Test: The Witcher 3 - Wild Hunt

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Nach scheinbar unendlicher Wartezeit können wir uns in das letzte Abenteuer des Hexers stürzen. The Witcher 3 - Wild Hunt ist auf dem Markt und die Videospielwelt überschlägt sich mit Lobpreisungen für das Spiel aus dem Hause CD Projekt Red. Wir haben uns (dem Titel gebührend) viel Zeit genommen und mehrere Dutzend Stunden in der Welt von The Witcher 3 verbracht. Ob der ganze Hype wirklich gerechtfertigt war, erfahrt ihr in unserem Review.

Die Grafik glänzt...

The Witcher 3 ist eine Augenweide! Selbst auf niedrigen Einstellungen macht es einiges her und bei Beschwerden muss man schon sehr kleinlich sein. Wer wirklich alles aus den Vorführungen geglaubt hat, erwartet auch bei McDonalds Essen, wie auf den Abbildungen. Durch atemberaubende Landschaften, Detailreichtum und tolle Wettereffekte werdet ihr in eine ganz eigene, fabelhafte Welt gezogen. Seltene Ladezeiten sorgen zudem dafür, so gut wie nie aus diesem Universum gerissen zu werden. Der Ladebalken erwartet euch nur nach dem Tod, der Schnellreise oder beim Betreten eines abgeschlossenen Bereichs und bildet so eine natürliche Pause, des ohnehin schon unterbrochenen Spielflusses.

Größter Kritikpunkt sind in Sachen Grafik, das eine oder andere aufpoppende Objekt, darunter auch NPCs. Dieses Ärgernis tritt bei den Konsolen häufiger auf als beim PC und meist in den großen Städten, also dort, wo viel Rechenleistung gefordert wird. Dem Spielerlebnis tut es kaum einen Abbruch. Leider sind die offiziellen Hairworks nur für Besitzer einer Nvidia-Grafikkarte vorbehalten, jedoch haben findige User diesen Effekt auch auf AMD-Karten zum Laufen gebracht, benötigt hier aber wesentlich mehr Speicher. Das Feature lässt Haare und Felle noch besser aussehen, ist im Großen und Ganzen aber nur ein Sahnehäubchen. Ich habe die PC-Version mit einer AMD-Grafikkarte auf mittleren Einstellungen gespielt und bin mehr als zufrieden.

...das Gameplay leider nicht

Leider löst der wichtigste Punkt für ein Videospiel bei The Witcher 3 die meiste Kritik aus. Selbst wenn man von den zahlreichen Bugs bei dem noch frischen Spiel absieht, fühlt sich vieles sehr unrund an. Vor allem im Kampfsystem hakt es gewaltig. Das größte Problem ist dabei der Fokus, welchen ihr manuell oder automatisch einstellen könnt und der euch besonders bei mehreren Feinden gerne einmal ärgert. Die Feinde wechseln nämlich die Positionen oder laufen einfach mal zurück, wenn ihr einen Satz zurück macht. Wer denkt, dass in dieser Situation der automatische Fokus von Vorteil wäre, liegt falsch. Zu oft und zu lange liegt der Fokus auf Einheiten, die ihr zwar gerade noch attackiert habt, aber jetzt zurückgewichen sind. Dafür haben Kameraden ihren Platz eingenommen, die bereits zum Schlag ausholen, während ihr noch den Falschen anvisiert. Bei der manuellen Zielsuche müsst ihr eine Taste penetrieren und selbst dann ist nicht gewährleistet, dass euer Ziel nun das richtige ist.

Meist hilft dann nur noch eine defensive Rolle, um euch neu zu positionieren und die nächste Chance abzuwarten, wo wir beim nächsten Kritikpunkt angekommen sind. Die Rolle ist die wohl mit Abstand inflationär gebrauchte Tätigkeit in The Witcher 3. Ich würde sogar so weit gehen, zu sagen, dass ihr euch öfter dicht über dem wunderschönen Boden befindet, als Angriffskombinationen auszuführen. Grund dafür ist der niedrige Kostenpunkt für die Bewegung. Dieser ist gleich Null. Kein Funken Ausdauer wird geopfert und so ist sie immer willkommen, um auszuweichen oder einfach ein paar Meter zwischen euch und den Feind zu legen. Eine etwas taktischere Komponente wäre wünschenswert gewesen.

Dennoch machen die Kämpfe in The Witcher 3 sehr viel Spaß, sofern die Gegnergruppe nicht mehr als drei Feinde fasst. Zu den Highlights gehören natürlich wie immer die Monsterkämpfe der Hexer-Aufträge. Durch die Zauber, Bomben, Blocks, Konter und nicht zu vergessen die Armbrust, mit der ihr fliegende Monster auf den Boden der Tatsachen zurückholt, könnt ihr euren Kampfstil variieren und Vorlieben anpassen.

Charakterentwicklung fehlt die Tiefe

Das Charaktermenü lässt hingegen wenig kreativen Spielraum. Eure Fähigkeitenpunkte könnt ihr in vier Skillbäume stecken, die sich in Waffen, Zauber, Alchemie und Passive aufteilen. Letzterer beinhaltet nur 10 Wahlmöglichkeiten, die sich nicht verbessern lassen und daher schnell abgehakt sind. Interessanter sind da schon eher die Verbesserungen eurer Kampf- und Zauberkünste. Nach dem Prinzip „Alle Wege führen nach Rom“ wird euch freie Hand gewährt, die Vielfalt hält sich allerdings in Grenzen. Die Skilltrees haben mehrere Stufen, die mit einer gewissen Anzahl Punkte im gesamten Baum freigeschaltet werden. Sehr angenehm, da ihr somit auch in einer höheren Stufe Fähigkeiten verbessern könnt, in der noch kein einziger Punkt steckt, da anfängliche Verbesserungen keinen Punkt wert waren.

Leider erhöht ihr fast ausschließlich Prozentwerte für Schaden oder Trefferchancen. Es werden keine neuen Attacken oder Fähigkeiten freigeschaltet, lediglich die Zauber erhalten eine zweite Anwendungsweise. Zudem wird die Lust aufs Leveln dadurch gehemmt, dass euch nur zwölf Slots für über 50 Fähigkeiten gewährt werden. Also selbst wenn ihr in jede Fähigkeiten einen Punkt investiert, könnt ihr nicht alle zeitgleich nutzen. Das heißt entweder mühsames Tauschen vor jedem Kampf, um perfekt gewappnet zu sein, oder Spezialisierung auf wenige Fähigkeiten, aber auch dann werden genügend Punkte überbleiben. Die Slots werden immer ab bestimmten Levelgrenzen freigeschaltet, sodass ihr ab Level 30 zwölf Slots habt. Hinzu kommen noch vier Plätze für Mutagene, die eure Fähigkeiten nochmals prozentual verbessern. Insgesamt bietet das Charaktersystem wenig Anreiz und Spaß am Leveln. Ihr werdet zwar stärker und könnt bessere Rüstungen und Waffen tragen, aber die Freude auf neue Attacken, Bewegungen oder Zauber bleibt aus.

Crafting-System dafür zu komplex

Aber wo wir gerade bei Ausrüstungen waren: Was dem Charaktermenü an Komplexität fehlt, macht das Crafting-System von The Witcher 3 wieder weg. Auf euren Abenteuern findet ihr eine Vielzahl an Rezepturen mit denen ihr neue Gegenstände herstellen könnt. Zum einen sind das Tränke, die Geralt selbst braut, für Rüstung und Waffen bedarf es allerdings einen Schmied. Diese sind immer auf eine Art der beiden genannten Gegenstände spezialisiert und können je nach Stufe nicht alle Items herstellen.

Zwar wird euch immer angezeigt, was beispielsweise ein Brustharnisch benötigt, wie ihr jedoch zu den gewünschten Utensilien kommt, ist oft ein Rätsel. In der Welt findet ihr unzähligen Kram, den ihr beim Schmied zerlegen lassen könnt. Immer nur das direkt nachfolgende Produkt wird angezeigt, keine weiteren (vieles lässt sich mehrfach zerlegen). Andere Sachen, wie Metallbaren, können ebenfalls hergestellt werden. Die pure Fülle macht das System sehr unübersichtlich und ihr müsst euch Zeit nehmen, um einen Durchblick zu erhalten. Danach kann die Jagd nach Zutaten und der nächst besseren Rüstung sehr unterhaltsam sein.

Auch Nebenhandlungen begeistern

Da The Witcher 3 ein Rollenspiel ist, sollten wir natürlich vor lauter Oberflächlichkeit nicht die Story vergessen. Wild Hunt bildet das letzte Abenteuer des Protagonisten Geralt von Riva und so wird das Finale auch gebührend gefeiert. Sowohl Haupt- als auch zahlreiche Nebengeschichten wissen zu fesseln und schicken euch als Spieler auf eine Reise durch ein düsteres Märchen für Erwachsene. Dabei solltet ihr bedenken, dass The Witcher 3 kein Spiel für zwischendurch ist. Wenn ihr euch vor den Bildschirm setzt, ist es von Vorteil ein paar Stunden im Gepäck zu haben. Die Zeit verfliegt gerne einmal und auch Cutscenes und Dialoge nehmen viel davon in Anspruch. Ich persönlich kam in keinen Fluss, wenn ich weniger als 60 Minuten zur Verfügung hatte.

Während ihr der Hauptstory folgt, habt ihr das Vergnügen hin und wieder in die Haut von Ciri zu schlüpfen und einen Teil ihres Weges mit zu verfolgen. Spielerisch sind diese Episoden zwar keine Herausforderung, geben aber einen schönen Überblick des Gesamtgefüges der Geschichte.

An was jedoch The Witcher 3 krankt, ist die überdimensionierte Fülle an Aufgaben, welche nicht dem Levelsystem angepasst ist. So verbringen Spieler mit Helfersyndrom etwa ein Viertel der Spielzeit mit Quests, die völlig unterfordern. Hier muss jeder selbst entscheiden, ob er sich durch jede Einzelne quält und eventuell mit einer schönen Geschichte belohnt wird oder einen Teil der Aufgaben links liegen lässt. Allerdings bietet der Punkt eine tolle Möglichkeit. Falls ihr das Spiel mehr als einmal durchspielt, könnt ihr völlig unbekannte Nebenquests zum Aufleveln verwenden.

Abtauchen in eine fabelhafte Welt

Die Atmosphäre ist dicht und zum Greifen nahe. Egal ob ihr euch in einer düsteren Höhle, im Wald oder einer Taverne befindet, ihr werdet euch wie in eine andere Welt versetzt fühlen. Die Liebe zum Detail ist immer zu finden und wenn ihr erstmal durch einen Sturm geritten seid, wollt ihr gar keinen Gebrauch mehr von der Schnellreise-Funktion machen. Manchmal lohnt es sich sogar den Gesprächen einfacher Bauern zu lauschen. Oft erhaltet ihr interessante Informationen, schockierende Geschichte oder einfach nur Unsinn. Weniger umfangreich fällt ihr Verhalten aus. Oft stehen sie nur herum, gehen manchmal Tätigkeiten nach und nachts schlafen sie. Ein Faustkampf ist da schon ein Highlight. Allerdings wird der Alltagstrott immer wieder von kleinen, plötzlichen Quests aufgebrochen, wie einem Scheunenbrand oder einem Überfall auf der Straße. Seltsam nur, dass die Ausrufe der Dorfbewohner immer panisch sind, was wohl einem Bug geschuldet ist.

Die deutsche Lokalisierung von The Witcher 3 ist im Schnitt solide, hier und da gut, aber teils auch unterirdisch. Die Stimme passt nicht immer zur Person und deren Verhalten, Situation oder Charakter. Besonderes die von Erwachsenen gesprochenen Kinderstimmen können euch in den Wahnsinn treiben. Auch der deutsche Geralt ist kein Glücksgriff gewesen. Jeder, der in diesem Bereich etwas mehr haben will und gute englisch Kenntnisse hat, sollte die Sprache ändern. Dem Soundtrack ist die Sprachausgabe zum Glück egal, denn hier kann The Witcher 3 voll und ganz überzeugen. Besonders in den Kämpfen weiß die Musik den Spieler mitzureißen.

Wenn ihr kein Wissen über die Vorgänger von The Witcher 3 habt, könnte der Start ins Abenteuer etwas befremdlich wirken. Nach einem kurzen Bewegungs- und Kampftutorial schlüpft ihr in eine Rolle mit gestandenem Charakter und offener Welt. Ohne einen Funken Ahnung zu eurer Person, der Welt, eueres Beruf und gesellschaftlichen Ansehens kann es sein, dass der Spielspaß nur langsam ins Rollen kommt. Ich selbst sehe es sogar als Vorteil. Die Reihe nimmt den Spieler seit dem ersten Teil nicht übermäßig an die Hand und lässt ihn die Welt auf eigene Faust erleben, so auch in The Witcher 3.

Pros

Cons

Fazit

Für mich ist The Witcher 3 das Spiele-Highlight des Jahres. Seit Skyrim vor 4 Jahren hat mich kein Rollenspiel mehr so gepackt. Was Hype und Vollpreistitel anbelangt, bin ich immer sehr skeptisch. Mit dem letzten Teil der Saga habe ich mich daher sehr kritisch auseinandergesetzt, da ich weiß was ein Rollenspiel haben muss. Doch die Welt des Hexers ist definitiv eine Reise wert und wird mich noch viele der kommenden Wochenenden ganz für sich haben.

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