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Triangle Strategy im Test: Hochkarätige Rundentaktik mit hohem Widerspielwert

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Von: Daniel Meyer

Triangle Strategy: Die Ablöse für Fire Emblem? Das Taktik-Game schafft es dem Genre seinen ganz eigenen Stempel aufzudrücken und weiß sich zu behaupten.

Wenn man an rundenbasierte Taktik auf Nintendos Heimkonsole denkt, dann kommt vor allem ein Titel in den Sinn: Fire Emblem. Dass Square Enix mit Triangle Strategy einen eigenen Vorstoß wagt, sich mit dem Flagschiff-Titel anzulegen, ist sehr erfreulich. Dabei wagt der Titel von Beginn bis Ende, ganz eigene Pfade zu beschreiten. Ob diese Wege auch zum Stolpern verleiten, erfahrt ihr im Test.

Name des SpielsTriangle Strategy
Release04.03.2022
HerausgeberNintendo
EntwicklerSquare Enix
PlattformNintendo Switch
GenreTaktik

Triangle Strategy im Test: Ein Sturm zieht auf am Horizont des Kontinents Norzelia

Die Geschichte von Triangle Strategy ist in einer Zeit des Friedens und des Wohlstands angesiedelt. Vor Jahrzehnten fanden zwischen den drei großen Reichen der Welt Norzelia die sogenannten Salzeisenkriege statt, in denen es insbesondere um die wertvolle Ressource Salz ging. Doch mittlerweile konnte Frieden geschlossen werden und die Reiche agieren in vermeintlicher Harmonie.

Auch unser Protagonist Serenoa aus dem Hause Wolffort versucht seinen Beitrag zu leisten: Früh im Spiel vermählt er sich mit Frederica von Aesfrost, um die Stützpfeiler des Friedens zwischen den Reichen durch eine Blutbande auszubauen. Doch für unseren Helden ziehen langsam am Horizont die Wolken des Krieges auf und es dauert nicht lange, bis Serenoa und seine Gefährten unerwartet zum Spielball von Intrigen und Machthunger werden.

Pixelkunst trifft auf klassisches jRPG-Design

Die ästhetische Präsentation von Triangle Strategy setzt ganz auf 2D/3D-Pixelgrafik, die sich sehr mit der Optik von Ocotopath Traveler vergleichen lassen kann. Während die Pixelkunst-Texturen oft etwas verwaschen erscheinen – was jedoch am Design selbst liegt und nicht an der Qualität dieser – ist die Gesamtpräsentation sehr stimmig und vermittelt weiterhin ein frisches Erlebnis. Dabei erinnert die Präsentation an klassische jRPGs aus SNES-Zeiten, ohne jedoch sonderlich altbacken zu wirken.

Triangle Strategy im Test: Jeder Zug will wohl überlegt sein
Triangle Strategy im Test: Jeder Zug will wohl überlegt sein © © Square Enix

Triangle Strategy lässt uns die Welt in unterschiedlichen Phasen erleben. In Kämpfen müssen wir unsere Einheiten strikt auf den Kacheln der Kampfplätze dirigieren und den Feind in die Flucht schlagen, oder aber andere Missionsziele – etwa vor einer feindlichen Übermacht fliehen – erreichen. Abseits dieser Scharmützel wird die Geschichte zum einen in Zwischensequenzen erzählt, die in Ingame-Grafik präsentiert werden, und zum anderen finden wir uns in Erkundungsphasen wieder.

In letzteren können wir kompakte Areale der Welt erforschen und uns mit den NPCs unterhalten. Auf diese Weise erfahren wir nicht nur mehr über die Welt, auch kommen wir so an nützliche Informationen die später in Dialogen noch einen Einfluss haben können. Allerdings sind diese erkundbaren Areale wirklich winzig, und kaum größer als die Level in denen wir unsere Kämpfe ausüben.

Komplexe und anspruchsvolle Rundentaktik

Im Vergleich zu anderen rundenbasierten Taktik-Games wartet Triangle Strategy mit einigen markanten Eigenheiten auf. Auch das Kampfsystem ist davon nicht ausgenommen, welches auf das klassische Schere-Stein-Papier-Prinzip bei den Einheiten verzichtet. Stattdessen spielen die individuellen Fähigkeiten der Charaktere eine deutlich essenziellere Rolle. Diese können Mitstreiter buffen, Die Zugreihenfolge beeinflussen, Gegner vergiften und andere Debuffs auslösen, aber auch vieles mehr. Das geschickte Einsetzen dieser Fähigkeiten ist unerlässlich, aber auch das Positionieren der eigenen Einheiten ist ebenso wichtig.

Am Ende eines Zuges haben wir in Triangle Strategy die Möglichkeit die Richtung eines Charakters, in welche dieser blickt, auszuwählen. Dies ist wichtig, denn greift uns ein Gegner von hinten an, erleiden wir kritischen Schaden, aber ebenso können wir diese Mechanik selbst ausnutzen um Richtung Sieg zu schreiten.

Auch Höhenunterschiede, welche die Reichweite von Fernangriffen beeinflussen spielen in Triangle Strategy eine Rolle und selbst Komboattacken sind möglich. Greifen wir einen Gegner von vorne an, während sich ein Mitstreiter von uns auf der gegenüberliegenden Seite befindet, kann dieser in die Zange genommen werden und ein Verbundsangriff wird ausgelöst. Eine effektive Kampfmethode, die allerdings beim Gegner ebenso beliebt ist.

Triangle Strategy im Test: Nicht nur mit Feinden, auch mit Schnee und Eis haben wir zu kämpfen
Triangle Strategy im Test: Nicht nur mit Feinden, auch mit Schnee und Eis haben wir zu kämpfen © © Square Enix

Eine weitere Besonderheit in Triangle Strategy sind die Auswirkungen von Elementen. Mit Eismagie können wir Barrieren herbeizaubern oder den Boden einfrieren und somit Gegner blockieren oder verlangsamen. Mit Feuermagie kann der Boden aufgetaut werden sodass widerrum Pfützen entstehen, und mit Feuermagie können Hindernisse in Brand gesteckt werden. Einheiten die sich über die brennenden Trümmer bewegen erleiden Schaden. Andere Arten von Elementmagie können auch hier wieder Einfluss nehmen, sodass sich durch dieses System ein gutes Stück an Komplexität dem Kampfgeschehen dazugesellt.

Die Sache mit dem Grinding

Was Triangle Strategy wirklich geschickt löst ist der Fortschritt im Laufe des Spiels. Nach und nach Leveln unsere Charaktere in Kämpfen auf, erlernen neue Fähigkeiten und auf Stufe 10 und 20 können sogar die Klassen upgegradet werden. Doch gerade die Kämpfe haben es stellenweise wirklich in sich. Gerade der Schwierigkeitsgrad „hart“ ist sehr anspruchsvoll – wenn auch nicht unfair – und führt gelegentlich bei ungeschickten Zügen zu einer schnellen Niederlage. Um etwas Erleichterung zu bieten hat man sich zwei geschickte Ideen einfallen lassen.

Das Feldlager bietet hier die erste Abhilfe. In diesem können wir im Laufe der Geschichte mit zahlreichen Charakteren sprechen, Informationen erhalten, Charaktere aufwerten, Items kaufen und auch in Übungsszenarien kämpfen. In letzteren können wir nicht nur unser Level hochgrinden, auch erhalten wir nützliche Rohstoffe, welche für das Freischalten von passiven Boni von Charakteren notwendig ist – bspw. mehr HP, höheres Glück oder mehr Schaden durch bestimmte Attacken.

Triangle Strategy im Test: Gelegentlich dürfen wir die Welt selbst erkunden
Triangle Strategy im Test: Gelegentlich dürfen wir die Welt selbst erkunden © © Square Enix

Die zweite Mechanik in Triangle Strategy wirkt dem Grinding direkt entgegen. Sie macht zwar logisch wenig Sinn, hilft Spielern aber ungemein weiter. Scheitern wir bspw. an einer sehr kniffligen Mission, die einfach nicht zu gewinnen ist, so haben auch die Niederlagen etwas Gutes. Denn nach einer Niederlage müssen wir das Scharmützel erneut angehen, behalten jedoch alle Erfahrungspunkte und erlernte Attacken aus dem vorhergegangenen Versuch. Entsprechend werden wir selbst mit Niederlagen immer stärker, was möglichem Frust erfolgreich entgegensetzt.

Tolle Inszenierung mit unterschiedlichen Handlungssträngen

Wenn Triangle Strategy etwas kann, dann eine gut durchdachte und episch-anmutende Geschichte zu präsentieren. Im Laufe des Spiels erleben wir zahlreiche überraschende Wendungen und Geheimnisse, die es zu ergründen gilt. Auch die Charaktere, die mit stellenweise attraktiven Hintergrundgeschichten daherkommen wissen zu überzeugen. Lediglich die Synchronistation ist etwas schwach. Die englische Vertonung und Übersetzung wirkt oft etwas uninspiriert. Insbesondere die Stimme von Serenoa wirkt oft blass und uninspiriert, sodass die japanische Synchro die bessere Wahl ist.

Triangle Strategy im Test: Eine große Story mit vielen Zwischensequenzen...
Triangle Strategy im Test: Eine große Story mit vielen Zwischensequenzen... © © Square Enix

Innerhalb der Story kommt Triangle Strategy zusätzlich mit einer ganz besonderen Mechanik daher, die zudem einen hohen Widerspielwert verspricht. An bestimmten Punkten im Spiel gilt es sich für einen Pfad zu entscheiden. Reisen wir bspw. in das Reich Hyzante oder in das Reich Aesfrost in diplomatischer Mission? Die Entscheidung eröffnet fortan gänzlich unterschiedliche Chancen, Geschichte und Möglichkeiten, aber ebenso können auch andere Charaktere und mögliche Kampfgefährten angetroffen werden.

Doch ein Haken muss vorerst überwunden werden: wir entscheiden nicht alleine. Stattdessen geht es in Serenoas Gesellschaft ganz demokratisch vor sich und jeder Mitstreiter darf mit abstimmen. Zum Glück erhalten wir vor der Abstimmung in Form von Dialogen noch die Chance unsere Gefährten zu überzeugen und die Geschichte in eine bestimmte Richtung zu lenken, sodass der Spielfortschritt nicht gänzlich dem Zufall überlassen wird.

Triangle Strategy im Test: Unser Fazit zum unterschätzten Taktiktraum

Triangle Strategy richtet sich erfolgreich an jeden Fan von Taktik-Games und brilliert dabei gleich in verschiedenen Aspekten. Dies beginnt bei den anspruchsvollen und doch fairen Schwierigkeitsgraden, reicht über die hochkarätige Story und bis hin zu den zahlreichen taktischen Eigenheiten der Kämpfe. Während eben diese Gefechte nie langweilig werden, ist es stellenweise gerade die Balance zwischen Story und Spieler-Engagement, die etwas zu wünschen übrig lässt, überwiegt meist doch die Inszenierung so sehr, dass der Spieler zu lange untätig vor dem Bildschirm sitzt und die üppigen Storyhappen abwartet. Insgesamt macht Triangle Strategy nichts desto trotz eine hochkarätige Figur und kann lange fesseln!

ProCon
- Originelle und frische Optik- Teils sehr begrenzte Areale
- Anspruchsvolle Gefechte- Englische Synchro teils uninspiriert
- Tiefgreifend taktische Möglichkeiten- Story wird teils sehr langatmig erzählt
- Smarte Charakter-Fähigkeiten
- Spannende Story mit verschiedenen Pfaden

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