Test: Shadow of the Beast

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Kaum ein Jahr nach der ersten Präsentation auf der E3 2015 wurde Shadow oft the Beast in diesem Monat der breiten Öffentlichkeit zum Kauf und Download bereit gestellt. Wir haben uns die Neuauflage des Amiga Klassikers zu Gemüte geführt und verraten euch, ob der Titel etwas zu bieten hat.

Aus dem Schatten

Jährlich prasselt eine Flut von neuen Titel auf die weltweiten Spieler ein. Fortsetzungen und HD-Remakes gehören ebenso wie Reboots fast schon zum guten Ton und sind in dem übersättigten Spieleangebot gar nicht mehr weg zu denken. Doch in Zeiten, in denen Masse vor Klasse kommt, schält sich ein wahrer Klassiker aus dem Schatten der Versenkung: Shadow of the Beast.

Der von Reflections Interactive entwickelte und vom englischen Psygnosis veröffentlichte Jump'n'Run-Titel begeisterte Anfang der 90er Jahre eine ganze Spielergeneration. Auch wenn die zwei Fortsetzungen weniger positive Kritiken einfahren konnten, gilt das Franchise vor allem auf dem Amiga als absoluter Klassiker und dürfte vielen Spielern bis heute in guter Erinnerung geblieben sein. Das nun von Sony Interactive Entertainment herausgebrachte Spiel hört auf den schlichten Namen Shadow of the Beast und ist als eine zeitgemäße Mischung aus HD-Remake und Neuinterpretation des Erstlings von 1989 anzusehen.

Wecke die Bestie in dir

Wie es sich für die Reihe gehört, schlüpft ihr auch im Jahr 2016 wieder in die dunkle, ledrige Haut des echsenartigen Aarbron. Während ihr, angekettet an euren Meister, ein eigentlich friedliches Kloster attackiert, erkennt ihr schnell dessen Verrat. Angetrieben durch den Wut der Bestie und mit drei wählbaren Schwierigkeitsgraden gilt es nun, Meister Maletoth durch insgesamt sechs Level zu verfolgen, in denen Wald-, Sumpf- oder Wüstenareale für ausreichend Abwechslung sorgen.

Die Entwickler scheinen sich ordentlich ausgetobt zu haben und stellen ein buntes, teils grusliges Portfolio an kreierten Gegner zur Verfügung, welche jedoch schnell ihre Bedrohlichkeit verlieren. Schuld daran sind die repetitiv auftauchende Arena-ähnlichen Gebiete. Dabei bauen sich vor und hinter euch undurchdringliche Wände auf, während von beiden Seiten abwechselnd Feinde kommen. Unten rechts wird euch dann angezeigt, wie viele der widerspenstigen Gegner ihr noch zu erledigen habt. Egal ob neu oder alt, bereits nach dem zweiten gespielten Arenakampf wird jeder Feind monoton und ohne große Herausforderung abgearbeitet.

Am Ende eines jeden Level wartet dann noch ein Bosskampf auf euch. Diese sind zwar abwechslungsreich, jedoch bereits nach kurzer Zeit durchschaubar und zügig zu meistern. So wird auch der epischste Feind auf ganz unepische Weise Platt gemacht und enorm viel Potenzial in den Wind geblasen.

Rheumatisches Heldenbild

Ganz im Sinne des Originals wurde größtenteils auf das Kombinieren unterschiedlicher Knopfdrücke verzichtet. Ziemlich übersichtlich sind die vier runden Knöpfe auf dem PlayStation-Controller in Angriff, Springen bzw. Doppelsprung, Betäuben und Greifen unterteilt. Ist durch Kämpfe der Blutbalken maximal gefüllt, kommen die R1 und R2-Tasten zum Einsatz und aktivieren beim gleichzeitigen Drücken den Wut-Modus. So lassen sich kinderleicht ganze Feindeshorden blutig niederschmettern. Einen Hauch des 21. Jahrhunderts bekommt das Gameplay durch das ausführen von Finisher-Moves, um die Feinde mit einer leicht auszuführenden Tastenkombination möglichst brutal ins Jenseits zu schicken.

Steuern lässt sich unser monströser Helden ganz simpel durch das Bewegen des linken Sticks. Ist das nach links und rechts Laufen noch flüssig und ohne Makel gehalten, erweisen sich Springen und Klettern als wahre Herausforderungen. Wirklich knifflige, euer  Geschick erfordernde Abschnitte kann Shadow of the Beast leider nicht aufweisen. Verlasst ihr mit beiden Beinen jedoch die waagerechte und begebt euch in die senkrechte, müsst ihr vor allem eines haben: gute Nerven. Das teilweise verzögerte Springen oder nicht wirklich kontrollierbare Festhalten sowie anschließende Erklimmen von Wänden kann schon die kleinsten Hindernisse zur Geduldsprobe werden lassen.

Das Schöne an dem Beast

Wer mit dem ursprünglichen Spiel vertraut gewesen ist, der wird sich auch 27 Jahre später wie zu Hause fühlen. Gäbe es im Wörterbuch das Wort HD-Remake, so würde dort gewiss der Titel Shadow of the Beast als Musterbeispiel genannt werden. Dem Entwicklerstudio ist es vollkommen gelungen, die damalige Pixeloptik in eine heute standardmäßige Grafik zu transferieren. Eine weitreichende Sicht, fantastisch anmutende Hintergründe und eine spielerische Detailverliebtheit lassen die Hingabe der Entwickler erkennen.

An God of War erinnernde Kamerafahrten kommen teilweise wie aus dem nichts und sorgen, wenn auch nicht oft, für eine dichte Atmosphäre. Leider gibt es stellenweise zu dunkle oder zu helle Abschnitte, in denen kaum etwas zu erkennen ist und die aufzeigen, dass von Entwicklerseite noch ein bisschen mehr hätte drin sein können.

Für zwischendurch

Was im Supermarkt die Paybackkarte ist, das ist in Shadow of the Beast das Mana. Während ihr euch in den Arenen durch eine Gegnerwelle nach der anderen schnetzelt, erhaltet Ihr Manapunkte als Belohnung. Für das gesammelte Mana könnt Ihr am Ende eines jeden Level Bonusinhalte oder Upgrades freischalten.

So können Aarbrons Fähigkeiten verbessert, Conceptarts angesehen, der originale Soundtrack geladen oder verschiedene Untertitel freigeschaltet werden. Besonders letzteres ist zum empfehlen, da das Spiel eine nicht zu verstehende Aliensprache hat, sodass die Untertitel codiert und nicht lesbar sind. Habt Ihr ausreichend Mana gesammelt, kann sogar als kleines Schmanckerl das Originalspiel von 1989 aktiviert werden.

Pros

Cons

Fazit

Grafisch hat Shadow of the Beast den Sprung in die heutige Spielewelt geschafft, gerät dabei mit repetitiven Kämpfen und einer teils schlecht balancierten Steuerung jedoch ins Stolpern. Die Spielzeit ist mit knappen drei Stunden nicht der Rede wird, der Kaufpreis von rund 15,- € ist allerdings gerechtfertigt. Wer ein bisschen Abstand von den Blockbusterspielen möchte oder nur etwas nettes für zwischendurch sucht, der macht hier nichts falsch.

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