jRPG erstmals im Westen

Trials of Mana (Square Enix) im Test: Charmant aus der Zeit gefallen

  • vonDaniel Meyer
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Secret of Mana 2 neu aufgesetzt: Ist das japanische Meisterwerk auch als Neuauflage spielenswert? Was euch erwartet, erfahrt ihr im Test zu Trials of Mana.

  • Trials of Mana kommt nach 25 Jahren als Remake in den Westen.
  • Square Enix setzt auf 3D-Optik und Nähe zum Original.
  • Ob die alten Stärken zum Meisterwerk ausreichen, zeigt der Test zum Spiel.

Tokio, Japan – Trials of Mana, hierzulande besser als Secret of Mana 2 bekannt, hat es bisher nur als Fanübersetzung zu uns geschafft. Das Remake in 3D-Optik sieht prächtig aus, erweist sich aber auch als zweischneidiges Manaschwert. Im Test zu Trials of Mana verraten wir, warum.

Trials of Mana (Square Enix) im Test: Nostalgie und andere Dinge

Die SNES-Ära war vor allem durch japanische Rollenspiele geprägt. Gamer konnten sich zur damaligen Zeit über allerlei Perlen freuen, wie unter anderen Lufia, Terranigma, Secret of Evermore und nicht zuletzt Secret of Mana. Jedoch haben es nur zwei der drei Spiele der Seiken Densetsu-Reihe in den Westen geschafft: Mystic Quest und Secret of Mana. Seiken Densetsu 3, besser bekannt als Trials of Mana bzw. Secret of Mana 2 blieb westlichen Spielern verwehrt. Dies war äußerst schade, bot der Titel für die damalige Zeit doch außergewöhnliche Features. Dazu zählte unter anderen ein Tag-/Nachtzyklus, währenddessen unterschiedliche Monster in der Welt herumstreiften, aber auch das Heldensystem selbst. Nicht nur konnten unsere Helden in mehrere neue Klassen wechseln, auch standen ganze sechs Charaktere zur spielerischen Auswahl, jeder mit einer eigenen spielbaren Vorgeschichte. Mit Trials of Mana erhalten Fans nun die Chance, den Titel nachzuholen, und das in einem prächtigen 3D-Remake. 

Sechs spielbare Helden stehen in Trials of Mana zur Wahl.

Wie schon zur damaligen SNES-Zeit, beginnt das Spiel damit, dass wir uns aus den sechs unterschiedlichen Helden des Spiels insgesamt drei aussuchen. Dazu zählen ein Anführer, sowie zwei weitere für die eigene Party. Diese Charaktere unterscheiden sich zudem auch spielerisch voneinander, was einiges an Wiederspielwert generiert. So sind einige deutlich schlagkräftiger als andere, haben besondere Fähigkeiten wie Heilmagie oder sind besonders ausdauernd unterwegs. Allerdings sind diese Unterschiede schlussendlich eher oberflächiger Natur, und somit nicht mit anderen modernen Genres zu vergleichen, in denen unterschiedliche Klassen gewählt werden können. Zudem haben wir stets die Möglichkeit, zwischen den drei unterschiedlichen gewählten Charakteren zu wechseln, was für zusätzliche Freiheit sorgt.

Trials of Mana im Test: Von Gedudel und Sprachfehlern

Fans von Secret of Mana werden sich zudem sehr schnell im Spiel zu Hause fühlen. Dies beginnt damit, dass die bekannten Klänge des klassischen Soundtracks auch hier wieder aus den Boxen ertönen. Während dies beim ersten Hinhören sehr nostalgisch daherkommt, so ist der gesamte Soundtrack leider nur wenig individuell gestaltet. Die einzelnen Tracks sind sehr repetitiv und wenig abwechslungsreich, sodass schon nach kurzer Zeit das sich ständig wiederholende Gedudel beginnt, die Nervenbahnen zu strapazieren. Dies hält sich zum Glück noch einigermaßen in Grenzen, jedoch ist der Sound ein gängiges Problem des Spiels.

Trials of Mana: Dialoge hui, Lokalisation pfui!

Auch wenn eine deutsche Vertonung leider gänzlich fehlt, so stehen immerhin passende Untertitel zur Verfügung. Allerdings ist die vorhandene englische Synchronisation auch nicht das Maß der Dinge, denn diese erfüllt nicht annähernd die Erwartungen, die man als Fan an Trials of Mana stellt. So fallen die Synchronsprecher nicht nur in der sprecherischen Leistung unterdurchschnittlich aus, auch hinsichtlich der Stimmwahl, stellen diese nicht für alle Charaktere die ideale Wahl dar. Hier gilt es allerdings auch die Lokalisation zu bemängeln, die stellenweise fragwürdige Entscheidungen getroffen hat. Zumindest die japanische Synchro ist gewohnt hochkarätig, sodass auch die Zwergin Charlotte mit ihrer niedlichen Aussprache sehr sympathisch herüberkommt. Im englischen, so wie beim deutschen Untertitel, macht sie hingegen einen zurückgebliebenen Eindruck, da sie hier über prägnante Sprachfehler verfügt. Dies ist eine Anlehnung an die japanische Fassung, die in einer Übersetzung allerdings statt niedlich eher als dümmlich wahrgenommen wird.

Trials of Mana im Test: Wo sind meine Pogopuschel?

Als Fan gibt es wenig Schlimmeres, als wenn die Lokalisation nicht geradlinig arbeitet. Zugegeben, mit Trials of Mana hat man sich stark an der Originalfassung aus Japan orientiert, sodass die Übersetzung streng genommen direkt und genau vonstatten ging. Wer sich allerdings an die deutsche Originalübersetzung des Vorgängers erinnert, der wird hier schnell einige Unterschiede vorfinden. Der Elementargeist des Lichts mit dem Namen „Laterna“ trägt so in Trials of Mana den Namen „Puck“. Irritierenderweise ist dies die deutsche Übersetzung, denn im Englischen trägt er den Namen Lumina, was bei englischer Sprachausgabe durchaus sehr verwirrend sein kann.

Viele Kultmonster sind Teil von Trials of Mana; die heißgeliebten Pogopuschel aber leider nur auf anderen Namen.

Schlimmer hingegen ist ein von Fans geliebtes und ikonisches Monster: die kleinen gelben Hasenmonster, die quasi das Pendant zu den Slimes aus Dragon Quest darstellen, und somit die schwächsten Monster des Spiels sind: Die Pogopuschel. Auch diese Kultmonster haben in Trials of Mana leider einen neuen Namen bekommen, sodass diese fortan als Mümmler anzutreffen sind. Zugegeben, bei Secret of Mana hat sich der damalige Übersetzer bereits viele Freiheiten erlaubt, von denen manche mehr oder weniger geschickt gewesen sind (Fans erinnern sich an die Lindenstraße-Erwähnung), jedoch nach über 25 Jahren sollte hier nur im Notfall eine Änderung vorgenommen werden, insbesondere ist dies unangebracht, wenn Fans diesen Namen derart liebgewonnen haben.

Trials of Mana und seine größte Stärke: Rasante und gradlinige Action

Im Spielverlauf von Trials of Mana bereisen wir die Welt und müssen hier die acht Manasteine und die Elementargeister dieser finden. Denn der Manabaum droht zu verdorren, und wenn dies geschieht, verschwindet auch das Mana aus der Welt. Unterwegs gilt es so in klassischer Action-RPG-Manier uns durch die Reihen unzähliger Monster zu schnetzeln, wofür uns zahlreiche Fähigkeiten zur Verfügung stehen. Die Kämpfe selbst drehen sich allerdings in erster Linie um Timing. So gilt es den Gegnern rechtzeitig mit einer Rolle auszuweichen und auf diese dann geschickt mit Schwert, Speer oder anderen Waffen einzudreschen. Dies geschieht rasant und macht eine Menge Spaß, auch wenn der Schwierigkeitsgrad bei normalen Monstern niedrig ausfällt.

Kämpfe in Trials of Mana sind die größte Stärke.

Da das Gegnerverhalten recht linear vorzufinden und entsprechend vorhersehbar ist – rote Markierungen warnen zudem visuell vor Angriffen – stellen die Kämpfe keine großen Probleme im Spiel dar. Leider sind jedoch auch die eigenen Mitstreiter ebenso stupide im Kampf unterwegs, sodass diese spätestens bei Bosskämpfen eher ein Klotz am Bein sind. Glücklicherweise sind die Bosse jedoch ebenso vorhersehbar, sodass man diese auch ohne Probleme solo erledigen kann.

Trials of Mana (Square Enix): Eine detailgenaue Neuauflage

Wer das Original kennt, der wird vielleicht überrascht sein, wie genau sich der Entwickler beim Remake an der Vorlage orientiert hat. Level, Gegner, Bosse und selbst Dialoge sind nahezu identisch in eine 3D-Welt transportiert worden. Dies ist auf der einen Seite wunderschön und sorgt für Nostalgie, jedoch stellt dies auf der anderen Seite auch ein zweischneidiges Schwert dar. Denn schlussendlich fällt trotz der stark aufpolierten Grafik eines auf: Der Zahn der Zeit hat am Kern des Spiels gar heftig genagt. Gerade Gameplay-Mechaniken, Storytelling, Rätsel und Dialoge zeigen hervorragend, wie altbacken das Spiel an einigen Stellen daherkommt. Darüber kann auch eine hübsche Optik nicht hinwegtäuschen, wenn Rätsel so einfach zu lösen sind, dass die grauen Zellen nicht mal angeworfen werden müssen. 

Trials of Mana im Test: Fazit zur veralteten Neuauflage

Trials of Mana im Test: Remake mit alten Schwächen.

Wer Trials of Mana zur SNES-Ära nie gespielt hat, der bekommt ab sofort die Möglichkeit diese Sünde nachzuholen. Ohne Zweifel handelt es sich hier um ein jRPG mit einer ganz eigenen Sorte von Charme, und das mit einer deutlich aufpolierten Optik, sodass der Titel auch zur heutigen Zeit noch genossen werden kann. Jedoch wird der Titel auch von zahlreichen Problemen geplagt, die ganz natürlich im Laufe der Zeit einhergehen. Dazu zählt eine schwache KI, eine problematische Kamerasteuerung, seichte Dialoge und neben simplen Rätseln auch diverse weitere technische Probleme. Somit ist Trials of Mana vor allem für Nostalgiker und für jüngere Gamer zu empfehlen, jedoch sollte man die Erwartungen auch nicht zu hoch ansetzen. Die Klasse des Originals wird der Titel wohl nie wieder erreichen.

Pro

Con

+ Charmante Optik

- Stellenweise FPS-Einbrüche

+ Ein quasi 1:1-Remake

- Schwache KI-Steuerung

+ Sechs unterschiedliche spielbare Charaktere

- Verwaschene Texturen

+ Ausgezeichnete japanische Synchronisation

- Viel Recycling

- Teils ungenaue Lokalisation

- Schwache englische Synchronsprecher

- Ungenaue Kamera

- Stellenweise mäßig balancierter Schwierigkeitsgrad

- Bildbegrenzung nicht einstellbar – Bereiche am Bildschirmrand abgeschnitten

- Keine Pogopuschel

Jetzt seid ihr gefragt! Wie gut gefällt euch Trials of Mana? Verratet uns eure ganz persönliche Testwertung zum Spiel in der Umfrage!

Rubriklistenbild: © Square Enix

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