Vorschau: Vampyr

  • VonDaniel Meyer
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Zum Beginn des aktuellen Jahrhunderts erlebte das Genre Vampirismus einen wahren Aufschwung. Im TV machte Sarah Michelle Gellar in der Serie Buffy: im Bann der Dämonen Jagd auf die Blutsauger und auch bei den Videospielen gab es so manchen herausragenden Titel. Insbesondere Vampire: The Masquerade stach hier besonders hervor und sorgte mit seinem anspruchsvollen und vielschichtigen Rollenspielsystem für zahllose spannende Spielstunden. Auch wenn der Hype um die Fürsten der Nacht mittlerweile stark abgenommen hat, so tauchen sie doch immer wieder auf, auch wenn es sich dabei quasi nur um Gastauftritte wie in Skyrim oder Castlevania handelt. Mit Vampyr plant das Entwicklerstudio Dontnod nun allerdings eine Rückkehr zu den Wurzeln des Genres. Uns wurde gewährt, einen ersten Blick in das Spielgeschehen zu riskieren und wir verraten euch im Folgenden, ob es Potential hat oder ob man dem Game doch lieber den Pflock durch die Disc stoßen sollte.

Zwischen Schatten und Licht

Wie auch in vielen anderen Ablegern des Genres schlüpfen wir in Vampyr in die Rolle eines Vampirs und müssen die Straßen des guten alten Londons unsicher machen. Allerdings klingt dies dramatischer als es tatsächlich ist, denn vielmehr geht es in der Handlung um die eigenen Entscheidungen, die wir als Spieler treffen müssen, denn wir sind im Herzen noch immer ein Mensch. Unser Name lautet Dr. Jonathan Reed und unser Ziel ist es, eine Heilung für unsere Erkrankung, den Vampirismus, zu finden. Dass dies allerdings leichter gesagt als getan ist, wird insbesondere durch die Geschehnisse klar, die sich im Schatten der englischen Metropole abspielen, denn wir sind bei Weitem nicht der einzige Vampir.

Wir schreiben das Jahr 1908 und London ist von den Vorwehen des ersten Weltkriegs und von dem Ausbruch von Krankheiten gezeichnet – eine düstere Epoche. Im Verlauf der Geschichte von Vampyr soll der Spieler auf zahlreiche Charaktere der Spielwelt stoßen, wovon alleine 60 Bürger mit eigenen Handlungssträngen und Geschichten entworfen wurden, auf die unsere Entscheidungen einen starken Einfluss haben sollen. Als Beispiel lassen sich hier der Barkeeper Tom Watts und die Bedienung Sabrina Cavendish nennen, die zusammen eine kleine Bar führen. Töten wir im Verlauf der Handlung Sabrina, führt dies dazu, dass Tom alkoholabhängig wird. Sollten wir hingegen das Ableben von Tom in die Wege leiten, übernimmt Sabrina die Bar. Aber auch wird es möglich sein, beide Charaktere zu töten, was den wohl dunkelsten Weg darstellen dürfte, woraus als Resultat die Bar fortan mit Brettern vernagelt und verlassen wird.

Laut Dontnod habe man gerade bei den Entscheidungen einen großen Wert darauf gelegt, nicht nur die Stadt London zu prägen sondern auch moralisch beklemmende Situationen hervorzurufen. Die Erkrankung des Spielercharakters am Vampirismus stellt dabei eine hervorragende Ausgangslage dar, denn auf diese Weise ist man dazu gezwungen, regelmäßig Blut zu konsumieren. Dabei ist es an uns zu entscheiden, von wem wir trinken wollen. Sollen es die braven Bürger und unsere Patienten sein, die ihr Leben in unsere Hände übergeben, oder doch lieber Feinde, die sich uns im Kampf in den Weg stellen? Zu letzteren gehören unter anderen Vampirjäger, die des Nachts die Straßen nach unserer Art durchforsten und mit Flammenwerfern, Armbrüsten und anderen Waffen ausgerüstet sind.

Während gerade gut-gesinnte Spieler sich hier sicherlich auf das kleinere Übel fokussieren würden, so kommt dies auch mit einem Haken daher. Zwar soll es möglich sein, von Feinden Blut zu trinken, allerdings ist dies nicht annähernd so vorteilhaft wie es bei braven Bürgern der Fall ist. Inwieweit sich diese Vorteile allerdings explizit herauskristallisieren, wollte man uns noch nicht verraten, entsprechend bleibt die Frage offen, ob dies den reinen Durst stillt oder ob auch die Fähigkeiten des Charakters davon profitieren.

Offener Kampf oder aus den Schatten heraus…

Dass Vampire über besondere Fähigkeiten verfügen sollen ist allseits bekannt, und auch in Vampyr werden wir von solchen unsere Vorzüge ziehen können. Dabei gibt es insgesamt drei verschiedene Fähigkeitsarten, welche sich auf die Bereiche Kampf, Stealth und Blut fokussieren. Entsprechend wird es durch eine Spezialisierung möglich sein, den eigenen Kampfstil entsprechend zu fördern. Wollen wir uns im offenen Kampf  unseren Kontrahenten gegenüberstellen, übernatürliche Fähigkeiten auf Blutbasis einsetzen oder doch lieber heimlich, still und leise aus dem Dunkel der Nacht heraus zuschlagen und ebenso schnell wieder in der Finsternis verschwinden?

Etwas schade ist allerdings, dass es keine vollkommen durchgehende Stealthmechanik geben wird. Zwar wird der Spieler durch besondere Fähigkeiten in der Lage sein Feinde zu umgehen oder diese geräuschlos auszuschalten, allerdings offeriert uns das Spiel keinerlei Vorzüge den Titel auf diese Weise abzuschließen. Vielmehr kann dies sogar nachteilig sein. Umgeht man Gegner, so verzichtet man auch auf Gegenstände, die diese mit sich tragen, ganz zu schweigen von den Erfahrungspunkten, die hier winken könnten.

Pros

Cons

Fazit

Das Grundkonzept hinter Vampyr wirkt solide und gut durchdacht und auch optisch macht der Titel durchaus Lust auf mehr. Alleine schon die Möglichkeit, endlich mal wieder als Vampir sein Unwesen treiben zu dürfen, kann mal wieder eine frische Abwechslung von anderen Genres der Videospiel-Landschaft darstellen. Allerdings sei hier auch hervorgehoben, dass uns bislang wirklich nur kleine Happen des Gameplays vorgestellt wurden, weshalb eine klare Einschätzung der finalen Qualität des Spiels äußerst schwierig ist. Vampyr wirkt interessant und wir können gespannt sein, was uns hier final erwarten wird, aber bis dahin heißt es Geduld zu haben und den Knoblauch als Abwehrmaßnahme vorerst im Vorratsschrank zu belassen. Der Titel soll im 4. Quartal 2017 für PlayStation 4, Xbox One und Microsoft Windows auf den Markt kommen.

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