London calling

Watch Dogs Legion im Test: Keine Hacker-Revolution und doch der beste Teil der Reihe

  • Christian Böttcher
    vonChristian Böttcher
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Watch Dogs Legion hat sich Großes vorgenommen. Jeden Bürger von London will Ubisoft zum spielbaren Helden machen. Ob das funktionieren kann, verrät unser Test.

  • Watch Dogs Legion ist am 29. Oktober für PC, PS4, Xbox One und Google Stadia erschienen – Versionen für PS5 und Xbox Series X folgen zum Launch
  • Der Cyberpunk-Thriller von Ubisoft lässt euch in jeden Einwohner des dystopischen London schlüpfen.
  • Ob die ambitionierte Grundidee auch in der Praxis funktioniert, verraten wir euch im Test zu Watch Dogs Legion.

London, Großbritannien – Vom Job ausbrechen und für einen Tag Bauarbeiter, Krankenschwester, Spion oder Berufstrinker sein – für viele ein Traum, der sich nie erfüllen wird. In Watch Dogs Legion hingegen gehört der ständige Tapetenwechsel zum Konzept. Ubisoft lädt ins dystopische London und verspricht, dass ihr in die Haut jedes Einwohners schlüpfen und nur so einer groß angelegten Verschwörung auf die Spur kommen könnt. Ob das ambitionierte „Play-as-anybody“-Feature wirklich funktioniert und Watch Dogs Legion die Kronjuwelen der Reihe hochhält, verraten wir im Test.

Name des SpielsWatch Dogs Legion
Release (Datum der Erstveröffentlichung)28. Oktober 2020
Publisher (Herausgeber)Ubisoft
SerieWatch Dogs
PlattformPC (Getestet), PS4, Xbox One, PS5, Xbox Series X/S, Google Stadia
EntwicklerUbisoft Toronto
GenreOpen World, Action-Adventure

Watch Dogs Legion: Hacker-Abenteuer im Test – Ubisoft liefert Open-World-Überraschung

Watch Dogs ist Ubisofts punkige Antwort auf Hacker-Gruppierungen, Cyberkriminalität und staatliche Überwachung. Daran hat sich im nunmehr dritten Teil der Reihe nicht viel geändert. Auch in Watch Dogs Legion seid ihr in der Third-Person unterwegs, hackt euch unbekümmert durch die Open-World und kommt einer groß angelegten Verschwörung auf die Spur. Alles wie gehabt also? Not quite, innit?

Watch Dogs Legion: Zero Day verübt Anschläge auf London – wer steckt dahinter?

Das Untergrund-Kollektiv DedSec hat offenbar die Reise über den großen Teich angetreten und so macht ihr im neuen Teil nicht mehr die Straßen der guten alten US of A in Form von Chicago oder San Francisco (un)sicher, sondern sorgt nun erstmals in Europa für Ordnung – genauer gesagt im dystopischen London der Neuzeit. Und dort liegt einiges im Argen, das können wir euch versichern.

Ein gewaltiger Anschlag hält die britische Hauptstadt in Atem und ausgerechnet die Hacker-Gruppe DedSec wird dafür verantwortlich gemacht. Natürlich haben die sympathischen Geeks aus der Nachbarschaft, zu denen auch ihr gehört, nicht das Geringste mit den Bombenangriffen zu tun und so beginnt eine wahre Hetzjagd nach dem Ursprung des Terrors. Schnell und schmerzhaft findet ihr heraus,, dass eine gesichtslose Organisation namens Zero Day ihre FInger im Spiel hat.

Doch damit nicht genug, denn nach dem Anschlägen hat die britische Regierung eine private Sicherheitsfirma engagiert, um London wieder sicher zu machen – sehr zum Leidwesen der Bevölkerung, die kollektiv gegen die Unterdrückung durch Albion aufbegehrt. Automatisierte Drohnen und Überwachunssysteme haben die Oberhand in der Stadt übernommen und so erwartet euch ein düsteres London, das dystopische Züge angenommen hat – der perfekte Spielplatz für Hobby-Hacker und Freizeit-Helden.

Die rund 30-stündige Hauptstory von Watch Dogs Legion reißt dabei erzählerisch keine Bäume aus, bleibt dem Watch Dogs-Gedanken aber treu und bietet ein paar unerwartete Twists. Albion, Zero Day und die Regierung: Alle haben es auf DedSec abgesehen und so wird ganz London zum Feind für die Hacker-Organisation. Glücklicherweise verzichtet Ubisoft in Legion auf die pseudo-hippe Social Media-Attitüde aus dem Vorgänger und orientiert sich bei Setting und Atmosphäre deutlich mehr am ersten Teil, der weit erwachsener mit den Thema Überwachung umging.

Watch Dogs Legion im Test: Ganz London wird zum Helden

Anders als noch in den beiden Vorgängern schlüpft ihr in Watch Dogs Legion jedoch nicht in die Rolle eines einzelnen Helden. Stattdessen hält Ubisoft das Versprechen aus dem ersten Trailer, der vor einigen Jahren noch für hochgezogene Brauen sorgte. Wirklich jeder Bewohner von London kann für DedSec rekrutiert und damit zur spielbaren Figur gemacht werden. Zunächst jedoch habt ihr lediglich die Wahl aus 15 Figuren, aus denen ihr eure erste Hacker-Identität herauspickt. Jede davon hat zum Start eine besondere Fähigkeit in petto.

Watch Dogs Legion: Bis zu 45 Agenten könnt ihr gleichzeitig aktiv haben.

Passend zu unserem Skill-Level entschieden wir uns für einen aufstrebenden E-Sportler, der auf Knopfdruck eine hackbare Überwachungsdrohne an seine Seite holt. Doch schon nach wenigen Minuten in Watch Dogs Legion müssen wir weitere Rekruten anheuern, um DedSec zu neuer Stärke zu verhelfen. Vom schlichten Bauarbeiter über einen spielsüchtigen Banker bis hin zum Spion ihrer Majestät ist alles dabei, was das Herz begehrt. Doch per Knopfdruck schließen die neuen Anhänger sich euch nicht an. Ihr müsst schon Überzeugungsarbeit leisten.

Sobald ihr eine Person durchleuchtet und entschieden habt, ihr wollt sie in eurem Team, könnt ihr sie in der Open-World einfach anquatschen und schon erscheint ein neuer Questmarker auf der Karte. Meist geht es darum, den neuen DedSec-Anwärtern einen kleinen Gefallen zu tun. Datenklau, Ausschalten eines Konkurrenten oder ein schlichter Botengang: Diese Mini-Missionen sind schnell erledigt und binnen Minuten ist DedSec um ein Mitglied reicher. Bis zu 45 Rekruten könnt ihr gleichzeitig aktiv haben.

Watch Dogs Legion: „Play as anyone“-Feature im Test – Vom Spion zum Gewohnheitstrinker

Doch warum macht man sich überhaupt die Mühe? Ganz einfach, weil das Leveldesign von Watch Dogs Legion es erfordert. Denn jeder neue Rekrut kommt mit ganz eigenen Fähigkeiten, Vor- sowie Nachteilen, die sowohl in der Open-World als auch im Rahmen von Haupt- und Nebenmissionen wichtig werden können. Diese Traits werden meist nach dem Zufallsprinzip zusammengewürfelt und so kann es durchaus passieren, dass ihr einige Helden links liegen lasst, während andere immer wieder zum Einsatz kommen.

Watch Dogs Legion: Jede Figur kommt mit eigenen Stärken und Schwächen – doch wozu gehört Bier?

Ein Spion beispielsweise bringt seinen eigenen Aston Martin mit eingebauter Stealth-Funktion, kippt dafür aber schon nach wenigen Schüssen aus den Latschen. Der Gewohnheitstrinker Marke Boris Johnson hingegen muss sich im Einsatz immer mal wieder eine Dose Bier einverleiben, avanciert dann im Nahkampf aber zur absoluten Maschine. Genau wie im echten Leben gilt: Talent ist, was ihr draus macht und London bekommt nur die Helden, die es auch wirklich verdient.

Praktisch: Per Knopfdruck könnt ihr problemlos zwischen den DedSec-Rekruten hin- und herwechseln, lediglich unterbrochen von einem kurzen Ladescreen, der euch auf dem PC mit SSD binnen Sekunde wieder ins Spiel bringt. Trotzdem hätten wir uns einen fliegenden Wechsel gewünscht, denn seid ihr im Kampf oder in einer der vielen abgesperrten Zonen von Watch Dogs Legion, müsst ihr leider beim aktuellen Helden bleiben. Das ist aus Balancing-Sicht natürlich logisch, nimmt euch aber auch ein gutes Stück Freiheit beim Experimentieren mit den Figuren.

Watch Dogs Legion im Test: Lascher Schwierigkeitsgrad – Permadeath zieht den Karren aus dem Dreck

Außerdem musste Ubisoft natürlich sichergehen, dass ihr mit jedem noch so talentlosen Bürger in der Lage seid, die Hauptstory abzuschließen. Dementsprechend simpel sind viele der Rätsel- und Shooter-Passagen von Watch Dogs Legion gestaltet. Selbst auf dem höchsten der drei Schwierigkeitsgrade stellen euch Drohnen, Scharfschützen und Co. vor keine große Herausforderung. Nicht zuletzt auch deshalb, weil die Gegner-KI offenbar ein Pint zu viel intus hat, so kopflos wie viele Albion-Schergen sich verhalten – ein Problem mit dem Ubisoft auch in anderen Open-World-Titeln zu kämpfen hat.

Watch Dogs Legion: Im Team-Meeting finden sich all eure Helden zusammen.

Trotzdem funktioniert das „Play as anybody“-System wirklich gut und macht Hoffnung für die Zukunft von Watch Dogs. Denn es kann durchaus passieren, dass euch mal der ein oder andere DedSec-Agent abhanden kommt. Gelegentlich werden eure inaktiven Helden nämlich gekidnapped, erleiden Verletzungen oder landen im Knast. Hier braucht ihr wiederum einen Arzt, Anwalt oder Polizisten, mit dem ihr die Zeit, in denen ein Held nicht verfügbar ist, verringert. Die Jagd nach neuen Talenten für eure Truppe hat also durchaus Suchtpotenzial, dennoch hätten wir uns mehr Konsequenz von Ubisoft gewünscht.

Unserer Meinung nach entfaltet das System nämlich nur dann seine volle Stärke, wenn die Fallhöhe entsprechend hoch ist. Hier kommt dann der optionale Permadeath-Modus ins Spiel, den ihr vor eurem ersten Durchlauf unbedingt einschalten solltet. Beißt einer eurer Rekruten ins Gras, landet er im Regelfall nur im Krankenhaus und ist binnen einer Stunde wieder einsatzbereit – anders beim Permadeath. Verliert ihr hier einen eurer besten Agenten, ist er weg, für immer. Das mag zunächst für Frustmomente sorgen, bedeutet aber auch, dass ihr jeden Schachzug vorausplanen müsst. Und genau darin liegt die große Stärke von Watch Dogs Legion.

Watch Dogs Legion: Kreativ gehackt ist halb gewonnen – Gameplay überzeugt im Test

Schließlich habt ihr in kaum einem anderen Open-World-Spiel eine derart kreative Palette an Werkzeugen, um Missionen abzuschließen, Probleme zu lösen oder absurde Momente zu schaffen. Ein alter Bekannter aus Watch Dogs 2 ist dabei besonders hilfreich: Der Spiderbot. Mit ihm infiltriert ihr ungesehen feindliche Stützpunkte, öffnet Türen, ladet euch Schlüsselcodes herunter oder sorgt für eine lautstarke Ablenkung – ein Schweizer Taschenmesser auf acht Beinen quasi und der beste Freund eines jeden Hackers.

Watch Dogs Legion: Die kreativen Möglichkeiten der Open-World sind gigantisch.

Abseits davon dreht sich in Watch Dogs Legion natürlich alles um das Thema Überwachung. Dementsprechend häufig klickt ihr euch von Kamera zu Kamera, um Gegner zu markieren, neue Perspektiven zu eröffnen oder Albion-Schergen zu belauschen. Das mag aus Gameplay-Sicht nicht immer spannend sein und wer dem recht simplen Hacking-Feature schon in früheren Teilen nichts abgewinnen konnte, wird auch in Legion nicht glücklich. Hat man es dann aber mal geschafft, eine Mission abzuschließen, ohne auch nur einen Fuß in das zu infiltrierende Gebäude zu setzen, fühlt sich das schon verdammt gut an.

Alternativ schleicht ihr euch von Ecke zu Ecke, schaltet Wachen ungesehen aus oder kämpft euch in Manier eines Deckungs-Shooters quer durch die britische Hauptstadt – von Hackney bis Southwark . Auch hier hinterlässt der lasche Schwierigkeitsgrad Spuren, sodass Waffengewalt in der Regel deutlich schneller zum Erfolg führt als Heimlichkeit. Lasst ihr euch trotzdem auf die Gameplay-Mechaniken ein, die Ubisoft anbietet, fühlt ihr euch schnell wie ein waschechter Teil eines Hackerkollektivs – zahlreichen Gadgets, Skills und gelungenem Leveldesign zum Dank.

Größte Schwäche im Gameplay: Watch Dogs Legion ist schlichtweg zu einfach.

Einziger Wermutstropfen bei all dieser spielerischen Freiheit: Alle kreativen Auswüchse eures Gehirns lässt Watch Dogs Legion dann doch nicht zu. Wollen wir beispielsweise unseren ausklappbaren Geschützturm auf einer schwebenden Drohne platzieren, um so ein fliegendes Geschütz zu erschaffen, schiebt uns Ubisoft einen Riegel vor – schade, denn die coolen Gadgets von Watch Dogs Legion laden förmlich dazu ein, das eigene Hacker-Superhirn zu erforschen.

Watch Dogs Legion im Test: London lässt Chicago und San Francisco alt aussehen

Der eigentliche Star von Watch Dogs Legion sind aber nicht die Bewohner von London, sondern die Stadt selbst. Ihr bekommt es hier mit einer stark geschrumpften, aber dennoch eindrucksvollen Variante der Hauptstadt zu tun, die vor Detailreichtum nur so strotzt. Auch wenn nur die wenigsten Gebäude der Großstadt wirklich begehbar sind, wirkt die Metropole so lebendig wie kaum eine andere Stadt in einem Videospiel zuvor. Der Schauplatz von Legion steckt Chicago und San Francisco aus den Vorgängern damit locker in die Tasche.

London ist der große Star in Watch Dogs Legion

Nicht zuletzt deshalb, weil alle bekannten Wahrzeichen im Spiel sind und für die ein oder andere Mission eine prominente Rolle spielen. Doch auch die vermeintlich kleinsten Viertel wecken wohlige Erinnerungen an das Original. Mit seinem wilden Mix aus altbekannten Elementen wie der Architektur sowie den futuristischen Einflüssen in Form wild surrender Drohnen über eurem Kopf, gigantischen LED-Fassaden und der ständig drohenden Präsenz von Albion ist die Stadt an der Themse zugleich Freund wie Feind in Watch Dogs Legion – und das macht richtig Laune.

Innerhalb der Stadt selbst hat Ubisoft wie üblich zahlreiche Sammelobjekte, Nebenmissionen und andere Zeitfresser verteilt, welche die Spielzeit gut und gerne auf 60 Stunden aufblasen können. Doch das meinen wir keineswegs negativ, denn Watch Dogs Legion gelingt der Spagat zwischen Beschäftigungstherapie und der Jagd nach neuen Herausforderungen ziemlich gut. Egal ob Darts im Lieblingspub, Praktikum als Briefzusteller oder ein kleiner Jump `n` Run-Ausflug im Big Ben: Die Nebenaktivitäten machen halten selbst nach Stunden noch bei der Stange.

Im Rahmen kurzer Aufträge könnt ihr außerdem jedes der acht Stadtviertel von London befreien und den Einfluss von DedSec vergrößern. Auch damit schaltet ihr neue Rekruten frei oder sichert euch wichtige Tech-Punkte für ausgefeilte Gadgets. Denn ein klassisches Rollenspiel-System wie es beispielsweise bei den neuen Assassin‘s Creed Anwendung findet, sucht ihr vergeblich. Mit gut versteckten Tech-Punkten, für die ihr kleine Open-World-Rätsel lösen musst, schaltet ihr stattdessen global neue Boni frei. Diese erlauben euch beispielsweise das Hacken von Albion-Geschütztürmen oder das digitale Verschleiern von Leichen – praktisch aber kaum innovativ.

Watch Dogs Legion: Open-World im Performance-Test – AAA-Technik sieht anders aus

Ein digitaler Elefant steht bei Watch Dogs Legion allerdings noch im Raum – und der ist gewaltig. Denn auf technischer Ebene grenzt der Open-World-Hackathon von Ubisoft leider an einen Totalausfall – zumindest, wenn man ihn mit anderen Titeln im AAA-Segment vergleicht. Wir haben das Spiel auf dem PC mit einer RTX 2080 Ti getestet und staunten nicht schlecht ob des gigantischen Grafikhungers, den das Spiel mit sich bringt. 4K war bei uns nur mit Einbußen in der Framerate machbar. Die 60 Bilder pro Sekunde packte Watch Dogs Legion auf höchsten Grafikeinstellungen zwar, doch auf großen Plätzen brach die FPS das ein oder andere Mal weg.

Deutlich problematischer: Selbst mit installiertem Day 1-Patch hatten wir regelmäßig mit Abstürzen zu kämpfen. Ubisoft hat zwar bereits angekündigt, per Hotfix nachzuhelfen, doch die Probleme auf dem PC häuften sich – besonders bei aktiviertem Raytracing. Bleibt abzuwarten, ob diese technischen Mängel auch auf PS5 und Xbox Series X auftreten oder das Spiel für die Next-Gen-Konsolen besser optimiert wurde. Lichtblick sind jedoch die Ladezeiten. Die fallen auf dem PC angenehm kurz aus und befeuern bei uns die Vorfreude auf die neue Konsolengeneration.

Watch Dogs Legion: Bugs, Fehler und Glitches sind keine Seltenheit im futuristischen London.

Auch in der Spielwelt selbst kommt Watch Dog Legion aber nicht ohne Ungereimtheiten daher. Auch wenn euch ein Bugspektakel a la Assassin‘s Creed Unity erspart bleibt, haben sich in unserem Durchlauf eine ganze Reihe Fehler ins Spiel geschlichen. Ob völlig verwirrte Autofahrer, Passanten, die durch Wände spazieren oder Lieferwagen, die beim bloßen Kontakt mit der Straße explodierten und damit eine Mission zum Scheitern bringen: Das digitale London hat dringend einen technischen Optimierungs-Hack nötig.

All diese technischen Schwächen kommen jedoch auch mit einer gewaltigen Kehrseite. Denn Watch Dogs Legion sieht schlichtweg atemberaubend gut aus. Haben wir als Bauarbeiter eine Wartungsdrohne beschworen und uns damit in die Lüfte von London geschwungen, kommt die unfassbare Weitsicht, mit der die Hauptstadt ausgestattet wurde, erst richtig zur Geltung. Matschige Texturen oder nachladende Texturen: Fehlanzeige, auch wenn die Mimik und Gestik der Figuren nicht ohne kleinere Schnitzer auskommt.

Watch Dogs Legion: Dank Raytracing ein echter Augenschmaus

Doch erst mit aktiviertem Raytracing lässt Watch Dogs Legion so richtig die Muskeln spielen. Die neue Technologie frisst euren Grafikspeicher zwar wie Cornflakes, sodass selbst DLSS ins Schwitzen kommt, doch es lohnt sich. Das futuristische London hat schlicht so viele LED-Anzeigen, gigantische Fassaden und Pfützen, dass Grafikfans an Raytracing kaum vorbeikommen. Glücklicherweise bietet Ubisoft das Ganze in drei Stufen an, sodass deutlich mehr Spieler in den Genuss von Raytracing kommen dürften als zuvor.

Obendrauf kommt ein Soundtrack direkt aus dem Herzen der britischen Hauptstadt. Watch Dogs Legion will rebellieren und so erwartet euch im Spiel ein wilder Mix aus Punk-Einlagen, klassischer Musik, Indie-Rock und postmoderner Grime-Kultur. Diese Mischung passt großartig zum sich ständig wandelnden London und wird sogar im Gameplay aufgegriffen, wenn es beispielsweise daran geht, den neuen Song von Grime-Legende Stormzy zu retten.

Watch Dogs Legion im Test: Unser Fazit zum Open-World-Blockbuster von Ubisoft

Watch Dogs Legion im Test: Eine der größten Open-World-Überraschungen des Jahres

Als Watch Dogs Legion auf der E3 2019 mit dem Versprechen angekündigt wurde, dass man jeden Bürger von London spielen werde können, war das Misstrauen groß. Doch ein Jahr später hat Ubisoft die Kritiker zumindest in dieser Hinsicht zum Schweigen gebracht. Das „Play as anybody“-Feature funktioniert tadellos und verleiht der Reihe frischen Wind. Eventuell ist hier eine Idee geboren, die das Genre revolutionieren könnte. Jede Figur, ob Bauarbeiter oder Spion, nimmt ganz eigenen Einfluss auf Story und Gameplay – aktuell fehlt es lediglich noch an Feinschliff und spielerischer Konsequenz.

Trotzdem liefert Legion eine der besten Open-World-Erfahrungen des Jahres. Die kreativen Möglichkeiten, an Haupt- wie Nebenmissionen heranzugehen, sind gigantisch und zahlreiche Gadgets machen jeden Hack zum Erlebnis. Lediglich der lasche Schwierigkeitsgrad nimmt dem neuen System seine Fallhöhe, sodass man unweigerlich versucht ist, jede Situation mit Waffengewalt zu lösen. Glücklicherweise schafft der optionale Permadeath-Modus hier Abhilfe und so war der 30 bis 40-stündige Kurztrip ins dystopische London für uns sowohl optisch als auch spielerisch ein Highlight.

In puncto Story verzichtet Ubisoft auf die platten Social Media-Attitüden aus Teil 2 und so kann die erwachsene Geschichte mit einigen Twists überzeugen, auch wenn die ganz großen Aha-Momente ausbleiben. Watch Dogs Legion nimmt aus den Vorgängern, was gelungen ist und schafft es so mit Leichtigkeit zum besten Teil der Reihe – auch wenn die Performance massiv zu wünschen übrig lässt. Wie üblich gilt: Wer mit den Open-World-Konzepten von Ubisoft nichts anfangen kann, Finger weg! Allen anderen wünschen wir viel Spaß mit einer der größten Überraschungen des Jahres.

ProCon
+ Gelungenes Play as anyone-Feature – jede Figur ist spielbar- Lascher Schwierigkeitsgrad ohne Fallhöhe
+ Gutes Pacing der Geschichte- Massive Performance-Probleme auf dem PC
+ Jede Figur spielt sich spürbar anders- Optimierungsbedürftiger Grafikhunger
+ Erwachsenes Setting statt hipper Social Media-Attitüden- Zahlreiche Fehler, Bug und Glitches
+ Großartig in Szene gesetzte Spielwelt mit Wiedererkennungsfaktor- Schwache Gegner-KI
+ Abwechslungsreiche Nebenaktivitäten und -Missionen
+ Optionaler Permadeath-Modus bringt spielerische Konsequenz
+ Genialer Soundtrack-Mix aus dem Herz von London
+ Grafisch auf Top-Niveau – wie für Raytracing gemacht

Rubriklistenbild: © Ubisoft

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