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Test: Quantum Break

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Oliver Koch

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Was passiert eigentlich, wenn die Macht, die eine Zeitreise mit sich bringt, in die falschen Hände gerät? Mit genau dieser Frage beschäftigt sich das neuste Spiel aus dem Hause Remedy Entertainment. Der am 5. April erscheinende Third-Person-Shooter namens Quantum Break bringt mit der Kombination aus der Zeitreise-Thematik und dem ganz eigenen Gameplay etwas frischen Wind in die Ludografie der aktuellen Konsolengeneration.

Spiel oder Serie

Die finnischen Entwickler betonen bei ihrem neusten Werk, dass es sich nicht um ein Videospiel in seiner Reinform handle. Vielmehr ist Quantum Break das Produkt einer Fusion der beiden Formate Videospiel und TV-Serie. Unterteilt in 5 Akte und 4 Episoden zieht sich die Story über diese beiden Medienformate hinweg, wobei die spielbaren Passagen den Akt ausmachen und die Live-Action-Sequenzen die Episoden. Remedy hat keine Kosten gespart, weshalb die Moition-Capture-Aufnahmen und die Darstellungen für die Live-Action-Episoden von hochkarätigen Schauspielern übernommen wurden. Zu dieser Garde Hollywoods zählen unter anderem Dominic Monoghan (Lost), Lance Reddick (Fringe) und Aidan Gillen (Game of Thrones).

Zeitreisen, Zeitschleifen, Zeit…was?

In Quantum Break schlüpft ihr in die Haut des Mittdreißigers Jack Joyce, der in seine Heimat Riverport zurückkehrt, um seinen alten Freund Paul Serene an der Universität zu besuchen. Dieser arbeitet zusammen mit Jacks Bruder an einem Projekt, das die Welt verändern soll.

Nachdem ihr euch von Paul eine Einweisung geben lassen habt, merkt ihr schnell, worum es hier geht. Mit Hilfe eines Durchbruchs in der Quantenphysik ist es den Wissenschaftlern an der Fakultät gelungen eine Zeitmaschiene zu erschaffen, die Paul nun, mit euch an seiner Seite, in die Testphase einleiten möchte. Dieser Testlauf ist der Ursprung allen Übels und somit der Grundstein für die Handlung von Quantum Break.

Denn wie es nicht anderes zu erwarten war, scheitert das Experiment maßgeblich und ein Riss in der Zeit wird hervorgerufen, der immer weiter wächst und damit droht, die Zeit vollkommen zu zerbrechen. Während ihr in der Gegenwart verweilt, ist euer Freund Paul ganze 17 Jahre in die Vergangenheit gereist, wo er ein Unternehmen gegründet hat, mit dem er nun maßgeblich versucht den Vorfall ungeschehen zu machen. Außerdem hat der Unfall sowohl euch, als auch Paul gewisse Superkräfte verliehen, doch dazu später mehr.

Auch wenn das Thema Zeitreisen in dem Medium Film schon recht verbraucht wirkt, kann die Story von Quantum Break  rundweg mit Originalität prädikatisiert werden. Was diesen lobenswerten Aspekt jedoch wieder zunichte macht, ist die indezente Zweckmäßigkeit der äußerst plumpen Dialoge. Verschärft wird dies durch das fragile Charakterprofil des Protagonisten. Man findet zwar überall in der Spielwelt Hintergrundinformationen zu den Charakteren, doch was das Leben von Jack Joyce betrifft, mangelt es radikal an Einblicken. Im Hinblick auf die Charaktere und deren Interaktion miteinander hätten wir uns einfach etwas mehr gewünscht.

Das Patronat der Umgebung

Quantum Break ist ganz klar ein Deckung-Shooter. Ihr könnt mit euren Fähigkeiten zwar auch mal in die Offensive gehen, doch die gefeitere Option ist der Schutz der Umgebung. In Deckung geht ihr dabei automatisch, sobald ihr euch dem gewünschten Objekt nähert. Dabei solltet ihr darauf achten, dass ihr euch nicht hinter eine temporäre Protektion, wie etwa einer Holzkiste, begebt, denn diese brechen gern mal in sich zusammen, wenn sie ein oder zwei Kugeln abkriegen.

Aus der Deckung könnt ihr aber auch anders agieren als einfach nur der Patronenspender für eure Widersacher zu sein. In der Spielwelt befinden sich demnach einige Interaktionsmöglichkeiten, die euch den Kampf erleichtern. Herunterhängende Frachten, die ihr mit einem gezielten Schuss auf eure Gegner krachen lassen könnt, gelten als einer von vielen Repräsentanten dieser Funktion. Wesentlich einzigartiger sind die sogenannten Chrononbehälter. Diese explodieren bei Beschuss und lösen eine Zeitanomalie aus, wodurch die Zeit im umliegenden Bereich eingefroren wird, sodass ihr kurzzeitig ein leichtes Spiel habt.

Todesursache Nummer 1: Zeit

Nachdem ihr das Intro an der Uni hinter euch gebracht habt, werdet ihr mit euren neuen Kräften vertraut gemacht. Diese sind nicht nur eine nette Spielerei, sondern für euch im Verlauf des Spiels zunehmend von Wichtigkeit. Insgesamt stehen euch sechs verschiedene Fertigkeiten zur Verfügung, die sowohl einen passiven, als auch aggressiven Spielstil unterstützen. Aber Achtung, eure Feinde verfügen manchmal über gewisse Maßnahmen, die eure Vorteile zunichte machen.

Die erste Fähigkeit nennt sich Zeitblick und erlaubt euch, ähnlich wie das Adlerauge in Assassin´s Creed, Gegner in eurem Umfeld zu spotten. So könnt ihr beispielsweise recht früh sehen, wenn eure Rivalen versuchen euch zu flankieren oder einzukreisen. Der einzige Haken ist, dass der Zeitblick aussetzt, sobald ihr euch bewegt. Doch das ist eine nachvollziehbare Entscheidung der Entwickler, schließlich wäre diese Fähigkeit sonst viel zu übermächtig. Der Zeitstopper lässt euch hingegen schon etwas mehr mit der Zeit spielen. Ihr könnt einen Feind anvisieren und ihn mit einer Zeitstopperwelle für einen Augenblick einfrieren. Wenn ihr nun mit eurer Waffe in das erzeugte Feld schießt, bündeln sich die Schüsse und beim Zerbrechen des Zeitstopperfelds wird euer Opponent von euren zahlreichen Geschossen durchsiebt. Die nächste Fertigkeit nennt sich Whooshen. Mit dem Whoosh könnt ihr in Sekundenschnelle einen Sprint zurücklegen und falls ihr dabei auf einen Widerpart trefft, diesen wegrammen. Zückt ihr fix nach dem Whoosh eure Knarre, so habt ihr einen kurzen Zeitlupeneffekt, der euch erlaubt präzise platzierte Kopfschüsse zu verteilen. Der Zeitschild ist eigentlich selbsterklärend, denn dessen einzige Funktion ist es euch von den nahenden Gefahren, wie etwa herumfliegenden Projektilen, abzuschirmen. Ebenso simpel ist die Zeitexplosion, die eigentlich nichts Geringeres als eine Granate ist. Die letzte und somit spannendste Fähigkeit ist das Flashen. Haltet ihr die Flashen-Taste gedrückt, so könnt ihr euch im hohen Tempo durch die Spielwelt bewegen, während alles um euch herum in Slow Motion abläuft. Dies kann sehr nützlich sein, wenn ihr in der Falle sitzt und keinen Ausweg mehr seht oder ihr flasht einfach auf euren Angreifer zu und verpasst ihm einen dicken Faustabdruck mitten in sein Antlitz.

Erwartungsgemäß könnt ihr selbstverständlich auch das Reservoir an euren Kräften aufmöbeln. Indem ihr Chrononquellen in der Spielwelt findet, könnt ihr beispielsweise die Wirkungsdauer eurer Talente erhöhen, um präventiv gegen beachtlichere Gegnerwellen gerüstet zu sein.

Ein Blick in die Zukunft

Zwischen jedem spielbaren Akt und der darauffolgenden Live-Action-Episode übernehmt ihr temporär die Rolle des Antagonisten Paul Serenes. Bei diesen Knotenpunkt-Events steht ihr nach der Formel Telltale vor einer Entscheidung zwischen zwei Möglichkeiten, die den weiteren Verlauf des Spiels beeinträchtigt. Paul hat zudem die Fähigkeit in die Zukunft zu blicken, weshalb ihr euch beide Optionen zunächst anschauen könnt, bevor ihr euer finales Urteil trefft. Die Entscheidungen beeinflussen nicht nur den Verlauf des Spiels, sondern auch den Anfang der nachfolgenden Episode. Dieser Aspekt sorgt für eine geringfügige Steigerung des Wiederspielwerts.

Ausgefuchste Schergen

Besonders interessant sind die Gegner in Quantum Break. Diese scheinen nämlich wirklich was im Köpfchen zu haben, denn bleibt ihr auch nur einen kurzen Moment an ein und derselben Stelle, so dürft ihr mit einer Flankierung, einer anfliegenden Granate oder ähnlichen Anti-Camp-Maßnahmen rechnen. Zudem gibt es unterschiedliche Gegnertypen. So sind manche Feinde einfach nur extrem gut gepanzert und saugen eure Munition wie ein schwarzes Loch in sich auf, andere hingegen sind gegen eure Kräfte immun bzw. besitzen Ausrüstungsgegenstände, die euren Kräften gleichen.

Der Glanz von Riverport

Das fiktive Örtchen Riverport an der Ostküste der Vereinigten Staaten kann optisch durchaus überzeugen. Belebt wird es durch die Charaktere, die durch das hervorragende Motion-Capturing in ihrem Auftreten verdammt pathetisch und glaubwürdig dargestellt werden. Der leicht schummrige Look wirkt mit seinen dezenten Grau- und Blautönen etwas deprimierend, kann sich aber mit den ansehnlichen Effekten, wie etwa der Spiegelung in Regenpfützen, in der Tat mit der aktuellen Konkurrenz messen.

Das große Verhängnis der Spielwelt ist jedoch die Todesstille. Die Welt von Quantum Break wirkt, als wäre eine Naturkatastrophe über die Stadt hereingebrochen und die meisten Menschen wären aus der Stadt geflohen. Auf den Straßen fahren keine Autos, in der nicht betretbaren Spielwelt findet keinerlei Bewegung statt und bis auf ein paar betrunkene Studenten, die halbtot auf dem Campus liegen, sieht man im Verlauf des Spiels auch kaum andere Menschen. Die Welt ist bedauernswerterweise ziemlich leblos.

https://www.youtube.com/watch?v=-NaBQ_xQGDw

Pros

Cons

Fazit

Wie die Zeit verfliegt. Das war mein erster Gedanke als plötzlich der Abspann von Quantum Break über den Bildschirm rollte. Leider fühlte sich das Spiel aufgrund der dürftigen Spielzeit tatsächlich wie eine Zeitreise an, doch hat diese ausnahmelose Unterhaltung geboten. Die Allianz der beiden Unterhaltungsformate ist gut geglückt und zeugt davon, dass nicht nur Indie-Entwickler, sondern ab und an auch große Fabrikanten von Videospielen den Mumm haben, ihre kreativen Innovationen umzusetzen. Und obwohl Quantum Break eigentlich ein klassischer Deckungs-Shooter ist, haben es die Entwickler von Remedy geschafft ein rapides Spielgefühl zu erzeugen, das im Zusammenspiel mit den einzigartigen Kräften für ein tolles Spielerlebnis sorgt. Denn wer möchte sich nicht wie ein Superheld zu fühlen, ohne dabei in einem hautengen Kostüm zu stecken. Sieht man mal von den spartanischen Dialogen und den einfach gestrickten Charakteren ab, so ist Quantum Break ein Spiel, das sich in der Tat mit exklusiven Konkurrenztiteln wie Uncharted messen kann. Wer also kein Geld für ein Raumschiff hat, um damit eine Zeitdilatation durchzuführen, genauso wenig Wissen über Quantenphysik besitzt, aber trotzdem eine Zeitreise erleben möchte, der ist bei diesem Titel genau richtig.

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