für den Klassiker World of Warcraft darstellen konnte.

Den vergangenen Monat hat unsere Ingame Redaktion The Elder Scrolls Online intensiv unter die Lupe genommen und dabei zahllose Tage in das Game gesteckt um die unterschiedlichsten Winkel Tamriels zu erkunden. Sogar das Reich vom Daedra Fürsten Molag Bal haben wir besucht, auf den Schlachtfeldern des riesigen PVP-Gebiet Cyrodils für unsere Fraktion gekämpft und auch den wichtigsten Bestandteil eines MMOs getestet: Den Endcontent.

Es ist kein Elder Scrolls!

Bereits vor wenigen Wochen hatten wir euch in einem Vorabtest das Spiel etwas näher präsentiert. Da sich dieser nur auf die ersten 15 Charakter-Stufen bezog, bleiben wir euch natürlich noch zahlreiche Antworten schuldig, die wir im Folgenden klären werden. So hat sich unsere erste Befürchtung über das gesamte Spiel hinweggezogen: In The Elder Scrolls Online erfährt der Spieler eine imposante und attraktive Welt mit all den unterschiedlichen Völkern und Geschichten Tamriels, jedoch fehlt dieses gewisse TES Feeling, was die bisherigen Titel der Serie so sehr geprägt hat.

Dungeons, also überall in der Landschaft befindliche Verließe (keine Instanzen), sind auch in The Elder Scrolls Online vorzufinden, jedoch lassen sich diese innerhalb von wenigen Minuten erforschen. Ein stundenlanges durchstreifen gigantischer Ruinen wie man es aus TES 5: Skyrim kannte, wo man vorsichtig jeden Winkel erkundete hatte und einen Gegner nach den anderen strategisch niederkämpfte, wird man in diesem MMO leider nicht erfahren. Ebenso sind die Dungeons meist lieblos gestaltet und nicht zuletzt da sie für jeden Spieler offen sind, wimmelt es dort meist nur so vor Abenteurern, die allesamt auf den dortigen Mobs herumzergen.

Die Verließe

Instanzen sind hingegen wesentlich fordernder, nicht zuletzt da diese auf vier Spieler begrenzt sind. Diese kommen auch am ehesten den Dungeons früherer TES Games nahe und bieten besonders im Endgame immense Herausforderungen. Hat der Spieler die Stufe 50 erreicht, greift nämlich das Veteranenlevelsystem. So beginnt der Spieler hier mit der Veteranenstufe 1, sozusagen mit einem Prestigelevelsystem sprichwörtlich von vorne. Dieses kann durch weiteres Questen erhöht werden, was jedoch nur äußerst zäh und langsam vonstatten geht.

Hat der Spieler den Veteranenlevel erreicht, so werden auch gleichzeitig Veteranenverließe freigeschaltet. Dies sind im Grunde die Instanzen, die der Spieler über das ganze Spiel hinweg erkunden durfte. Das Besondere: Diese Instanzen sind wirklich unglaublich schwer zu meistern. Selbst normale feindliche Gruppen teilen derart böse aus, dass selbst ein Dark Souls sich da noch eine Scheibe von abschneiden kann. Es ist zwar nicht unmöglich diese zu meistern, verlangt dem Spieler aber sehr viel Disziplin und Ausdauer ab. Unsere Einschätzung: Grandioses Spektakel mit immenser Belohnung bei Erfolg. Jedoch könnte sich dies vermutlich in nicht allzu ferner Zukunft durch einen Nerf ändern.

Willkommen in Cyrodil

Das PVP in The Elder Scrolls Online erstreckt sich über ein komplettes Gebiet, in dem die drei Fraktionen des Spiels gegeneinander Kämpfen. Der Schauplatz dieser Kämpfe stellt dabei ganz Cyrodil dar, auf welchem zahllose Festungen platziert sind, die von den Fraktionen belagert und im besten Fall erobert werden können. Die Schlachten können dabei äußerst strategisch gestaltet werden, was jedoch stark vom taktischen Finesse der Spieler selbst abhängig ist. Durch das Teilnehmen an Gefechten erhalten die Spieler zudem Punkte, die beim Schlachtmeister gegen zahlreiche Belohnungen eingetauscht werden können, wie bspw. Belagerungswaffen, Material zur Reparatur von Festungen oder sogar Feldlager. Letztere können vom Spieler beliebig platziert werden und ermöglichen anderen Spielern kurzzeitig das Respawnen an taktisch günstigen Orten, ohne dass lange Reisewege zur belagerten Feste auf sich genommen werden müssen.

Die Schlacht um Cyrodil wird des Weiteren als Kampagne bezeichnet, die einige Monate andauern kann. Während dieser Zeit können Spieler Ränge aufsteigen, Punkte sammeln und am Ende vielleicht sogar Kaiser werden. Des Weiteren macht es auch Sinn am PVP teilzunehmen, selbst wenn man keine derart hochgesteckten Ziele auf sich nehmen will. Denn durch das Erreichen bestimmter Schlachtfeldziele, wie das Erobern und Halten feindlicher Festen oder das Erbeuten gegnerischer Schriftrollen der Ältesten, erhaltet ihr außerhalb des PVPs zusätzliche Boni die bspw. kritischen Angriff oder eure HP erhöhen.

Das Endgame

Neben den Veteranenverließen, dem PVP und Schlachtzugsdungeons, die im späteren Endgame noch zu besuchen sind, hält The Elder Scrolls Online auch nach Abschluss der Hauptgeschichte noch einiges für euch im Petto. Durch eine interessante Lösung seid ihr so in der Lage auch durch die Gebiete der feindlichen Fraktionen mit eurem Charakter zu questen, ohne dass es zu Konflikten mit deren Spielern kommt. Sobald ihr das Veteranenlevel erreicht und die Hauptgeschichte abgeschlossen habt kann es losgehen und viele neue Herausforderungen und Gebiete warten von euch erkundet zu werden, was die Spieldauer des Titels noch zusätzlich erheblich erhöht!

Die Quests selber gestalten sich hingegen oft mehr schlecht denn recht. Hier sei klar hervorgehoben, dass Quests wie „Töte 20 Wölfe“, wie wir es noch aus World of Warcraft Zeiten kennen, kaum vorkommen und man sich auch durchaus Mühe gegeben hat beim Texten der Geschichten. Jedoch mit dem hohen Niveau vieler Quests aus früheren TES-Titeln sollte man nicht durchgehend rechnen. Hin und wieder stößt man zwar auf einige interessante Geschichten, aber viel zu oft erwischt man sich dabei, dass man die Dialoge einfach wegklickt, was aber auch teilweise an der eher durchwachsenen schauspielerischen Leistung der Synchronsprecher liegen mag, deren Stimmen zwar ansprechend sind, aber denen die notwendige situationsbezogene Emotion fehlt zugleich für viel zu viele unterschiedliche NPCs verwendet wurden.

Performance auf der PS4

Spätestens nach dem letzten Patch, der unfassbare 15GB auf die Konsole gewuchtet hat, ist es an der Zeit, endlich ein Statement zu dieser Version von The Elder Scrolls Online abzugeben, damit euch die Wahl zwischen Rechner und PS4 eventuell ein bisschen leichter fällt. Dabei geht es an dieser Stelle natürlich weniger um die Story, die ja weiter oben schon beleuchtet worden ist, sondern eher um Grafik, Gameplay und Sound. Lasst euch also ein bisschen Appetit machen und einen ersten Eindruck der Konsolen-Version vermitteln - wir finden nämlich, das lohnt sich.

Alles in allem macht The Elder Scrolls Online auf der PS4 optisch viel her und kann überzeugen. Hin und wieder begegnet uns ein kleinerer Lag, allerdings nicht wirklich nennenswert und nur in wenigen Situationen tatsächlich störend. Ansonsten läuft alles sehr flüssig, tut dem Sehnerv etwas gutes und lässt sich problemlos mehrere Stunden lang aushalten. Kleinere Fehler sollten spätestens nach dem letzten gigantischen Patch behoben worden sein, unabhängig davon, dass längst noch nicht alle Arbeiten beendet sind. Das bedeutet zwar auch in Zukunft das eine oder andere Update, das es herunter zu laden gilt, schmälert aber keinesfalls das Spielvergnügen.

Der Titel leistet auf der Konsole gute Arbeit und stellt mich zufrieden, auch wenn in den Grenzen einer Next-Gen-Konsole noch ein bisschen Luft nach oben gewesen wäre. In Sachen Synchronisation werden euch viele bekannte Stimmen begegnen, die allesamt überzeugen können; generell wurde The Elder Scrolls Online gut vertont und hält fast durchgehend bei Laune.

Das Gameplay macht Spaß, obwohl die Menüführung während des Kampfes ein echtes Hindernis darstellt. Während ich nämlich das Objekt meiner Wahl anvisiere und auswähle, fährt der Gegner gleichzeitig ungehindert damit fort, mir die Nase zu brechen. Das ist echt ärgerlich und erzeugt ungemeinen Druck, denn darüber hinaus ist die Steuerung ziemlich frickelig und erfordert etwas Übung. Das ganze ist ein wenig hektisch, kann aber gemeistert werden, wenn man einen kühlen Kopf bewahrt. Die etwas unglückliche Perspektive hinter unserem Charakter und die nicht ganz exakte Zielfunktion sorgen allerdings dafür, dass ein Kampf recht schnell unübersichtlich werden kann. Lasst euch von den wenigen frustrierenden Momenten aber nicht entmutigen, denn insgesamt betrachtet ist die Steuerung intuitiv und relativ leicht zu handhaben, sodass euch nur wenige Gegner wirklich ins Staucheln geraten lassen.

Das Fazit

Das MMO macht auf der Next-Gen-Konsole von Sony vieles richtig und kann auf weiter Strecke überzeugen. Die gröbsten Fehler wurden durch die vergangenen Patches bereits behoben, sodass ihr The Elder Scrolls Online auf der PS4 zunehmend genießen könnt. Die Portierung ist gut gelungen und steht der PC-Version nur in winzigen Kleinigkeiten nach; dies wohl aber auch nur dann, wenn man besonders drauf achtet. Ich kann euch die PS4-Version also ohne größere Bedenken ans Herz legen - ihr werdet es nicht bereuen. Es mag ein etwas anderer Titel sein als die bisherigen Teile der Reihe und nicht unbedingt einen "The Elder Scrolls"-Feeling erzeugen. Dennoch handelt es sich dabei um ein gutes Game, das durchaus Freude bereiten kann - vorausgesetzt, man lässt sich darauf ein.

Pros

Cons

Fazit

Als großer Fan des The Elder Scrolls Franchises bin ich mit hohen Hoffnungen an das Spiel gegangen, aber auch mit der Befürchtung, dass nicht das auf uns zukommt, das wir so sehr erhoffen. The Elder Scrolls Online hat sich leider tatsächlich als ein derartiges Spiel herausgestellt. Die glorreichsten Mechanismen der Serie fehlen, wodurch ein richtiges TES-Feeling nicht aufkommen möchte und auch stellte sich nach einiger Zeit ein ordentliches Tief beim Spielen ein. Wer dieses übersteht, der darf sich jedoch auf ein sehr forderndes und vielversprechendes Endgame gefasst machen. Bleibt nur die Hoffnung, dass dieses derart anspruchsvoll bleibt wie es derzeit ist, und nicht aufgrund von Beschwerden diverser Casual Gamer generft werden wird. 

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