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Those Who Remain im Test – Welches Jahr war noch gleich?

  • Jonas Dirkes
    VonJonas Dirkes
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Those Who Remain verspricht der nächste Funkelstern am Horrorhimmel zu sein - hier lest ihr wie sich der Titel von Camel 101 in unserem Test geschlagen hat.

  • Those Who Remain ist ein psychologisches Horror-Spiel
  • Vorbilder von Those Who Remain sind Games wie Silent Hill oder Alan Wake
  • Those Who Remain erscheint am 28. Mai 2020 für PS4, Xbox One, Nintendo Switch, PC und Mac.

Oakland, USA - Schonmal gefragt, warum es AAA-Titel heißt? Was ist aus den AA-Games und A-Titeln geworden? Klassifiziert man heute mit dem dreifachen A all die Spiele, die das Budget eines Blockbusters erhalten, gab es eine Zeit, in der es nicht nur Indie- oder 50 Millionen Dollar-Produktionen gab. Das war in der Vergangenheit durch die weniger komplexen Grafiken der Spiele möglich. Heute haben es kleinere A oder AA-Games schwer, da man ihnen das geringe Budget unverkennbar ansieht. Those Who Remain von Entwickler Camel 101 dürfte in die Kerbe der A-Games schlagen. Wir haben uns den Titel für die Sony PlayStation 4, Xbox One, Nintendo Switch, PC und sogar Mac für euch genauer angeschaut und verraten euch, ob Those Who Remain eine gute Figur in seinem Budget-Kosmos macht.

Release (Datum der Erstveröffentlichung)28. Mai 2020
Publisher (Herausgeber)Camel 101, Wired Productions, Whisper Games
Serie-
PlattformenPlayStation 4, Xbox One, Nintendo Switch, PC, Mac
EntwicklerCamel 101
GenrePsycho-Horror

Those who Remain: Silent Wake – Wilder Horror-Mix im Test

Those Who Remain stützt euch direkt in die Narrative des Spiels: Edward hat seine Frau Andrea betrogen. Die Whiskyflaschen türmen sich und die Pistole liegt immer griffbereit. Schuldgefühle zerfressen Edward und leiten ihn dazu an, seiner Affäre die Leviten zu lesen. Als er an ihrem Motel ankommt, muss er allerdings feststellen, das irgendwie irgendwas nicht so ganz stimmen mag. Zum einen ist keine Menschenseele im Motel anzufinden, zum anderen wurde sein Auto vor seinen Augen gestohlen. Edward folgt dem Auto ins Finstere der Nacht – ein folgenschwerer Fehler. Von nun an tummeln sich im Dunkeln von Those Who Remain verunstaltete Gestalten, die nach seinem Leben trachten. Edward beginnt sich auf eine Reise in seine eigene Psyche und sucht nach der Katharsis, die sein Verstand so vehement verlangt.

Die Gruselburschen in Those Who Reamain sind eure stetigen Begleiter.

Wenn ihr jetzt denkt, das klingt ja eigentlich nach einer soliden Horror-Prämisse, dann liegt ihr vollkommen richtig. Those Who Remain bedient sich ausgiebig bei großen Vorbildern und verwirklicht eine bizarre Mischung aus den Genregrößen Silent Hill und Alan Wake. Von Silent Hill leiht man sich den psychologisierenden Aspekt des Spiels, während Alan Wake dem Spiel dankbar seinen Neuengland-Charme und die Licht und Schattenmechaniken schenkt. Licht bedeutet nämlich Leben in Those Who Remain. Tretet ihr in die Nacht, bedeutet das den unausweichlichen Instadeath. Ihr seid also stetig auf der Suche nach neuen Lichtquellen, Schaltern und Sicherungen, um eure Umgebung zu erleuchten und so begehbar zu machen.

Those Who Remain: Gameplay aus der Hölle

So vielversprechend Story und Atmosphäre in den ersten Minuten von Those Who Remain noch anmuten, umso ernüchternder gestaltet sich das eigentliche Spiel. Gameplaytechnisch werden euch in Those Who Remain nicht viele Optionen an die Hand gegeben. Edward kann laufen, ausgewählte Dinge aufnehmen und ein bis zwei Meter weit werfen. Das war es. Selbst bei diesen eingeschränkten Bewegungsmöglichkeiten gestaltet sich die eigentliche Fortbewegung in Those Who Remain nicht ganz einfach. Edward steuert sich wie ein Panzer, der versucht, rückwärts in die viel zu enge Parklücke zu passen, vor der euch eure Mutter immer gewarnt hat. Dreht ihr die Kamera, kommt das Spiel wahnsinnig ins Schwitzen und ruckelt in den meisten Fällen. Praktischerweise ist auch die Sensitivität der Kamera in Those Who Remain so gering eingestellt, dass man während einer einzigen Umdrehung gefühlt eine Tasse Tee aufsetzen könnte.

So hangelt man sich in Those Who Remain von Licht zu Licht, entgeht den finsteren Gestalten und löst ab und an ein rudimentäres Rätsel. Da es so gut wie keine interagierbaren Gegenstände und nur ein kaum auszumachendes Inventar mit Mini-Icons gibt, ist wenig Hirnschmalz vonnöten, um die Aufgaben in Those Who Remain zu lösen. Wirklich schön gemacht sind die Rätsel zudem auch nicht. Wir treffen beispielsweise auf ein von Efeu überwachsenes Auto, drei Meter weiter finden wir eine Spritze mit Unkrautvernichter auf der Straße. Selbst Edward kommentiert, dass das ja ein toller Zufall wäre. Später wird das Geschehen in Those Who Remain noch durch ein euch verfolgendes Monster und weitere kleine Kniffe aufgelockert - zu viel solltet ihr hier aber nicht erwarten.

Those Who Remain: Technik, die entgeistert

Alles noch gerade so verkraftbar, wenn Those Who Remain inszenatorisch ordentlich Dampf machen würde. Leider ist das weit gefehlt von der Realität. Hier wird Klischee an Klischee an Klischee zusammengeklaubt. Nur selten sieht man eine gute Idee in Those Who Remain aufblitzen - aber immerhin gibt es sie. Das Gesamtbild weiß einfach nicht zu stimmen und ist inkonsistent. Manche Schränke lassen sich öffnen, mit manchen kann man nicht interagieren. Man findet ein Feuerzeug, mit dem sich die Dunkelheit vertreiben lässt. Nach der nächsten Ladezeit ist das Feuerzeug verschwunden, Edward sagt er habe es wohl verloren - klar, auf das lebenswichtige Gimmick, gibt man ja auch nicht allzu viel Acht.

Das Diner mit der verwirrenden Speisekarte in Those Who Remain in seiner ganzen Pracht.

Solche Unstimmigkeiten lassen sich auch überall in der Umgebung von Those Who Remain begutachten. Im Laufe des Spiels besucht man beispielsweise ein Diner, in dem überall Pizza, Burritos, Burger, Chicken Nuggets und Sandwiches auf den blanken Tischen liegen. Der Koch des Diners muss nicht nur ein echtes Speisekartenentscheidungsproblem besitzen, sondern vielleicht auch ein wenig Geld in Tablets oder Teller für seine bunte Auswahl an Speisen investieren. An der Wand sind im Übrigen dann Preise für Kaffespezialitäten ausgeschrieben, Essen gibt es hier scheinbar also doch nicht zu kaufen. Kein Zahnrad greift in das Andere. Der Kopf weiß nicht, was die Beine machen und die Hände sind nochmal ein ganz anderes Thema in Those Who Remain.

Ab und an weiß Those Who Remain durch einen guten Einfall zu überzeugen.

Dazu kommen noch diverse technische Schwierigkeiten. In unserem Durchgang konnten wir etliche Wände durchschreiten, aufploppende Texturen und Ruckler sind an der Tagesordnung. Der Sound ist gelinde gesagt experimentell abgemischt und lässt in regelmäßigen Abständen euer Trommelfell zerbersten. Am offensichtlichsten ist allerdings, dass Those Who Remain einfach nicht gut aussieht. Man könnte meinen, es hier mit einem XBox 360 Launchtitel zu tun zu haben und nicht mit einem Titel aus 2020. Those Who Remain ist kein AAA-Titel, das ist klar und auch völlig in Ordnung. Das Spiel muss sich aber den Vergleich gefallen lassen, dass mit ähnlichen Mitteln schon prächtige Spiele entwickelt wurden. Wir mussten während des Spielens oft an das viel gelobte Gone Home denken. Das sieht nicht nur um einiges besser aus als Those Who Remain, sondern schafft es auch mit ähnlichen Spielmechaniken ein funktionierendes und involvierendes Spiel zu erschaffen.

Those Who Remain im Test: Fazit zum schwachen Single-A-Horror von Camel 101

Those Who Remain im Test: Unser Fazit zum Indie-Horror-Titel.

Those Who Remain besitzt, wie in unserer Vorschau zum Horror-Abenteuer von Camel 101 festgestellt, ein grundsolides Fundament, auf dem nun leider einfach ein klappriges Haus aus Holz gebaut wurde. Die Holzarbeiten mögen zwar schneller vonstatten gegangen sein, hier hätte man aber klar die Zeit investieren sollen, um aus beständigem Stein zu bauen. Technisch ist das Spiel für 2020 nicht akzeptabel: Durchgehendes Ruckeln, eine waghalsige Soundabmischung und die an 2005 erinnernde, klobige Optik nehmen dem Spieler jegliche Immersion. Die Grundatmosphäre der Geschichte mit ihren Silent Hill- und Alan Wake-Vibes ist da, aber bei Weitem nicht zu Ende gedacht. So können wir Those Who Remain wirklich nur beinharten Horror-Fans empfehlen.

ProCon
+ Schaurige Alan Wake/Silent Hill Atmosphäre...- ...die durch die schlechte Technik nicht zum Fürchten einlädt
+ Fokus auf die Story...- ...die aber das Rad nicht neu erfindet
+ Nette Licht- und Schatten-Mechanik- Lahmes Gameplay
+ Hier und da interessante Ideen- Grafisch auf dem Niveau von frühen Xbox 360-Spielen
- Inkonsistente Spielwelt
- Experimentelle Tonabmischung 

Rubriklistenbild: © Camel 101

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