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Test: Grand Kingdom

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Von: Daniel Meyer

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Während heutzutage viele Entwickler lieber den sicheren Weg gehen und sich auf altbewährte Mechaniken konzentrieren, bekommen wir es auch hin und wieder mit Spielen zu tun, die gänzlich andere Ansätze verfolgen. Zugegeben erfindet Grand Kingdom das Rad auch nicht neu, bestreitet jedoch einige etwas andere Pfade unter rundenbasierten Taktik-Games. Während der Spielbeginn noch relativ simpel daherkommt, so erfährt man erst nach mehreren Spielstunden, wie tiefgreifend und vor allem fordernd Grand Kingdom wirklich ist, was speziell bei Strategie-Fanatikern für einige Aufmerksamkeit sorgen dürfte.

Das Leben als Söldner

Der Spieler schlüpft in Grand Kingdom in die Rolle des Oberhauptes eines kleinen Söldnerverbundes, welcher sich direkt zum Spielstart der legendären Söldner-Gilde „The Guild“ anschließt, um Ruhm und Schätze zu erlangen. Fortan stehen uns hier zahlreiche Möglichkeiten zur Verfügung, um unsere Schlagkraft zu verbessern, Ausrüstung zu erwerben und vor allem uns in Kämpfen zu beweisen. Dies ist sowohl in verschiedenen Quests, aber auch im Krieg selbst möglich, wobei letzterer das Hauptaugenmerk des Spiels einnimmt.

Gerade der große Fokus auf das Kriegsgeschehen in der Welt, in welcher vier große Fraktionen um die Vorherrschaft kämpfen, sorgt auch dafür, dass die Story im Verlauf des Spiels ziemlich kurz kommt. Zwar gibt es hier und da ein paar kleine Nebengeschichten, wie beispielsweise die um einen Söldner-Rivalen mit dem Namen „Weiss“, jedoch wirkt auch diese eher erzwungen und soll augenscheinlich komödiantische Einlagen einbringen. Auf eine handfeste Geschichte müssen wir leider verzichten, was gerade aufgrund der vielen Fraktionen, Klassen und Charaktere sehr schade ist.

Da wir in der glücklichen Lage sind den Beruf des Söldners eingeschlagen zu haben, können wir uns frei für eine Fraktion entscheiden, für die wir unser Schwert schwingen möchten. Solltet ihr also irgendwann die Nase voll haben, könnt ihr diese Zugehörigkeit auch nahezu jederzeit ändern. Die Kriege selbst bestehen dabei aus territorialen Gefechten, in denen gegnerische Burgen erobert oder eigene verteidigt werden müssen. Das Besondere an dieser Mechanik ist, dass sie in Form eines halben Online-Modus daherkommt, sodass die Kriegsbemühungen in erster Linie von den Erfolgen der Gesamtheit der Spieler abhängen. Ebenso können wir hier auf die Kampfverbände anderer Spieler stoßen, auch wenn diese durch die CPU gesteuert wird.

Mehr als nur ein anspruchsvolles Strategie-Spiel

Wer nun allerdings denkt, dass computergesteuerte Gegner keine allzu große Herausforderung darstellen können, der wird bereits kurz nach dem Tutorial eines besseren belehrt. Zwar mag dies zum einen auch damit zusammenhängen, dass gegnerische Truppen nie auch nur einen Angriff verpatzen, wohingegen dies beim Spieler sporadisch immer wieder vorkommt, zum anderen ist es gerade die sehr tiefgreifende Strategiekomponente des Titels, die hier mit hineinspielt.

Gespielt wir in rundenbasierter Form auf drei unterschiedlichen Ebenen, auf denen wir bis zu vier unserer Einheiten umher bewegen können. Diese können eine festgelegte Reichweite hinter sich bringen und je nach Art der Einheit können so Nah- und Fernkampfangriffe sowie spezielle Aktivitäten ausgeführt werden. Zum Beispiel können Barrieren oder andere Hindernisse auf dem Schlachtfeld platziert werden, um Gegnern den Weg zu versperren oder um andere Effekte auszulösen. Andere Klassen hingegen verfügen über wieder gänzlich andere Eigenschaften und mit einer Anzahl von 17 Klassen darf der Spieler hier wirklich einiges erwarten!

Wer sich also einfach in die Schlacht hinein begibt und ohne Überlegungen den Kampf sucht, der wird schnell feststellen, dass selbst einfache Kämpfe schnell in einer Niederlage resultieren können. Eine gut durchdachte Strategie und vor allem ein ebenso passendes Charakter-Ensemble sind das A und O der Kriegsführung und jede Einheit kommt zudem noch mit zahlreichen Fähigkeiten daher, um dies nochmals zu vertiefen. Wenn überhaupt lässt sich der hohe Schwierigkeitsgrad hier als Negativpunkt aufführen, der gelegentlich zu enormen Frustmomenten führen kann.

Was die Fähigkeiten angeht, so können Magier beispielsweise einen Blitzangriff durchführen, durch welchen alle Einheiten auf einer Ebene enormen Schaden erleiden. Dies kann ein enormer Vorteil sein, jedoch bedarf dieser Zauber einer Vorbereitungszeit, welche der Gegner nutzen kann, um seine Einheiten in Sicherheit zu bringen. Einen anderen Weg bestreitet hingegen der „Challenger“, der explosive Fässer auf dem Schlachtfeld platziert. Hier bedarf es einer ausgenommen guten Planung, um nicht selbst in diesem Höllenfeuer zu verenden. Die taktischen Möglichkeiten hinter Grand Kingdom sind wirklich enorm.

Ein kampfstarker Trupp

Neben der Beteiligung an Kriegen können wir uns aber auch abseits des Geschehens in Schlachten und Quests stürzen. Hier bewegen wir uns auf einer Kachel-Weltkarte umher und müssen beispielsweise Artillerieanlagen ausschalten, Ressourcen sammeln und andere Aufgaben bewältigen. Das Besondere hier dran ist allerdings, dass diese Aufgaben oftmals auch unter Zeitdruck zu bewältigen sind, da computergesteuerte Söldnergruppen versuchen, uns zuvorzukommen. Schaffen wir es allerdings diese Aufgaben als erstes zu bewältigen, so erwarten uns neben einem Batzen Erfahrungspunkte, durch welche die Stats der Kämpfer verbessert und neue Fähigkeiten erlernt werden können, auch viele neue Items und Ausrüstungsgegenstände, die insbesondere in den Kriegen unverzichtbar sind.

Neben solchen Quest-Gebieten können wir uns aber auch auf Erkundungsreise begeben und ohne Zeitdruck Ressourcen, Erfahrungspunkte und andere Dinge erfarmen. Allerdings gilt es auch hier Vorsicht walten zu lassen, denn auf diesen Karten wimmelt es nur so von Monstern und feindlichen Soldaten. Während viele dieser kein Problem darstellen, gibt es auch noch Eliteeinheiten und Gegner mit Kopfgeldern. Besonders letztere sind dabei nicht selten zahlreiche Level über der eigenen Gruppe angesiedelt, sodass ein Angriff wohl überlegt sein sollte. Zwar sind die Belohnungen ebenso hoch, aber ist das die Gefahr wirklich wert?

Pros

Cons

Fazit

Zugegebenermaßen bin ich von Grand Kingdom äußerst überrascht, allerdings sowohl positiv als auch negativ. Denn gerade die Story hinter dem Spiels enttäuscht auf ganzer Linie. Dies ist besonders schade, da dieser Titel gerade dazu prädestiniert ist eine tolle und epische Geschichte zu erzählen. Im Gegensatz dazu hat mich der unglaubliche Tiefgang im Taktik-Bereich von den Socken gehauen. Mit 17 sehr unterschiedlichen Einheiten, die allesamt mit äußerst schlagkräftigen und strategisch wertvollen Fähigkeiten daherkommen, lässt sich nicht nur theoretisch sehr viel anstellen. Allerdings sei hier auch hervorgehoben, dass Grand Kingdom sich speziell an Fans dieses Genres richtet, sodass Neueinsteiger aufgrund des hohen Schwierigkeitsgrads nur mit viel Geduld glücklich werden dürften. Im Großen und Ganzen hat der Entwickler Spike Chunsoft mit diesem Titel einen mutigen Schritt gewagt und dabei ohne Zweifel eines der besten Taktik-Games der letzten Jahre auf den Markt gebracht.

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