Test: Spider-Man(PS4)

  • Marco Kruse
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"Aus großer Lizenz folgt große Verantwortung" so oder so ähnlich müsste der Leitspruch gewesen sein als Sony, Insomniac Games und Marvel sich einigen konnten ein neues Spider-Man Spiel auf die Beine zu stellen. Und genau das war auch bitter nötig, denn die Liste der Marvel Lizenzgurken fällt mittlerweile etwas länger aus, wobei der letzte wirklich gute Titel mit Spider-Man 2 aus dem Jahre 2004 noch aus PS2-Zeiten stammt. Das ist doppelt schade, gerade in Hinblick auf die Kinofilme, die seid mittlerweile 10 Jahren abliefern und regelmäßig für Nerdgasm´s sorgen. Ob sich das nun endlich ändert, können wir euch nach fast zwei Wochen Dauerschwingen endlich verraten.

Welcher Spidey?

Aufgrund von zahlreichen Comics, Zeichentrickserien, Videospielen und Kinofilmen stellt sich natürlich die Frage, mit welchem Spider-Man ihr es nun in der neusten Umsetzung zu tun bekommt. Die Antwort: mit Insomniac Games ganz eigener Interpretation, die viele bekannte Elemente mit viel Geschick vereint und trotzdem seinen eigenen Weg geht. Hier schnell die Keyfacts: Unter der Maske steckt ganz klassisch Peter Parker, der vor mittlerweile 8 Jahren von einer Superspinne gebissen worden ist und damit seine übermenschlichen Kräfte erlangt hat. Seitdem schwingt er sich durch New York und versucht als freundliche Spinne aus der Nachbarschaft zu helfen, wo er kann. Dabei musste er sich über die Jahre gegen eine beachtliche Anzahl an Superschurken zur Wehr setzen, die derweil ihre Zeit im Raft, einer Art Superknast, absitzen. Hier finden sich altbekannte Namen wie Electro, Scorpion, Rhino und mehr.

Doch ein Widersacher konnte sich bisher gegen alle Netze und Spideykicks bestehen und steht dazu noch an der Spitze des Untergrunds von New York - Wilson Fisk aka der King Pin. Das ändert sich aber ganz schnell, sobald ihr den Controller in die Hand nehmt und ihn mit reichlich Fratzengeballer im Superhelden-Parkour-Style final zur Strecke bringt.

Ruhestand: Negativ!

Ähnlich wie ihr denkt sich Peter an dieser Stelle: Endlich Zeit, um lässig durch die Stadt schwingen und kopfüber die Seele baumeln zu lassen. Doch leider bekommen Helden in Strumpfhosen nun mal keine Pause und so muss sich der gute Herr Parker erst einmal um sein Privatleben kümmern. Hier gibt es nämlich einiges grade zu biegen wie Mietschulden, Zoff mit Mary Jane oder seinen offenen Aufgaben beim Nebenjob in einem Forschungslabor. Und als wäre dies nicht schon genug, versucht ein neues Verbrechersyndikat unter dem Namen "Die Dämonen" den Thron der New Yorker Unterwelt an sich zu reisen. Könntet ihr ja eigentlich auf die lange Bank schieben, ist nur doof, weil sie nebenbei noch Terroranschläge verüben, um die Stadt in Angst und Schrecken zu versetzen und Norman Osburn zu schaden, der als Bürgermeister von NY City den Saubermann mimt.

Wer die Trailer fleißig geschaut hat, wird wissen, dass sich Spidey damit gegen Mister Negative behaupten muss, der an der Spitze der Dämonen steht. Was ihm sein Warn-Sinn zu dieser Zeit noch nicht verrät: Sein Privat- und Superheldenleben werden mehr miteinander kollidieren als ihm lieb ist. Mehr bleibt an dieser Stelle aber ein Geheimnis, das ihr am besten spielerisch erfahren solltet. Denn mit über 14 Stunden bietet euch die Kampagne eine toll inszenierte Geschichte, die euch mit jeder Menge Charme, Lockerheit und Charakter fesseln wird. Doch keine Sorge, für genug Dramatik ist auch gesorgt, denn gerade zum Ende nimmt die Geschichte richtig Fahrt auf und lässt die Emotionen hochkochen.

Einfach charismatisch

Insgesamt hat sich das Ganze für uns ein bisschen so angefühlt, als würden da weiterspielen, wo uns die Trickfilm-Serie der 90er losgelassen hat. Das heißt aber nicht, dass ihr Spidey-Fans sein müsst. Insomniac Games hat sich mächtig Mühe gegeben, auch Einsteiger oder Neulinge abzuholen. So wartet das Spiel zwar mit jeder Menge Charakteren auf euch, angefangen von Tante May bis hin zu Bösewichten wie Rhino, doch werden euch all diese verständlich näher gebracht. Das passiert je nach Charakter auf unterschiedliche Weise. Hauptcharaktere bekommen ihren Auftritt direkt in der Story und alle anderen wurden smart auf unterschiedliche Weise mit dem offenen New York versponnen.

Bedeutet natürlich, dass in der Stadt jede Menge Nebenaufgaben auf euch warten. Hier müsst ihr mal Funkmasten wiederherstellen, alte Rucksäcke sammeln, Fisk- und Dämonenverstecke säubern, Wahrzeichen fotografieren und andere Herausforderungen bestehen. Einige Missionen wie beispielsweise die Funkmasten zum Freischalten der Karte kennt ihr sicherlich aus anderen Spielen, und andere Dinge wie unterschiedliche Forschungsaufgaben stellen euch vor kleine Rätselaufgaben. Glücklicherweise gilt diese Abwechselung auch für die Hauptmissionen, in denen ihr nicht nur stumpf Gegner bekämpft, sondern teilweise sehr unterschiedliche Aufgaben meistern müsst. Auch bei der Größe der Karte gibt es nichts zu meckern und so ist NYC nicht so riesig, dass ihr eine Jahresaufgabe vor euch habt, aber groß genug, um euch über die 30 Stunden Grenze mehr als gut zu unterhalten.

Jagen und Sammeln

Mit allen Aufgaben verdient ihr nebenbei noch unterschiedliche Marken, doch dazu später mehr. Die Auswahl der Aufgaben ist hierbei ebenso zahl- wie abwechslungsreich, sodass euch zu keiner Zeit langweilig werden sollte. Und wie erwähnt bringen euch viele der Quests auf lockere Art und Weise näher, was Peter in den letzten acht Jahren in Insomniac Games' New York erlebt hat.

Somit solltet ihr euch immer ein bisschen Zeit nehmen, euch umzuschauen, um nicht die vielen kleinen nerdigen und liebevoll platzierten Details zu verpassen. Um dies noch auszuweiten, sind bei Spidey jederzeit die Antennen an, womit ihr nicht nur mit vielen Charakteren zwischen den Missionen Telefonkontakt haltet, sondern auch noch den Polizeifunk belauscht oder in Radiosender reinhört. Apropos Polizei: Zu dieser hat der Spinnenmann dank Yuri Watanabe, Captain der New York Police, einen direkten Draht und wird öfter mal zur Hilfe gerufen. 

New York, New York

All das sorgt zu einem für ein echtes Mittendringefühl, aber auch dafür, dass sich die Stadt umso lebendiger anfühlt. Genau dies ist eine weitere Stärke von Spider-Man auf der PS4. Das New York, durch welches ihr euch frei schwingen könnt lebt und regiert auf euch. Flugzeuge fliegen euch über den Kopf, die Straßen sind voll mit Autos und Menschen, wobei sich Letztere auch auf den Dächern der Stadt wiederfinden, um zu rauchen, den Ausblick zu genießen oder in Rooftopbars zu feiern. Und sobald ihr an ihnen vorbeikommt, gibt es immer mal wieder ein guten oder auch mal negativen Kommentar wie: "Hey Spider-Man, lass' mal ein Bild machen?!"

Wie erschreckend echt sich das Ganze anfühlt wird euch jedoch erst bewusst, wenn ihr mal  an Häuserwänden klebt. Diese sind nämlich nicht gepflastert mit lieblosen Texturen, sondern stellenweise ausmodelliert. Heißt, ihr könnt ordentlich in die Scheiben gaffen und schauen wie die New Yorker so hausen, oder was in den Wohnungen abgeht. Doch leider immer nur ohne die dazugehörigen Personen. Denn mit Menschen gefüllte Häuser habt ihr nur in bestimmten Missionen - eigentlich irgendwie schade.

Super Optik

All dies wird euch im Übrigen in einer fabulösen Grafik präsentiert, die Spider-Man so schick wie bisher kein anderer Ableger einfängt. Gerade wenn die Kamera in Zwischensequenzen noch ein bisschen näher an Spidey herankommt, seht ihr beispielsweise jede noch so kleine Pore an seinem Anzug. Doch nicht nur die cineastischen Momente schauen extrem schick aus, sondern auch der Rest des Spiels. Auf der PS4 Pro bekommt ihr das Ganze in knackscharfem 4K präsentiert. Auf der technischen Ebene passiert dies zwar mit Skalierung samt Checkerboarding und dynamischer Auflösung, was ihr aber zu keiner Zeit auf dem Bildschirm seht, weil es einfach nur fantastisch aussieht.  Damit schwingt ihr euch frei und fast ohne Ladezeiten durch die Stadt, die, wie erwähnt, kaum lebhafter hätte ausfallen können.

Ladebildschirme kommen immer nur dann vor, wenn ihr in bestimmte Orte wie Gebäude bei Missionen wechselt, oder ihr von Gegnern erledigt werdet. Die spielfreie Zeit wird immer nur dann ein bisschen länger, wenn die Tageszeit von Tag zu Nacht oder umgekehrt wechselt, was ein bisschen schade ist. Denn gerne hätten wir es gesehen, wie die Sonne in der Stadt auch wirklich auf- oder untergeht. Nichtsdestotrotz schauen beide Tageszeiten bombastisch aus. Doch New York kann auch anders und so kommt es öfter mal vor, dass ihr euch durch Schietwetter schwingen müsst. Um euch hier noch ein bisschen mehr zu bieten, ändert sich das Stadtbild mit dem Verlauf der Geschichte sogar. Wie genau? Das lassen wir euch lieber selbst herausfinden. Sight-Seeing lohnt sich aber zu jeder Zeit, denn Insomniac Games und Marvel haben in der Stadt jede Menge Easter-Eggs versteckt, wie beispielsweise den Avengers Tower, auf den ihr in jedem Fall klettern solltet!

Leinwand Niveau

All dies wird im Verlauf der Geschichte durch viele Cutscenes gekrönt, die locker auf Kinoniveau sind. Getoppt durch einen tollen Soundtrack, der die entsprechenden Szenen immer mit der richtigen Stimmung hinterlegt. Trotzdem hätten wir uns bei der ein oder anderen Szene noch ein bisschen mehr Interaktivität gewünscht. Dies gilt im Übrigen auch für den Übergang von Film und Spielsequenz im Allgemeinen. Dieser fällt nämlich immer ein bisschen wechselhaft aus. Und so wird eure Aktivität am Drücker an einigen Stellen hart beendet und an der anderen Stelle gibt es einen komplett flüssigen Übergang. Das hätten wir uns eleganter gewünscht.

Komplett flüssig und ungemein spaßig ist jedoch das Gameplay an sich. Denn egal ob ihr euch durch die Stadt schwingt, den Gegnern Backenfutter gebt oder an Häuserwänden entlang lauft,  alles geht locker und flockig von der Hand. Das Ganze könnt ihr im Übrigen gleich von Beginn an in drei unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden tun. Zudem seid ihr nicht nur in der Perspektive von Spider-Man unterwegs, sondern schlüpft auch mal in andere Rollen, was zusätzlich für Abwechselung sorgt.

Einfach schwingen, einfach schwingen ....

Vor allem das Wichtigste, das Schwingen durch die Stadt, wird zu keiner Zeit langweilig und besitzt einen super Flow, sodass wir uns öfter mal erwischt haben, einfach so durch eine der Häuserschluchten zu "fliegen" oder das höchste Gebäude zu erklimmen, um kurz die Aussicht zu genießen und im nächsten Moment mit stylischen Moves im Sturzflug wieder einen Abgang zu machen. 

Ihr könnt nämlich nicht einfach nur an den Fäden umher schwingen, sondern das Fädenschießen mit besonderen Luftmanövern und sogar Tricks kombinieren. Richtig Laune macht auch das Austeilen von Schellen, denn dank Freeflow Kampfsystem á la Batman könnt ihr euren Widersachern alles Mögliche an Spideymoves um die Ohren hauen. Klar, auch hier wurde das Rad nicht neu erfunden, jedoch sind die Spinnenmoves einfach noch mal eine Runde stylischer als bei anderen Superhelden.

Gadget Mania

Hierbei hat Insomniac Games auch einen großen Kunstgriff mit ihrem eigenen Peter Parker vollbracht, der nicht ohne technische Gadgets auskommt, was schon bei seinem Anzug anfängt. Gekoppelt ist das an ein umfangreiches und motivierendes Fortschritts- und Levelsystem. Jede Aktion bringt euch Erfahrungspunkte - je nach Aufgabe und Mission mal mehr und weniger. Jeder Levelaufstieg bringt euch einen Fähigkeitspunkt, mit dem ihr neue Moves freischalten könnt, die euch im Kampf oder beim Schwingen durch die Stadt neue Möglichkeiten bieten. Und dann wären doch noch die Anzüge, die ihr im Verlauf des Spiels freischalten könnt.

Um diese zu erwerben, müsst ihr eine unterschiedliche Anzahl an Marken in eurem Besitz haben, welche ihr, wie erwähnt, durch die Nebenmissionen bekommt. Jeder Anzug hat dabei eine bestimmte Kraft, die sich nach Erwerb auch mit anderen Anzügen frei kombinieren lässt. Damit könnt ihr nicht nur die Fähigkeiten nutzen, die am besten zu euch passen, sondern auch in dem Spidey-Outfit umherturnen, welches euch am Besten gefällt.

Die kleinen Fehler

Neben all dem Lob gibt es jedoch noch minimale Abzüge in der B-Note, denn stellenweise hatten wir mit kleinen Fehlern zu kämpfen. Zum einen lassen sich bestimmte Trigger zum Start einer Mission oder Interaktionen in diesen via Tastendruck nicht immer exakt drücken, sodass ihr beispielsweise vor bestimmten Schaltern wild umherrennt, um diese drücken zu können. Oder das euch Gegner an Ecken festsetzen können, an denen ihr zum Sterben verurteilt seid. Und auch das automatische Auslösen von Hauptmissionen, wenn ihr dem Ort, wo sich diese befinden, zu nahe kommt, kann schnell mal zu einem ungewollten Start führen, wenn ihr eigentlich zu einer Nebenmission in der Nähe unterwegs seid. Jedoch sind dies alles wirklich nur minimale Fehlerchen, die während unser weit, weit über 25 Teststunden zwei bis dreimal aufgetreten.

Zum Schluss gibt es im Übrigen noch die Dreingaben, an die wir uns schon langsam gewöhnt haben wie ein New Game+ Mode und ein Fotomodus samt trendigen Sticken ala Instagram und Snapchat.

Informationen zur Testfortschritt

Getestet auf: PS4 Pro an 4K TV und 1080P TV Testzeit: 25 Stunden plus Komplett durchgespielt auf Schwierigkeitsgrad: Spektakulär Spielfortschritt: 79% Charakterstufe: 50 Trophäen bis zum Testurteil: 52%

Pros

Cons

Fazit

Mit Spider-Man haben es Sony, Insomniac Games und Marvel endlich geschafft, dem Fassadenkletterer neues Leben einzuhauchen und nebenbei allen anderen Superhelden leicht und beschwingt zu zeigen, wo der Hammer hängt. Gerade in den Bereichen Story und deren Inszenierung steht der Spidey auf der PS4 seinen Leinwandvorbildern in Nichts nach und schwingt locker an einigen vorbei. Gekrönt wird dies noch durch die fabelhafte Präsentation, an der wir nichts zu meckern haben, egal ob PS4 Pro oder nicht. Und egal welche minimalen Fehler auch die Topnote verhindern, solltet ihr euch diesen Trip nach New York mit Spider-Man auf gar keinen Fall entgehen lassen.

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