Test: LEGO Dimensions - Starter-Pack

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Genau wie in den klassischen LEGOsets folgten die Videospiele des dänischen Klötzchenimperiums stets einem festen Bauplan: Zuerst nimmt man eine, bei den Fans allseits beliebte und geliebte Marke, wie beispielsweise Harry Potter und wandelt das jeweilige Franchise in eine knuffige Steinchenform um. Haben wir ersteinmal unseren LEGO-Harry, kann damit begonnen werden, die besten Szenen der Filme und Bücher akribisch und detailverliebt nachzubauen, damit sie den zauberhaften LEGO-Flair bekommen. Abschließend wird noch die ein oder andere ulkige Zwischensequenz inszeniert und fertig ist unser LEGO-Videospiel-Wohlfühlpaket.

Leider hat dieses, seit mittlerweile beeindruckenden 10 Jahren durchgeführte Ritual eine entscheidende Schwachstelle: Wer in seiner Kindheit mit LEGOs gespielt hat, der weiß, dass die große Ritterburg auch gerne mal von Piraten angegriffen wird oder Besuch von freundlichen Indianern bekommt. Heutzutage gibt es dutzende markenbezogene LEGO, warum sollten sich also Luke Skywalker und Darth Vader nicht einen packenden Laserschwertkampf in der Kammer des Schreckens liefern können? Wenn man etwas beklagen konnte, dann dass LEGOspiele bisher leider immer nur in einem festgelegten Franchise unterwegs waren. Bis jetzt jedenfalls, denn mit dem neuen LEGO Dimensions bricht TT Games dieses veraltete Korsett endlich auf. Wie sie das Ganze angegangen sind und ob dieser Versuch überhaupt gelungen ist, soll unser Test zeigen.

Das kennen wir doch irgendwo her?

Zunächst sei gesagt, dass LEGO Dimension nicht nur verschiedene Franchise miteinander vermischt. Das was euch als aller erstes auffallen dürfte, ist das große Toypad, welches dem Spiel mitgeliefert wird. Dazu gibt es einen kleinen Beutel Legosteine und eine Batman, eine Gandalf und eine Wildstyle LEGOfigur. Lego Dimension reiht sich nämlich in erster Linie in eine Riege mit Spielen wie Skylanders und Disney Infinity ein. Die beiliegenden Figürchen sind aber nicht einfach nur als nette Dreingabe zum Spielen da, sie sind ein entscheidender Teil des Spiels.

Zu jedem der drei Helden gibt es einen passenden Sockel in den eine Chipkarte eingepflanzt wurde, die wiederum vom Toypad erkannt wird. Stellt euch das Toypad als kleines mit der Konsole verbundenes Podest vor, auf dem ihr Gandalf, Batman und Co. in drei verschiedenen Feldern positionieren könnt. Diese Felder erkennen den jeweiligen Charakter dann sofort, bringen ihn im Spiel auf die Mattscheibe und können auch in verschiedenen Farben leuchten. Dazu aber später mehr. Aufmerksame Leser können sich vermutlich schon denken, was sich LEGO und TT Games bei diesem System gedacht haben dürften: Die Möglichkeiten, LEGOfiguren aus den unterschiedlichsten Entertainment-Reihen zu produzieren sind nahezu unendlich und damit auch die zusätzlichen Inhalte, die man dem Spieler bieten kann.

Stein auf Stein

Startet man LEGO Dimensions zum ersten Mal, wird man direkt in die glücklicherweise vollkommen belanglose Geschichte geworfen. Wichtig ist nur, dass sich Portale in Mittelerde, Gotham City und in der Welt des LEGOfilms auftun und unsere drei klotzigen Helden Gandalf, Batman und Wildstyle miteinander vereinen. Gemeinsam zieht das Trio in ein Abenteuer, um den bösen Lord Vortech zu besiegen und in ihre Welten zurückkehren zu können. Ihr merkt vielleicht, dass das Ganze nicht nach Oscar schreit, aber das ist vollkommen in Ordnung. Letztendlich wird die zweckmäßige Geschichte dazu benutzt, die absurdesten Szenerien zu erschaffen, die man sich vorstellen kann. Bevor man aber in sein Abenteuer starten kann, wird man in eine Art Hub-Welt geworfen, in der wir zunächst das Toypad vernünftig zusammenbauen müssen.

Ihr erinnert euch an den Beutel LEGOs, der dem Spiel beilag? Genau der wird jetzt Schritt für Schritt in ein Portal verwandelt, welches oben auf das Toypad gesteckt wird. Die Bauanleitung findet ihr im klassischen LEGO-Stil auf dem Bildschirm. Es ist erstaunlich, wie schnell man vergisst, dass das Portal vor einem mal ein hässlicher Klotz mit drei Leuchtfeldern war. Stellt man nun beispielsweise Batman auf eine der Flächen, erscheint dieser wie durch ein Wunder via kleinem Portal auch auf dem Bildschirm. Nimmt man die Figur herunter, gibt er einen flotten Abschiedsspruch von sich und verschwindet wieder aus dem Spiel.

Die Brücke zwischen den Welten

Im Kern hat sich am Spielprinzip des Games allerdings nicht viel getan, es ist immer noch ein LEGOspiel. Ihr lauft von Level zu Level, sammelt so viele Steine wie ihr nur könnt und prügelt euch ab und an mit ein paar Gegnern. Richtig interessant wird es aber, wenn das Toypad zum Einsatz kommt. Das dient nämlich nicht nur dazu, Gandalf, Batman und Wildstyle in das Spiel zu befördern, sondern wird auch aktiv ins Geschehen eingebunden. Und das ist verdammt cool!

Gleich im ersten Level findet man sich in der Welt des Zauberers von Oz wieder und muss gegen die böse Hexe des Westens kämpfen. Wenn diese unseren Gandalf mit einem Zauberspruch bewegungsunfähig macht, sollte man Gandalf im echten Leben schnell vom Toypad herunterziehen und auf eine andere Fläche stellen. Danach kann er sich wieder frei bewegen und wir können der Hexe den Gar ausmachen.

Bei solchen einfachen Manövern bleibt es allerdings nicht, denn im Laufe des Spiels findet man immer mehr spezielle LEGOteine, mit denen spezielle Rätsel getriggert werden. So gibt es beispielsweise Aufgaben, bei denen eine Farbkombination auf dem Toypad nachgebildet werden muss. Lassen wir Wildstyle im Spiel blau einfärben und stellen sie dann auf eines der drei Felder, leuchtet dieses auch blau auf. Es können sogar Farben gemischt werden, was den Schwierigkeitsgrad nochmal erhöht. In einem anderen Rätsel leuchtet das Pad grün auf, wenn ihr euch einem bestimmten Item nähert, sodass es quasi als Wünschelrute fungiert.

Diese Interaktion mit der echten Welt macht enorm viel Spaß und ist eines der Merkmale, die LEGO Dimension von ähnlichen Mitbewerbern wie Disney Infinity abgrenzt. Leider nutz sich dieser Effekt mit der Zeit enorm ab und das ständige Umstellen eurer Figuren ist dann mehr lästig als lustig. Da die Rätsel sich ab einem Punkt im Spiel ständig wiederholen, unterbricht dass eigentlich coole Feature den Spielfluss mehr als er ihm gut tut.

Eine große Kiste voller Legos

Was die Inszenierung des Spiels angeht, ist es TT Games wahrlich schwer das Wasser zu reichen. Regelmäßig findet man sich in einem komplett neuen Franchise wieder, was das Spiel mehr als nur abwechslungsreich gestaltet. Es ist fantastisch, wie fantasievoll die einzelnen Welten miteinander verknüpft wurden. In welchem Spiel könnt ihr beispielsweise schon Springfield unsicher machen und dabei auf den Joker treffen oder wann habt ihr das letzte Mal den Riddler bekämpft, während er auf einem Balrog durch Minas Tirith ritt? Und solche angenehm verrückten Szenarien setzt euch das Spiel im Minutentakt vor. Es kommt einfach keine Langeweile auf.

Unser klares Highlight war dabei ein Level im Universum von Portal, in dem ihr das Aperture Science Center mit Gandalf und Batman unsicher macht. Wundervoll! Und auch die Zwischensequenzen strotzen nur so vor Humor der genau auf den Punkt inszeniert wurde und dabei sogar richtig clever sein kann. Gerade jüngere Spieler werden bei weitem nicht alle Anspielungen und Meta-Gags verstehen, aber dennoch viel zu lachen haben. Unterhaltung für Groß und Klein, das zeichnet ein wahnsinnig gutes Writing aus!

Ein teurer Spaß

So Spaßig sich das nun alles auch anhören mag und so spaßig es tatsächlich auch ist, gibt es bei LEGO Dimensions doch einen großen Wermutstropfen: Der Preis. Während das Starter Pack samt der drei Figuren mit gerade noch akzeptablen 99€ zu Buche schlägt, gibt es noch Unmengen an anderen Sets zu kaufen. Diese Sets zu diversen Franchises  sind unterteilt in Fun Packs, Level Packs und Team Packs, sehen verdammt gut aus und schalten im Spiel neue Bereiche, Fähigkeiten und Level frei. Es gibt 27 verschiedene Fun Packs a 15€, sechs verschiedene Level Packs a 30€ und vier Team Packs a 25€ zu kaufen.

Für unseren Test lag uns das Simpsons Level Pack vor, welches eine LEGOfigur von Homer, seinen Fernseher und sein Auto beinhaltet. Alle drei lassen sich, wie die anderen Figuren auch, einfach auf das Toypad stellen und sind dann binnen Bruchteilen von Sekunden in eurem Spiel. Einmal benutz schaltet Homer ein spezielles Level und ein Simpsons-Hub frei, welches ihr bereisen könnt. Im Grunde könnt ihr ganz Springfield frei erkunden, dort allerlei Aufgaben erfüllen und natürlich LEGOsteine sammeln. Das ist wirklich ganz spaßig, gerade die spielerische Offenbarung ist es aber leider nicht. Es wird uns im Grunde nur mehr vom Selben serviert, nur dieses Mal halt im Simpsons Gewand.

Ähnlich wie bei der Konkurrenz von Skylanders und Disney Infinity ist es jedoch ohne die zusätzlichen Packs nicht möglich, das Spiel zu 100% zu vervollständigen. Zwar ist die Geschichte des Starter-Packs von LEGO Dimensions an sich selbstständig, dennoch hat man häufig das Gefühl, etwas zu verpassen. Immer wieder trifft man während des Spielverlaufs auf Barrieren, die einem geradezu ins Gesicht rufen: „Hier kommst du nur gegen Bares vorbei. Sorry.“ Wäre das Hauptspiel ein wenig mehr in sich geschlossen und wären die Hinweise auf weitere LEGO-Sets ein wenig dezenter, hätten wir sicherlich mehr Verständnis für das Preismodell.

Pros

  • Interaktives Toypad,...
  • Fantastischer Humor samt seichter Geschichte
  • Original Stimmen in der deutschen Sprachausgabe
  • Der übliche LEGOspaß
  • Sehr detailverliebt
  • Man kann mit Gandalf dem Grauen im Batmobil fahren!

Cons

  • ... dessen Faszination sich schnell abnutzt
  • Teils zu viel Chaos auf dem Toypad
  • Noch einige Bugs vorhanden
  • Alle Inhalte nur durch zusätzliche Ausgaben spielbar

Fazit

LEGO Dimensions war für mich ein riesiger Spaß. Auch wenn sich der Effekt des interaktiven Toypads nach einiger Zeit enorm abnutzt, ist es doch immer wieder faszinierend mit den kleinen LEGOfiguren vor sich eine Brücke in die virtuelle Welt zu schlagen. TT Games muss sichtlich Spaß daran gehabt haben, die vielen Marken, mit einander zu mischen und vollkommen verrückte Szenarien zu erstellen. Langeweile kommt so gut wie nie auf. Außerdem ist LEGO Dimensions ein heißer Anwärter auf das lustigste Spiel des Jahres, denn teilweise ist es dank toller Dialoge und Gags wirklich schwer aus dem Lachen herauszukommen. Insbesondere, da alle bekannten Charaktere weitestgehend ihre deutschen Synchronstimmen spendiert bekommen haben. Im Kern bleibt das Spiel seinen LEGOwurzeln aber treu, man kann also keine spielerischen Revolutionen erwarten. Kann man über die erhebliche Preishürde hinwegsehen, bekommt man ein tolles und vor allem charmantes Spiel für Jung und Alt geboten.

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