Test: Ni No Kuni 2 - Schicksal eines Königreichs

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Mit Ni No Kuni hat es Level 5 im Jahr 2013 geschafft,  dem JRPG-Genre zu neuem Ruhm zu verhelfen. Dementsprechend hoch sind die Erwartungen an den Nachfolger. Damit diese auch erfüllt werden, ist eigentlich nur der Look des Erstlings geblieben und der Rest fast gänzlich neu.

Neue Helden

Richtig gehört: Ni No Kuni 2 setzt nicht da an, wo die Geschichte des Vorgängers aufgehört hat, sondern befördert euch in eine vollkommen neue Welt. Und hier bekommt ihr es gleich mit zwei neuen Haupthelden zu tun. Die Geschichte startet mit Mittvierziger Roland, der in seiner Präsidenten-Limo auf eine Metropole zufährt, welche gleich im nächsten Augenblick von einem Raketenschlag  getroffen wird. Er überlebt knapp, verliert aber sein Bewusstsein. Nur leider wacht er nicht vor den Trümmern der Stadt auf, sondern im Palast von König Evan.

Doch hier scheint einiges anders als erwartet. Zum Beispiel hat der blonde, jüngliche Herrscher vor ihm Katzenohren auf dem Kopf und offenbart ihm, dass er sich im Königreich Katzbuckel befindet. Um die Verwirrung abzurunden, ist Roland auch noch einige Jahre verjüngt. Trotzdem bleibt erst mal keine Zeit, groß zu grübeln, denn Evan steckt mächtig in der Klemme, weil der Rattenkanzler Ratoleon ihn just in diesem Moment mit einem Putsch vom Thron gestoßen hat. Von da an sind die beiden gemeinsam auf der Flucht.

Dynamisches Duo

Schnell wird klar, dass die beiden als Team wunderbar funktionieren, weil Roland die nötige Schippe an Führungsqualität mit sich bringt und Evan das Herz und die Leidenschaft eines König. Ein packendes Abenteuer beginnt, bei dem sie sich aufmachen, für Evan ein neues Königreich unter dem Banner Neuland zu finden und aufzubauen, in dem er sich als würdiger Herrscher erweisen kann.

Wie auch schon beim Erstling ist auch die Geschichte von Ni Kuni 2 das Herzstück des Spiels. Und diese lässt kaum Wünsche offen mit seinen tollen Charakteren und Überraschungen, die auf euch warten. Im Übrigen haben wir selten ein Spiel erlebt, das von vorne bis hinten so sympathisch daher kommt und ihr selbst die Bösewichte irgendwie nicht so wirklich unsympathisch finden wollt. Heißt aber nicht, dass die Erzählung keinen ernsten Kern hat – ganz im Gegenteil: Es dreht sich alles um Kriege zwischen Nationen, Intrigen und politische Machtspielchen.

Spielbares Märchen

Der Grund, warum ihr das alles am Ende netter als sonst empfindet, liegt ganz klar am schnieken Look, der glücklicherweise dem Erstling treu bleibt. Dank dem Stil und Händchen von Yoshiyuki Momose befindet ihr euch nämlich erneut im einem spielbaren Studio Ghibli Film, welcher aufgrund der nochmals aufgebohrten Cell-Shading-Grafik perfekt in Szene gesetzt ist. Hier waren wir extrem überrascht, wie viel Potenzial noch in diesem Grafikstil liegt, denn gerade im Bereich der Partikeleffekte und Beleuchtung setzt Ni No Kuni 2 einen echten Benchmark. Schade nur, dass es ab und an beim Kampf zu ein paar Rucklern kommen kann, die aber nie den Spielspaß beeinträchtigen.

Damit die grafische Pracht auch wirklich zur Geltung kommt, sind die Gebiete, die ihr im Spiel zu sehen bekommt, sehr abwechslungsreich und könnten direkt aus einem Märchenbuch stammen. So verschlägt euch euer Weg durch weite Ebenen, spitze Berglandschaften, verzauberte Wälder und noch viel mehr. Falls ihr dazu noch einen HDR-fähigen TV habt, könnt ihr euch besonders freuen, denn so kommen Farben, Kontraste und Lichtstimmungen noch besser zur Geltung. Das gilt im übrigen auch für die normalen Konsolenversionen, wobei PS4 Pro und Xbox One X mit voller 4K Auflösung nochmals eine Schippe drauf legen und alles eine ganze Ecke schärfer und knackiger daher kommt. Unterstützt wird das Ganze noch von einem orchestralen Soundtrack, der die Spielszenen perfekt untermalt. 

Auf Weltreise

Genauso abwechslungsreich wie die Präsentation ist erfreulicherweise auch das Gameplay des zweiten Teils von Ni No Kuni. Dabei macht ihr vornehmlich zwei Dinge, nämlich durch die Oberwelt mit ihren Leveln streifen und euch währenddessen Kämpfen stellen. Wie für JRPGs üblich, passiert dies immer schön in der Third-Person-Perspektive, mit dem Kniff, dass ihr mal groß oder klein auf der Welt dargestellt werdet - Klein immer dann, wenn ihr euch auf der angesprochenen Oberwelt befindet und quasi reist und normal "groß", wenn ihr bestimmten Arealen, Dungeons unterwegs seid und natürlich auch, wenn ihr kämpft.

Doch wie immer steckt der Teufel im Detail und so wurde das teils rundenbasierte Kampfsystem des Vorgänger komplett über Bord geworfen. Erhalten geblieben ist eigentlich nur noch, dass ihr euch in den Kämpfen automatisch in einer zum Level passenden Arena wiederfindet. Diese ist diesmal aber deutlich belebter, weil ihr oft mehr als zehn Gegnern oder großen Bossen gegenübersteht. Um euren Widersachern den Garaus zu machen, könnt ihr nun leichte und schwere Angriffe bei Knopfdruck austeilen, welche direkt via Auto-Aiming ausgeführt werden. So fühlt sich Ni No Kuni im ersten Augenblick ein bisschen nach Action-Adventure an, was für uns den Spielspaß deutlich anhebt. 

Remmi und Gnuffi

Durch einige taktische Komponenten kommt im Laufe der Zeit aber die nötige Rollenspieltiefe dazu. Punkt eins auf der Liste wären eure Waffen, von denen ihr drei für den Nahkampf und eine für den Fernkampf bei euch habt. Diese könnt ihr beliebig auf Knopfdruck wechseln und euch so auf eure Gegner einstellen. Manche Waffen haben zusätzliche Effekte wie Elementarschaden, der gegen bestimmte Gegnertypen einen Vorteil bringt. Doch das ist nicht alles - je mehr ihr die Waffen einsetzt, desto höher steigt ein Wert an. Ist dieser auf 100 Prozent, richten eure Angriffe mit der entsprechenden Waffe noch mehr Schaden an, oder lösen zusätzliche Effekte aus. Weiterhin könnt ihr noch vier Spezialangriffe im Kampf nutzen, die euch Mana kosten. Lernen könnt ihr jedoch einige mehr, welche ihr später frei nach Anforderungen oder Vorlieben verteilen könnt. Euer Mana füllt sich im übrigen automatisch, wenn ihr Gegner angreift, oder Tränke zu euch nehmt. 

Ein bisschen anders sieht es übrigen mit eurem eigen Leben aus, welches ihr nicht automatisch regeneriert, sondern nur durch Tränke erneuert. Diese werden wiederum von besiegte Gegner fallen gelassen. Wem das nicht reicht, der bekommt die sogenannten Gnuffis an seine Seite gestellt. Dies sind kleine wuselige Naturgeister, die euch im Kampf unterstützen, indem sie Zauber auf euch oder eure Feinde wirken. Auslösen könnt ihr Sie, wenn ihr Kampf in ihre Lichtkreise tretet und einen simplen Tastendruck ausführt. Zum Schluss kriegt ihr noch den Wächtergeist Remmi als neuen Verbündeten, der euch im Kampf von Nutzen ist. Von ihm bekommt ihr automatisch Mana- oder Lebenskugeln, bestimmte Buffs, oder er greift eure Gegner selbstständig  an.

Mit dem König in die Schlacht

Damit das gesamte System nicht eintönig wird, könnt ihr euch noch ordentlich in den Menüs austoben, um eure Gruppe, Kleidung, Waffen, Angriffe, Fähigkeiten, Gnuffis und mehr anzupassen. Doch keine Angst, nichts ist hier so umfangreich, dass es euch überfordern würde, aber weitreichend genug, um euch sehr lange Spaß zu bieten. Völlig neu in Ni No Kuni 2 sind Militäreinsätze, die immer in euer Chibiform an der Oberfläche stattfinden. Hierfür müsst ihr lediglich zu einer Fahne auf der Oberfläche gehen und den Kampf starten. Danach findet ihr euch plötzlich auf dem Schlachtfeld gegen andere Stämme oder Nationen wieder. 

Um diese zurückzuschlagen wuseln plötzlich Truppen kreisförmig um euch herum. Diese müsst ihr auf dem Schlachtfeld so bewegen und ausrichten, dass Sie beim Gegner möglichst großen Schaden anrichten. Das läuft am Ende des Tages nicht anders als das gute alte Stein-Papier-Schere-Prinzip. So sind in etwa Bogenschützen die ihr hinter euch platziert, effektiv gegen Nahkämpfer vor euch usw. Zudem könnt ihr über euren Einsatzwert noch spezielle Attacken ausführen, oder neue Krieger herbeirufen. Glücklicherweise bleiben die Schlachten simpel und zugänglich und bringen frischen Wind in die Sache. Heißt aber nicht, dass ihr Sie vernachlässigen könnt, denn um die locker 30 stündige Kampagne zu bestehen, müsst ihr diesen extra Teil des Spiel meistern und im Auge behalten. 

Ni No Ville

Ein weiterer Punkt, der die Idee eines eigenen Königreichs noch schlüssiger macht, ist der eigentliche Aufbau eben dessen. Ab einem bestimmten Punkt im Spielverlauf müsst ihr nämlich eure eigene Hauptstadt Minapolis aufbauen und zum Erblühen bringen. Doch keine Angst, euch erwartet keine Städte-Simulation, sondern eher eine Art erweitertes Farmville wie ihr es von vielen Handygames kennt. Eure Aufgabe ist es, neue Gebäude zu bauen, um Ressourcen zu gewinnen und Forschung zu betreiben. Als dies hat Auswirkungen auf eure Fähigkeiten, die Militäreinsätze und mehr.

Das Ganze läuft in Echtzeit ab und muss mit einer speziellen Währung bewerkstelligt werden. Was zum Anfang langsam vonstatten geht, wird mit jedem weiteren Ausbau der Stadt zum "Selbstläufer". Heißt aber nicht, dass ihr nicht jede Menge zu tun habt, so müsst ihr beispielsweise neue Bewohner während des Spielverlaufs für eure Stadt anwerben. Das ist wichtig, da jeder Bürger bestimmte Aufgaben oder Jobs übernehmen kann. Denn eine Schmiede ohne echten Schmied, bringt euch nur bedingt etwas, um eure Hauptstadt voran zu bringen. Wenn ihr genug neue Bewohner, Gebäude und damit Einfluss aufgebaut habt, könnt ihr eure Stadt in einigen Stufen ausbauen. So wird sie im Verlauf der Zeit wirklich das, was ihr euch unter einer königlichen Hauptstadt vorstellt. Gerade die Einfachheit des System bringt Abwechslung und Laune, sodass euch eigentlich nie die Lust vergeht, in eure Stadt zurückzukehren, um weiter an ihr zu werkeln, oder neue interessante Persönlichkeiten von euren Reisen mitzubringen. 

Pros

  • Wunderschöne Märchenbuchgrafik
  • Sympatische Geschichte mit tollen Charakteren
  • Große Spielwelt mit jeder Menge Nebenmissionen
  • Cooles Städebau-Feature
  • Spaßiges Kampfsystem mit vielen neuen Funktionen wie den Gnuffis
  • Toller Soundtrack

Cons

  • Kleine Ruckler
  • Manche Aufgaben doch Zwang

Fazit

Mit Ni No Kuni 2 haben es Bandai Namco und Level 5 mal wieder geschafft, eine echte Rollenspiel-Perle auf den Bildschirm zu bringen. Auch die neue Geschichte um Evan und Roland trifft wieder direkt ins Herz, sodass ihr gar keine Chance habt, euch dem Bann der sympathischen Geschichte zu entziehen. Gepaart wird das Ganze noch mit einem neuen spaßigen Kampfsystem und jeder Menge Gameplay Erweiterung wie etwa dem Städtebau, sodass nie Langeweile aufkommt. Hinzu kommt die wundervolle Präsentation, an der ihr euch bestimmt nicht statt sehen und hören werdet.

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