Test: Until Dawn

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Acht Teenager, eine Waldhütte und ein Psychokiller – Willkommen bei Until Dawn. Der neuste PlayStation 4 Exklusivtitel aus dem Hause Supermassive Games, scheint auf den ersten Blick wie ein spielbares Horrorfilm-Klischee, doch was steckt wirklich dahinter? Um das herauszufinden, haben wir uns nach Blackwood Pines gewagt. Soviel sei vorab verraten - Wir waren uns der  Konsequenzen, die das nach sich zieht nicht bewusst.

Horrorgeschichte

Das Grundszenario von Until Dawn ist schnell erzählt. Die Teenagergruppe Sam, Josh, Jessica, Mike, Matt, Emily, Chris und Ashley machen einen Wochenendausflug zu einer abgelegenen und verschneiten Berghütte. Trip und Ort sind aber nicht zufällig gewählt, denn genau vor einem Jahr sind hier zwei Freundinnen der Gruppe spurlos verschwunden. Doch nicht nur diese ungeklärten Ereignisse schwingen wie ein Fallbeil über der Gruppe, denn zudem hat es auch Psychokiller auf die Gruppe abgesehen. Und als wäre das nicht alles schon Horror genug, scheint Blackwood Pines auch nicht der nette Ferienkurort zu sein, an dem ihr wirklich eure Freizeit verbringen wollt.

Diese offensichtliche Teenie Slasher-Hommage klingt zunächst nicht wirklich innovativ, gewinnt dennoch rasant an Fahrt und fesselt euch von Minute zu Minuten mehr vor den Bildschirm. Schnell wird aber auch klar, dass unter dem Deckmantel der Freundschaft zunächst die typischen Lieb- und Feindschaften herrschen und ab da kommt ihr ins Spiel. In Until Dawn dreht sich alles um eure Endscheidungen, um die Geschichte voran zu treiben. Was zum Beginn noch einfach erscheint, wird aufgrund der toll heraus gearbeiteten Persönlichkeiten und deren Beziehungen immer schwerer. Je weiter ihr voranschreitet, umso stärker bindet ihr euch nämlich an die Teenies, sodass selbst die simpelsten Entscheidungen zur Qual werden können.

Entscheidungen und Konsequenzen

Genau bei diesem Punkt spielt Until Dawn seine größte Stärke beeindruckend aus, der Schmetterlingseffekt. Dieser tritt bei bestimmten Endscheidungen auf und beeinflusst den weiteren Verlauf des Spiels maßgeblich. Ihr könnt es euch wie eine Art Baumdiagramm vorstellen, bei dem je nach Auswahl komplette Astgabelungen entstehen oder weggeschnitten werden und somit nicht mehr für euch erreichbar sind.

Der unangenehmste Fall wäre, dass ein Charakter stirbt und ihr das Spiel, leider ohne ihn zu Ende bringen müsst. Um die Sache noch spannender zu gestalten, wisst ihr immer erst danach ob ein Schmetterlingseffekt aufgetreten ist oder nicht. Somit solltet ihr stets weise wählen, wenn euch das Leben eurer Teenager lieb ist. Das führt zu einem weiteren positiven Nebeneffekt und zwar dem enorm hohen Wiederspielwert von Until Dawn. So haben wir nach unseren ersten Durchgang, der etwa 9 Stunden dauerte, sofort versucht unsere Fehler wieder ausbügeln.

Wenn ihr jetzt glaubt „Hab ich alles bei Heavy Rain schon gesehen“ trifft das nur teilweise zu, denn die schiere Anzahl von Charakteren führt zu unglaublich vielen Möglichkeiten - wirklich jedes Szenario ist denkbar und vor allem möglich. So kann die gleiche Szene selbst im dritten und vierten Anlauf, noch völlig unterschiedlich aussehen und ausgehen.  Jeder Charakter kann überleben oder auch sterben.

Angst und Schrecken

Doch glaubt uns, gerade die letzte Möglichkeit ist weder einfach zu erreichen, noch leicht zu ertragen. Gerade das Ableben der Teenager ist nichts für schwache Nerven! Das wir uns selbst als deutsche Spieler nicht mit irgendwelchen Altersfreigabe-bedingten Einschnitten rumärgern müssen, „freut“ uns hier natürlich besonders, oder auch nicht. Ihr wisst schon ...

Da kommt natürlich die Frage auf: Wie gruselig ist das Until Dawn eigentlich? Meine Antwort: Verdammt gruselig! Die Entwickler haben sich nämlich die größte Mühe gegeben, unzählige Horror-Techniken punktgenau im Spiel zu platzieren. Das fängt bei tollen Kamerawinkeln an und hört bei den obligatorischen Jump-Scares auf. Um dem Ganzen noch die Krone aufsetzten, wird durch ein spannendes Element im Spiel das Erlebnis noch genauer auf euch angepasst. Das Erlebnis ist am Ende bei jedem Spieler unterschiedlich, ich musste mich aber stellenweise am Controller festklammern, oder hätte ihn auch fast schon mal vor lauter Schreck verloren.

Gehen, leuchten, wählen

In Sachen Gameplay erwartet euch jedoch wenig Neues. Zwischen Film und Auswahlsequenzen steuert ihr die unterschiedlichen Charaktere via etwas schwammigem Analogstick, durch die stellenweise sehr großen Areale und versucht erstens die Geschehnisse voran zu treiben und zweitens nützliche Hinweise zu finden. Böse Zungen würde jetzt von einem Laufsimulator sprechen, doch ein bisschen mehr ist es dann schon. Mit Hilfe von Lichtquellen wie Taschenlampe oder Feuerzeug durchsucht ihr die Level, um auf blinkende Objekte stoßen. Diese gilt es anzuschauen, aufzusammeln oder sinnvoll zu benutzen.

Dies klappt dank der simplen Mechaniken auch alles recht gut, wird aber echte Zocker kaum vor Herausforderungen stellen. Selbst die etwas schnelleren Qucktime-Events sollte jeder normale Spieler spätestens nach dem zweiten Auftauchen bewältigen können. Wir finden dies aber weniger schlimm, denn so wird das interaktive Kinoerlebnis eigentlich nur sinnvoll vorangetrieben ohne Tempo einzubüßen. Einziger Kritikpunkt ist die gewöhnungsbedürftige Ausrichtung der Lichtquellen und Charaktere. Selbst nach mehreren Stunden hatten wir beim freien Erkunden nie das Gefühl die volle Kontrolle erlangt zu haben.

Hollywoodreif

Wo das Szenario auf den ersten Blick nur nach Trashfilm schreit, ist dessen Präsentation gleich von Beginn an auf Blockbusterniveau. Dank neuster Facescan- und Motioncapture-Technologien, wurde der Hollywoodcast unter Frontfrau Hayden Panettiere fast schon lebensecht ins Spiel gebracht. Damit einher gehen die abwechslungsreichen Areale, die keine Wünsche übrig lassen. Um die Spannung auch stetig hoch zu halten, wurde auf die Beleuchtung Level besonderer Wert gelegt, sodass alles in einem schaurig schönen Licht erscheint.

Nur stellenweise muss der hohen Qualität noch Buße getragen werden, was die Bildrate an manchen Stellen einknicken lässt, ohne dabei aber die Spielbarkeit zu beeinflussen. Untermalt wird das Ganze durch  fesselendene Klänge und satte Soundeffekte inklusive Erschreck-Garantie.

Pros

  • Inszenierung auf Hollywood-Niveau
  • Spannender Geschichte und Charaktere
  • Schmetterlingseffekt bringt Spannung und Wiederspielwert
  • Nicht nur Jump-Scares
  • Erschütternde Soundkulisse

Cons

  • Steuerung schwammig
  • Spielerisch leichte Kost
  • Bildrate knickt mitunter ein

Fazit

Mit Until Dawn hat Supermassiv Games eine interaktive Liebeserklärung an das Horrorgenre abgeliefert, die euch Gänsehaut im Minutentakt verpasst. Hollywoodreife Präsentation, ein toller Cast und das Schmetterlingseffekt System sind hier nur ein Teil, der mit Angstschweiß perfekt geschmierten Maschinerie. Das ist auch der Grund warum der geringe spielerische Anspruch und die kleinen technischen Schnitzer nicht schwer ins Gewicht fallen, denn legt ihr Until Dawn das erste Mal in die Konsole, wird euch der Schrecken bis zum Morgengrauen nicht mehr loslassen.

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