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Test: Transference - Hollywood trifft auf Gaming

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Von: INGAME Redaktion

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Den meisten Menschen ist Elijah Wood als Frodo Darsteller aus Herr der Ringe in Erinnerung geblieben. Doch der Hollywood-Star ist leidenschaftlicher Gamer und hat mit seiner Firma SpectreVision in Kooperation mit Ubisoft Transference auf die Beine gestellt. Das Mystery-Adventure mit einigen Psycho-Thriller-Anteilen soll Game und Spielfilm bündeln.

Dem Wahnsinn verfallen

Transference dreht sich um den Computer-Wissenschaftler Raymond Hayes und seine zerrüttete Familie. Er hat das kognitive Bewusstsein seiner selbst und das seiner Frau Katherine und seines Sohnes Ben in ein virtuelles Abbild der echten Welt übertragen. Wir schlüpfen in die Rolle eines Namenlosen, der den tiefen Abgründen der Familie auf den Grund geht.

Die Bostoner Familie schien nicht eine der glücklichsten zu sein. Vater Raymond will die familiären Missstände unter allen Umständen ins Positive lenken und verfällt dabei seinem eigenen Wahnsinn. Wieso war die Familie so unglücklich und was hielt den Wissenschaftler an, so zwanghaft an seinem Leben und letztendlich auch dem seiner Lieben zu schrauben und zu basteln. Wie viel Utopie ist noch gesund und wo beginnt Wahnsinn?

Während ihr die Wohnung der Familie durchsucht, stoßt ihr auf Hinweise und Informationen und versucht innerhalb eines Escape Room-Settings der Geschichte dieser Menschen auf den Grund zu gehen. Erinnerungsstücke helfen euch dabei.

Ganz nackt ohne VR

Transference ist sowohl mit, als auch ohne VR Brille erlebbar. Welche Auswirkung ein fehlendes VR-Equipment hat und wie das Spiel ist, wenn es sozusagen „nackt“ da steht, haben wir für euch niedergeschrieben, denn bis auf den Anfang haben wir das Spiel ganz klassisch durchlaufen. Ja, wieso nur der Anfang? Durch die hohe Qualität und die sehr gute Umsetzung ist dieses Spiel in VR nichts für schwache Nerven. Gleich zu Beginn ging der erste Jumpscare ganz reibungslos über die Bühne und verursachte einen hochfrequentierten Schrei. Das war dann auch der Grund für die Entscheidung, das Spiel ohne VR weiterzuspielen. Im Vergleich zu Persistence, einem VR-Horrortitel hat dieser Psycho-Thriller mehr überzeugt. Die Auflösung ist für ein VR-Game sehr gut und bis auf ein paar Lags beim Verändern der Perspektive läuft alles flüssig.

Auch beim Thema Motion-Sickness brauchen sich sonst sehr empfindliche Gemüter nicht großartig sorgen. Denn per Trigger könnt ihr ganz easy die Perspektive wechseln ohne euch aktiv umschauen zu müssen. Wichtig ist, an die Gegenstände, die ihr euch anschauen oder aufnehmen möchtet immer nah genug heranzugehen. Die Steuerung ist ganz einfach und funktioniert eher intuitiv. Das VR-Erlebnis ist zusammenfassend intensiver, als von dem beim Verzicht der VR Möglichkeit. Doch das kann ebenso positiv, als auch negativ sein. In Anbetracht, dass die meisten Fans dieses Genre ein möglichst intensives Erlebnis suchen, sollte, sofern man damit ausgerüstet ist, nicht auf die VR-Option verzichten. Menschen mit schwachen Nerven raten wir davon ab. Wie sich das Spiel ganz "nackt" bewiesen hat, könnt ihr in den folgenden Zeilen finden.

Ein namenloser Detektiv

In Form einer Videobotschaft berichtet uns Raymond Hayes stolz von seinem Triumph. Er schaffte es, das menschliche Bewusstsein in eine virtuelle Realität zu übertragen und lädt uns ein, dieser Sache auf den Grund zu gehen. Das Video ist eines der Versuche, das Spiel wie einen interaktiven Film wirken zu lassen. Doch leider gibt es davon unserer Meinung nach nicht genug.

Anschließend befinden wir uns vor dem Wohnhaus der Bostoner Familie, an der Hausecke strahlt eine LED-Leuchtschrift „HARMONY“, die definitiv nicht das Gefühl widerspiegelt, welches ihr am Anfang haben werdet. Über eure Person wisst ihr nichts, als Namenloser taucht ihr auf und werdet auch im Laufe des Spieles nicht erfahren, was es mit eurer Rolle auf sich hat. Schon warten die ersten zwei kleinen Rätsel auf euch, die ihr lösen müsst, um das Haus betreten zu können. Dafür braucht ihr keinen Meisterverstand und müsst in dem Genre auch nicht gut bewandert sein, was für Einsteiger recht gut ist, doch für Fans des Kopfzerbrechens nicht unbedingt befriedigend sein wird.

Wir haben für den Anfang in VR die Oculus Rift verwendet, welche bekanntlich graphisch mehr abliefert als die PSVR. Um es direkt vorweg zu nehmen – das darf nämlich auch in dieser Review keinesfalls fehlen – die Spielweise, vor allem in VR, ist sehr immersiv. Durch die Oculus Touch Controller hatten wir zum Beispiel die Möglichkeit, Türen zu öffnen durch eine Bewegung, die beinahe identisch zu der normalen „Tür-Öffnungs-Bewegung“ ist.

Fast immer eine Begleitung am Start

Wir sagen es mal so, am Anfang hatten wir wirklich keine Ahnung, was wir tun sollen und vor allem warum. Primär geht es darum, mehr über die Familie Hayes zu erfahren. In ihrem bescheidenden Appartement machten wir uns also auf die Suche nach Hinweisen. Die Wohnung bleibt der einzige Schauplatz des Spiels, bis auf eine kurze Sequenz, in der wir den Hinterhof und die Garage unsicher machten. Besonders relevant sind die Lichtschalter, die sich in der Wohnung befinden, mit denen ihr Zeitebenen sowie Dimensionen wechselt. Schnell wird klar, dass wir uns durch den Druck auf einen dieser Schalter in einem anderen Bewusstseinskonstrukt befinden, was für das Lösen einiger Rätsel essentiell ist. Abhängig davon ändert sich auch die Kulisse. Während die Wohnung in der einen Dimension an ein Computerlabor erinnert und wirre Formeln an die Wände gekritzelt sind, ist die andere wie ein Kindergeburtstag gestaltet.

Doch egal, in welcher ihr wandelt, die Atmosphäre bleibt dicht. Und davon lebt Transference auch. Insbesondere das Sound-Design hat uns imponiert, denn während des Erkundens der Wohnung hören wir immer wieder die Stimmen der Bewohner. Mal flüsternd, mal kreischend, schreiend, weinend oder sogar singend. Hinzu kommen intelligent eingesetzte Musik und Sound-Effekte. Der Raumklang ist genial, weshalb Kopfhörer ein Muss sind. Erst dann erfahrt ihr die Liebe zum Detail direkt durch die Ohren auf die Haut. Denn das bereitete uns definitiv öfter mal eine Gänsehaut.

Ihr müsst nicht Einstein sein

Die Rätsel, die gelöst werden mussten sind, wie schon gesagt, nicht besonders anspruchsvoll. Die Hinweise sind meist eindeutig und das Spiel gibt durch plötzlich verschlossene Türen oder plötzlich offene Türen meist an, in welche Richtung man sich zu bewegen hat. Dadurch wird natürlich ein guter Spielfluss geschaffen, doch gleichzeitig die Möglichkeit genommen, einen Raum noch einmal gründlicher zu durchforsten. Zum Beispiel: Unter anderem sammelt ihr Videoaufnahmen, die ihr im Menü noch einmal anschauen könnt. Doch zu unserer Überraschung fehlten uns einige davon. Es gab aber keine Chance, noch einmal zurückzusteuern, um diese eventuell beim zweiten Anlauf zu finden. Und zum wiederholten Durchspielen bietet das Spiel leider keinen Grund. Deshalb solltet ihr unbedingt, egal wie penetrant das Spiel euch in Bewegung bringen will, gründlich sein. Manche Räume sind euch natürlich öfter zugänglich.

Waren das Guppys?

Den Psycho-Thriller Anteil findet ihr definitiv in der durch genialen Sound und detailreiche Gestaltung geschaffene Atmosphäre, leider nicht in der Story - für uns die größte Schwachstelle. Denn Gameplay-technisch ist nicht viel zu erwarten und ist auch nie die Intention des Entwicklers gewesen.

Die Idee war, bei den Spielern intensive Emotionen auszulösen, doch bis auf ein unbehagliches Gefühl durch die drückende Atmosphäre und ein paar Jumpscares, haben wir davon nicht wirklich viel gespürt. Ihr lernt die Charaktere zwar recht gut kennen und es ist schon ziemlich erschreckend zu sehen, wie der Familienvater Raymond immer mehr seinem Wahnsinn verfällt, doch prinzipiell ist die Story ein recht gewöhnliches Familiendrama mit sanft angekratztem Sci-Fi Content. Es ist nämlich bis zum Ende nicht ganz klar, worauf die Geschichte anspielt. Für uns wurde an dem Thema „Bewusstseinsübertragung in die virtuelle Realität“ lediglich an der Oberfläche gekratzt. Was vielleicht auch daran liegt, dass das Spiel nur eine Spieldauer von etwa 2-4 Stunden hat.

Das Ende war dann ziemlich enttäuschend und abrupt. Die erhoffte Auflösung erfolgte nicht und das Gefühl, dass man etwas in dem Spiel tut, was einen Zweck erfüllt, wurde ebenso schnell ausradiert. Sicherlich bietet Transference eine Menge Interpretationsfreiraum. Aber am Ende zu denken, dass man ein bisschen in dem Haus herurumgeschnüffelt hat und sonst nichts, ist nicht beglückend, sondern eher frustrierend.

Pros

Cons

Fazit

Transference versucht den Spagat zwischen Film und Spiel. Mit VR Equipment lohnt sich das 25 Euro teure Spiel der Atmosphäre wegen schon. Das Sound-Design ist ein Gaumenschmaus für alle Ohren und die Gestaltung ansprechend. Doch wer anspruchsvolle Rätsel, eine mitreißende Story und zeitintensivere Erlebnisse sucht, sollte eher zu einem anderen Spiel dieses Genres greifen.

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