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Test: Mutant Year Zero – Road to Eden

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Daniel Meyer

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Nicht immer müssen Videospiele eine gänzlich neue Geschichte erzählen. Oftmals reicht es bereits aus, auf existierenden Werken aufzubauen, um die Geschichten dieser nachzuerzählen oder gänzlich neu zu interpretieren. Dass dies durchaus von Erfolg geprägt sein kann, das zeigen vor allem die Franchises The Witcher und Warhammer. Auch Mutant Year Zero – Road to Eden stellt keine Ausnahme dar. Das am 04. Dezember 2018 erschienene Game basiert so auf dem gleichnamigen Tabletop-Spiel. Und ebenso wie andere Vertreter, die auf bekannten Marken aufbauen, kommt auch dieser Titel sehr hochkarätig daher.

Eine solide Genremischung

Dass Mutant Year Zero – Road to Eden jedoch derart zu überzeugen weiß, das liegt nicht nur an der bereits bestehenden und durchdachten Welt. Vielmehr liegt die Faszination des Spiels im soliden und taktischen Gameplay, aber auch in der großen Liebe zum Detail. Inhaltlich dürft ihr euch auf eine Mischung aus rundenbasierter Action gefasst machen, wie sie insbesondere aus der bekannten Taktik-Serie XCOM bekannt ist, allerdings gepaart mit Echtzeit-Elementen inmitten einer postapokalyptischen Welt.

Mutant Year Zero – Road to Eden mit einem XCOM gleichzusetzen, wäre jedoch nicht fair, denn der Titel kommt weitaus mutiger daher als man zunächst annehmen möchte. Dabei teilt das Entwicklerstudio The Bearded Ladies Consulting das Gameplay in zwei ineinander verwobene Phasen auf. Zunächst haben wir die Möglichkeit, die große Welt des Spiels, die in unterschiedliche Regionen unterteilt ist, in Echtzeit zu erforschen. Unseren Trupp an eigenwilligen Helden steuern wir hier durch die postapokalyptischen Areale und können dabei allerhand Ressourcen sammeln, aber natürlich auch auf Ghule und andere Gefahren treffen.

Ghule verfügen so beispielsweise noch über Intelligenz, werden allerdings eher durch zerstörerische Triebe angeleitet. Wenn wir auf feindliche Truppen stoßen, können wir wahlweise den Kampf initiieren oder aber das Weite suchen. Was Mutant Year Zero – Road to Eden deutlich von der bekannten Marke XCOM abhebt, ist hier die Möglichkeit der vorherigen Planung. Wir haben die Möglichkeit, den Kampf dann zu starten, wann wir es wollen – zumindest, wenn wir nicht vorher entdeckt werden.

Also gilt es die Areale gut zu erforschen, taktisch nützliche Positionen ausfindig zu machen, unsere Charaktere in Position zu bringen und schlussendlich den Kampf einzuleiten. Wer besonders geschickt vorgeht, kann durch Schleichen und lautlose Angriffe so manchen Gegner auch schon im Vorfeld ausschalten. Auf diese Weise müssen wir uns im Laufe der Geplänkel mit einigen Feinden weniger herumzuschlagen, worüber wir nur dankbar sein können. Denn der Schwierigkeitsgrad hinter Mutant Year Zero – Road to Eden fällt ziemlich happig aus.

Schwein gehabt…

Das Kampfsystem von Mutant Year Zero – Road to Eden kommt mit einigen besonderen Tricks und Kniffen daher, basiert aber sehr stark auf dem der XCOM-Serie. Unser Team aus bis zu drei Stalkern – so werden jene genannt, die durch die verwüstete Welt streifen und Ressourcen für die Überlebenden auf der Ark, der letzten Festung der Menschheit, sammeln – gilt es hier zu steuern. Diese können wir hinter Objekten in Deckung bringen, welche je nach Beschaffenheit die Chance eines feindlichen Treffers ein wenig oder stark senkt.

Das Spiel kommt dabei sehr anspruchsvoll daher, denn taktisches Feingefühl wird hier großgeschrieben. Es gilt genau abzuschätzen, welche Feindtypen wann ausgeschaltet werden wollen, wo die eigenen Einheiten positioniert werden und wie die besonderen Fähigkeiten dieser genutzt werden können. Denn unser Team aus Stalkern ist gleichzeitig ein Team aus Mutanten, die mit ganz besonderen Eigenschaften daherkommen.

Zu diesen Charakteren gehört so zum einen das etwas aggressive Warzenschwein Bormin, die verhaltensgestörte Ente Dux, sowie unter anderen der Fuchs mit dem schottischen Akzent, Farrow. Durchs Aufleveln verdienen unsere Charaktere stetig Erfahrungspunkte, mit denen Fähigkeiten freigeschaltet werden können.  So können wir uns Flügel wachsen lassen, um höhere Bereiche zu erreichen, Gegner mit Kettenblitzen frittieren und sogar per Gedankenkontrolle Gegner kurzzeitig übernehmen.

Aber der Einsatz dieser Fähigkeiten will gut überlegt sein, denn jede dieser verfügt über einen Cooldown. Erst wenn wir eine gewisse Anzahl an Feinden ausgeschaltet haben, können wir diese erneut nutzen. Zudem werden diese taktischen Elemente umso wichtiger, je schwieriger wir das Spiel haben möchten. Mutant Year Zero – Road to Eden kommt so mit drei Schwierigkeitsgraden, sowie einem Iron Man-Modus mit Perma-Death-Funktion daher. Bei höheren Schwierigkeitsgraden heilen unsere Helden sich am Ende eines Kampfes entweder nur noch zu 50 Prozent der HP auf, oder aber gar nicht. Hier wird das Hantieren mit Ressourcen umso wichtiger, um bspw. Medpacks zu kaufen.

Willkommen auf der Ark

Die Ressourcen stellen in Mutant Year Zero – Road to Eden zudem ein wichtiges Merkmal dar. Diese können in Form von Schrott, Waffenteilen und Artefakten in der ganzen Welt gefunden werden, sind aber auch relativ stark begrenzt. Mit Schrott können wir uns bspw. neue Schießeisen und Waffen-Mods erwerben, aber auch Items wie Granaten und Medpacks aufstocken. Waffenteile hingegen erlauben uns, unsere Waffen upzugraden, wodurch diese mehr Schaden bei Gegnern anrichten. Am humorvollsten fallen hingegen Artefakte aus, da das Wissen über deren Funktion im Laufe der Zeit verloren gegangen ist. Ein Defibrillator wird so als Werkzeug fürs Entspannen angesehen, da auf der Anleitung ein relaxter Mensch zu erkennen ist.

Im Laufe der Geschichte kommt dieser unterschwellige Humor in vielen Bereichen des Spiels zum Einsatz – meist in der Form von kurzen Dialogen zwischen den Charakteren. Abseits dessen dreht sich die Geschichte des Spiels vor allem rund um eine Fraktion von Ghulen, die unter der Leitung ihres Anführers etwas Finsteres im Schilde führen. Dabei liegt es nicht nur an uns dies zu unterbinden, auch können wir gleichzeitig mehr über die Welt erfahren, sowie über Ereignisse, die zur aktuellen Situation geführt haben. Aber bis dahin gilt es zu überleben, was aufgrund des stattlichen Schwierigkeitsgrades nicht zu unterschätzen ist.

Entsprechend gilt es sich sein Team möglichst perfekt zusammen zu stellen. Waffen möchten mit Mods so angepasst werden, dass diese die eigene Teamstruktur abrunden, denn gerade die Gegner kommen mit einigen fiesen Fähigkeiten daher. So gibt es Feinde, die Unterstützung herbeirufen, wohingegen andere mit Molotov-Cocktails um sich werfen, unsere Helden mit Elektroangriffen stunnen oder Feinde wiederbeleben. Gerade der Mix aus diesen Einheitentypen macht das Spiel nur umso anspruchsvoller, was gerade für Hardcore-Strategen sehr willkommen sein dürfte.

Pros

Cons

Fazit

Mutant Year Zero – Road to Eden ist eine kleine Überraschung, macht das Spiel doch so viel mehr richtig als der letzte XCOM-Ableger. Gerade die Mischung aus Echtzeit- und rundenbasierter Strategie bringt frischen Wind in das angestaubte Spielprinzip, aber auch kommt die Welt mit der nötigen Liebe zum Detail und die Kämpfe mit der geforderten Komplexität daher, sodass zahllose Spielstunden Spaß auf euch warten. Nun bleibt nur zu hoffen, dass Mutant Year Zero – Road to Eden den Erfolg einheimsen kann, den es verdient, damit wir uns in Zukunft vielleicht auf einen noch komplexeren, vielseitigeren und noch schöneren zweiten Teil freuen dürfen – wünschenswert wäre es.

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