Test: The Last of Us - UPDATE: The Last of Us - Remastered

  • INGAME Redaktion
    vonINGAME Redaktion
    schließen

Post-Apokalypse ... Die Welt in Trümmern ... Die Menschheit nahezu ausgerottet ... Die wenigen Überlebenden kämpfen mit allen Mitteln um ihr Fortbestehen. Ein Szenario, das für Videospiele wie geschaffen ist: Wo wir uns bei Film und Buch in unserer Komfortzone nistend von derlei Geschichten lediglich „berieseln“ lassen, fühlen wir uns in Spielen „wirklich“ in die Situation hineinversetzt. Wir sind es, die kämpfen. Wir sind es, die an Grenzen stoßen. Wir sind es, die verzweifeln. Im Videospieljargon sprechen wir von „Immersion“ – dem „Eintauchen in die Spielwelt“. Jenem Merkmal, mit dem Liebhaber stetig für die Akzeptanz ihres Mediums kämpfen und das „Spiel“ als besondere Erzähl- und Erlebnis-Ebene etablieren wollen. Und gerade in den letzten Zügen der auslaufenden Konsolengeneration, könnte uns in diesem Zusammenhang das bisher größte Geschenk gemacht worden sein: The Last of Us.

Die letzte große Geschichte

Eine Pilzinfektion hat in The Last of Us Millionen von Menschen befallen. Der Cordyceps-Pilz greift das Hirn eines Wirts an und übernimmt innerhalb von zwei Tagen dessen Geschicke. Ist ein Mensch erst infiziert, wird er rasend und giert er nach anderer Menschen Fleisch. Zwanzig Jahre sind seit dem Ausbruch der Infektion vergangen. Einige versprengte Lager erinnern schemenhaft an die einstige Zivilisation. Die Armee versucht mit rigorosen Reglements die Verbreitung der Infektion zu unterbinden. Sollte Verdacht auf eine Infektion bestehen, werden die Betroffenen auf der Stelle hingerichtet. Außerdem werden Zivilisten zu Diensten an der Waffe gezwungen, um die Grenzen der Sicherheitszonen gegen Infizierte zu verteidigen.

Einer der Überlebenden ist Joel, ein Mann mittleren Alters, gezeichnet von den kräftezehrenden Umständen dieser neuen Welt. Er verdingt sich als Schmuggler, um über die Runden zu kommen. Mit seiner Partnerin Tess wickelt er Deals ab, in denen Waffen und Medizin durch die Reihen der Armee geschleust werden. Doch dieses Mal läuft etwas schief: Eine Waffenlieferung wird abgefangen. Die „Fireflies“, eine Gruppierung von Freiheitskämpfern, die sich gegen das Militär aufbäumen, haben die Lieferung abgefangen. Um selbst wieder in den Besitz der Waffen zu kommen, müssen die beiden einen Auftrag für die Freiheitsbewegung erfüllen: Sie sollen das vierzehnjährige Mädchen Ellie aus der Quarantänezone schmuggeln. Ausgehend von dieser Eröffnung, wohnen wir in The Last of Us den Geschehnissen eines ganzen Jahres bei. In den gut fünfzehn Stunden Spielzeit schaffen es Naughty Dog, den Überlebenskampf spürbar zu machen. Sicherlich stoßen wir stellenweise auf stark nach Script verlaufende Abschnitte, die nicht von ungefähr an Uncharted erinnern und uns unserer Handlungsfähigkeit berauben, trotzdem geht das Erlebte wesentlich tiefer, als zuerst erwartet. Bereits nach der ersten halben Stunde mit The Last of Us saßen wir bereits mit dickem Kloß im Hals vor dem Fernseher. Etwas, das kaum ein Spiel über seine komplette Dauer schafft. Zwar schlachten wir uns in The Last of Us ganz Spiel-typisch durch eine Anzahl von Gegnern, die der Bevölkerung einer ganzen Kleinstadt entsprechen dürfte, doch je näher wir dem Ende unserer Reise kommen, desto mehr zermürbt uns diese rohe, explizit dargestellte Gewalt. The Last of Us schafft es, dass wir unsere Kaltblütigkeit hinterfragen, ja, uns sogar unwohl dabei fühlen. Ein großes Zahnrad in diesem Getriebe: Die Charaktere, die unglaublich gut geschrieben und extrem glaubwürdig sind. Gerade Joel und Ellie, deren Entwicklung und Beziehung zueinander wird uns noch lange im Gedächtnis bleiben.

Erlebniskampf

Große Worte. Trotzdem läuft auch The Last of Us nicht völlig abseits bekannter Konventionen. Außerhalb der militärischen Sperrzonen herrscht Anarchie, was neben Infizierten auch Wegelagerer und Diebe auf den Plan ruft. Im Kern handelt es sich also immer noch um einen Third-Person-Shooter samt hüfthoher Deckung und Schleicheinlagen. Da wir allerdings verhältnismäßig wenig Schaden wegstecken können, ist bedächtiges Vorgehen essentiell. Beispielsweise kann uns ein Schwerinfizierter im Nahkampf innerhalb von Sekunden töten. Das baut eine enorme Spannung auf, auch wenn es aufgrund fehlender Schreckmomente nie in echter Angst gipfelt. Das euer Controller von schweißnassen Fingern umklammert wird, ist aber garantiert. Gleiches gilt für die sehr intensiven Auseinandersetzungen mit Menschen, auch wenn gerade gegen Ende von The Last of Us die typischen Ballereien etwas an Überhand gewinnen.

Doch gerade was die klassischen Schusswechsel angeht, müssen wir Naughty Dog Respekt zollen. Die Entwickler setzen uns keinen künstlich wirkenden Revolverhelden vor. Setzen wir zum Schuss an, schwankt unser Fadenkreuz leicht mit der Atmung des Protagonisten, werden wir von einem Schuss getroffen, reißt uns die Wucht des Treffers von den Füßen. Klar stecken wir auch hier Unmengen von Treffern weg, solange wir bloß passendes Verbandszeug bei uns führen – sonst wäre The Last of Us wohl auch unspielbar – aber zumindest fühlen wir uns nicht wie ein kugelschluckender Aushilfsrambo wie wir ihn aus so vielen anderen Spielen kennen. Wichtig bei der Darstellung eines Überlebenskampfes in der Post-Apokalypse: Vorräte. Ihr müsst Ruinen und verlassene Gebäude stets nach Brauchbarem abklappern, Wandschränke, Schubladen und Safes sollten allesamt akribisch untersucht werden. Nicht nur wegen Medizin, Nahrung und Munition, sondern auch wegen Utensilien, aus denen ihr Waffen, Verbände und Fallen herstellen könnt. Im Spielverlauf werdet ihr verschiedene Baupläne finden, anhand derer ihr Splittergranaten, Molotowcocktails oder Klingen anfertigen könnt. Das System ist rudimentär und unkompliziert, lässt stellenweise vielleicht ein wenig an Tiefe oder Plausibilität vermissen, bringt sich aber als stimmige Antriebsfeder in das Survival-Konzept von The Last of Us ein. Da ihr zudem mit Maschinenteilen und Ergänzungsmitteln Waffen und Fertigkeiten aufstufen könnt, seid ihr ständig auf neue Funde erpicht.

In einem Wort: Atemberaubend

Optisch ist The Last of Us eine Augenweide: Animationen und Detailgrad aller Figuren sind auf enorm hohen Niveau, was der Glaubwürdigkeit der Spielwelt nur noch mehr unter die Arme greift. Und auch die Kulissen sind atemberaubend. Verfallene Metropolen, die allmählich von der Natur zurückerobert werden, sonnige Waldgebiete, die in ihrem Idyll kurzzeitig das zerstörte Weltbild vergessen machen und Ruinen alter Gebäude, die unter Pilzbefall und umherfliegenden Sporen ein Eigenleben entwickelt zu haben scheinen; und damit ist dem abwechslungsreichen Setting aus Spoilergründen noch nicht einmal im Ansatz Rechnung getragen. Der Soundtrack zu The Last of Us aus der Feder des zweifach Oscar-prämierten Komponisten Gustavo Santaolalla treibt zudem das Geschehen auf dem Bildschirm weiter an, drängt sich dabei allerdings nie unangenehm auf. Oft nehmen wir nur unterschwellig leicht angeschlagene Töne war, die dann in tragenden Momenten zu einer vollen Komposition anschwillt.

Bei all der Perfektion, die The Last of Us an den Tag legt, machen sich kleine Fehler leider bemerkbar, wie eine fette, borstige Fliege in der schmackhaften Suppe. Wo wir die Charaktere ganz klar zu den Stärken des Spiels zählen, werden sie dem Gameplay stellenweise zum Verhängnis. Größtes Problem: NPC-Figuren gehen nicht immer sinnig in Deckung, wenn zum Beispiel ein Infizierter in der Nähe ist. Stemmen wir uns hinter einen Mauervorsprung, um ja nicht gesehen zu werden, kauern unsere KI-Kollegen dümmlich auf der anderen Seite und präsentieren sich der Gefahrenquelle quasi auf dem Silbertablett. Das haben wohl auch die Entwickler gemerkt, so dass eure Gegner nicht auf sie reagieren. Gut, wäre das Spiel so doch unspielbar gewesen, für die Atmosphäre ist es jedoch nicht unbedingt zuträglich. Außerdem verlangt The Last of Us zwar nach leisem, bedächtigem Vorgehen, völlig gewaltloses Handeln wird allerdings nicht honoriert, da ihr so die Chance verpasst, die Umgebung nach Vorräten und Munition zu untersuchen.

The Last of Us - Remastered

Die optische Generalüberholung ist ohne Zweifel ein echt satter Gewinn für alle, die das Spiel auf der PS3 – aus welchen Gründen auch immer – noch nicht genießen konnten. Mit fast durchgehenden 60 Bildern pro Sekunde, knackscharfen Texturen und einer dezent verbesserten Umgebungsbeleuchtung kommt das Drama um Joel und Ellie noch ein gutes Stück beeindruckender daher. Allerdings wirken manche der Umgebungen nun teilweise wie Theaterkulissen – das Bild ist dann schon fast zu scharf und verleiht dem Look des Spiels eine Sterilität, die nicht unbedingt zum „dreckigen“ Spielgeschehen und der der „Ruin-Porn-Thematik“ passen will.

Die Option das Geschehen bei 30 Bildern pro Sekunden festzuzurren macht Sinn. Ist doch dann an keiner einzigen Stelle – nicht einmal beim Bosskampf gegen den Bloater – ein Abfall der Bildwiederholrate zu verzeichnen. Auch einige Schatten und kleinste Probleme beim Anti Aliasing werden per 30 Frames-Einstellung komplett ausgemerzt. Richtig bemerkbar macht sich zudem die Verbesserung des Eingabeverzögerung beim Mehrspieler-Modus. Betrug diese in der PS3 Version zwischen 50 und 55 Millisekunden, lässt sich die Spielfigur im kompetitiven Umfeld mit einer Eingabeverzögerung von um die 16 Millisekunden deutlich besser und reaktionsfreudiger steuern -  ein weiterer, dicker Pluspunkt. Habt ihr eines der emotionalsten Spielerlebnisse der letzten Jahre also auf der PS3 verpasst, solltet ihr es – sofern ihr im Besitz einer PS4 seid – nun unbedingt nachholen. The Last of Us ist auch in seiner überarbeiteten Form ein Pflichtprogramm für alle begeisterten Zocker!

Auf der nächsten Seite findet ihr unseren Test des DLC's "The Last of Us - Left Behind"

Video-Test: The Last of Us im Video-Test Offizielle Seite: TheLastOfUs.com Kaufen: The Last of UsEntwickler im Interview: Naughty Dogs Ricky Cambier zu The Last of Us Unser The Last of Us-Special: The Last of Us / ingame

Wie knüpfst du an eine Geschichte an, die nicht nur beendet, sondern in sich auch derart makellos ist, dass du sie eigentlich nicht mehr besser machen kannst? Eben dieser Aufgabe hat sich nun Naughty Dog gestellt und seinem preisgekrönten PS3-Meilenstein einen DLC spendiert: The Last of Us – Left Behind. Um ganz korrekt zu bleiben, The Last of Us – Left Behind führt die dramatische Reise von Joel und Ellie gar nicht weiter. Viel mehr fügt der DLC dem Gesamtwerk ein weiteres Kapitel hinzu, das gleichermaßen vor und während der Geschichte des Hauptspiels angesiedelt ist. Und um die Ängste vieler Fans gleich zu zerstreuen: The Last of Us – Left Behind macht der ursprünglichen Story alle Ehre und lässt keinesfalls einen hässlichen Fleck auf der glänzenden Medaille. Doch eines nach dem anderen.

Von den Folgen einer schweren Verwundung arg in Mitleidenschaft gezogen, schwebt Joel zwischen Leben und Tod. Ellie bleibt daher keine Wahl, als sich in den Ruinen eines verfallenen Kaufhauses nach Arzneien umzusehen, mit denen sie die starken Blutungen von Joel stillen kann. Szenenwechsel! Einige Wochen vor dem Treffen der beiden, wird Ellie unsanft von ihrer verschollen geglaubten Freundin Riley geweckt. Trotz einiger Bedenken schleichen sich die beiden Mädchen aus der Quarantäne-Zone des Militärs, um sich in dieser lebensfeindlichen, trostlosen Welt ein wenig Ablenkung zu verschaffen.Mehr will ich zur Geschichte von The Last of Us – Left Behind auch nicht verraten, denn jeder weitere Spoiler würde euch den Spaß am Spielen nehmen. Und alle Fans des Hauptspiels und von guten Storys werden diesen definitiv haben, denn wo und Naughty Dog zuvor schon mit Emotionalität, Schlüssigkeit und Spannung zu begeistern wussten, machen die Entwickler nahtlos weiter. The Last of Us – Left Behind ist ebenso überzeugend und dramatisch, wenngleich die Rolle von Joel nun durch Riley ausgefüllt wird. Auch in diesem neuen Kapitel steht die Beziehung zwischen den Protagonisten im Vordergrund. Die permanente Bedrohung durch die Cordyceps-Infektion und die harten Repressionen des Militärs haben Ellie und Riley eng zusammengeschweißt, doch unterschiedliche Zukunftspläne drohen die beiden zu entfremden. Auf der anderen Seite rückt The Last of Us – Left Behind den harten Alltag der Teenager in den Mittelpunkt. Als erste Generation nach der Pilz-Apokalypse sind die beiden Mädchen tough geworden. Die Umwelt verlangt ihnen eine Härte ab, die mit dem kindlichen Wunsch nach Spaß kollidiert.

Beide Aspekte beleuchtet der DLC meisterlich. Wenn die Freundinnen durch ein verlassenes Kaufhaus ziehen und dabei ausgelassen die heruntergekommenen Läden unsicher machen, dann gönnen wir es ihnen nicht nur von ganzem Herzen, wir ertappen uns auch bei dem Gedanken "Das wollte ich auch immer mal machen!". Gleichzeitig streut Naughty Dog immer wieder frische und teilweise lustige Ideen ein, die den Kontrast zu den bedrohlichen Momenten der Haupthandlung noch betonen und auf diese Weise nur noch tragischer machen. Da ist es fast ein wenig schade, dass wir zu Riley keine ähnliche tiefe Bindung aufbauen können, wie es bei Ellie und Joel der Fall war.

Pros

Cons

Fazit

The Last of Us ist definitiv eines der letzten großen Highlights dieser Konsolengeneration. Es ist ein Geschenk und zur gleichen Zeit ein Fingerzeig in Richtung der Spiele, die mit kommender Hardwarepower realisierbar sein sollten. Dem Ideal, wie eine Videospielgeschichte erzählt werden sollte, kommen wir mit The Last of Us einen ganzen Schritt näher. Das hier ist kein großes Kino, sondern ganz großes Spiel!

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Meistgelesen

Ratchet & Clank: Rift Apart im Test – Schwiegermamas Liebling
Ratchet & Clank: Rift Apart im Test – Schwiegermamas Liebling
Ratchet & Clank: Rift Apart im Test – Schwiegermamas Liebling
Mass Effect Legendary Edition: Ein Remaster für die Unendlichkeit
Mass Effect Legendary Edition: Ein Remaster für die Unendlichkeit
Mass Effect Legendary Edition: Ein Remaster für die Unendlichkeit
Test: Super Mario Odyssey
Test: Super Mario Odyssey
Test: Super Mario Odyssey
Test: Kingdom Hearts HD 2.5 Remix
Test: Kingdom Hearts HD 2.5 Remix
Test: Kingdom Hearts HD 2.5 Remix

Kommentare